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Im Lande der Mitternachts-Sonne

von Paul B. Du Chaillu

Verlag: Ferdinand Hirt & Sohn | Jahr: 1885 | Übersetzer: A. Helms

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Kapitel 46

Anhang II. Geologie der skandinavischen Halbinsel.

Primärgebirge. – Azoische Formation. – Silurische Formation. – Fossilien. – Seltenes Vorkommen der devonischen Formation. – Eruptivgesteine. – Keine mesozoische Formation in Schweden außer Lias und Kreide. – Fehlen der Tertiärformation. – Die Gletscherzeit. – Sand-, Mergel- und Thonablagerungen.

Geologie, jene Wissenschaft, welche uns die Geschichte vergangener Jahrhunderte Blatt für Blatt enthüllt, fügt der Kette ihrer Beweise noch täglich neue Glieder, bis jetzt unbekannte Thatsachen hinzu. So erhellt sie auch mit ihrem Lichte jenen ungeheuren Zeitraum, in welchem die physikalischen Veränderungen der Erde sich vollzogen, und die Entwicklung wie auch der Untergang einer großen Menge animalischer und vegetabilischer Formen vor sich ging, deren Spuren wir heute noch über weite Strecken ihrer Oberfläche verbreitet finden.

Durch einen besonders eigenartigen, höchst interessanten Charakter zeichnet die Geologie der skandinavischen Halbinsel sich aus, ein großer Teil des Landes wurde in einer sehr weit zurückgelegenen Periode über den Meeresspiegel emporgehoben, auch hat keine andere Region verhältnismäßig ausgedehntere Strecken der Primärformation – jener ältesten Rinde unseres Erdballes – aufzuweisen, als gerade Skandinavien.

Der von Professor Erdmann, einem sehr bedeutenden schwedischen Geologen, aufgestellten Behauptung zufolge erstreckte sich ehemals ein tiefes Becken von dem Polarmeere nach Archangel, über das damals noch den Meeresboden bildende Finnland hin bis nach Gotland oder selbst noch weiter. Er stützt sich hierbei auf das Vorkommen von fossilen Muscheln in den Sedimentärschichten, den Thon- und Sandlagern der Ostseeufer und des inneren Schwedens, welche, wie z. B. die Yoldia pygmaea jetzt nur noch unter denselben Breitegraden mit Spitzbergen sich finden. Auf ein in früheren Zeiten strengeres Klima deuten auch die Muschellager an der Küste, von welchen die obersten Überreste arktischer Arten, die mittleren solche gemäßigter Zonen und die niedrigsten solche der jetzt an den Küsten vorkommenden Species enthalten. Professor Lovén fand sogar arktische Meeres-Krustaceen lebend auf dem Boden der sehr tiefen Seen Wetter und Wener, welcher Umstand gleichfalls den Beweis liefert, daß diese beiden Seen ehemals mit dem erwähnten großen Wasserbecken in Verbindung gestanden haben müssen.

Die Grundgesteine sind Gneis, Glimmerschiefer, Hornblende, Chloritschiefer und Quarzit, und kommen die verschiedenen Gneisarten, als roter und weißer Gneis, Hornblende-Gneis u. s. w., am häufigsten vor. Unter den Eruptivgesteinen nimmt Granit die erste Stelle ein, überall trifft man denselben mit Syenit zusammen, während man Pegmatit oder Schriftgranit gewöhnlich in Gängen findet. Glimmerschiefer und Thonschiefer nehmen ein weit geringeres Gebiet ein als Granit und Gneis; dem ersteren begegnet man mehr im Innern des Landes, besonders in Jemtland, in der Nähe von Storsjö und weiter nach Süden zu, dagegen ist Thonschiefer seltener. In einzelnen Gegenden Norwegens, zwischen den Bergen und der Küste, enthalten die azoischen Glimmerschiefer Gänge von Eruptivgestein, vornehmlich Granit und Serpentin, manchmal auch Grünstein und selbst die jüngeren Gesteinsarten sind in dieser Weise durchsetzt, ebenso wie auch Schieferlager die alten Granitberge durchschneiden.

Die Kjölenkette zieht sich, im Norden bei den Skjaeker Bergen anfangend und im Süden in das Faxefjeld auslaufend, an der Grenze entlang. Die Berge im Norden sind nur wenig bekannt; den Kern des mittleren Teiles aber bildet Sparagmit-Sandstein mit Schiefer zu beiden Seiten; Granit und Gabbro aber finden sich sowohl in der Mittelachse, wie auch an den Seiten. Nach Süden zu läuft die Gebirgskette in ein Tafelland aus, welches mit dem Faxefjeld sich bis nach Schweden hin erstreckt.

In dem nördlichsten Teile Norwegens sind die Primärgesteine weniger vorherrschend, meist sind sie von jüngeren Sedimentärschichten: Schiefer-, Sandstein- und Thonlagern bedeckt. In Finnmarken trifft man von Eruptivgesteinen nur Gabbro, Grünstein und Granit; diese jedoch auch nicht in so ausgedehntem Maße wie in anderen Gegenden Norwegens und das mittlere Norwegen zeigt hauptsächlich die Sparagmitbildung mit in breiten Gürteln darüber lagernden Thonschiefer- und Quarzschichten.

Die Dovrekette bildet einen Teil der Küste, verzweigt sich auch in verschiedene Ausläufer, welche vom Romsdal-Fjord aus sich als granitne Parallelwände nach dem Meere hin erstrecken. Der mittlere Teil ist mit Sparagmit durchsetzt, mit Throndhjemschiefer und Glimmerschiefer zu beiden Seiten und Gabbro nebst Granit als Grundlage.

Hornstein (Flint) kommt in verschiedenen Provinzen vor, zuweilen als Schiefer-Pseudomorphose, Pseudomorphosen (Afterkrystalle) sind diejenigen Mineralkörper, welche ohne selbst Krystalle zu sein, die Krystallform eines anderen Minerals zeigen. manchmal auch vollständig amorph amorph = form- und gestaltlos.; dasselbe ist der Fall mit Porphyr. Hyperit und Diorit finden sich gewöhnlich als Stöcke, zuweilen aber auch gangweise im Gneis; Diabas ist gewöhnlich und bildet die Gipfel mehrerer Berge.

In Norwegen wird Hornblende- und Quarzschiefer, grauer Gneis und grüner Schiefer in bedeutenden Massen gefunden; meist besteht die Hauptgrundlage aus Gneis, über welchen die verschiedenen Schieferarten sich ausbreiten, in vielen der großen Granitketten werden auch bedeutende Steinbrüche auf Feldspat betrieben.

Sämtliche Erze Schwedens kommen in der ältesten azoischen Formation vor – Kupfer, Nickel, Eisen, Silber, Kobalt, phosphorsaurer Kalk und Gold in geringer Menge, in einigen Gegenden ist das Eisen titanhaltig, wird auch gelegentlich unmittelbar an der Oberfläche gefunden.

Die silurische Formation ist im mittleren Schweden am meisten entwickelt und ist die Reihenfolge der Schichten: Gneis oder eine andere primäre Formation, Sandstein, Alaunschiefer mit Stinkstein, roter oder grauer Kalkstein, Thonschiefer und als oberste Lage eruptiver Melaphyr (Trapp); manchmal fehlen auch die Kalkstein- und Thonschieferschichten, der Melaphyr lagert alsdann unmittelbar auf dem Alaunschiefer und zwar in diesem Falle stets in horizontaler Richtung.

Die unteren silurischen Straten, aus Sandsteinkonglomerat und grauem Schiefer bestehend, zeigen meist eine mehr oder weniger horizontale Lage; an einzelnen Stellen jedoch, wie z. B. an dem Wettern-See, eine sehr starke Neigung; Ursache hierbei ist die Hebung der darunter lagernden Felsmassen.

Hier vorkommende charakteristische Fossilien sind unter den Brachiopoden: Strophomena depressa, unter den Cephalopoden: Orthoceras, und unter den Articulata: die Trilobiten, die gewöhnlichsten aller Fossilien.

Die ältere Formation bildet häufig sanft geneigte Tafelländer, welche an manchen Stellen eine Mächtigkeit von 600 m besitzen, nach Süden zu aber allmählich dünner werden, um schließlich unter jüngeren Schichten zu verschwinden. Dictyonema-Schiefer und Kalkstein zusammen mit Quarz kommt in den hohen Bergregionen in zwei mächtigen Etagen vor – die untere mit Glimmerschiefer manchmal auch mit Alaunschiefer, die obere mit verschiedenartig gefärbtem, oftmals quarzhaltigem Schiefer verknüpft.

Thonschiefer findet man in Lagern von 300 m Mächtigkeit und über demselben Kalkstein in verschiedenen Schichten, zuweilen überdeckt von Kalksandstein – an einer Stelle Kalkbreccien, an der anderen harten Sandstein mit in demselben enthaltenen Trilobiten.

Die oberen silurischen Schichtengruppen unterscheidet man am besten nach den in ihnen enthaltenen Fossilien, Korallen, Meerespflanzen u. s. w., so findet man silurische Schichten mit Dictyonema bei Hulberget 1200 m über dem Meeresspiegel und solche mit Olenus bei Tunsås in der Nähe von Valders in einer Höhe von 750 m.

