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V

An einem Sonnabend, als Pelle die Osterstraße hinablief, kam ein Wagen mit Hausgerät vom Lande hereingeschwenkt. Pelle hatte es sehr eilig, mußte das aber doch mitnehmen; der Kutscher saß unten vor dem Fuder, ganz vorne zwischen den Pferden, er war groß und rotwangig und gehörig eingemummelt, trotz der Wärme. »Hallo!« das war ja Schwager Due, Kalles Schwiegersohn! Und oben mitten zwischen allem Gerümpel saßen Anna und die Kinder und schwankten hin und her. »Hallo!« Pelle schwenkte die Mütze, mit einem Sprung hatte er den Fuß auf der Wagendeichsel und saß neben Due, der bei der Begegnung über das ganze Gesicht lachte.

»Ja, nun haben wir das Bauernland satt und woll'n mal versuchen, ob es sich hier in der Stadt besser macht«, sagte Due auf seine stille Weise. »Und hier läufst du ganz wie zu Hause herum!« Es lag Bewunderung in der Stimme.

Anna kam über das Fuder herbeigekrochen und lachte zu ihnen nieder.

»Habt ihr Nachricht von Vater Lasse?« fragte Pelle sie. Das war seine ewige Frage, wenn er Bekannte traf.

»Ja, das haben wir – er ist daran, einen Hof draußen in der Heide zu kaufen. Na, willst du woll artig sein, du Teufel!« Anna langte nach hinten aus, ein Kind fing an zu weinen. Dann kam sie wieder zum Vorschein. »Und wir soll'n auch vielmals von Vater und Mutter und von allen grüßen.«

Aber Pelle hatte keine Gedanken für Oheim Kalles.

»Liegt es droben bei Steinhof?« fragte er.

»Nee, weiter nach Osten zu, bei den Zauberstuben«, sagte Due. »Es is ein großes Stück Land, aber nich' viel mehr als Steine. Wenn er sich da man nich' mit ruiniert – zwei soll'n schon vor ihm dabei Hopps gegangen sein. Er hat sich da mit Karna zusammengetan.«

»Oheim Lasse wird woll wissen, was er tut«, meinte Anna. – »Karna hat woll das Geld 'reingesteckt, sie hat ja was aufgespart.«

Pelle mußte weiter – sein Herz tanzte ihm im Leibe bei dieser Nachricht. Vorbei war es mit aller Ungewißheit und allen schrecklichen Möglichkeiten – er hatte seinen Vater wieder. Und Lasses Lebenstraum war in Erfüllung gegangen, er hatte jetzt die Füße unter den eigenen Tisch gesetzt! Hofbesitzer war er obendrein geworden, wenn man es nicht so genau damit nahm; und Pelle selbst – ja, er war jetzt Hofbesitzerssohn!

Gegen neun Uhr am Abend hatte er alles beiseite geschafft und konnte sich auf den Weg machen; sein Blut pochte vor Spannung. Ob da wohl Pferde waren? – Ja, natürlich, aber ob auch Leute gehalten werden mußten? War Lasse Bauer geworden, der am Ziehtag Löhne auszahlte und des Sonnabends, den Pelzkragen über die Ohren gezogen, zur Stadt kam? Pelle sah sie ganz deutlich die Treppe hinaufkommen, einen nach dem anderen, die Holzschuhe abstreifen und an der Arbeitsstubentür pochen – ja, sie wollten gern um Vorschuß auf ihren Lohn bitten. Und Lasse kraute sich in den Nacken, sah sie bedenklich an und sagte: Nee, auf keinen Fall, ihr versauft es ja doch man. Aber er gab ihnen schließlich doch, wenn es so weit war – man is ja viel zu gutmütig, sagte er zu Pelle.

Denn Pelle hatte der Schufterei Ade gesagt und lebte zu Hause als Hofbesitzerssohn. Eigentlich leitete er ja das Ganze – es durfte nur nicht so heißen. Und auf den Weihnachtsschmäusen schwenkte er die drallen Bauertöchter. Es entstand ein Flüstern in allen Ecken, wenn Pelle eintrat; aber er ging geradeswegs durch die Stube und forderte des Pastors Tochter zu einem Tanz auf, so daß sie den Atem verlor und noch mehr dazu, und ihn bat, sich gleich auf der Stelle mit ihr zu verheiraten. – –

Er lief und träumte; die Sehnsucht trieb ihn vorwärts, und ehe er sich's versah, hatte er die paar Meilen Landstraße zurückgelegt. Der Landweg, den er jetzt einschlug, führte durch Heidehügel und Nadelwald; die Häuser hier drinnen wurden ärmlicher, es war ein weiter Abstand von einem zum anderen.

