Im Lande der Mitternachts-Sonne
Verlag: Ferdinand Hirt & Sohn | Jahr: 1885 | Übersetzer: A. Helms
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Anhang I. Die Stein- und Bronzezeit in Skandinavien.
Klima zur Steinzeit. – Geräte. – Thongefäße. – Gräber. – Die Bronzezeit. – Alte Steine. – Gräber. – Gold- und Bronzegeräte. – Schmucksachen. – Thongefäße.
Zum besseren Verständnis nachfolgender Kapitel über die vorhistorischen Bewohner Skandinaviens dürfte es geraten erscheinen, denselben einige erläuternde Worte über die verschiedenen Zeitalter des Urmenschen, nach ihrer allgemein gebräuchlichen Einteilung, vorauszuschicken, denn keine dieser vorhistorischen Zeiten ist scharf begrenzt; stufenweise und allmählich verlaufen sie vielmehr in einander. Diese Einteilung bezeichnet auch keine bestimmten Zeitabschnitte, sondern nur die verschiedenen Grade allmählicher Entwicklung, wie solche an den für häusliche wie auch für kriegerische Zwecke benutzten Geräten des vorhistorischen Menschen sich erkennen lassen.
Hiernach lassen sich drei solcher Zeiten deutlich unterscheiden: die Stein-, Bronze- und Eisenzeit. Die erstgenannte ist die älteste Periode, während die letztere unmerklich in das geschichtliche Zeitalter übergeht.
1. Während der frühesten oder ältesten Steinzeit war das Klima kälter denn jetzt, doch gab es damals schon Menschen gleichzeitig mit dem Mammut, dem Rhinozeros, Hippopotamus, dem Bisamochsen und anderen großen und kleinen Säugetieren; die in Gebrauch befindlichen Werkzeuge waren roh aus Stein gefertigt, Töpferwaren und Metalle unbekannt. Das Fleisch des damals noch über das ganze mittlere und südliche Europa verbreiteten Renntieres bildete vorzugsweise die Nahrung der Menschen, welche in Höhlen lebend den Namen »Höhlenmenschen« führen, während man jenen Zeitraum selbst als »Renntierperiode« näher bezeichnet.
In der späteren Steinzeit waren die großen Säugetiere ausgestorben; Metalle noch immer unbekannt, rohe Töpferwaren dagegen in Gebrauch. Diesem Zeitabschnitt gehören die skandinavischen Kjökkenmöddinger (Haufen von Küchenabfällen), einige der Schweizer Pfahlbauten, sowie die Mehrzahl der in diesem Kapitel geschilderten Grabhügel an; Steinwerkzeuge fanden in diesem wie in den folgenden Perioden noch fortdauernd Benutzung, doch waren dieselben nunmehr zum größten Teile geschliffen.
2. Während der Bronzezeit fand dies Metall wie auch Gold, Bernstein und Glas zu Schmucksachen Verwendung; die Töpferwaren erscheinen besser gearbeitet und mit geometrischen Zeichnungen versehen, auch Stein fand noch immer für Pfeil- und Speerspitzen sowie Messer Verwendung. Die Schilderung der aus dieser Epoche stammenden Grabhügel sowie ihres Inhaltes folgt weiter unten.
Thongefäß, gefunden in einem Steingrabe in Westergötland. (? der wirklichen Größe.)
Thongefäß aus der Steinzeit, gefunden in einem Grab in Skåne. (? der wirklichen Größe.)
3. Von der Eisenzeit ist an dieser Stelle nur zu sagen, daß der Gebrauch der gewöhnlichen Metalle bekannt geworden, daß der Zustand der Barbarei wie auch das Nomadenwesen ihr Ende erreicht und der Betrieb des Ackerbaues die Gründung fester Ansiedlungen mit Gesetzen und Obrigkeit zur Folge hatte, und schloß sich hieran das geschichtliche Zeitalter mit seinen – nach heutigen Begriffen – wenigstens halbbarbarischen Einrichtungen. Die heutigen Bewohner Skandinaviens, obgleich sämtlich zu den Orthognaten (Geradzähnigen) gehörend, zerfallen dennoch in zwei sehr von einander verschiedene Klassen – die Lappen sind Brachykephalen, alle übrigen dagegen Dolichokephalen. Die Mehrzahl der in den Gräbern aus der Steinzeit gefundenen Schädel zeigt gleichfalls die Bildung der Dolichokephalen, eine ziemliche Anzahl diejenige der Brachykephalen, was ein Beweis dafür ist, daß zu jener Zeit zwei verschiedene Rassen das Land bewohnt haben müssen, und besitzen die Dolichokephalen-Schädel durchschnittlich sogar eine etwas längere Form als diejenigen der jetzigen Bewohner. Über den Typus der Bewohner Skandinaviens während der früheren Steinzeit lassen sich freilich nur Vermutungen hegen, da bis jetzt keinerlei Gräber aus jener Periode aufgefunden wurden, und es erscheint deshalb im höchsten Grade zweifelhaft, ob das Land zu jener Zeit überhaupt bewohnt gewesen, in keinem Falle ist dies auch nur mit der geringsten Sicherheit erwiesen.