Daß die silurische Formation ehemals weit größere Ausdehnung besessen, dies wird durch das Vorherrschen der Mergelschichten bewiesen, indem diese hauptsächlich aus Kalkkarbonat bestehen, welches von den früheren silurischen Kalksteinen herstammt, auch findet man Bruchstücke und Blöcke dieser letzteren noch heute in manchen Gegenden verstreut. Über der jüngsten silurischen Kalksteinformation lagert eine mehr denn 300 m mächtige Schicht roten und grauen Thonschiefers, welche, vermutlich der Devonformation entsprechend, keine Spuren organischen Lebens enthält. Die Devonformation ist, was sich an den charakteristischen Fossilien erkennen läßt, nur auf drei Inseln des Mälarsees vorhanden, die Steinkohlenformation aber fehlt vollständig.

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Der Ansicht des Professor Kjerulf zufolge giebt es auch jüngere Eruptivgesteine als die krystallinischen Granite, Syenite und Porphyre und in der That treten in der Nähe des Christiania-Fjord in den hohen Bergregionen, sowie dicht an der Grenzlinie ganz bedeutende Eruptionen von Serpentingranit, Grünstein und Syenit hervor.

An einzelnen Stellen sind Vertiefungen und Spalten in den Gneisschichten mit Konglomeraten und Sandstein ausgefüllt. Die gewaltigen Massen Eruptivgranits aber bilden hohe zerklüftete Berge, zumeist mit großartigen, steil abfallenden Wänden, deren starre Nacktheit in einem seltsamen Gegensatz zu der Fruchtbarkeit der Schiefergebiete steht. In den großen Granitterrains finden sich einige wenige Marmorlager, umgeben von Labradorit; ebenso sind sehr stark schwefelhaltige Eisen- und Kupferkiese nicht ungewöhnlich. Die die oberste Ablagerung bildenden silurischen Marmor- und sonstigen Kalksteinschichten besitzen eine Mächtigkeit von etwa 270 m und enthalten zahlreiche Fossilien wie z. B. Favosites, Encrinites, Mactra u. s. w.

Von den mesozoischen Formationen findet sich Trias, mittlerer und oberer Jura, sowie Wealden nicht in Schweden, Lias (Rhät) kommt nur in dem südlichsten Teile in der Nähe von Höganäs vor und besteht die ziemlich mächtige Schicht aus Sandstein, Thonschiefer und Kaolin, mit eingelagerten Steinkohlenflötzen, deren bedeutendstes indes nur eine Stärke von 1? m zeigt. Diese Formation ist arm an Fossilien, doch hat man eine typische Art, die Avicula inaequivalvis, hier angetroffen.

Kreide findet sich nur vereinzelt im Südosten und Süden von Schweden; die älteren Schichten zeigen zum Teil weißlich grauen Kalkstein, welcher vielfach Bruchstücke der Mießmuschel umschließt, andere Strecken bestehen aus sandigem Kalk, untermischt mit Seladonit (Grünerde), die jüngeren Schichten aber aus Kalkstein mit Kreide und Feuersteinknollen dazwischen. Unter den hier vorkommenden Fossilien ist auch die Familie der Brachiopoden mit der Crania ignabergensis vertreten.

Von den Veränderungen der Erdoberfläche, welche nach dem Ausgang der silurischen Periode sich in der alten und der neuen Welt vollzogen, ist Schweden fast völlig unberührt geblieben; die Devonformation hat nur leise Spuren hinterlassen, während die mesozoische Formationsgruppe, in anderen Ländern in so ausgedehntem Maße vertreten und von so hervorragender Bedeutung, nur im südlichen Teile Schwedens nachweisbar erscheint. Wenn aber auch keine Spuren der Tertiärformation in Schweden anzutreffen sind, so bietet dafür die posttertiäre Formation dem Geologen um so mehr des Interessanten.

Die posttertiäre Formation von Schweden und Norwegen läßt erkennen, daß, ungeachtet der großen Veränderungen der Erdoberfläche, welche sich in den südlicheren Teilen des europäischen Festlandes vollzogen, die skandinavische Halbinsel sich doch bis zu einer verhältnismäßig erst kurz verflossenen Zeit ihre alte relative Höhe über dem Meeresspiegel fast unverändert bewahrt hat, mit Ausnahme freilich der Lias- und Kreidegebiete im Süden des Landes. Wie bei dem amerikanischen Festlande, so wurden zu Beginn der Posttertiärepoche auch die nördlichen Regionen Europas über den Meeresspiegel emporgehoben, gleichzeitig mit dieser Erhebung des Landes aber trat ein Sinken der Temperatur ein, infolge dessen das ganze Gebiet sich mit Eis bedeckte – die Eiszeit nahm ihren Anfang. Hierauf folgte ein abermaliges Sinken des Landes unter den Meeresspiegel, woran – der Champlain-Epoche amerikanischer Geologen entsprechend – die vermehrte Bildung von Meeren, Seen und Flüssen sich schloß, dann jedoch fand wiederum eine Hebung des Landes statt – die sogenannte Terrassenepoche –, welche der Erdoberfläche ihre gegenwärtige Höhe und Gestaltung verlieh. Die posttertiäre Periode war für Europa wie auch für Nordamerika ein Zeitraum gewaltiger Schwankungen – zuerst aufwärts, dann abwärts und wieder aufwärts, um hierauf verhältnismäßig feststehend zu bleiben.

Die Schichten losen Materials, welche sowohl die Ebenen wie auch die Thäler und Flußbette füllen und auch zahlreiche Plateaus bedecken, sind zweierlei Art. Diejenigen, welche den früheren Wasserstand, gewöhnlich 150 bis 180 m über dem jetzigen, erkennen lassen, enthalten Thon und Sandstein und bergen einen großen Reichtum an Seemuscheln, sowie Fossilien aus den arktischen Meeren, die höheren Lagen dagegen, aus Kies und Sand bestehend und ohne ausgedehnte Thonlager, zeigen keinerlei Meeresfossilien.

Wie bereits erklärt, fehlen in Schweden und Norwegen – mit Ausnahme der in Schonen (Skåne) und Blekinge vorkommenden Lias- und Kreideschichten, sowie der wenigen mesozoischen Ablagerungen in dem äußeren Norden der Provinz Finnmarken – die geologischen Formationen zwischen der Steinkohlen- und der posttertiären Periode vollständig; die posttertiäre Formation ruht unmittelbar auf der paläozoischen, und die azoischen Felsmassen besitzen hier eine größere Ausdehnung und bedeutendere Mächtigkeit denn in irgend einem anderen Lande von gleichem Umfang. Während der Eiszeit lag ganz Skandinavien unter dem Eise begraben und die ungeheuren Gletscher haben ihre Spuren in dem durchfurchten Lande, den streifig ausgehöhlten Felsen, den tiefen Thälern, ausgedehnten Fjorden und ungeheuern Moränen zurückgelassen. Von dem Meeresspiegel bis zur Spitze der höchsten Berge sind die Felswände von tiefen Furchen zerrissen, ihre Flächen vollkommen glatt geschliffen; die Felskanten sind in roches moutonnées verwandelt und Felsblöcke lagern in einer Höhe von 1500 m über dem Meeresspiegel, ebenso trifft man Moränen – die Ansammlung loser Massen, wie ungeheure Steine, kantige Felsblöcke, Kies, Sand und Thonerde –, welche von den schmelzenden und zurückweichenden Gletschern übrig geblieben, überall in verschiedenen Höhen bis hinauf zu den Spitzen gewaltiger Bergwände.

Als das Eis im Innern des Landes schmolz, blieben viele Thäler auf eine lange Zeit hinaus mit Eis gefüllt, während die Gletscher mehr und mehr zurückwichen. An denjenigen Punkten, wo sie für eine längere Weile festen Stand behielten, bildeten ihre Moränen einen Damm gegen das Wasser, wodurch dieses nicht nur eine größere Tiefe erlangte, sondern auch die Ablagerung der hier und da in Thälern sich zeigenden Thonschichten ruhig vor sich gehen konnte.

Die Beschaffenheit des Bodens richtet sich in den verschiedenen Gegenden vollständig nach der geologischen Bildung der Berge, über welche die Gletscher ihren Weg genommen, und so erscheint in manchen Teilen des Landes Thon, in anderen Kalk vorherrschend.

Auf die Eisperiode folgte die Zeit der Sandablagerungen – der Beginn der Champlain-Epoche amerikanischer Geologen – und an diese schloß die Ablagerung der diluvialen Thonschichten sich an. Solche Sandrücken sind in Schweden sehr allgemein, die merkwürdigsten unter ihnen befinden sich bei Badelundsås, bei Westerås, Brunkeberg und bei Stockholm; auch die berühmten Erdhügel bei Upsala liegen am Ausgang eines solchen Dammes. Sie zeigen in ihrer Zusammensetzung verschiedene Schichten, deren unterste aus grobkörnigem Kies und dazwischen zerstreuten gerundeten Steinen, die obere aus Sand mit eingebetteten Thonen besteht, erheben sich oftmals bis zu einer Höhe von 30 bis 80 m über das umliegende Land und erstrecken sich von Nord nach Süd. Andere aus dieser Zeit stammende Ablagerungen sind Sand als Küstenformation oder in seichtem Wasser, weiter Mergelschichten und Thon ohne Beimischung von Kalk oder Magnesia in einem tiefen, ruhigen, arktischen Meere gelagert, und schließlich der einer späteren Zeit – da das Meer schon anfing sich in seine gegenwärtigen Grenzen zurückzuziehen – angehörende schwarze Thon mit seinen Varietäten in Blau und Grau. Der Sand ruht unmittelbar auf dem Kies der Eisperiode, von welchem er sich durch seine schichtenweise Lagerung wie auch durch seine ausgewaschene Beschaffenheit sofort unterscheidet; die Thon-, an einzelnen Stellen auch die Mergelschichten aber bilden die unterste Ablagerung, und die hier gefundene fossile Muschel ( Yoldia glacialis) liefert den Beweis, daß das Meer, welches diese Thonschichten absetzte, ein arktisches gewesen.