Pelle schlug nach bestem Ermessen einen Seitenweg etwas weiterhin ein und lief mit weitgeöffneten Sinnen. Die Sommernacht ließ ihn alles nur halb erkennen, aber das Ganze war ihm so vertraulich wie die Stopfstellen in Vater Lasses Westenrücken, obwohl er noch nie hier gewesen war. Die armselige Landschaft sprach zu ihm wie mit Mutterstimme; so sicher wie hier zwischen diesen aus Lehm aufgeklecksten Hütten, in denen arme Urbarmacher mit dem Felsboden um eine Handvoll Erde kämpften, war es sonst nirgends in der Welt. Durch viele Generationen hindurch war dies alles sein, bis zu den Lumpen in den Fensterscheiben und dem alten Gerümpel, das auf das Strohdach hinaufgeschleppt war, um es festzuhalten. Hier war nichts, womit man sich den Kopf zerbrechen brauchte wie anderswo in der Welt – man legte sich getrost hin und ruhte. Aber in all diesem bauen und wohnen, nein, das war nichts für ihn. Dem war er entwachsen, wie man den Röcken seiner Mutter entwächst.

Der Nebenweg ward allmählich zu einer tiefen Wagenspur, die sich zwischen Felsen und Moor hinschlängelte. Pelle wußte, daß er sich nach Osten zu halten mußte, aber dieser Weg ging bald südwärts, bald nordwärts. Er bekam es satt, merkte sich genau die Richtung und lief querfeldein darauflos. Es war schwer, sich hindurchzuarbeiten, das Mondlicht täuschte das Auge so, daß er strauchelte und in Löcher versank, Heidekraut und Wacholder gingen ihm bis an die Taille und hemmten jede Bewegung. Und dann wurde er auch eigensinnig und wollte nicht zu der Wagenspur zurückkehren, sondern stapfte darauf los, so daß er dampfte, kletterte über schräge Felsköpfe, die schlüpfrig waren von dem Taufall auf das Moos, und ließ sich aufs Geratewohl über den Rand hinabfallen. Ein wenig zu spät fühlte er die Tiefe unter sich, es ging wie kalter Zug durch den Magen und veranlaßte ihn wild in die Luft hineinzugreifen nach einer Stütze. Vater Lasse! sagte er klagend und wurde im selben Augenblick von den mächtigen Brombeerranken aufgefangen und sank langsam hinab durch das Flechtwerk, wo Ranke auf Ranke tausend Klauen in ihn hineinhieben und ihn widerwillig weiterlieferten. Bis er vorsichtig tief unten zwischen den scharfen Steinen auf dem Boden einer Schlucht abgesetzt wurde, und schaudernd seinem guten Stern für alle diese Dornen danken mußte, die barmherzig seine Haut geschunden hatten, damit er nicht den Schädel spalten sollte. Dann mußte er sich durch die Finsternis und das rieselnde Wasser da unten vorwärts tasten, bis er einen Baum fand und an die Oberfläche hinaufklettern konnte.

Damit war die Richtung verloren, und als ihm das klar wurde, verlor er auch den Kopf. Von dem sicheren Pelle war nichts mehr übrig, er rannte blindlings vorwärts, um auf den hohen Hügel hinaufzugelangen. Und als er befreit auf den Gipfel hinauflief, um Kenntnis von den Klippen zu nehmen, barst der Boden und schloß sich über ihm in einem fürchterlichen Unwetter, die Luft wurde schwarz und voller Lärm, er konnte nicht Hand vor Augen sehen. Es war wie eine Riesensprengung – durch sein frohes Stampfen auf den Felsen entstanden, die Länder wurden in die Höhe geschleudert und in Finsternis aufgelöst, und die Finsternis selbst schrie vor Entsetzen und wirbelte rundherum. Das Herz in seiner Brust hüpfte mit und raubte ihm den letzten Verstand; er sprang selber in unbändiger Angst und brüllte wie besessen. Über seinem Kopf trieben die schwarzen Massen, so daß er sich ducken mußte, leuchtende Risse kamen und schwanden; es sauste wie Brandung da oben und schrie beständig in einem Höllenwirrwarr von Lauten. Dann warf es sich plötzlich zur Seite, trieb nach Norden hinüber und fiel. Und Pelle begriff, daß er mitten in das Nachtlager der Saatkrähen hineingeraten war.

Er fand sich selbst hinter einem großen Stein. Wie er dort hingekommen war, wußte er nicht, aber er wußte, daß er ein großes Rindvieh war. Wie bequem hätte er nicht an die fünfzig Krähen zerschmettern können, nur indem er ein paar Steine in die Höhe warf!

Er ging an dem Abhang entlang, ungeheuer mutig in seinem Entschluß, aber mit schwankenden Knien. In weiter Entfernung auf einer Klippe saß ein Fuchs und bellte krankhaft im Mondlicht, und da draußen, im Norden und im Süden, sah er einen flüchtigen Schimmer des Meeres. Hier oben hausten die Unterirdischen; wenn man auf die Felsen trat, dröhnte es hohl. Pelle fing an, ruhig zu gehen.