Einzelne Teile Schwedens müssen freilich schon zur Zeit der dänischen Muschelhaufen bevölkert gewesen sein, wenigstens läßt sich dies aus dem Umstande schließen, daß Feuersteinwerkzeuge, wie sie dort vorkommen, in Skåne (Schonen) gefunden worden sind, doch sind die Kjökkenmöddinger Skandinaviens, obschon sehr alt, dennoch jünger als diejenigen Dänemarks.
Nachdem Skandinavien durch das Meer von Norddeutschland getrennt worden, wie solches das Kapitel über Geologie erklärt, gab es keine Renntiere mehr in Schweden, ihre Knochen finden sich nicht in den Kjökkenmöddinger, obschon man solche in den Torflagern Dänemarks und Schwedens antrifft; zu jener Zeit wie auch in der folgenden Periode lebte hier der Auerochse. Was aber die Menschen der späteren Steinzeit betrifft, so gehörten sie einer kräftigen Rasse an, waren mit dem Gebrauch des Feuers vertraut, besaßen Haustiere und trieben sogar etwas Ackerbau.
Zu den ältesten Spuren, welche auf die Anwesenheit des Menschen in Skandinavien hinweisen, gehören, wie bereits erwähnt, die Kjökkenmöddinger oder Haufen von Küchenabfällen, aus deren Zusammensetzung sich vielfach Schlüsse ziehen lassen auf die Lebensweise der damaligen Bewohner. Diese Haufen bestehen ausnahmslos aus Muscheln, Fischgräten, aus Knochen von Vögeln und Säugetieren wie z. B. dem Hirsch, Wildschwein, Biber, Seehund, Auerochsen, dem Bären, Fuchs, Wolf, Luchs und Marder sowie aus Thonscherben.
Diese Haufen liefern den Beweis, daß in vorhistorischen Zeiten, vor vielleicht 3000 Jahren, die Bewohner des Nordens in höchst primitiver Weise lebten, doch finden sich in diesen Kjökkenmöddinger wie auch in der Nähe derselben roh gearbeitete Werkzeuge und Geräte aus Feuerstein, Knochen und Horn in großen Mengen, ebenso auch Feuerstellen einfach aus einigen wenigen Steinen zusammengefügt, alle diese Funde aber, die ersten sichtbaren Zeichen von dem Erfindungsgeiste des Menschen, deuten darauf hin, daß zu jener Zeit das Land ausschließlich von Fischern und Jägern bevölkert gewesen sein muß.
Große Mengen von Feuersteinwerkzeugen befinden sich in den Museen Schwedens und Norwegens, und bietet sich dort treffliche Gelegenheit, die rohen in Skåne gefundenen Werkzeuge aus der älteren Steinzeit mit den schönen einer späteren Periode entstammenden Geräten zu vergleichen, wie sich denn auch an denselben die Fortschritte, welche die Kunstfertigkeit des Menschen bereits vor der Entdeckung der Metalle gemacht, deutlich erkennen lassen. Die in den Kjökkenmöddinger gefundenen Werkzeuge sind am rohesten gearbeitet und ging die Verbesserung derselben natürlich nur sehr langsam vor sich; von Gefäßen traf man nur solche aus Thon, wie die Abbildungen auf S. 516 sie zeigen, das eine wurde einem Grab in Skåne, das andere einem Grabhügel bei Herrljunga in Westergötland entnommen.
Steinwerkzeug aus der älteren Steinzeit. – Skåne. (¾ der natürlichen Größe.)
Dolch aus Feuerstein. – Småland. (½ der natürlichen Größe.)