Der über dem Mergel lagernde Thon ist schwarz, geht aber allmählich in gewöhnlichen Thon über und sind die hier vorkommenden fossilen Muscheln dieselben, die in lebendem Zustande in der Ostsee sich finden, z. B. Tellina baltica, Cardium edule und Mytilus edulis.

Mitten in diese Thon- und Sandlager eingeschlossen trifft man auch große Steinblöcke, welche vermutlich auf Eisbergen hierher und so in die sich bildenden Lager gelangt sind, dasselbe ist auch der Fall mit den sogenannten erratischen Blöcken, deren man eine große Menge in Skandinavien findet.

In den oberen Thon- und Sandschichten, besonders in denjenigen an der Westseite des Landes, sind fossile Muscheln der in der Nordsee oder noch weiter nördlich lebenden Arten häufig und enthält ein solches Muschellager bei Kapellbacken, nahe bei Uddevalla, neben vielen anderen auch Pecten islandicus.

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Die Eiszeit und ihre Wunder.

Bildung der skandinavischen Fjorde. – Bewegung der Gletscher. – Terrassen. – Erhebungen und Senkungen des Landes in der Neuzeit. – Eisberg- und Gletschertheorieen. – Ungleiche Bewegungen und Stillstandsperioden. – Veränderungen im Klima und in der Verteilung des pflanzlichen und tierischen Lebens.

Längs der ganzen Küste Skandinaviens, vornehmlich derjenigen Norwegens, bahnen sich unzählige tiefe, enge Meeresarme – Fjorde genannt – oftmals hundert Kilometer weit, einen Weg durch gewaltige, den ältesten Formationen angehörende Felsmassen. Die norwegischen Fjorde übertreffen die schwedischen bei weitem an Schönheit und Großartigkeit; jene stolze Erhabenheit, das charakteristische Merkmal des schönen Norwegens, lagert über ihnen; mit einem Gefühl scheuer Ehrfurcht staunt der Beschauer die mächtigen, viele hundert Meter über den Meeresspiegel emporragenden Felswände an und unwillkürlich drängt sich ihm die Frage auf: welchen Ursachen verdanken diese herrlichen Wasserwege ihre Entstehung? Die Meeresströmung ist nicht derart, daß durch sie ihre Bildung veranlaßt sein könnte; es bleibt also nur die Annahme, irgend ein gewaltiges Naturereignis habe hierbei eine Rolle gespielt, und doch erweist sich auch diese Voraussetzung als eine irrige.

Ausnahmslos befindet sich am Ende eines jeden Fjords ein Thal mit einem Strome darin, welcher die von den Bergwänden kommenden Gewässer aufnimmt. Meistens findet sich auch in kurzer Entfernung vom Fjord ein tiefer See, dessen Umgebung ganz den Fjordcharakter trägt. Diese Thäler sind in jeder Beziehung eine Fortsetzung der Fjorde, nur ist hier Land, dort Wasser; beide aber durchschneiden das feste Gestein und dasselbe ist bei den Abzweigungen der Fjorde und Thäler der Fall.

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Norwegischer Fjord.

Überall gewahrt das Auge an den Felswänden die durch die Gewalt des Eises entstandenen Furchen und Rinnen, wie auch den durch dasselbe bewirkten Schliff, ebenso bemerkt man zahlreiche Moränen von solcher Ausdehnung, daß sie oftmals Felder und ganze Dörfer tragen, alles dies jedoch legt Zeugnis davon ab, daß die Fjorde gleich den Thälern durch die Gletscher in die starren Felsmassen gehöhlt worden sind. Wenn man nun die ungeheure Höhe der Berge und dazu die häufig gleich große Tiefe der See in Anschlag bringt, so erscheint es unmöglich, sich einen Begriff zu bilden von dem unendlichen Zeitraum, dessen die Gletscher bedurften, um auf ihrem langsamen, aber unaufhaltsamen Vorrücken dem Meere zu, dies übergewaltige Werk zu vollbringen; gleichzeitig aber erhält man nur hierdurch eine Ahnung von dem unwiderstehlich gewaltsamen Einfluß, welchen das Wasser in der Form von Eis auf die Gestaltung der Erdoberfläche ausgeübt haben muß.

Bis auf den heutigen Tag rücken in Norwegen die Gletscher am oberen Ende der Fjorde vorwärts dem Meere zu, stumme, aber unantastbare Zeugen des Werkes, welches sie vollbracht und noch immer weiter fortsetzen. Sobald sie wieder zurückweichen, hinterlassen sie Monat für Monat an den Felsen genau dieselben Spuren, welche schon vor Jahrtausenden ihren Weg gezeichnet und wenn auch an vielen Stellen Zeit, Kälte und atmosphärische Einwirkungen diese Gletscherspuren verwischt haben, oder der Schmutz und der Schutt von Jahrhunderten sie dem Auge gewöhnlicher Sterblichen entziehen, so sind sie dem Geologen trotzdem deutlich erkennbar.

Eine andere, bei einer Fahrt längs der Fjorde, an Thaleinschnitten oder den geschützten Buchten der norwegischen Küste vorüber, sofort in die Augen fallende Eigentümlichkeit sind die Terrassen, welche, riesigen Stufen gleich, amphitheatralisch über einander ansteigen und auf eine ununterbrochene Hebung des Landes und verschiedenen mehr oder weniger lang andauernden Stand des Meeres deuten, unter dessen Oberfläche die hier mündenden Flüsse und Ströme die in ihrem Laufe mitgeführten Stein-, Kies-, Sand- und Thonmassen ablagerten.

Bei vielen Fjorden trifft man auch Thäler von geringer Ausdehnung mit steil abfallenden Wänden, deren Eingang eine oder auch zwei Terrassen mit darüber lagernden Blöcken und Steinen, sowie den aus der Eiszeit zurückgebliebenen Sandmengen versperren, und dienen diese Becken vielfach zur Bildung von Seen.

Die höchsten Terrassen, von den Moränen durch ihre Stratifikation unterschieden, bezeichnen den ältesten Meeresstand und richtet sich die Höhe derselben nach der Breite des Thales, nach der Menge des abgelagerten Materials, sowie auch nach der Dauer des allmählichen Sinkens der Wasser. Die ältesten, welche Fossilien aus den Polarmeeren enthalten, zeigen eine Höhe von 180–190 m, Seemuscheln und Muschellager zweier verschiedener Faunen kommen auch in den Thonschichten vor; in den harten Thon- und Mergellagern dagegen hat man die Überreste von Seehunden und Fischen gefunden, während in den Ebenen ausgedehnte Torflager eine häufige Erscheinung bilden. Die niedrigeren, jüngeren Terrassen, deren Höhe etwa 15 bis 45 m beträgt, bergen Fossilien, welche der gegenwärtigen Fauna der unterhalb des Polarkreises an der norwegischen Küste gelegenen Regionen angehören, parallel mit der Küste dehnen sich auch ungeheure Lager von Seemuscheln aus, häufig, wie z. B. bei Bodö, von einer schwarzen Dammerde überzogen, und unterhalb dieser jüngeren Terrassen stößt man häufig auf Torflager.

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Zeichen früherer Fluthöhe bei Drontheim.

Aus Kieselsteinen gebildete Strandlinien trifft man in verschiedenen Teilen des Landes, ich habe solche an den nördlichen Ufern der Ostsee in dreifacher Reihe über einander mitten in einem Koniferenwalde gefunden und ebenso an der Küste von Finnmarken, hinter Vadsö.

Auch Spuren früherer Fluthöhe bemerkt man an verschiedenen Punkten der norwegischen Küste und erscheinen sie besonders auffallend in der Nähe von Drontheim in einer Höhe von 130–160 m, bei Stensö am Stavanger-Fjord, am Oster-Fjord 42 m über dem Meere, ebenso auch am Alten-Fjord, doch stimmen diese Zeichen nicht ganz mit der Höhe der umliegenden Terrassen überein, sondern scheinen vielmehr lediglich durch die Bewegung der Meereswogen hervorgebracht und müßten viel häufiger sein, wenn sie nicht durch den Einfluß von Zeit und Kälte an vielen Orten verwischt worden wären. Die Terrassen, die Strandlinien, sowie auch die Flutzeichen, dies alles zusammen deutet auf eine gewaltige Hebung des Landes während der Terrassen-Epoche und auf dazwischen liegende lange Ruhepausen, aber wenn auch die oben erwähnten Thatsachen auf eine der gegenwärtigen Periode unmittelbar vorangehende Erhebung des Landes hinweisen, so sind ebensowohl Beweise vorhanden, welche für darauf folgende lokale Senkungen sprechen, wie sich denn z. B. bei der Insel Gotland, in geringer Entfernung von den jetzigen Uferklippen, mehrere nun überflutete steile Buchten befinden, welche man bei der außerordentlichen Klarheit des Wassers sogar vom Ufer aus deutlich zu erkennen vermag.