In dem südlichen Ausschnitt lag das Meer im Silberglanz des Mondes, aber als er wieder dahinabsah, war es verschwunden; die Tiefebene war in Weiß versunken. Nach allen Seiten ging das Land unter, Pelle sah staunend, wie das Meer langsam stieg und alle Niederungen füllte. Auch die kleinen Hügel nahm es – einen jeden in einem Bissen – und es nahm den langen Bergrücken im Osten, so daß nur die Tannenwipfel aufragten. Verloren gab er sich jedoch nicht, hinter allen ängstlichen Gedanken lag eine undeutliche Vorstellung von dem Berge Ararat und hielt ihn aufrecht. Aber dann wurde es so sonderbar kalt, die Beinkleider klebten ihm am Leibe fest. »Das sind die Wasser«, dachte er und sah sich ängstlich um: der Fels war in einen kleinen Werder verwandelt, der mit ihm im Ozean schwamm.

Pelle war ein kleiner, handfester Realist, der schon allerlei durchgemacht hatte. Aber nun hatte die Angst einmal sein Blut durchsäuert, und er nahm das Übernatürliche ohne Protest hin. Die Welt war ganz einfach untergegangen, und er selber befand sich im Treiben – draußen in dem entsetzlich kalten Weltenraum! Vater Lasse und die Werkstätte, Manna und des jungen Meisters leuchtende Augen – mit dem allem war es vorbei. Er trauerte nicht, fühlte sich aber so schrecklich einsam. Wohin führte das – und war dies etwa der Tod? Hatte er sich vielleicht vorhin totgefallen, als er an der Felsklippe herabstürzte – und befand er sich nun auf der Reise nach dem Lande der Seligen? Oder war dies der Weltenuntergang selber, von dem er, soweit er zurückdenken konnte, so furchtbar hatte reden hören? Er trieb vielleicht auf der letzten Scholle umher und war der einzige, der noch am Leben war? Es sollte Pelle gar nicht wundern, wenn er obenauf kam, wo alles andere zugrunde ging; selbst in diesem Augenblick der Verzagtheit fand er das im Innern recht natürlich.

Er stand atemlos still und lauschte dem Endlosen; er hörte die Kolbenschläge seiner Pulse, so lauschte er. Und dann hörte er noch etwas mehr; weit da draußen in dem singenden Nichts, das gegen seine Ohren kochte, fing er die Andeutung eines Lautes auf, den schwirrenden Ton von etwas Lebendigem. So unendlich fern und fein er war, fühlte ihn Pelle doch so, daß es ihn durchtrillerte. Es war eine Kuh, die an der Kette nagte, er konnte verfolgen, wie sie den Hals an dem Pfahl auf und nieder scheuerte.

Er lief über die Klippen hinab, fiel und war wieder auf den Beinen – und weiter; der Nebel hatte ihn verschlungen, ohne daß er es wußte. Dann war er unten im Rodeland, dann in etwas, das sich anfühlte wie bekannte Streifen unter den Füßen – Erde, die einstmals umgepflügt gewesen und wieder zu Heide geworden war. Der Laut wuchs und wurde zu all den heimischsten Lauten, wie sie nachts aus einem offenen Kuhstall ertönen – und aus dem Nebel tauchte ein verfallenes Bauernhaus auf. Das war es nun freilich nicht, was Pelle suchte – Vater Lasse hatte ein richtiges Gehöft mit vier Flügeln! Aber er ging doch hinein.

Draußen auf dem Lande schlossen sie nicht alles ängstlich ab, so wie in der Stadt, er konnte geradewegs hineingehen. Sobald er die Tür zu der Stube aufmachte, wogte die Freude in ihm auf. Der traulichste Geruch, den er kannte, schlug ihm entgegen, die Grundlage für alles Riechen – Vater Lasses Geruch!

Es war dunkel in der Stube, das Licht der Nacht konnte nicht durch die niedrigen Fenster dringen. Er hörte das tiefe Atmen der Schlafenden und wußte, daß sie nicht aufgewacht waren – die Nacht hatte sich also noch nicht gewendet! »Guten Abend!« sagte er.

Dann begann eine Hand nach Streichhölzern zu tasten.

»Is da jemand?« fragte eine schlaftrunkene Frauenstimme.

»Guten Abend!« rief er nochmals und trat in die Stube vor – »es is Pelle!« Er stieß den Namen wie einen Singsang aus. »So – du bist es, Junge!« Lasses Stimme zitterte, und die Hände konnten nicht Herr über die Streichhölzer werden; aber Pelle ging dem Laut nach und umfaßte sein Handgelenk. »Und wie bist du hierher in die Wüstenei gefunden – noch dazu bei nächtlicher Zeit? Ja, ja, denn will ich man aufstehen!« wiederholte er und versuchte stöhnend sich aufzurichten.