Daß in der späteren Hälfte der Steinzeit Haustiere vorhanden waren, ist durch das Vorkommen von Rindvieh-, Pferde-, Schaf-, Schweine- und Hundeknochen in den Gräbern festgestellt. Auch Zieraten aus Knochen, wie auch Bernsteinperlen, aus der Steinzeit stammend, hat man in den Gräbern von Westergötland gefunden, denn mag ein Volk auf noch so niederer Stufe stehen, Schmucksachen irgend einer Art wird man bei demselben doch stets antreffen.
Gräber aus der älteren Steinzeit hat man auf der skandinavischen Halbinsel nicht entdeckt, wohl aber sind solche aus dem späteren Abschnitte dieser Zeit in großen Mengen vorhanden. Man kann dieselben in vier Gruppen einteilen: Stendösar (Steinhaufengröber), Gånggrifter (Galeriegräber), Hällkistor (freistehende Steinsärge) und schließlich Steinsärge von einem Erd- oder Steinhügel überwölbt, und zwar sind die Stendös-Gräber die ältesten, während die, einen bedeutenden Fortschritt während des letzten Teiles der Steinzeit andeutenden überdeckten Gräber den Übergang zur Bronzezeit bilden.
Die Erforschung dieser alten Grabstätten gewährt ein hohes Interesse; niemals aber konnte ich einer derselben anders denn mit dem Gefühle scheuer Ehrfurcht mich nahen; wie eine Verkörperung der Vergänglichkeit menschlichen Seins schauten diese Zeugen längst verschwundener Jahrhunderte mich an; der Mensch kommt, geht und ist vergessen und das Grab, vielleicht der Gegenstand der Verehrung für ein ganzes Volk, es wird entweiht und geplündert von denen, welche der ewig wechselnde Strom der Zeit zu Erben seines Besitzes gemacht.
Dreikantige Pfeilspitze aus Feuerstein. (? der natürlichen Größe.)
Pfeilspitze aus Knochen mit zwei Reihen von Steinsplittern an den Seiten eingefügt. (½ der natürlichen Größe.)
Die Stendösar, Cromlechs Cromlech, in Großbritannien Denkmäler aus celtischer Zeit, aufgerichtete Steine, über welche ein anderer als Decke gelegt ist. In der Bretagne Dolmen genannt. oder Dolmen, welche man gefunden, bestehen aus drei bis fünf kreisförmig geordneten, hohen Steinen, mit einem großen Steinblock als Decke, und waren diese Grabmäler nur zur Aufnahme einer einzigen Leiche bestimmt, welche man in sitzender Stellung, versehen mit Feuersteinwaffen und Werkzeugen, bestattete. Die die Wände des Raumes bildenden Steine zeigen glatte Innen-, aber rauhe Außenflächen, und dasselbe ist bei der meist aus einem Block, zuweilen aber auch aus mehreren Steinen bestehenden Decke der Fall. Die Form des Totengemaches selbst ist verschieden, manchmal viereckig, fünfeckig, länglich oder nahezu rund; dabei beträgt die Länge zwischen 2½–4½ m, die Breite 1½–2 m und die Höhe 1 m–1,75 m.
Die meisten dieser Gräber erheben sich über einem Erdhügel, welcher fast ausnahmslos das Dach, häufig aber auch die Seitenwände des Grabes, zum Teil wenigstens, unbedeckt läßt, und ist dieser Hügel, welcher gewöhnlich eine runde, in Schweden zuweilen eine längliche Gestalt zeigt, an seinem Fuß von oft sehr großen Steinen umschlossen. Ist der Hügel länglich, so liegt das Steingrab fast stets mehr nach dem einen Ende zu; doch birgt er auch gelegentlich wohl zwei Gräber.
Stendös (Cromlech) bei Haga in Bohuslän.
Das Steingrab bei Haga, in Bohuslän, welches die Abbildung veranschaulicht, besteht aus fünf Wandsteinen; der fast viereckige Innenraum mißt 2 m in der Länge, 1,80 m in der Breite und der Höhe, und die Länge des Decksteines beträgt 3 m. Dieser Deckstein läßt sich, sobald ein entsprechender Druck auf eine bestimmte Stelle seines Randes ausgeübt wird, in eine schaukelnde Bewegung versetzen, wobei ein eigenartig dumpfer Ton hörbar wird, und hat man bereits bei vielen Steingräbern eine solche Lage des Decksteins beobachtet.