Beobachtungen, welche man in Schweden an den Ufern der Ostsee, für eine Reihe von Jahren, vermittelst an den Felsen angebrachter Zeichen angestellt hat, ergaben den Beweis, daß der nördliche Teil des Landes emporsteigt und zwar im Verhältnis von 75 cm in hundert Jahren, während der südliche Teil um ebenso viel sinkt. Längs dieser See von Ystadt nach Trelleborg und Falsterbo zieht sich ein bemerkenswerter Kamm hin, welcher vermutlich durch das plötzliche Heben des Landes im Norden und das gleichzeitige Sinken desselben im Süden, verbunden mit einer gewaltsamen Thätigkeit des Meeres, vor langen Zeiten hervorgebracht wurde; damals muß auch der Riß entstanden sein, welcher Skandinavien von dem nördlichen Deutschland trennt.

Vor diesem Zeitpunkte bildeten die beiden ein zusammenhängendes Festland; auf der Stelle, wo jetzt die Meereswellen rauschen, entfaltete sich reiches Pflanzenleben, wanderten Tiere und Menschen hin und her und war der südliche Teil dieses Festlandes vermutlich der tiefer gelegene, der nördliche, noch mit Eis bedeckt, zuerst von Menschen, wahrscheinlich einem Geschlecht von Jägern, bewohnt.

Alle Versuche, die Dauer des Zeitraumes, dessen diese gewaltigen Umwälzungen zu ihrer Vollendung bedurften, auch nur annähernd festzustellen, haben bis jetzt ein unbefriedigendes Resultat ergeben, so viel nur ist erwiesen, daß die Hebungen und Senkungen in ungleichmäßiger Weise stattgefunden, daß auch häufig Perioden vollständigsten Stillstandes oder wenigstens sehr langsamer Hebung – Perioden, deren Länge sich in keiner Weise berechnen läßt – dazwischen getreten waren. Ebenso weisen alle Schätzungen, welche auf neuerdings unternommene Beobachtungen sich stützen, immer nur auf einen ungeheuren Zeitraum hin, vermögen indes eine bestimmtere Auskunft in keiner Weise zu geben.

Einige Geologen, welche die Theorie einer völlig ununterbrochenen Bewegung des Landes verfechten, betrachten diese Erhebungen freilich als Zeitmesser. Den von ihnen aufgestellten Berechnungen trat jedoch Theodor Kjerulf, Professor der Geologie in Christiania und Schöpfer der besten geologischen Karte Norwegens, in seinem, gelegentlich der im Juli 1873 in Kopenhagen stattgehabten Versammlung skandinavischer Naturforscher, gehaltenen Vortrage: »Die Erhebung Skandinaviens als Zeitmesser betrachtet« auf das entschiedenste entgegen und lautete der Inhalt seiner Rede in kurzem etwa folgendermaßen: »Es steht außer allem Zweifel, daß die skandinavische Halbinsel, vorzugsweise auf der schwedischen Seite, einer zwar unregelmäßig und mit außerordentlicher Langsamkeit vor sich gehenden, aber doch stetigen Erhebung unterworfen ist; daß auch in geologischen Zeiten ähnliche Erhebungen sich vollzogen, dafür legen die aufgefundenen Seemuscheln, die Skelette von Walfischen, die Thon- und Sandlager, sowie die in beträchtlicher Höhe über dem gegenwärtigen Meeresstand und weit landeinwärts befindlichen Terrassen und Strandlinien deutlich Zeugnis ab.« Weiter fuhr er fort: »Die höchsten Spuren an den Bergen oder in den Thälern sind nur die Abteilungsstriche an der Sonnenuhr der Zeit; sie künden nur den Beginn eines neuen Abschnittes, einer frischen Bewegung; der gegenwärtige Wechsel in der Höhe von Wasser und Land aber ist der Zeiger der Uhr.« Zur Erklärung zahlreicher rätselhafter Erscheinungen an den verschiedenen Küsten, besonders aber derjenigen Skandinaviens, muß – so unbefriedigend sie auch im ganzen sich erweist – die Eisbergtheorie dennoch zur Ergänzung der Gletschertheorie in Anspruch genommen werden, ihrer Annahme zufolge versank die Halbinsel langsam unter dem arktischen Eise, ihre Oberfläche wurde von den überfluteten, unter der Wucht des Eises zermalmten Bergen zerrissen und durchfurcht, dann aber stieg das Land langsam wieder bis zu seiner jetzigen Höhe empor. Die gegenwärtig stattfindende Erhebung beträgt, den angestellten Beobachtungen nach, im Durchschnitt 75 cm im Zeitraum eines Jahrhunderts oder 180 m binnen 24 000 Jahren; da die Furchen noch in einer Höhe von 1800 m anzutreffen sind, so würden also 240 000 Jahre erforderlich gewesen sein; da nun aber obendrein diese Theorie eine zweifache Bewegung – ein Sinken und ein Erheben – jede von 1800 m annimmt, so würde sogar ein Zeitraum von 480 000 Jahren nötig gewesen sein und dieser obendrein unter der Voraussetzung einer steten Gleichheit der Bewegung. Gerade diese letztere Voraussetzung aber trifft nicht zu, unzählige Beweise deuten vielmehr darauf hin, daß relativ rasche Bewegungen mit verhältnismäßig langen Ruhepausen abwechselten, daß folglich die Bewegung eine ungleichmäßige, intermittierende gewesen. Der Umstand, daß das Schwemmland keinerlei Meeresfossilien enthält, die in der Regel fast übereinstimmende Richtung sowie die ungeheure Zahl der Furchen, ferner die Thatsache, daß eine Depression ein wärmeres, nicht aber ein kälteres Klima im Gefolge hätte haben müssen, dies alles spricht zu Gunsten der Gletscher- und gegen die Eisbergtheorie. Die ältesten Muschellager, welche Fossilien von mehr arktischem Charakter als die jetzigen enthalten, sind ausnahmslos hoch – etwa 150 m über dem Meeresspiegel –, während jüngere Muschellager mit Fossilien von der Art der jetzt lebenden sich 30 bis 50 m über dem Meere befinden, kurz: »Überall gewahrt man Spuren stufenweiser Bewegung mit dazwischen liegenden Zeiten des Stillstandes, welche jenen gewaltigen Muschelmengen gestatteten sich an der Küste abzulagern, doch mag eine ruckweise, plötzliche Bewegung jenen Ruhepausen gefolgt sein.«

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Terrassen als Zeichen früherer Meereshöhe.

Was die Terrassen in den Thälern anbetrifft, so findet man sie freiliegend – aus dem durch die Flüsse angeschwemmten Material bestehend –, niemals in größerer Höhe denn 180 m über dem Meeresspiegel. Wäre die Bewegung in ununterbrochen gleichmäßiger Weise vor sich gegangen, so müßte eine fortlaufende geneigte Ebene entstanden sein anstatt dieser Terrassen, so aber »dienen diese als Beweis einer stufenweisen, ruckweisen Bewegung, an welche ein Zeitraum relativer Ruhe sich schloß«. Da diese Terrassen nur bis zu einer Höhe von 180 m reichen, die über ihnen befindlichen Furchen von Gletschern, nicht von Eisbergen herrühren, so erscheint die Theorie einer doppelten Bewegung überhaupt hinfällig und das Land hätte zu seiner Erhebung demnach nicht 480 000 Jahre, sondern der Höhe von 180 m entsprechend, nur einen Zeitraum von 24 000 Jahren nötig gehabt. »Wenn wir«, fährt der gelehrte Professor weiter fort, »von dieser Zahl die auf eine verhältnismäßig rasche Veränderung deutende Höhe der Stufen in Abzug bringen und dagegen die sanft geneigten, anscheinend fast horizontalen Flächen in Anrechnung setzen, welche die intermittierenden Zeiten allmählichen Ansteigens kennzeichnen, so bleibt nur ein Bruchteil, ein sehr kleiner Bruchteil jenes gewaltigen Zeitraumes übrig.«

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Torghatten aus der Entfernung gesehen.

