← Zurück zur Startseite

Im Lande der Mitternachts-Sonne

von Paul B. Du Chaillu

Verlag: Ferdinand Hirt & Sohn | Jahr: 1885 | Übersetzer: A. Helms

Wenn Sie das Buch lieber in der Hand halten möchten, können Sie es hier erwerben:

Oder laden Sie das Buch kostenlos als E-Book für Ihren E-Reader herunter:

Wie verwende ich eine EPUB-Datei?
Kapitel 30

Sechsundzwanzigstes Kapitel. Alte Blockhäuser in Norwegen.

Verschiedenheit der Bauart. – Runen an den Häusern.

Bei all ihrer Einfachheit bieten doch die Blockhäuser Norwegens viel des Interessanten. Zwar sind über ihr hohes Alter bisweilen ganz übertriebene Vorstellungen verbreitet und zur Zeit findet sich wohl nicht ein einziges erhalten, das als mehr denn 5–600 Jahre alt bezeichnet werden dürfte, und ihre Mehrzahl datiert nicht einmal aus dem 17.Jahrhundert. Dessenungeachtet stehen sie in der europäischen Architektur als eine besondere Gruppe, die wohl einer näheren Beschreibung wert erscheint. Die Stärke der einzelnen, zu ihrem Bau verwandten Stämme ist derart, wie man sie jetzt gar nicht mehr in Skandinavien antrifft, und da im Laufe des langen Zeitraumes der Harzgehalt vollständig aufgezehrt worden, so besitzt das Holz eine solche Härte, daß demselben mit der Axt kaum beizukommen ist. An verschiedenen dieser alten Heimstätten finden sich Runeninschriften, wie z. B. in Numedalen in der Pfarrei Opdals an dem hoch zwischen den Bergen gelegenen Gehöfte Raudland, über dessen mit schön geschnitzten Pfosten versehener Thüre der Name des Eigentümers angebracht ist samt den Worten: »Thorgaut baute mich!«

Vorzugsweise trifft man diese alten Bauten in den fast unzugänglichen Bergregionen, fern von den Küstenstrichen, welche in Norwegen allein den Schauplatz zum Austrage von Fehden und kriegerischen Verwicklungen zu bieten vermochten und da sich obendrein die meisten dieser Gehöfte von der Zeit ihrer Erbauung an stets in derselben Familie von Kind auf Kindeskinder weiter vererbten, so lassen sich diese nordischen Bauern wohl mit Fug und Recht als die ältesten Grundbesitzer Europas bezeichnen.

Bis vor wenigen Jahren waren die meisten dieser alten, gewöhnlich in Thälern und Schluchten gelegenen Gehöfte nur auf beschwerlichen Pfaden zugänglich, denn nur abseits der großen Landstraßen und zwar in den Bezirken Hedemarken, Hallingdal, Saetersdal, Hedal, Vaage und Lom, am Hardanger und in Jaederen haben sie sich noch erhalten.

Die allerälteste Art, welche man als Ildhus (Haus mit einem Herde) oder als Rögstue (Haus ohne Schornstein, Rög heißt Rauch) bezeichnet, findet sich nur noch sehr selten, dann aber gewöhnlich mit einem anderen Gebäude zusammen, dem Bur, Bod oder Matbod, welches zur Aufbewahrung von Lebensmitteln und Kleidungsstücken dient. Das Ildhus enthält nur einen einzigen Raum mit einer steinernen Feuerstelle in der Mitte, über welcher im Dache eine große Öffnung (Ljore) zum Entweichen des Rauches angebracht ist; bei schlechtem Wetter, wenn diese Öffnung teilweise verdeckt werden muß, wird der Rauch fast unerträglich. Der Herd hat durchschnittlich eine Länge von 2 m und eine Breite von 1½ m, manchmal befindet sich an der der Thüre zugewandten Seite noch eine aufrechtstehende Steinplatte, welche bestimmt ist, das Feuer gegen allzu heftige Windstöße zu schützen. Der Drehbalken, Göia, von welchem der Kessel herabhängt, endet zuweilen in einen Drachenkopf, im übrigen ist die Ausstattung eines solchen Hauses die denkbar einfachste: einige an den Wänden befestigte Bettstellen, ein gewöhnlich aus einer einzigen Platte gefertigter langer Tisch, einige an den Wänden herlaufende Bänke, sowie mehrere hölzerne Stühle, das ist alles. Die Stühle – eigentlich das Bemerkenswerteste der ganzen Einrichtung – sind in eigenartiger Form aus einem Baumstamme hergestellt und noch heutigen Tages an vielen Orten in Gebrauch.