Die Gånggrifter (Galeriegräber), sämtlich von der Dolichokephalen-Rasse errichtet, waren vermutlich für die Bestattung der Häuptlinge und ihrer Familien erbaut, auch bestimmt, viele Geschlechter zu überdauern, und obgleich der Steinzeit angehörend, stammen sie doch keineswegs aus der Zeit der Barbarei. Wohnstätten aus dieser Periode hat man bis jetzt nirgends angetroffen; vermutlich befanden sich dieselben mehr oder weniger unterirdisch aus kleinen Steinen errichtet, welche natürlich im Laufe der Jahre zusammenstürzen und ebenso wie bloße Erdhöhlen verschwinden mußten.
Die Gånggrifter, manchmal sehr groß, bestehen aus einem Gemach und einem zu demselben führenden Gang; den ganzen Bau aber bedeckt ein Erdhügel, um dessen Fuß ein Kreis größerer und kleinerer Steine sich schließt.
Das Totengemach eines solchen Galeriegrabes zeigt entweder eine längliche, viereckige, ovale oder beinahe runde Gestalt. Die Wände werden wie bei den Stendösar aus großen aufrecht stehenden, an der Innenseite glatten Steinen gebildet, doch sind bei ihnen die Zwischenräume und Spalten mit kleinen Steinstücken, Kies, Sand, zuweilen auch mit Birkenrinde sorgfältig ausgefüllt. Ungeheure flache Steine oder auch Blöcke, glatt an der Innen-, rauh an der Außenseite, bilden die Decke, deren Spalten dieselbe Füllung zeigen wie Wände, und der Boden ist bei einigen Gräbern gleichfalls mit kleinen flachen Steinen belegt, während bei anderen die Erde unbedeckt ist.
Gånggrift bei Karleby in Westergötland.
Von der Längsseite der Grabkammer – gewöhnlich der Süd- oder Ostseite – führt eine Öffnung nach dem in gleicher Weise wie die Grabstätte selbst, nur länger und schmäler erbauten Gang. Derselbe ist, wenigstens an seinem durch den Erdhügel überwölbten inneren Teile, gleichfalls mit Blöcken gedeckt, die an Größe jedoch den Decksteinen der Grabkammer nachstehen, und an der von der Leichenkammer nach dem Gang führenden Öffnung, wie auch an dem äußeren Ende des bedeckten Gangteiles befindet sich häufig ein aus einem Schwellenstein und zwei schmalen Thürpfosten bestehender Thürrahmen.
In einem nahe der Karleby-Kirche bei Falköping gelegenen Galeriegrabe, welches man im Jahre 1872 öffnete, fand man, gerade jenseits der Schwelle im Gange liegend, eine flache, fast rechteckige Kalksteinplatte, deren Breite genau derjenigen der Thüröffnung entsprach, und hatte diese Platte allem Anscheine nach ehemals als Thüre gedient, bis sie dann später umgefallen war. Dies Grab ist das größte der bis jetzt in Schweden entdeckten Gånggrifter; die Kammer, deren Decke aus neun großen Granitblöcken besteht, mißt 16 m in der Länge bei 2 m in der Breite, und die Länge des Ganges beträgt 12 m (Abbildung S. 523).
Im allgemeinen ist die Größe der schwedischen Gånggrifter sehr von einander verschieden; doch zeigen die Kammern meist eine Länge von 3½–7½, eine Breite von 1½–3½ und eine Höhe von 1–1½ m; häufig ist auch der Gang ebenso lang wie die Kammer, oftmals sogar noch länger, während die Breite desselben sich auf 75 cm–1,25 m, die Höhe auf 1–1½ m beläuft. In der Nähe von Falköping befinden sich die meisten Gräber aus der Steinzeit, auch messen dort viele der Kammern zwischen 9–12 m in der Länge.
Die freistehenden Steinsärge sind aus flachen, aufrecht stehenden Steinen errichtet; indes laufen die beiden Längswände derselben nicht völlig parallel, vielmehr erscheint der Sarg an dem einen Ende schmäler als an dem anderen. Die meisten dieser Grabstätten waren früher wohl auch mit Steinen bedeckt, in vielen Fällen sind diese jedoch schon längst zerstört oder entfernt worden und nur manchmal findet man sie noch an der alten Stelle. Die Richtung dieser Steinsärge erstreckt sich gewöhnlich von Nord nach Süd und meist sind sie auch von einem Erd- oder Steinhügel umgeben.