Von den Terrassen unterschieden sind die Strandlinien, die Spuren früherer Meeresbuchten, welche an Bergwänden sich finden. Diese Buchten stehen lediglich mit einer örtlichen Höhe der Meeresfläche im Zusammenhang, während die Terrassen von der Höhe des Meeresspiegels im allgemeinen, von der größeren oder geringeren Menge des durch die Flüsse herbeigeführten Materials, sowie von rascheren Veränderungen abhängig erscheinen. Der Ansicht Kjerulfs zufolge kann, da das höchste Niveau dem Polarmeere angehört, der geologische Zeitraum vor der Eisperiode nicht mehr denn 24 000 Jahre betragen haben, wie er denn weiterhin sagt: »Die Bewegung hat sich stufenweise, vielleicht mit schwächer und schwächer werdenden Anläufen bis heute fortgesetzt.«

Eine besondere Merkwürdigkeit hat die Insel Torgö aufzuweisen, hier erhebt sich der berühmte Torghatt zu einer Höhe von 230 m, etwa 100 bis 120 m über dem Meeresspiegel aber befindet sich der natürliche Tunnel, dessen Höhe von 16 bis 88 und dessen Breite zwischen 10 und 25 m mißt. Bei der Herstellung dieses Naturwunders muß notwendigerweise die See eine thätige Rolle gespielt haben, denn nur die Gewalt der Wogen vermochte eine so ungeheure Masse festen Gesteines hinweg zu räumen; ebenso trifft man ähnliche Tunnel noch auf Moskenäsö, Grytö und Senjen.

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Torghatten-Tunnel.

Merkwürdig ist auch der außer allem Zweifel stehende Wechsel des Klimas; so liefern die aufgefundenen Fossilien den unumstößlichen Beweis, daß ganz Skandinavien – selbst die Regionen jenseits des Polarkreises und des Nordkaps – sich einstmals, zu Ausgang der Tertiärperiode, eines gemäßigteren Klimas erfreute, eines Klimas, so warm wie dasjenige Englands oder Frankreichs; Farnen, Koniferen, Eichen, Kastanien, sowie andere Waldbäume gediehen in reicher Fülle auf Spitzbergen, auf der Bären-Insel u. a. m. Diese jetzt von Schnee und Eis starrenden Inseln konnten damals, ihrer Bodenbeschaffenheit wie auch ihrem Klima nach, Säugetieren zum Aufenthalt dienen und ebenso dem Menschen, wenn es solche in diesem Teile der Welt zu jener Zeit überhaupt gab.

Nach der Tertiärperiode trat mit der Erhebung des Landes die Eiszeit ein, allmählich verschwanden die Wälder, die Tiere wandten sich dem Süden zu; als dann die Kälte des Klimas einen immer höheren Grad annahm, hörte die Vegetation endlich ganz auf und mit ihr entschwand, des nötigen Unterhaltes beraubt, auch das tierische Leben fast vollständig. Nur das Renntier und der Bisamochse, sowie einige andere nordische Arten blieben übrig und mögen Zeugen gewesen sein der schreckensvollen Eiszeit, aber selbst diese mußten, bei weiterem Vordringen der Gletscher nach Süden zu, entweder wärmeren Regionen sich zuwenden oder gleich den anderen ihr Leben lassen.

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Skandinaviens Gletscher und Firne.

Gletscher südlich und nördlich vom Polarkreis. – Verschiedenheit der Schneegrenze. – Entstehen und Wachstum der Gletscher.

Unerreicht und ohne seinesgleichen steht Norwegen da, hinsichtlich der Menge und der Größe seiner Gletscher, wie auch der ungeheuren Felder ewigen Schnees, unter den Ländern Europas. Diese Schneefelder werden von den Norwegern Snebrae, Snefonn (Mehrzahl Snebraeer, Snefonner) genannt, d. h. Quell oder Urquell – Firn oder Gletscher (franz. névé).

Die bedeutendsten Felder ewigen Schnees innerhalb des Polarkreises sind:

Jedki, auf der Insel Seiland, zwischen 70° und 71°, dessen Gletscher fast bis zum Meere sich erstrecken.

Jökel am Kvaenanger-Fjord, unter 79° nördl. Br., mit bis zum Meere reichenden Gletschern.

Zwischen dem Lyngen- und dem Salten-Fjord, unter 67°–70°, dehnen sich längs der Küste mehrere Snefonner, welche weder in Büchern genannt sind, noch auf Karten sich verzeichnet finden, darunter der schnell wachsende Gamvikbön.

Alkavare am Kjölen-Gebirge nahe dem 68°.

Ålmajolos, östlich vom Süd-Folden-Fjord, unter 67°–68°.

Sulitelma, östlich vom Salten-Fjord, nördlich vom 67°, an der schwedisch-norwegischen Grenze.

Svartisen, zwischen dem Ranen- und dem Salten-Fjord, der zweitgrößte Snefonn Skandinaviens; zum größten Teil jenseits des Polarkreises gelegen, hat er eine Länge von etwa 70 km und bedeckt ein Gebiet von etwa 100 km2.

Südlich vom Polarkreise liegen:

An den Oxtinden gerade unterhalb des Polarkreises, südlich vom Ranen-Fjord, einige kleine Gletscher; die Oxtinden selbst sind 2075 m hoch.

Auf dem Dovre Fjeld erhebt sich Sneehaettan zu einer Höhe von 2560 in, südlich davon der Skreahö 2100 m; nordwestlich liegen einige andere Gipfel, etwa 2000 m hoch, hier und da von kleineren Schneefeldern umkleidet.

Die Surendals Kette, östlich von Christiansund und nördlich vom Dovre, hat einige kleinere und mehrere große Snefonner.

Ebenso weist die Sundals Kette, östlich von dem Fjord gleichen Namens, mehrere kleine Gletscher auf.

Die Romsdals Fjelde besitzen einige Snefonner.

Der Jostedalsbrae, der größte aller skandinavischen Fonner, liegt zwischen dem Nord-Fjord und dem großen Sogne-Fjord und hat eine Ausdehnung von 130 km2 An der Südostküste Islands befindet sich ein noch größerer Gletscher, der Vatnajökul, welcher ein Gebiet von etwa 380 km2 bedeckt., und sendet in alle herangrenzenden Thäler bedeutende Zweige herab, darunter 24 Gletscher ersten Ranges.

Östlich von Jostedal liegen auch große, wenig erforschte Schneefelder, die sich gegen die Jotunfjelden hin erstrecken, die wildeste und höchste Berggruppe Skandinaviens, mit großen Feldern ewigen Schnees.

Die Hardanger Kette mit einer Reihe großer Schneefelder, welche nach Hallingdal und Röldal sich ausdehnen. Darunter der große Gletscher Hardangerjökulen.

Die Folgefonn, am Sör-Fjord, einem Arme des Hardanger, ist der am weitesten südlich gelegene Snefonn und hat einen Umfang von 24 km2.

Außer den hier aufgeführten finden sich kleinere Schneefelder überall verstreut.

Die Grenze des ewigen Schnees ist sehr verschieden. Auf der Insel Seiland in Finnmarken, unter 70° 30', befindet sich dieselbe 880 m über dem Meeresspiegel; in den Dovre-Bergen, unter 62° 30', 1600 m; am Nord-Fjord, unter 61° 47', 1230 m; am Befringsdalen ( Jölster) unter 61° 32', 1090 m; am Lundedalen ( Jölster) unter 61° 32', reicht sie ebenso tief herab wie in Seiland unter 70° 30', nämlich 840 m; an dem Ausgang des Esefjord ( Tjugum) unter 61° 17', 1240 m; Betlefjorden ( Tjugum) unter 61° 22', 2000 m; bei Bojumsdalen ( Fjaerland), unter 61° 30', findet sich die Schneelinie tiefer als im nördlichsten Teile Skandinaviens, nämlich 750 m; bei Langedalen ( Hafslo), unter 61° 24', 1020 m; bei Tunsbergdalen ( Jostedal), unter 61° 30', 1390 m; am Jostedal (landeinwärts), unter 61° 34', 1420 m; bei den Jotun-Fjelden, deren nördlicher Teil südlich von Ottavandet, unter 61° 40', 1400 m; am Folgefonn mit Eidesnuten, südwestlich vom Odde Vand, unter 60° 3', 1050 m, bei Blådalsholmene, unter 59° 55', 1200 m; bei Gjerdesdalen, unter 61° 8', 756 m über dem Meeresspiegel.

Derjenige Gletscher, welcher am dichtesten zur See hinreicht, ist nächst dem Jökel, der Suphellebrae auf Fjaerland; seine Entfernung vom Meeresrande beträgt nur 55 m.

Die Gestaltung des Landes wie auch das Klima Norwegens sind der Bildung von Gletschern und Schneefeldern ganz besonders günstig. Die Gletscher reichen südwärts bis zu 61° 20', doch finden sie sich fast alle an der westlichen Seite der Halbinsel, nicht außerhalb des dem Meereseinfluß ausgesetzten Gebietes. Der Wind vermittelt vom Meere her die beständige Zuführung von Feuchtigkeit in Form von Schnee und Regen, welche dann, angesichts der Berge, deren Höhe wie auch der Jahreszeit entsprechend, einer mehr oder weniger raschen Kondensation entgegengeht, übrigens bilden die großen Schneefelder Norwegens ungeheure Hochflächen, aus welchen hier und da zerstreut eine Bergspitze oder ein Hügelkamm emporragt.

Ungeheuer ist der Zeitraum, dessen ein Gletscher zu seiner Entstehung und Weiterbildung bedarf. Auf vielen Bergen gelangt in einer gewissen Höhe der im Lauf des Jahres fallende Schnee nie völlig zum Schmelzen, dieser übriggebliebene Schnee aber, welchen jedes neue Jahr mit frischen Schichten bereichert, bildet den Firn der Gletscher; wäre indes die Temperatur immer gleich niedrig und bliebe der Schnee stets mürbe, so würde zwar im Laufe der Zeit die Schneemenge eine fabelhafte Höhe erreichen, das Entstehen von Gletschern wäre jedoch eine Unmöglichkeit, denn die Mitwirkung der Wärme ist bei Bildung derselben unumgänglich erforderlich.