Book illustration

Ildhus mit Aare(Herd).

Eine andere überaus primitive Art von Herden, wie man sie in dem Rögstue, und zwar, da sie weniger Feuerungsmaterial gebraucht, vorzugsweise in holzarmen Gegenden antrifft, ist der Rögovn. Derselbe, in etwa Manneshöhe solid aus Steinen aufgemauert, ist so tief, daß ein Bett, der Länge nach gestellt, bequem an seiner Seite Platz findet; vor der eigentlichen Feuerstelle ist ein Mauervorsprung, mit einer kleinen Vertiefung darin angebracht, in welche, wenn das Holz ausgebrannt ist, zur besseren Verteilung der Wärme die glühende Asche zusammengescharrt wird. Meist kommt in diesen Öfen nur trockenes Reisig zur Verwendung, dessen lodernde Flamme dann freilich mit solcher Gewalt an der von Rauch und Ruß geschwärzten Decke emporzüngelt, daß jeder des Anblicks Ungewohnte sich ernstlicher Besorgnisse kaum zu erwehren vermag.

Alten Aufzeichnungen zufolge waren im Hallingdal noch um das Jahr 1650 schornsteinlose Häuser samt offenen Herden ganz allgemein. In diesen alten Urkunden geschieht auch eines Tisches Erwähnung, der, an den Seiten mit Ringen versehen, an der Wand aufgehängt wurde, sobald man seiner nicht bedurfte, ein Gebrauch, der sehr leicht erklärlich erscheint, wenn man bedenkt, daß, da der Mittelraum durch den Herd versperrt wurde, für einen feststehenden Tisch kaum genügender Platz übrig bleiben konnte. Bestätigt wird dies in der Sage, welche meldet, wie Asbjörne Selsbane den dem Könige Olaf aufwartenden Thore Sel verwundete; damals war es auch Sitte, daß, wenn der König irgend jemand durch Zutrinken auszuzeichnen wünschte, dem so Geehrten das Trinkhorn über das Feuer hinaus zugereicht werden mußte. Aus der Sage von Olaf Kyrre erfahren wir dann, daß er diesen Brauch abstellte und das Amt der Mundschenke einführte, unter seiner Regierung kam auch der Rögovn zuerst in Aufnahme und ebenso verordnete er, daß der erhöhte Sitz für den König, welcher sonst immer in der Mitte der langen Bank angebracht gewesen, nunmehr nach der querlaufenden Bank verlegt werde.

Book illustration

Rögovn (Rauchofen) = Herd ohne Schornstein.

Die nächste, bedeutend verbesserte Herdart war der an beiden Seiten offene, mit einem Schornstein versehene Peis, Spis, Ovn, Grue, Mur, Sten oder Skorsten, wie er, je in den einzelnen Landesteilen verschieden, genannt wurde. In einer aus dem Jahre 1493 stammenden Urkunde wird erwähnt, daß der Pächter eines dem Könige gehörigen Gehöftes in Jemtland – damals eine norwegische Provinz – ein neues Wohnhaus mit einem Skorsten darin erbaut habe. Diese Herde waren unzweifelhaft ganz die nämlichen, wie sie jetzt noch, gewöhnlich in der einen Stubenecke angebracht, üblich sind; kein anderer Ofen ist so vortrefflich zum Heizen, nebenbei auch zum Kochen und zur Erleuchtung des Zimmers geeignet, doch bedarf er allerdings auch einer großen Menge von Brennmaterial.