Diese Art der Begräbnisstätten hat sich vermutlich aus der Weglassung des dem Galeriegrabe eigenen Ganges entwickelt, denn es sind noch verschiedene Zwischenarten aufgefunden worden, bei welchen sich erkennen läßt, wie der Gang allmählich an Ausdehnung einbüßte, bis endlich in dem enger werdenden südlichen Ende des Steinsarges seine letzte Spur nachweisbar erscheint.
Einer dieser Zwischenarten gehört ein in Våmb-Nedregården bei Sköfde, Westergötland, entdecktes Grab an. Von der östlichen Seite der Kammer geht ein kurzer Gang aus, welcher ungleich denjenigen regelrechter Gånggrifter in gleicher Richtung und fast auch gleicher Breite mit dem Grabe sich fortsetzt, auch wird die Verbindung zwischen Grabkammer und Gang nicht, wie sonst üblich, durch die Öffnung zwischen der Thürplatte und den Seitenwänden des Ganges, sondern durch ein rundes, etwa ½ m im Durchmesser haltendes Loch im Schlußsteine vermittelt. Die Länge des Grabes ohne den Gang beträgt 4 m und im Innern desselben fand man im Jahre 1859 mehrere Skelette, fünf Dolche und Speerspitzen aus Feuerstein, zwei aus demselben Material gefertigte Pfeile, zwei Wetzsteine aus Schiefer und eine knöcherne Nadel.
Seitenansicht eines Galeriegrabes bei Karleby.
Grundriß des Grabes.
Hällkista bei Skattened in der Pfarrei Södra Ryrs, Westergötland. (6,65 m lang.)
Die Länge der Steinsärge schwankt zumeist zwischen 2–4 m, die Breite beträgt zwischen 75 cm und 1,20 m, die Höhe 75 cm–1,50 m; doch besitzen einige wenige, in Westergötland gelegen, eine Länge von 5½–9½ m. Der größte dieser Art in Schweden befindet sich bei Stora-Lundskullen, in Westergötland, und mißt 10½ m in der Länge bei 2½ m in der Breite, ebenso liegt eine andere sehr geräumige Grabstätte derselben Gattung – gleich vielen anderen Steinsärgen vom Volke »Riesenhaus« genannt – gleichfalls in Westergötland, in der Waldeinsamkeit von Skattened bei Venersborg. Dies Grabmal, dessen Lage in der Richtung von Nordost nach Südwest, mißt 6½ m an der etwas gerundeten Ostseite und 6 m an der fast geraden Westseite, dabei beträgt seine Breite an dem durch einen einzigen flachen Stein verschlossenen nordöstlichen Ende 2 m und 1½ m an der offenen südwestlichen Seite. Die Steine, deren Höhe zwischen 1,50–1,75 m schwankt, stehen dicht neben einander so geschickt geordnet, daß, ohne die Gleichmäßigkeit der Fläche dadurch zu beeinträchtigen, doch jeder Stein ein wenig über den anderen sich legt und ihn dergestalt stützt; von den Decksteinen aber, deren Zahl vermutlich 5–6 betrug, sind nur noch zwei nebst einem Teil des dritten vorhanden, alle jedoch in das Grab hinabgesunken, während ein an dem Südwestende liegender Stein vermutlich auch entweder zu den Decksteinen gehörte oder als Thür diente. Der Sarg, welcher sich etwa 70 cm unter die Bodenfläche gesenkt hat, ist an drei Seiten von einem Steinhaufen umschlossen, über welchen die Wände des Grabes nur wenige Centimeter hoch emporragen.
Daß auch fast alle anderen Steinsärge, wie die Gånggrifter, am südlichen Ende offen sind, kann man nicht auf einen bloßen Zufall zurückführen wollen; im Gegenteil, gerade dieser Punkt erscheint sehr bedeutsam. Allem Anscheine nach muß diese Endöffnung als eine Nachbildung des bei den Galeriegräbern gleichfalls nach Süden zu befindlichen Einganges betrachtet werden und ebenso deutet der Umstand, daß die Steinsärge am Südende häufig schmäler und niedriger werden, ebenfalls darauf hin, sie seien von vornherein offen geblieben. Ein weiterer Anklang an den Eingang der Galeriegräber ist, daß die Öffnung des Steinsarges sich oftmals in der Mitte der östlichen Längsseite findet; so wurde z. B. im Jahre 1875 ein nicht weniger denn 9½ m langer Steinsarg bei Herrljunga in Westergötland bloßgelegt, der eine solche 2½ m breite Öffnung aufzuweisen hat, doch zeigen manchmal auch diese freistehenden Steinsärge, anstatt an der Südseite ganz unverschlossen zu sein, an dieser Stelle nur eine oben gerundete Öffnung von 75 cm Höhe und 40 cm Breite.