Infolge ihrer Lage im hohen Norden stehen die Eisfelder Skandinaviens während der Sommermonate unter dem Einfluß mächtiger, langandauernder Sonnenwärme und geht zu dieser Zeit das Schmelzen von Schnee und Eis in bedeutendem Maße vor sich. Im Frühling und auch zu Anfang des Herbstes wird die Schneemenge obendrein durch Regengüsse vermindert, das geschmolzene Schneewasser sickert dann durch die Schichten, der Frost aber backt die gelockerten Eisteilchen zu einer dichten Masse zusammen, indes die unteren Schichten sich durch den Druck in kompaktes Gletschereis verwandeln; ist dabei die Masse des jährlich schmelzenden Schnees größer denn der Ersatz an frischem Schnee, so muß der Gletscher natürlich an Umfang verlieren, er weicht zurück, anstatt vorzurücken; ist das Gegenteil der Fall, so rücken die Gletscher selbstverständlich wieder vor. Bis auf den heutigen Tag trifft man in Norwegen ebensowohl zurückweichende wie vorrückende Gletscher, während in der Schweiz die Gletscher seit einer Reihe von Jahren im Zurückweichen begriffen sind. In Skandinavien ist die Zahl der Gletscher südlich vom Polarkreis am größten, auch besitzen sie dort den bedeutendsten Umfang.

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Klima in Skandinavien.

Der Golfstrom. – Meerestemperatur. – Vorherrschende Winde. – Gewitter. – Höchste Temperatur an der norwegischen Küste. – Die kältesten und die wärmsten Monate. – Temperatur im südlichen und im nördlichen Schweden. – Vergleiche zwischen der Temperatur in Haparanda, Stockholm, Petersburg, Kopenhagen, Christiansund, Yarmouth und Valentia.

In einem der früheren Kapitel hat bereits die so eigenartige Vegetation Schwedens und Norwegens eine Besprechung gefunden, unerläßlich bleibt deshalb nun auch ein Blick auf die klimatischen Verhältnisse, deren Beobachtung ungemein viel des Interessanten bietet, denn naturgemäß muß sich in dieser Hinsicht in einem Lande, welches wie die skandinavische Halbinsel sich von 55° 20' bis zum Nordkap unter 71° 10' nördl. Br. erstreckt, eine überaus große Verschiedenheit geltend machen, abgesehen davon, daß ein Vergleich mit anderen unter den gleichen Breitegraden gelegenen Ländern noch ganz besonders auffallende Eigentümlichkeiten hervortreten läßt. Skandinavien besitzt einen bedeutenderen Umfang denn irgend ein anderes europäisches Land, Rußland natürlich ausgenommen, und begreift einen Flächeninhalt von 761 013 km2; eine Linie quer von Norddeutschland durch Frankreich und Spanien gezogen, würde der Länge der skandinavischen Halbinsel entsprechen, deren größte Breite indes nicht mehr denn 1100 km beträgt.

Der Golfstrom, welcher die Küste Norwegens umspült, verhindert die Eisbildung, nur das obere Ende der Fjorde, da wo das Wasser, infolge der von den Gletschern kommenden Zuflüsse, eine niedrigere Temperatur zeigt, ist mit einer Eisdecke überzogen. Die beifolgenden Karten lassen die Temperatur des Meeres zwischen Norwegen, Schweden, Schottland und Island erkennen, und zwar ist von September bis Mai der Wärmegrad des Wassers höher als derjenige der Luft, während von Anfang Juni bis zu Ende August das Gegenteil der Fall ist. Im Sommer ist der Golfstrom nach Süden zu am wärmsten, und beträgt am Skagerrak die Durchschnittstemperatur während der Monate Juni, Juli und August 13,5°, an einzelnen Stellen nahe am Ufer gar 19°. Die Strömung ist weiter nach Norden zu am stärksten, der Wärmegrad am höchsten an der norwegischen Küste zwischen Lindesnaes und Lyster, d. h. zwischen 57° 59' und 58° 6', wo die mittlere Temperatur 7° bis 7,5° zeigt, um weiter nach dem Nordkap hin auf 5° und 6° zu fallen und weiter nach Osten hin immer mehr an Wärme zu verlieren. Die Meerestemperatur erreicht ihre Maximalhöhe im August und ihren Minimalstand im Februar, in beiden Fällen nicht mit dem Steigen und Sinken der Luftwärme zusammentreffend; am bedeutendsten sind die Schwankungen an der Südküste Norwegens, am geringsten dagegen weiter nach dem offenen Meere zu, und zwar im Verhältnis zu der Zunahme der Meerestiefe. Während der Winterszeit macht sich der Einfluß des Golfstromes am deutlichsten bemerkbar, indes im Sommer die Sonnenhitze ihre Wirkung auf die Luftströmungen ausübt und, da dieselbe weiter landeinwärts stärker hervortritt als an der Küste, eine veränderte Depression, sowie nördliche Luftströmungen verursacht.

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Meerestemperatur während der Monate Dezember, Januar und Februar.

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Meerestemperatur während der Monate März, April und Mai.

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Meerestemperatur während der Monate Juni, Juli und August.

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Meerestemperatur während der Monate September, Oktober und November.

Die absolute Schwankung der Temperatur beträgt im inneren Finnmarken, sowie im Südosten von Norwegen 41,5°, an den finnmärkischen Fjorden, an der Dovrekette und in Christiania 34°, an der Küste von Finnmarken, den Fjorden Nordlands, dem Nordabhange des Dovregebirges, längs dem Lange-Fjeld und dem äußeren Ende des Christiania-Fjordes 25,8°, an der Küste zwischen Tromsö und Christiansund, sowie Bergen und Lindesnaes 3,5° und an der ganzen Westküste 10°, und in der gleichen Aufeinanderfolge steht auch die Zahl der Tage, welche ein tägliches Mittel von 0° aufzuweisen haben.

Auf einem schmalen Küstenstrich vom Folden-Fjord nach Lindesnaes sinkt das tägliche Mittel niemals unter den Gefrierpunkt; im mittleren Schweden dagegen ist für die Dauer von sieben Monaten das tägliche Mittel weniger denn 10° unter 0°; von da aus aber wird die Zeitdauer geringer und beträgt am bottnischen Meerbusen, sowie an der Küste von Finnmarken sechs Monate; bei Vesterålen an der Küste von Nordland, bei Drontheim, am inneren Sogne-Fjord, bei Christiania und Stockholm vier Monate und schließlich am äußeren Throndhjem-Fjord, am Romsdal-Fjord, am Sogne-Fjord, Hardanger und am Arendal nur zwei Monate; und läßt sich an dieser immer geringer werdenden Zeitdauer der erwärmende Einfluß der See deutlich erkennen.

Längs der Westküste, im Norden von Norwegen und am Christiania-Fjord sind südliche und südwestliche Winde vorherrschend, während in dem ganzen Südwesten des Landes südliche Winde den Vorrang behaupten und östliche Winde nur gelegentlich sich einstellen. In der Regel ist, je weiter man nach Norden kommt, die durchschnittliche Wärme in der Verminderung begriffen, in Norwegen jedoch erfolgt die Abnahme derselben nach Osten hin, so daß an der Westküste zwischen Stadt und Lyster das jährliche Mittel 5,8° beträgt, während man dasselbe in Schweden nicht weiter nördlich als Gotenburg und Vexiö antrifft; deutlich läßt sich der Unterschied in den Temperaturverhältnissen des Inlandes und der Küste an den jährlichen Schwankungen in den verschiedenen Orten erkennen, und obschon der Sommer im fernen Norden keine lange Dauer hat, so giebt es während dieser Zeit doch Tage, deren Hitze diejenige südlicherer Landstrecken bedeutend übertrifft.

Ergebnis zehnjähriger Temperaturbetrachtungen jenseits des Polarkreises

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Einen im Vergleich zu anderen Ländern wahrhaft überraschenden Unterschied zeigt das Verhältnis zwischen Sonnenhitze und der Wärme im Schatten, oftmals ist erstere zweimal so groß als letztere.

Diejenigen Tage im Jahr, an welchen die Temperatur jenseits des Polarkreises ungefähr gleich ist, sind folgende:

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Die größte Sommerhitze wie auch die bedeutendste Winterkälte findet sich weiter landeinwärts, während längs der Küste mildere Winter und kühlere Sommer die Regel bilden. Die geringste Schwankung, 5°, hat man von Stadt bis Hiteren und den Lofoten beobachtet.

An der norwegischen Küste steigt die Temperatur im Sommer oftmals bis zu 20° und 22°, während nur eine geringe Entfernung weiter landeinwärts das Thermometer bereits 23° und 24° zeigt, in Christiania beträgt sie 25° und selbst auf dem Gipfel der Dovrekette, 640 m über der See, noch 23°. In der Nähe des Jostedalsbrae ist das Klima, infolge des durch den Gletscher hervorgerufenen größeren Feuchtigkeitsgehaltes der Luft und des dadurch entstehenden Schneefalles, ziemlich mild, und während sich die Kälte im fernen Norden oftmals bis zu 32° oder 34° steigert, beträgt die Winterkälte im mittleren Schweden nur ausnahmsweise 32°.