»Nee, bleib du doch liegen, und laß mich aufstehen«, sagte Karna, die nach der Wand zu lag – sie hatte sich schweigend verhalten, während die Männer die Unterhaltung führten. – »Er hat ja diese Kreuzschmerzen – will ich dir sagen!« erklärte sie und stieg aus dem Bett heraus.

»Ja, ich bin 'n bißchen zu eifrig ins Geschirr gegangen. So geht es ja leicht, wenn man sein eigener Herr is – es wird einem schwer, wieder einzuhalten. Aber das gibt sich auch woll, wenn ich man erst ordentlich in Gang gekommen bin. – Arbeit is 'ne gute Einreibung gegen Kreuzweh. – Und wie geht es dir denn? Ich glaubte beinah' schon, daß du da draußen umgekommen wärst.«

Pelle mußte sich nun auf den Rand des Bettes setzen und von allem in der Stadt erzählen – von der Werkstatt und dem lahmen Bein des Meisters und von dem Ganzen. Aber seine Widerwärtigkeiten verschwieg er; es war nichts für Männer, sich bei so etwas aufzuhalten.

»Aber denn bist du ja gut vorwärts gekommen in der Fremde!« sagte Lasse entzückt. »Und angesehen bist du woll auch?«

»Ja–a!« Es kam ein wenig zögernd heraus. Vorläufig war Ansehen gerade nicht das, wovon er sich am meisten erworben hatte – aber wozu sein Elend ausposaunen: »Ja, der junge Meister mag mich gern, er schnackt oft mit mir sogar über den Kopf des Gesellen weg.«

»Nee, seh mal einer! Ich hab' wirklich oft darüber nachgedacht, wie es dir woll ergangen is und ob wir nich' bald was Gutes von dir zu hören kriegten! – aber es gehört ja Zeit zu allem, versteht sich! – Und wie du siehst, hab' ich mich ja auch sehr verändert.«

»Ja, du bist Hofbesitzer geworden!« sagte Pelle und lachte.

»Den Deuwel auch, ja, das muß ich zugestehen!« Lasse lachte mit, stöhnte aber jämmerlich über die Schmerzen im Kreuz. »Des Tags, wenn ich mich abrackere, geht es mir ganz gut; aber sobald ich mich hinleg', gleich is es da. Und richtiger Teufelskram is es – als wenn die Räder von einem großen Lastwagen über mein Kreuz hin und her gefahren würden, oder wie man es nu nennen will. Na, ja! Fein is es ja doch, sein eigener Herr zu sein! denn so schnurrig is es über mich gekommen, daß mir trocken Brot am eigenen Tisch besser schmeckt als – ja, weiß Gott, ich möcht' sagen, als Kückenbraten an anderer Leute ihrem Tisch. Und denn allein auf seinem eigenen Grund und Boden zu stehen und hinspucken zu können, wo man hinspucken will, ohne erst um Erlaubnis zu fragen. Und der Boden is gar nich' so übel, wenn auch das meiste noch nie unter Menschenhand gewesen is; das hat all' dagelegen und seine Ertragsfähigkeit seit der Erschaffung der Welt aufgespeichert. – Aber nu die Leute in der Stadt, sind die hochmütig?«

Ach, Pelle konnte nicht klagen. – »Wann habt ihr denn eigentlich geheiratet?« fragte er plötzlich.

»Ja, sieh' mal Lasse fing an über seine eigenen Worte zu straucheln, er war gerade auf diese Frage des Jungen gefaßt gewesen. – »Verheiratet auf die Art sind wir ja gerade nich', denn dazu gehört Geld, und die Wirtschaft hier geht vor. Aber es is ja unsere Absicht, versteht sich, sobald wir Geld und Gelegenheit haben.« Lasses ehrliche Ansicht war nun die, daß man die Ausgabe ebensogut sparen könne; wenigstens bis Kinder kamen und forderten, ehelich geboren zu werden. Aber er sah es Pelle an, daß dem das nicht munden würde; der Junge war noch derselbe pedantische kleine Kerl, sobald es sich um Ehrbarkeit handelte. »Sobald wir die Ernte unter Dach haben, laden wir zu einem großen Schmaus ein«, sagte er resolut.

Pelle nickte eifrig. Nun war er Hofbesitzerssohn, und damit konnte er sich den ärmlichfeinen Stadtjungen gegenüber aufspielen. Aber dann durfte man ihm auch nicht unter die Nase reiben können, daß sein Vater mit einer Frauensperson zusammenlebte.

Karna kam mit Essen herein – sie sah den Jungen sehr liebevoll an. »Lang zu und verschmäh' unsere armselige Kost nich', Sohn«, sagte sie und berührte freundlich seinen Arm: und Pelle hieb mit gutem Appetit ein. Lasse hing halb aus dem Alkoven heraus und freute sich.

»Deinen Appetit hast du da unten noch nich' eingebüßt«, sagte er. »Kriegt ihr was Ordentliches zu essen? Karna meinte, es wäre man schlecht damit bestellt.«

»Zum Aushalten is es!« sagte Pelle hartnäckig. Er bereute jetzt, daß er sich an jenem Abend in seiner traurigen Stimmung Karna gegenüber verplappert hatte.