Außer den seither geschilderten Steinsärgen hat man auch solche angetroffen, welche, augenscheinlich der Steinzeit angehörend, vollständig mit Erde oder Steinen überdeckt sind, doch sind sie dabei gewöhnlich ganz in derselben Weise wie die schon beschriebenen Steinsärge aus aufrechtstehenden Steinplatten hergestellt und mit flachen Steinen gedeckt; meist an allen Seiten geschlossen, zeigen sie durchschnittlich nur eine Länge von 1½–3 m; indes haben einzelne derselben freilich auch die obenerwähnte Öffnung aufzuweisen und ist eine der merkwürdigsten dieser Art die im Jahre 1874 in Karleby, bei Falköping, ganz in der Nähe eines Galeriegrabes gefundene Begräbnisstätte. Im Innern eines großen, aber nicht sehr tiefen Steinhügels entdeckte man ein aus Kalksteinplatten errichtetes, aus einer großen Kammer und zwei kleineren Räumen bestehendes Grab, und hatten zur Herstellung des mit dem Boden ringsum gleichen Daches ebenfalls flache Steine Verwendung gefunden. In der Wand, welche das eigentliche Grab von dem inneren Raume schied, befand sich ein rundes Loch von 60 cm im Durchmesser, welches von außen mit einer durch runde Steine gehaltenen Steinplatte verschlossen war, und ebenso zeigte die Scheidewand zwischen dem inneren und dem äußeren Vorraum gleichfalls ein Loch von 75 cm im Durchmesser, doch war dasselbe höher angebracht, als das andere, deshalb auch vermittelst einer größeren Platte verschlossen. Die Länge des in der Mitte gelegenen größeren Raumes betrug 4 m, bei 2 m Breite und 1,75 m Höhe und fand man in demselben mehr denn 60 Skelette nebst einer großen Menge von Dolchen, Speer- und Pfeilspitzen, sowie sonstigen Gegenständen aus Feuerstein. Das Grab mußte also aus einer Zeit stammen, da Feuersteinwerkzeuge noch in Gebrauch waren; gerade deshalb aber gewann der Umstand besondere Wichtigkeit, daß man unter den Skeletten in dem unteren Teile des Grabmals eine Anzahl Bronzeperlen nebst einer Speerspitze aus dem nämlichen Metall entdeckte, ging hieraus doch deutlich hervor, daß zur Zeit, da das Grab benutzt wurde, die Bronzezeit in Westergötland bereits ihren Anfang genommen haben mußte. Übrigens ist dies keineswegs der einzige Fall, in welchem man Stein- und Bronzewerkzeuge – wahrscheinlich dem Beginn dieser Epoche angehörend – zusammen in den Gräbern gefunden.
Gewisse Anzeichen lassen darauf schließen, daß das Opfern auf den Gräbern während der Steinzeit vielfach in Gebrauch gewesen: mehrere Stendösar und Galeriegräber hat man gefunden, deren Decksteine, vermutlich zu diesem Zweck, mit etwa 5 cm breiten Löchern versehen waren, und befindet sich ein solches Grab bei Fasmorup, in Skåne, ein anderes in der Nähe der Kirche von Tanum in Bohuslän.
In einzelnen Fällen ist man auf Steinwerkzeuge gestoßen, welche, obgleich sie nicht als Gräberfunde zu bezeichnen sind, doch jedenfalls zu einem bestimmten Zwecke verscharrt wurden; so fand man z. B. im Jahre 1821 bei Ryßvik, im Süden von Småland, 15 große, gut geschliffene Streitäxte aus Feuerstein, im Halbkreis geordnet; 1863 machte man einen ähnlichen, obgleich unbedeutenderen Fund, indem man fünf große geschliffene Streitäxte, in einer Reihe liegend, bei Bro in Nerike, am Ufer des teilweise ausgetrockneten Sees Mosjön entdeckte, und bei Knem in der Pfarrei Tanum, in Bohuslän, fand man 1843 sieben Sägen, eine Speerspitze und ein Schabeisen, alles aus Feuerstein, eins neben dem andern liegend, unter einem flachen Stein verborgen. In dem nämlichen Jahre entdeckte man bei Skarstad, in Bohuslän, ebenfalls unter einem flachen, glatten Stein, zehn Feuersteinsägen von gleicher Form; ebenso wurden in der Pfarrei Skee in Bohuslän vor mehreren Jahren zehn ganz gleiche in Birkenrinde verpackte Sägen ans Tageslicht befördert, und auch in Torflagern hat man ähnliche Funde gemacht; so grub man z. B. 1863 in der Nähe von Halmstad zwanzig dicht bei einander liegende Feuersteinsägen aus.