In einzelnen Bezirken trat indes mit der Zeit Mangel an Holz ein, man mußte daran denken, weniger kostspielige Heiz- und Kochapparate in Anwendung zu bringen, und so kamen eiserne, sowie Kachelöfen in Aufnahme. In Schweden sind diese jetzt fast ausschließlich im Gebrauche; von den eisernen Öfen, welche meist in schöner Arbeit Darstellungen aus der biblischen Geschichte zeigen, stammen einzelne schon aus dem Jahre 1600.

Book illustration

Alter Peis in einem Haus in Sogn.

Mit der Zeit steigerten sich auch die Ansprüche, welche man an die Wohnräume stellte, das Ildhus allein genügte nicht mehr, ein anderes Gebäude mußte hinzugefügt werden und nannte man dasselbe Nystue oder Storstue (neues oder großes Haus) im Gegensatz zu dem Gammelstue oder Dagligstue (dem alten oder Alltagshause). Gewöhnlich diente nun der Neubau der Familie zum Aufenthalte, während das alte Gebäude als Küche, sowie für die Dienstboten Verwendung fand, und hieran schloß sich später der Brauch, eine große Anzahl von Gebäuden für die verschiedenen Zwecke der Landwirtschaft zu errichten. Das Matbod (Vorratshaus) war ursprünglich zur Aufnahme von Lebensmitteln und Kleidungsstücken bestimmt gewesen und war vermutlich das erste, welches man mit einem oberen Stockwerk ausstattete. Dabei zogen sich an drei Seiten Gänge oder überdachte Galerieen hin und von diesen gingen auch die die beiden Stockwerke verbindenden steilen, leiterähnlichen Treppen aus, während die Fenster an den Giebelwänden angebracht waren, eine Einrichtung, welche es unmöglich machte, den Häusern eine allzu große Länge zu geben. Später wurden die Treppen an die Innenseite des Thürvorbaues verlegt und die oberen Galerieen mit ihrer reichen Verzierung an Schnitzwerk wurden angebracht. Dieser Oberboden, Loft genannt, wurde anfänglich allein für Kleider benutzt, um diese frei aufhängen zu können, bestand doch damals das persönliche Eigentum vornehmlich in Gewandstücken und Betten; später jedoch bediente man sich desselben, wie es ja auch noch heutigen Tages geschieht, als Schlafraum für Gäste. Daß dies schon zur Zeit des heiligen Olaf Sitte gewesen geht aus den alten Sagen hervor, welche erzählen, daß er sich eine Utebur (Außenkammer) erbaute, in welcher er mächtige Kasten, sowie alle nur möglichen Vorräte, verschiedene Sorten Fleisch, getrocknete Fische, Käse und sonstige Nahrungsmittel aufbewahrte und daß hier auch das Bett stand, in welchem er mit seinem Weibe der Nachtruhe pflegte; ebenso hatte er in diesem Raum Betten für seine Gäste aufgestellt und Platz gelassen zur Unterbringung ihrer Waffen. Wieder etwas später verwandelte sich das einstöckige Vorratshaus in zwei getrennte Baulichkeiten – eine Vorratskammer und ein Schlafhaus. Dabei bewahrte indes erstere für eine lange Zeit ihre einfache Form, nur war sie manchmal sehr groß, in zwei Räume geschieden und mit einer Thüre an jeder Giebelseite versehen; manchmal errichtete man auch, um die Vorräte vor Ratten und Mäusen zu schützen, diese Häuser auf Pfosten, in welchem Falle sie dann Stolpebod oder Stabbur genannt wurden und der Außentreppen bedurften.

Book illustration

Stabbur mit Galerieen in Ringerike.