Die Lust zum Essen stieg in Lasse auf, so nach und nach stahl er sich aus dem Alkoven heraus. »Du sitzt ja allein da«, sagte er und setzte sich in Nachtmütze und Unterhose an den Tisch; er hatte sich eine gestrickte Nachtmütze zugelegt, der Zipfel fiel flott auf das eine Ohr herab. Wie ein richtiger, alter Bauersmann sah er aus – wie einer mit Geld im Bettstroh. Und Karna, die hin und her ging, während die Männer aßen, hatte einen rundlichen, fettigen Bauch und ein großes Brotmesser in der Hand. Sie sah so vertrauenerweckend aus wie nur irgendeine Bauersfrau.

Auf der Bettbank wurde ein Lager für Pelle bereitet. Er löschte die Unschlittkerze aus, ehe er sich auskleidete, und die Unterkleider steckte er unter das Kopfkissen.

Er erwachte spät, die Sonne hatte den östlichen Himmel bereits verlassen. Der lieblichste Kaffeeduft erfüllte die Stube. Pelle richtete sich hastig auf, um in die Kleider zu kommen, ehe Karna hereinkam und seine Verfassung sah; er griff unter das Kopfkissen – das Hemd war nicht mehr da! Und auf dem Stuhl lagen seine Strümpfe und waren gestopft.

Als Karna hereinkam, lag er unbeweglich und verschlossen in Trotz da; er antwortete nicht auf ihren Morgengruß und verwandte kein Auge vom Wandschrank. Sie sollte nicht so in seinen Sachen herumschnuppern!

»Ich habe dein Hemd genommen und es gewaschen,« sagte sie ruhig, »aber du sollst es zu heute abend wieder haben. Am Ende ziehst du das solange an.« Sie legte ihm eins von Lasses Hemden auf das Oberbett.

Pelle lag eine Weile da, als habe er nichts gehört, dann richtete er sich verdrossen auf und zog das Hemd an. – »Na, bleib du man liegen, bis du Kaffee getrunken hast«, sagte Karna, als er aufstehen wollte und richtete auf einem Stuhl für ihn an. Und dann bekam Pelle Kaffee ins Bett, wie er geträumt hatte, daß es geschehen würde, wenn Vater Lasse sich wieder verheiratete; und das Böse mußte weichen. Aber die Schande fuhr fort, in ihm zu brennen, und machte ihn wortkarg.

Am Vormittag gingen Lasse und Pelle aus und besahen das Gut.

»Es is woll am besten, wenn wir erst mal rundherum gehen, damit du dir klar darüber bist, wo die Grenzscheide is!« sagte Lasse, der wußte, daß die Ausdehnung den Ausschlag geben mußte. Es war eine Wanderung durch Heidekraut und Ranken und Dornen, in Moor hinein und um steile Felswände herum. Es währte mehrere Stunden, bis sie ihre Runde beendet hatten.

»Das is doch ein schrecklich großes Grundstück«, sagte Pelle immer wieder.

Und Lasse antwortete stolz: »Ja, hier sind über fünfzig Tonnen Land; wenn es man bloß bestellt wär'!«

Es lag als Urboden da, überwuchert mit Heidekraut und Wacholdergestrüpp, durch das sich Brombeeren und Geisblatt schlangen. Mitten in den lotrechten Wänden der Felsen hingen die Esche und der wilde Kirschbaum, sie klammerten sich mit den Wurzeln, die verkrüppelten Händen glichen, an die kahle Wand an. Wilder Apfel, Schlehe und wilde Rose bildeten ein undurchdringliches Gestrüpp, das bereits die Spur von Lasses Axt trug. Und mitten in der Üppigkeit schob der Grundfelsen seine ernste Stirn vor oder kam der Oberfläche so nahe, daß die Sonne den Pflanzenwuchs absengte.

»Das is ein richtiges kleines Paradies,« sagte Lasse – »man kann den Fuß beinah nich' hinsetzen, ohne Beeren zu zertreten. Aber urbar gemacht werden muß es ja, wenn man hier existieren will.«

»Ob der Boden nicht recht mäßig is?« meinte Pelle.

»Mäßig – wenn all das gedeihen und blühen kann?« Lasse zeigte hinaus, da wo selbstgesäte Espen und Birken standen und lustig das blanke Laub im Winde hin und her bewegten. »Nein, aber es wird eine verdammt saure Arbeit werden, es so weit zu bringen, daß man es bestellen kann; ich bereu' es jetzt, daß du nicht zu Haus bist.«

Lasse hatte mehrmals dieselbe Anspielung gemacht, aber Pelle überhörte es. Dies hier war denn doch nicht, was er sich gedacht hatte; er empfand kein Verlangen, auf diese Art den Hofbesitzerssohn zu Hause zu spielen.