Gewöhnlich stellt sich die größte Kälte in der zweiten Hälfte des Januar, sowie der ersten Hälfte des Februar ein, meist auch etwas früher im Osten als im Westen; die heißeste Zeit dagegen dauert von Mitte Juli bis zu Mitte August. Der vom Sogne-Fjord bis nach Stadt sich dehnende Landstrich besitzt den zweifelhaften Ruhm, das am meisten von Regen und Schnee heimgesuchte Gebiet zu sein, die jährliche Regenhöhe beträgt hier 1,80 m, während sie sich in Christiania nur auf 50 cm und am Dovre-Fjeld nur auf 33 cm stellt; am bedeutendsten ist die Regenmenge an der Küste im Herbst, in Christiania dagegen im August. Anm.: Die größte Regenmenge ist bisher in Dombesten am Nordfjord beobachtet worden. Dr. Y. Nielsen. Die Zahl der Schnee- und Regentage beläuft sich bei Dovre nur auf 90, am Skagerrack auf 100, in Bodö, Tromsö und Vardö auf 120; in Christiania, dem Romsdal und an der Küste von Helgeland auf 140, bei Bergen und den weiter nach Norden zu gelegenen Fjorden und in Vesterålen auf 160 und auf Lofoten auf 180 Tage im Jahr. Im Innern des Landes kommt auf vier Tage ein Regentag, auf Lofoten dagegen regnet es jeden zweiten Tag; in Vardö beträgt die Zahl der Regentage 54, diejenige der Schneetage 71; in Dovre regnet es an 42 und schneit es an 48 Tagen; in Christiania giebt es zweimal mehr Regen- denn Schneetage, in Bergen fünfmal und auf Lofoten ein- und einhalbmal so viel. Finnmarken ist gewöhnlich im Sommer frei von Schnee, Vardö und Bodö haben in den Monaten Juli und August keinen Schneefall, wohl aber kommt solcher zuweilen im Juni vor. Auf Lofoten ist im Laufe der letzten zehn Jahre zu verschiedenen Malen im Juni Schnee gefallen; in Dovre und Vardö stellt sich Schneefall ebenso häufig im Mai wie im Oktober ein, während dies an anderen Orten nur im April und November und an der Westküste nur im März vorkommt. Dabei ist die Menge des fallenden Schnees in den einzelnen Jahren sehr verschieden, wie ich denn bei meiner Fahrt nach Norden zu in einer einzigen Woche größere Schneemassen zu sehen bekam als während der ganzen übrigen Winterszeit und ebenso traf ich im Januar auf dem Dovre-Fjeld weniger Schnee als im September des vorhergehenden Jahres. Tiefenmessungen lassen sich indes an dem Schnee nur schwer anstellen, denn je nach der Witterung ist er zu manchen Zeiten leicht und lose aufeinanderliegend, während er zu anderen Zeiten überaus trocken und fest ist und eine treffliche Schlittenbahn bietet Im Winter 1884–1885 sind Messungen mit Rücksicht auf die Verkehrsverhältnisse der projektierten Bahn Christiania-Bergen am Gebirgsübergange von Hallingdal nach Hardanger angestellt worden, ihre Resultate sind jedoch noch nicht bekannt. Dr. Y. Nielsen..

Die Zahl der Nebeltage beläuft sich in Vardö auf 18, auf Lofoten auf 13, in Christiansund auf 7, in Dovre auf 10, in Ålesund, Skudenaes, Mandal und Sandösund auf 20, in Bergen auf 40 und in Christiania auf 62, und zwar kommen nach Osten hin, auf der Strecke von Lindesnaes nach Christiania, die meisten Nebeltage im Winter, an der Westküste dagegen fast ausschließlich im Sommer vor, während sie in Bergen ziemlich gleichmäßig über das ganze Jahr verteilt erscheinen, doch aber am häufigsten im Juni sich einstellen.

Gewitter sind eine seltene Erscheinung und kommen an der Westküste nur im Winter nach heftigem Westwinde vor, auch häufiger dicht an der See denn weiter landeinwärts, während sie im Südosten Norwegens nur im Sommer und dann ebenso oft nahe an der See wie weiter nach dem Inlande zu sich einstellen. Jenseits des Polarkreises machen sich Gewitter nur selten bemerkbar, auch sollen der Schnee wie der Hagel, von welchen sie meistens begleitet sind, nur sehr wenig Schaden anrichten, wie denn ebenso der Blitz nur in sehr vereinzelten Fällen einschlägt.

In Schweden beträgt nach Norden zu das Mittel des Jahres 0,9°, während es weiter nach Süden zu zwischen 5° und 6° ausmacht und in Stockholm 4° bis 5° zeigt. Auch bei den Brunnen, welche doch einen ziemlich guten Ausweis über die im Erdinnern herrschende Wärme geben, hat man im mittleren Schweden ein jährliches Mittel von etwa 5° beobachtet, während sie weiter im Norden oftmals den ganzen Sommer hindurch mit einer Eisdecke überzogen bleiben und auch die Moräste bis zu einer Tiefe von 1½ bis 2 m fest gefroren sind. Die Seen im Süden sind für die Dauer von 115 Tagen in Fesseln geschlagen, im mittleren Teil des Landes dehnt sich diese Zahl auf 150 und im Norden auf 230 Tage aus. Die jährliche Regenmenge ist in Schweden geringer als in Norwegen, dabei ziemlich gleichmäßig über das ganze Land verteilt: an der Westküste zeigt sie etwa 52 cm, im mittleren Teil des Landes 38, an der Südostküste 34 und im Norden 30 cm. Ebenso ist in dem südlichen Teile des Landes das Klima während der Winterzeit nur unbedeutenden Schwankungen unterworfen und läßt sich mit demjenigen des nördlichen und westlichen Teiles von Staat New-York vergleichen, dabei aber sind im Sommer die Nächte weit kühler und die Sonnenhitze wirkt weniger kräftig, so daß Mais nicht zur Reife gelangt.

Einige besonders bemerkenswerte Fakta, wie solche sich in den meteorologischen Aufzeichnungen des Jahres 1879 eingetragen finden, kann ich nicht unterlassen hier anzuführen: im Juni dieses Jahres trat nämlich die wärmste Temperatur des Monats in den hier bezeichneten Orten in nachstehender Reihenfolge ein: zuerst in Stockholm, dann in Kopenhagen, St. Petersburg, Yarmouth, Valentia, Haparanda und Christiansund, und zwar hatte Haparanda am 5. Juni den höchsten Thermometerstand mit 15° aufzuweisen. Auch im Juli zeigte Haparanda die höchste Mitteltemperatur des Monats mit 16°, wogegen im August Stockholm, Christiansund und Kopenhagen die höchste Monatstemperatur mit 13,5° und Valentia, St. Petersburg und Haparanda den niedrigsten Thermometerstand zeigten. Im September hatten wiederum Kopenhagen, Yarmouth und Valentia die größte Wärme aufzuweisen; im Oktober 1878, aus welcher Zeit mir nur die Berichte über die zweite Hälfte des Monats zur Einsicht vorliegen, machte Haparanda in der Reihe der genannten Städte mit dem niedrigsten Wärmestand den Anfang, zunächst folgte Stockholm, dann Kopenhagen, Valentia und als fünfte Yarmouth. Im Januar des nämlichen Jahres waren St. Petersburg, Haparanda und Kopenhagen die kältesten, Valentia und Yarmouth die wärmsten Orte unter ihnen, wie denn überhaupt Haparanda der Ruhm unbestritten bleibt, während des Winters am empfindlichsten von der Kälte heimgesucht zu sein.

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Sommerklima und Polarvegetation.

Kein anderes Land jenseits des Polarkreises besitzt ein so mildes Klima und eine so üppige Vegetation wie die nördlichen Teile Schwedens und Norwegens; die unter denselben Breitegraden in Asien oder Amerika gelegenen Länder sind kalt und unfruchtbar im Vergleich mit diesen. Verschiedene Ursachen vereinigen sich ihnen diesen Vorzug zu verleihen; der Golfstrom, die Ostsee und der bottnische Meerbusen, die Richtung der Höhenzüge, durch welche die Thäler geschützt werden, die, besonders in Norwegen, fast das ganze Jahr hindurch vorherrschend südlichen und südwestlichen Winde, wie auch die Macht der während der Sommermonate fast ununterbrochen scheinenden Sonne bewirken dies Wunder. Unter dem wohlthätigen Einfluß des Golfstromes beginnt in Norwegen, längs der Küste und der Fjorde, der Frühling zeitiger und dauert der Sommer länger denn in Schweden; die Tage anhaltenden Sonnenscheins aber sind an Zahl geringer und das Wetter ist regnerischer, weshalb die Vegetation natürlich weniger rasch vorwärts schreitet. An dem bottnischen Meerbusen geht der Übergang vom Winter zum Sommer schneller vor sich und die Vegetation macht, besonders unter der Einwirkung des sehr schweren Taues, fast sichtbare Fortschritte. Die Winterkälte tritt weniger streng auf an der norwegischen Küste und Dank diesem Umstande, wie auch der längeren Dauer milderen Wetters, gedeihen hier mehrere Baumarten unter höheren Breitegraden als in Schweden. Roggen, welcher innerhalb des Polarkreises zu Anfang oder Mitte Juni gesäet wird, zeigt anfangs August eine Höhe von 2 m oder 2½ m, gleich nach dem Säen wächst er oftmals 8 cm an einem einzigen Tag. Zu Niavi war der Hafer Mitte August, sechs oder sieben Wochen nachdem er gesäet worden, völlig erntereif.