Auch an dem alten Ildhus ging die Zeit nicht spurlos vorüber, es wurde an dem einen Ende ein turmartiger Anbau hinzugefügt, der Ramloft genannt – eine Bezeichnung, welche nun allmählich auf das Haus an und für sich überging. Eine Treppe führte an der Außenseite des Ramloft zu dessen Oberboden empor, welcher über dem Dach des unverändert gebliebenen, großen und luftigen Ildhus emporragend, gleich dem unteren Stockwerk ein geräumiges Schlafzimmer enthielt. Die Anzahl dieser Häuser ist jetzt nicht mehr groß, und zwar findet man die meisten noch in Lom, wohin eine der späteren Schilderungen den geneigten Leser führen wird.

Auch in Hedemarken auf dem bei Stange gelegenen königlichen Gehöfte Huseby befindet sich ein altes Ramlofthaus, welches indes mit vielen neueren Zuthaten versehen ist. Dieser Ramloft ist durch eine Zwischenwand in zwei Gemächer geschieden, dessen eines eine kleine Feuerstelle enthält, während die in dem anderen hängenden, sehr einfachen Gemälde – bunte Aaklaeder, die, an eisernen Stangen befestigt, in vollen Falten herabfallen – erkennen lassen, in welcher Weise man diese Räume ehemals bei festlichen Gelegenheiten auszuschmücken pflegte. Unwillkürlich wird man hier an die Sage von Sverre erinnert, deren erstes Kapitel den »schönen Loftsal«, von welchem seine Mutter träumte, so schön schildert; oder auch an die Geschichte Snorres, wenn er erzählt, mit welchem Eifer Asta, die Mutter des heiligen Olaf, als sie erfuhr, daß die Rückkehr ihres Sohnes aus fernen Landen jeden Augenblick zu erwarten sei, alle Mägde und Knechte anwies, das Haus zu schmücken, wie sie Tapeten herbeibringen ließ, um mit denselben die Wände zu behängen, und wie alle Bänke mit gestickten Polstern belegt werden mußten.

Book illustration

Österdal. Barfrö-stue

Ein anderes Ramlofthaus gehört zu dem im Thale des Glommen in der Pfarrei Grue bei Solör gelegenen Gehöfte Stemsrud; es hat sich durch viele Generationen hindurch in der Familie Kolbjörnsen weitervererbt und ist in sehr gutem Zustande erhalten.

Im nördlichen Teile des Österdal trifft man eine andere, gleichfalls sehr alte Gebäudeart, den Barfrö. Die Grundform ist auch hier ein richtiges Ildhus mit einem Herde in der Mitte, vor dem Hause jedoch erhebt sich ein viereckiger Vorbau, dessen oberer Raum als Kleiderkammer, manchmal auch als Schlafzimmer dient, und dieser vordere Teil heißt eben der Barfrö. Der eigentliche Ursprung des Wortes läßt sich aus dem mittelhochdeutschen Worte Bercvrit oder Berkfrit herleiten; die erste Silbe ist dem norwegischen bjerge (aufbewahren) verwandt; die zweite ist gleichbedeutend mit fred (Friede). In Frankreich wird dieser Turm berfroit oder berfroi genannt, woraus wiederum das englische belfry entstanden ist. In Norwegen findet sich der Barfrö jetzt nur noch im Österdal.

In dem Stifte Drontheim ist das Opstugu die älteste Art; dicht an der von Christiania nach Drontheim führenden Landstraße liegen deren zwei, und zwar bei den Poststationen Drivstuen und Rise; auch in Opdal trifft man derartige Gebäude. Wie die Abbildung erkennen läßt, besitzt das Opstugu große Ähnlichkeit mit dem Ramloft; beide sind an den Schmalseiten des Hauses angebaut, der einzige Unterschied besteht darin, daß an dem letzteren die Treppe an der Außenseite hinführt, während sie bei ersterem im Innenraume liegt, wodurch derselbe notwendigerweise in Vorhalle und ein kleineres Zimmer zerfallen muß. Durch die über und neben der Thüre angebrachten, mit zierlichen Holzfäulen versehenen Öffnungen empfängt diese Vorhalle Luft und Licht; über die Treppe gelangt man zu einem kleinen Flur und von diesem aus zu einem zweiten, über dem unteren gelegenen Zimmer, dem eigentlichen Opstugu.