»Es kann schwer genug werden, hier das tägliche Brot 'rauszuwirtschaften«, sagte er erstaunlich altklug.

»Ach, das tägliche Brot hier herauszuwirtschaften wird woll nich' so schwer werden – wenn es auch nich' alle Tage ein Festschmaus wird«, entgegnete Lasse gekränkt. »Und hier kann man doch den Rücken gerade halten, ohne daß gleich ein Verwalter kläffend ankommt; selbst wenn ich mich hier auch totarbeiten sollt', bin ich doch aus der Sklaverei 'raus. Und dann mußt du auch nich' die Freude vergessen, die es is, wenn man den Boden von Tag zu Tag unter seine Gewalt kommen und was hergeben sieht, statt daß er nutzlos daliegt. Das is doch woll die vornehmste Aufgabe des Menschen, sich die Erde untertan und fruchtbar zu machen – ich kann mir nichts Besseres denken! Aber du hast da in der Stadt woll den Erdtrieb eingebüßt?«

Pelle antwortete nicht. Aber wenn das etwas Schönes und Großes sein sollte, sich auf einem Stück Heideland zu Tode zu arbeiten, nur damit da einmal etwas anderes würde wachsen können, so war er froh, daß er diesen Erdtrieb nicht besaß.

»Mein Vater und auch dem sein Vater und alle, die ich von unserer Familie gekannt habe, wir haben das all' in uns gehabt, daß wir die Erde verbessern müßten, ohne nach unserer eigenen Behaglichkeit zu fragen! Aber es is gewiß keinem von ihnen in den Sinn gekommen, daß wir einmal böse Worte darüber hören sollten – noch dazu von einem von unseren eigenen Leuten.« Lasse sprach mit abgewandtem Gesicht – so wie Gott der Herr, wenn er zornig auf sein Volk war; und Pelle hatte ein Gefühl, als sei er ein häßlicher Wechselbalg, der dem Allerschlimmsten nachartete. Aber nachgeben wollte er trotzdem nicht.

»Ich würd' wohl gar nich' dazu taugen, hier herumzugehen«, sagte er entschuldigend und sah in der Richtung nach dem Meer hin. »Ich glaub' es nich'.«

»Nein, du hast dich ja von allem losgesagt, du«, entgegnete Lasse bitter. »Aber am Ende bereust du das noch einmal – das Leben da draußen in der Fremde is woll auch nich' lauter Herrlichkeit und Freude.«

Pelle antwortete nicht; er war in diesem Augenblick zu sehr Mann, um das eine Wort das andere nehmen zu lassen. Er verhielt sich prüfend, und sie wateten schweigend weiter. – »Ja, ein Rittergut is es natürlich nich'«, sagte Lasse plötzlich, um der weiteren Kritik den Stachel zu nehmen. Pelle schwieg nur.

Um das Haus herum war der Boden bestellt, und im Umkreis um das bestellte Land verriet die Oberfläche des kräftigen Heidekrautes eine verschwindende Andeutung von Ackerrücken und Furchen. »Das is wohl einmal Kornfeld gewesen«, meinte Pelle.

»Na, daß du das auch gleich 'raus hast!« rief Lasse halb höhnend, halb in Bewunderung aus. »Ein verteufeltes Auge, wahrhaftig, ich hätt' gewiß nichts Besonderes an dem Heidekraut entdeckt – wenn ich es nich' gewußt hätt'. Ja, das is unter Kultur gewesen, aber die Heide hat es wieder zurückerobert! Das war unter meinem Vorgänger, der nahm sich mehr vor, als er überkommen konnt', und dann brach er dabei zusammen. – Aber hier sollst du mal sehen, daß es was hergeben kann!« Lasse zeigte auf ein Stück Roggen, von dem Pelle anerkennen mußte, daß es wirklich gut aussah.

Aber durch die Äcker in ihrer ganzen Länge liefen hohe Kämme von aufgebrochenen Steinen hindurch und erzählten ihm, welch eine fürchterliche Arbeit dieser Boden erforderte, um in Kultur zu kommen. Dort hinter dem Roggen lag frisch aufgebrochenes Land – das sah aus wie gestautes Eis, der Pflug war durch lauter Brocken gewandert. Pelle sah das Ganze und wurde traurig, wenn er an den Vater dachte.

Lasse selbst war unverzagt. »So is es, du, es gehören zwei dazu, um den Pflug zu halten. Karna hat ja solche guten Kräfte, und doch is es, als wenn einem die Arme vom Leibe gerissen würden bei jedem Schlag, den der Pflug tut. Und das meiste muß ja mit Hacke und eiserner Stange gebrochen werden – ein bißchen Niesen is auch hin und wieder erforderlich! Ich brauch' Dynamit, wenn es auch gefährlicher is als Pulver – es schlägt besser in den Grund 'rein!« sagte er stolz.