Die Lärche ( Larix europaea) findet sich in Schweden etwas über dem Polarkreis, in Norwegen aber noch weiter nördlich; der Vogelkirschenbaum ( Prunus padus) wächst in Schweden innerhalb des Polarkreises, in Norwegen noch unter 70° 20', erreicht an den Ufern der Tana eine Höhe von 3 bis 3½ m und trägt Früchte. Der Vogelbeerbaum ( Sorbus aucuparia) bringt in Norwegen noch am Alten-Fjord unter 70° nördl. Br. Früchte hervor, auch die Bastardeberesche ( Sorbus hybrida) findet sich als Strauch noch bei Tromsö, unter 69° 70'. Flieder ( Syringa vulgaris) trifft man auf Lofoten bis zu 68° 30'; Spitzahorn ( Acer platanoides), die echte Roßkastanie ( Aesculus hippocastanum) und der Faulbaum ( Rhamnus frangula) gedeihen noch am Polarkreis; die Bergrüster ( Ulmus montana) unter 67°, Goldregenbaum ( Cytisus alpinus) unter 68° 30' und der Haselnußstrauch ( Corylus avellana) noch bei Stegen unter 67° 56'.

Die Föhrenregion ( Regio sylvatica) erstreckt sich von der Küste bis zur Höhe von 980 m; unter den höheren Breitegraden geht das Wachstum der Bäume aber nur sehr langsam vorwärts, es sind schließlich nur verkrüppelte Exemplare, die man in Sumpf- und Moorgrund findet. Mit der Föhre verschwinden gleichzeitig folgende Pflanzen: Zimtrose ( Rosa cinnamomea), Rietgras ( Carex globularis), Labkraut ( Galium boreale), Gilbweiderich ( Lysimachia thyrsiflora), Rohrschilf ( Phragmites communis), sowie Zweiblättrige Schattenblume ( Smilacina bifolia). Wälder von Weißföhren ( Pinus sylvestris) und Fichten ( Abies) findet man in Schweden unter 68° 30' und 200 bis 250 m über dem Meeresspiegel, in den höheren Regionen erscheinen sie jedoch mehr und mehr verkrüppelt, bis sie zuletzt ganz verschwinden; in Norwegen trifft man sie noch unter 70° nördl. Br. Die Birke kommt in größerer Höhe vor als jeder andere Baum. Die Hängebirke ( Betula alba verrucosa) wächst in den südlichen Teilen in einer Höhe von 600 m, kommt in Norwegen aber jenseits des 64° nördl. Br. überhaupt nicht mehr vor, die Weißbirke oder nordische Birke ( Betula alba glutinosa) dehnt dagegen ihr Gebiet bis fast zum äußersten Norden aus und wächst in südlicheren Gegenden stellenweise sogar 1000 m über dem Meer. Im Süden erreicht die Birke häufig eine Höhe von 25 bis 30 m, eine gleich große Ausbreitung der Äste und 4 bis 5 m im Umfang. Wo die Birke verschwindet, herrschen die Zwergweide ( Salix glauca), Zwergbirke ( Betula nana) und der Wacholder ( Juniperus communis) bis gegen die Schneegrenze zu. Mit diesen zusammen findet man die Sandbeere ( Arbutus alpina), das Dreifaltigkeitsblümchen ( Trientalis europaea), Ehrenpreis ( Veronica alpina), die zu den Heidekräutern ( Ericaceae) gehörende Andromeda coerulea, Farnkraut ( Pteris crispa) und Engelwurz ( Archangelica). Noch höher hinauf verliert die Betula nana sogar ihre Strauchform und kommt nur noch dicht am Boden kriechend vor. An geschützten Hügelabhängen bemerkt man: Kronenlosen Vierling ( Sagina), Knabenkraut ( Ophrys alpina), Einblumiges Bandkraut ( Erigeron uniflorum), Traganth ( Astragalus leontinus); in Sümpfen dagegen die Schmiele ( Aira alpina), Rietgras ( Carex ustulata) und die Sumpfheidelbeere ( Vaccinium uliginosum). In der Schneezone schmilzt der Schnee niemals an freigelegenen Stellen, an geschützten Punkten wachsen, wenn der Boden schneefrei ist, einige wenige dunkle Pflanzen: schwarze Rauschbeere ( Empetrum nigrum), diese aber ohne Beeren, die Heidekräuter Andromeda tetragona und hypnoides und Mannsschild ( Diapensia lapponica). An wärmeren Stellen kommen vor: Enziane ( Gentiana tenella und nivalis), Glockenblume ( Campanula uniflora) und Hungerblümchen ( Draba alpina); an kälteren Plätzen aber: Läusekraut ( Pediculaeris hirsuta und flammea), sowie die Achtblumblättrige Alpendryade ( Dryas octopetala). Weiterhin zeigt die Vegetation sich nur durch einige wenige Blumen und das bis zur Schneegrenze vorkommende Renntiermoos ( Cladonia rangeferina) vertreten. Letzteres trifft man selbst auf Spitzbergen unter 80° nördl. Br. in großen Mengen, es besitzt einen geringen Mehlgehalt, weshalb man auch den Versuch gemacht hat, es zur Branntweinbereitung zu verwenden. Das isländische Moos ( Cetraria islandica) kommt ebenfalls häufig vor, enthält 80 % Nährstoff und wird in schlechten Jahren, mit Mehl vermischt, als Ersatz für Brot gebraucht.

Was die Feldfrüchte anbelangt, so gedeiht Weizen nicht innerhalb des Polarkreises, im Süden liegen nur 110 bis 120 Tage zwischen Saat und Ernte, auch Roggen – beides, Sommer- und Winterarten – trifft man noch am Alten-Fjord. Gerste gedeiht gleichfalls bis zum Alten, wird in den letzten Tagen des Mai gesäet, blüht Mitte Juli, um Ende August oder zu Anfang September eingebracht zu werden, dabei ist der Ertrag meist ein zehnfacher. Hafer wächst bis zu 60°, am Alten sogar bis 70° nördl. Br., und Felderbsen giebt es noch in Bodö unter 67° 20', ebenso liefern Kartoffeln eine gute Ernte an der Küste, am Alten und in warmen Sommern selbst in Skarsvåg unter 71° 4', sowie in Vadsö.

Östlich vom Nordkap ist das Klima kälter. In Vardö ist es unmöglich Feld- oder Gartenarbeiten vor Mitte Juni, manchmal sogar nicht vor dem Johannistag, zu beginnen, Juni und Juli sind zumeist sehr neblig, August und September dagegen größtenteils klar.

Rüben findet man noch in Vardö, Mohrrüben bis zum Varanger-Fjord, am Alten erlangen sie ein Gewicht von ¾ kg, Pastinaken aber nur eine Dicke von 3 cm. Flachs und Hanf, obgleich diese beiden nicht häufig, trifft man noch unter 70° nördl. Br., auch in den nördlichsten Gebieten erreichen sie noch eine Höhe von 75 bis 90 cm.

An Beeren besitzt das Land großen Reichtum, die Walderdbeere ( Fragaria vesca), sehr aromatisch und süß, reift jenseits 70° und kommt im Süden von Skandinavien bis zu 900 m hoch fort. Die Himbeere ( Rubus idaeus) gedeiht bis zu 70°, im Süden gleichfalls bis zu einer Höhe von 900 m, ebenso die köstliche Polarhimbeere ( Rubus arcticus), welche das Aroma der Ananas besitzt. Viele Heidelbeerarten ( Vaccinium), darunter auch die Moosbeere ( Vaccinium oxycoccus) findet man allerorten bis 71°, im Süden bis zu 900 und 1000 m über der Meeresfläche, daneben auch die schwarze Rauschbeere ( Empetrum nigrum). Johannis- und Stachelbeeren ( Ribes) trifft man in Westfinnmarken bis zu 70°, in Syd Varanger bis zum Jakobsfluß und in den Bergen zwischen dem Föhren- und Birkengebiet, rote und schwarze Johannisbeeren ( Ribes rubrum und Ribes nigrum) wachsen auf den Bergen wild, ebenso die Alpenjohannisbeere ( Ribes alpinum) und die schwedische Kornelkirsche ( Cornus suecica); die geschätzteste unter allen Beeren aber ist die Zwergbrombeere ( Rubus chamoemorus), welche bis 71° nördl. Br. überall, im Süden 900 m über dem Meeresspiegel vorkommt. Auch Kirschen, Süßkirsche ( Prunus avium) und Sauerkirsche ( Prunus cerasus), reifen manchmal in Norwegen noch unter 66° nördl. Br.