Book illustration

Opstugu.

Ein sehr altes Holzgebäude befindet sich auch in dem in der Provinz Smaalenene gelegenen, zur Pfarrei Eidsberg gelegenen Hofgute Korterud. Die beiden Thüren der Zwischenwand sind so niedrig, daß man sich bücken muß, um hindurchgelangen zu können; über jeder derselben wölbt sich ein aus einem einzigen Stück gearbeiteter, einen Fuß starker Bogen, welcher reich mit Schnitzwerk und einer unleserlichen Inschrift verziert ist, die Thüren selbst bestehen aus schweren Bohlen, über deren ganze Breite reich verzierte Eisenringe sich legen. Von der Schwelle aus muß man etwa ½ m tief in das Haus hinabsteigen, dessen Boden mit sehr ungleichmäßigen Klötzen bedeckt ist; an drei Seiten des Raumes zogen sich früher schwere Holzbänke hin und war der Zwischenraum zwischen ihnen und der Wand zum Abhalten der Zugluft mit Erde ausgefüllt. Den Thüren gegenüber befinden sich zwei Fenster, an dieser Seite ist der Fußboden etwas erhöht, und stand ehemals hier ein plumper Holztisch, während der Herd die Mitte des tiefer gelegenen Raumes einnahm, und gerade über demselben sich an dem verräucherten und teilweise halbverkohlten Balkenwerk noch ganz genau die Stelle nachweisen läßt, an welcher sich ehemals die Öffnung zum Abzuge des Rauches befunden. Die Öffnung selbst ist geschlossen und der Herd entfernt, auch der kleine Rögovn in der einen Ecke, nahe einer der Thüren, mit dem kleinen Backofen ist nicht länger in Gebrauch, seit das Produkt der Neuzeit in Gestalt eines Porzellanofens seinen Einzug in das altehrwürdige Ildhus gehalten Dieser hier geschilderte Zeuge längstvergangener Zeiten hat inzwischen einem Neubau Platz machen müssen. Dr. Yngvar Nielsen..

Book illustration

Haus in Valders.

In Valders, Pfarrei West Slidre, hat auf dem Gehöfte Hande ein anderes Gebäude seines hohen Alters wegen vielfach Bewunderung gefunden. Schnitzwerk oder sonstige Zieraten hat dasselbe zwar nicht aufzuweisen, das Bauholz an sich ist jedoch schon von auffallender Schönheit. Die Thüren des unteren Stockwerkes öffnen sich in zwei fensterlose Räume, welche vermutlich als Vorratskammern dienten; eine Fallthüre führt von hier aus nach dem Keller; auch der Oberboden zerfällt in zwei Teile, von welchen der größere, mit einem Herde ausgestattet, zwar mit drei Fenstern versehen, dabei aber dennoch, weil er fast an allen Seiten von Galerien umschlossen wird, ganz dunkel ist; aller Wahrscheinlichkeit nach fand dieser Raum ausschließlich Verwendung als Schlafgemach. Über den Zeitpunkt der Erbauung dieses Hauses sind bestimmte Angaben nicht vorhanden, in seinem Aussehen aber stimmt es vollständig mit einem zu dem Gehöfte Skjelbred, Pfarrei Annebo, in Jarlsberg gehörigen Hause überein, welches schon im Jahre 1751, zu welcher Zeit eine Zeichnung desselben angefertigt wurde, als sehr alt galt; hatte es doch bereits dem Grafen Alf am Ende des 13. Jahrhunderts zum Wohnsitze gedient.

Andere alte Gebäude der nämlichen Art sind oder waren in dem Stifte Bergen, und zwar bei Voß auf dem Gehöfte Finnen, in Askim, in Thrykstad auf Lang-Saeter, bei Sorknaes am Glommen, in der Nähe von Hole in Ringerike und bei Gavelstad in Lardal oberhalb der Stadt Laurvik anzutreffen.