»Wieviel is hier jetzt in Kultur?« fragte Pelle.

»Mit Wiese und Garten fast zehn Tonnen; aber es soll mehr werden, ehe das Jahr um is.«

»Und bei den zehn Tonnen sind zwei Familien zugrunde gegangen«, sagte Karna, die herauskam, um zu Tisch zu rufen.

»Ja, ja, Gott mach' es ihnen leicht – auf ihre Arbeit woll'n wir jetzt in die Höhe kommen! Die Gemeinde soll den Hof nach uns nich' wieder übernehmen.« Lasse sagte das mit Selbstgefühl, so aufrecht hatte ihn Pelle noch nie gesehen.

»Ganz froh kann ich nu doch nich' immer dabei sein,« fuhr Karna fort – »es is, als ob es Friedhofserde wär', die man bestellte. Der erste, den die Gemeinde hier herauskriegte, soll sich ja aufgehängt haben, wie man sich erzählt.«

»Ja, er hatte eine Heidehütte da drüben, wo du jetzt den Holunderbaum siehst – die is seitdem eingefallen. Ich freu' mich man, daß es nich' hier im Haus geschehen is.« Lasse schudderte sich vor Unbehagen. »Die Leute sagen, er spukt, wenn seinen Nachfolgern was Schlimmes bevorsteht.«

»Das Haus hier is dann später gebaut?« fragte Pelle erstaunt; er fand, daß es so baufällig war.

»Ja, das hat mein Vorgänger gebaut. Er kriegte das Grundstück von der Gemeinde auf zwanzig Jahre frei, dafür mußte er bauen und jedes Jahr eine Tonne Land bestellen – das waren ja nicht die schlechtesten Bedingungen. Aber er nahm zu viel mit einmal vor; er gehörte zu den Leuten, die des Morgens tüchtig beiseite harken und sich schon vor Mittag müde gemacht haben. – Das Haus hat er aber gut gebaut«, Lasse stieß gegen die dünnen, mit Lehm beworfenen Wände, – »und das Bauholz is erster Güte. Ich denke, ich will eine Menge Steine klopfen, wenn es nu Winter wird; die Steine müssen ja doch weg, und es is gar nicht so übel, ein paar Hundert Kronen einzunehmen. Und in zwei, drei Jahren richten wir in dem alten Haus 'ne Scheune ein und bauen uns ein neues Wohnhaus, du, Karna! am Ende mit Keller unter dem Ganzen und mit 'ner hohen Treppe 'rauf, so wie auf Steinhof. Es soll aus unbehauenem Granit sein, die Mauern kann ich selbst setzen.«

Karna strahlte vor Freude, aber Pelle konnte nicht recht in Schwung kommen. Er war enttäuscht, der Sturz aus seiner Phantasie bis zu dieser nackten Wirklichkeit war zu tief. Und dann regte sich etwas in ihm, ein dumpfer Trotz gegen diese endlose Erdarbeit, die – so unerfahren er auch war – durch zehn, zwanzig Generationen festgegründet in ihm saß. Er hatte nicht selbst den harten Kampf mit der Erde gekämpft, aber seit er kriechen konnte, hatte er so ganz selbstverständlich alles verstanden, was die Erdbestellung anbelangte, für jedes Erdgerät hatte er einen angeborenen Griff. Nur die Erdfreude hatte er nicht geerbt; sein Sinn hatte eine neue Richtung bekommen! Und dies unendliche Abmühen mit der Erde saß eingewurzelt in ihm wie ein Groll, der ihm den Überblick verlieh, der Lasse abging. Hier war er nüchtern, er geriet nicht außer Atem über fünfzig Tonnen Land, sondern fragte, was sie enthielten. Er war sich dessen nicht bewußt, aber seine ganze Person strotzte von Widerstand dagegen, Kräfte in diese nutzlose Arbeit hineinzulegen; und sein Ausdruck war so erfahren, als könnte er Lasses Vater sein.

»Hättest du nich' besser getan, eine Häuslerstelle mit zehn Tonnen Land zu kaufen, die in gutem Betrieb sind?« meinte er.

Lasse wandte sich ungeduldig: »Ja, dann könnt' man ja lieber sein Lebenlang sparen und zusammenkratzen, ohne weiterzukommen, von den Vorderstücken abschneiden, um den Hintern damit zu flicken, und am liebsten jedes Ding zweimal essen. Zum Teufel auch, denn hätt' ich ja bleiben können, wo ich war. Dies hier macht ja freilich mehr Arbeit und Kopfzerbrechen, aber denn is da noch 'ne Zukunft bei. Wenn ich dies nur erst in Betrieb hab', wird es ein Hof werden, der es dreist mit allen anderen aufnehmen kann!« Lasse blickte stolz über sein Grundstück hin, in seinem Geist wogte es von Korn und war voll von vorzüglichem Vieh.

»Sechs Pferde und ein paar Dutzend Kühe kann es mit Leichtigkeit tragen!« sagte er laut. »Das bringt Wohlstand! Meinst du nich' auch, Karna?«

»Ich meine, daß das Essen jetzt kalt wird«, sagte Karna lächelnd. Sie war ganz glücklich.

Bei Tisch schlug Lasse vor, daß Pelle seine Wäsche zum Waschen und Ausbessern nach Hause schicken sollte. »Du hast gewiß ohnedies genug zu tun«, sagte er schonend. Schlachter Jensen kommt ja jeden Sonnabend auf den Markt; der nimmt es am Ende für dich mit und setzt es bei der Kirche ab, und es müßt' schnurrig zugehen, wenn am Sonntag nich' irgendeiner hier aus der Heide in der Kirche wär' und es uns mit 'rausnehmen könnte.«

Aber plötzlich wurde Pelle störrisch und konnte nicht antworten.

»Ich dacht' man bloß, es wär' dir nachgerad über, selbst zu waschen und zu flicken«, sagte Lasse langmütig. »In der Stadt hat man woll was anderes im Kopf, und 'ne anständige Arbeit für einen Mann is es ja gerade nich'.« – – –

»Ich will es schon selbst besorgen«, murmelte Pelle abweisend. Jetzt wollte er ihnen zeigen, daß er sich ordentlich halten konnte. Es war auch eine Rache gegen sich selbst für seine Nachlässigkeit, daß er das Anerbieten ablehnte.

»Ja, ja,« sagte Lasse sanft, »ich hab' ja bloß gefragt. Ich hoffe, du nimmst es nich' übel.«

So stark Karna auch war und so willig, an allem teilzunehmen, bedurfte Lasse doch sehr einer Männerhand. Arbeit, zu der zwei gehörten, hatte sich angehäuft, und Pelle sparte seine Kräfte nicht. Der größte Teil des Tages verging damit, große Steine aus der Erde zu heben und sie beiseite zu schleppen; Lasse hatte sich einen Schlitten zusammengezimmert, und die beiden Heidekracken wurden vorgespannt.

»Ja, noch darfst du sie nich' zu genau ansehen«, sagte er und strich liebkosend über die beiden Knochengerüste hin. »Wart man, bis ein paar Monate vergangen sind, dann sollst du mal sehen! – An Courage fehlt es ihnen auch nich'.«

Da war genug zu tun, und der Schweiß triefte an ihnen herunter, aber die Laune war gut. Lasse mußte sich wundern, was für Kräfte der Junge hatte – das war doch endlich mal eine Hilfe! Mit zwei, drei solchen Burschen wollte er es auf sich nehmen, die ganze Einöde auf den Kopf zu stellen. Wieder mußte er sich Luft machen in einem Seufzer darüber, daß er ihn nicht zu Hause hatte; aber auf dem Ohr war Pelle noch immer taub. – Ehe sie sich's versahen, war Karna wieder da und rief zum Abendbrot.

»Ich denke, wir spannen an und fahren Pelle den halben Weg nach der Stadt – als Lohn für seine Arbeit«, sagte Lasse flott. »Wir beide haben auch 'ne Vergnügungsfahrt verdient.« Und die Kracken kamen vor den Bretterwagen.

Es war ergötzlich, Lasse zu sehen, er war ein aufmerksamer Kutscher, und man konnte wirklich nicht anders glauben, als daß er ein Paar Vollblutpferde fuhr. Wenn sie jemand begegneten, raffte er vorsichtig die Zügel zusammen, um bereit zu sein, falls die Pferde scheuten – »sie können so leicht durchgehen«, sagte er feierlich. Und wenn es ihm gelang, sie zu einem kleinen Trab anzuspornen, da war er glücklich. »Sie sind schwer zu halten«, sagte er und tat, als gehörten viele Kräfte dazu. »Zum Kuckuck auch, ich glaub', ich muß den Stangenzaum anlegen!« Er mußte beide Füße gegen die Wagengabel stemmen und die Zügel eine Weile hin und her rücken.

Als der halbe Weg zurückgelegt war, wollte Lasse noch ein kleines Stück fahren und noch ein kleines Ende und dann – ach was, bloß bis an das Gehöft da! Er hatte ganz vergessen, daß es einen morgenden Tag gab mit harter Arbeit für ihn und für die Pferde. Und dann endlich sprang Pelle ab.

»Wollen wir es mit deiner Wäsche nich' doch so machen?« fragte Lasse.

»Nein!« Pelle wandte das Gesicht ab – nun könnten sie doch nachgerade damit aufhören.

»Ja, ja, dann leb wohl, mein Jung', und hab' Dank für die Handreichung. Du kommst woll wieder, so bald du kannst?«

Pelle lächelte ihnen zu und sagte nichts; er wagte nicht, den Mund aufzutun, aus Furcht vor der Unmännlichkeit, die ihm hoch oben im Halse saß. Schweigend gab er die Hand und lief der Stadt zu.


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