Book illustration

Vorderansicht eines Hauses in Jaederen.

Book illustration

Rückseite.

Ein sehr gutes Exemplar eines Jutul-Stue fand sich noch vor einigen Jahren auf dem Gehöfte Uv in Rennebo, Örkedalen, Stift Drontheim; die zu diesem Hause – dessen Alter mindestens 600 Jahre betrug – verwandten Stämme waren die mächtigsten, welche man bis jetzt an den alten skandinavischen Wohnhäusern gefunden.

Book illustration

Seitenansicht eines Hauses in Jaedern.

Die in Jaederen, einem Bezirk in der Nähe von Stavanger gebräuchliche Bauart bietet ihrer besonderen Eigentümlichkeit wegen großes Interesse. Häufig sind die Häuser aus den Bohlen und Planken gestrandeter Schiffe errichtet, denn an Bauholz ist großer Mangel in dieser Gegend, weshalb auch Rasen und Steine vielfach Verwendung finden. Dabei aber sind die meisten dieser Häuser groß und sehr bequem eingerichtet im Innern: das Familienzimmer ist mit einem erhöhten Sitze, an den Wänden befestigten Bänken, einem langen Tische, der Bettstelle für den Hausherrn und einem Ofen ausgestattet, welcher von der durch eine Zwischenwand in zwei Abteilungen getrennten Küche aus geheizt wird; Fenster sowie Thüre der Küche liegen an der Rückseite des Hauses. Das Wohnzimmer, die Küche und das Gastzimmer, in welchem die Kleiderkiste untergebracht ist, sind als die Haupträume aus Holz erbaut, ebenso die Vorhalle, von welcher aus eine Treppe nach dem Oberboden führt, der durch ein an der Schmalseite angebrachtes Fenster erhellt, als Vorratsraum dient; dagegen finden Steine gewöhnlich für die an die beiden Breitseiten sich anschließenden Nebenbauten, sowie für das rückwärts an die Küche anstoßende Vorratshaus Verwendung.

Ganz eigenartig sind die in Mandal üblichen Bauten. Der erste Anfang ist auch hier das Rögstue oder Ildhus mit dem Herde in der Mitte und der Dachöffnung darüber, doch wird dies Haus jetzt nur noch als Küche, Backhaus u. s. w. benutzt, während zwischen ihm und dem Neubau eine Halle sich hinzieht, von welcher aus die Treppe nach dem oberen Stockwerk führt. In seiner inneren Einrichtung bietet der Neubau eine getreue Nachbildung des alten Ildhus, nur ist ein eiserner Ofen an Stelle des Herdes getreten; eine besondere Eigentümlichkeit ist dagegen in der Anbringung der Bettstellen zu bemerken, zwischen denselben befindet sich ein Wandschrank, dessen Thüren in den meisten Fällen reiches Schnitzwerk zeigen.

Book illustration

Bettstellen in einem Stue in Mandat.

Vielfach trifft man auf diesen Gehöften Kasten und Truhen, deren Alter sich nach Jahrhunderten berechnen läßt; erst später wurden Schränke angefertigt, doch können einzelne unter diesen, welche sich durch reiches Schnitzwerk auszeichnen, gleichfalls auf einen hinter ihnen liegenden, langen Zeitraum zurückblicken.

Eine Art Decke, Aaklaeder genannt, pflegt man häufig als Vorhang vor Gesimsen fest zu machen, viele derselben bringen in bunten Farben Scenen aus der biblischen Geschichte zur Darstellung und die ältesten unter ihnen sind der eingewirkten Jahreszahl nach bereits um das Jahr 1580 entstanden. Zu ihrer Anfertigung – das Ganze läßt sich eigentlich mehr als Flechtwerk denn als Weberei bezeichnen – bedarf man eines besonderen Webstuhles, des Upstadsgogn.

Book illustration