Die Provinz Westergötland ist besonders reich an Altertümern aus der Steinzeit; ihr zunächst an Zahl und Ergiebigkeit der Fundstätten stehen Skåne, Blekinge, Halland, Bohuslän, Dalsland und der südwestliche Teil von Vermland. Ebenso enthält die Ebene rings um Falköping, obschon seit Jahrhunderten der Kultur gewonnen, doch noch eine größere Anzahl von Gräbern aus der Steinzeit denn irgend ein anderer Ort, reich an Schätzen aus jener Zeit ist auch ein gewisser Teil von Småland, besonders der westliche Bezirk und ebenso das Gebiet im Innern der Provinz rings um die großen Seen und Wasserbecken, welche durch die Flüsse Halland und Blekinge mit der See in Verbindung stehen.
Stendös, mit Vertiefungen im Deckstein, bei Fasmorup in Skåne.
Feuersteinsäge, Bohuslän. (? der natürlichen Größe.)
Feuersteinaxt; (Stelle zum Anbringen des Griffes leicht kenntlich.) – Skåne.
Diesem Umstande gegenüber erscheint es um so seltsamer, daß an der Ostküste nicht ein einziges Grab aus der Steinzeit anzutreffen ist, daß außerdem die an der Westküste so häufig aufgefundenen Altertümer aus jener Periode in der Ostgegend nördlich von Kalmarsund nur selten vorkommen und daß ebenso Gräber wie Altertümer auf Gotland und Öland so selten sind, welche Inseln doch einen so bedeutenden Reichtum an Altertümern aus der späteren Heidenzeit besitzen. Besondere Erwähnung verdient noch, daß die verschiedenen Arten von Altertümern und Gräbern sich nicht gleichmäßig über die während der Steinzeit bewohnten Gebiete Schwedens verteilt finden; die Schwedens ältester Steinzeit angehörenden Werkzeuge und Waffen hat man vielmehr fast ausnahmslos in Skåne gefunden; ebenso beherbergte dieser Landstrich große Mengen von Feuersteinäxten aus der späteren Steinzeit, welche in den Gegenden nördlich von Skåne seltener vorkommen.
Aus all diesem geht mit Bestimmtheit hervor, daß Skåne nicht nur der am dichtesten, sondern auch einer der am frühzeitigsten bevölkerten Teile des Landes gewesen sein muß, und findet diese Behauptung durch die merkwürdige Verteilung der verschiedenen Arten der Gräber ihre Bestätigung. Wie bereits erwähnt, unterscheidet man 1. Stendösar (Cromlechs), 2. Gånggrifter (Galeriegräber), 3. Hällkistor (freistehende Steinsärge) und 4. Steinsärge von Stein- oder Erdhügeln überwölbt, welche letztere zwar dem Ausgange der Steinzeit angehören, aber auch zu Beginn der Bronzezeit noch in Gebrauch waren. Nun trifft man aber Stendösar nur in Skåne, Halland, Bohuslän und auf der Insel Öland, woselbst indes nur vier, und diese dicht bei einander liegend, entdeckt worden sind. Mit Ausnahme dieser einsamen Gruppe kommen Stendösar – die älteste bekannte Grabform – nur in Skåne und an der Westküste vor; das in Schweden am weitesten nördlich gelegene Stendös befindet sich bei Masselberg, in Bohuslän, während man in Norwegen nur ein einziges Grabmal dieser Art nahe der Grenze von Bohuslän entdeckt hat.
Ungeschliffene Axt aus Feuerstein (ältere Form), (? der natürlichen Größe.)
Die den Stendösar an Alter zunächst stehenden Gräber, die Gånggrifter oder Galeriegräber, finden sich in Skåne, vornehmlich aber in Skaraborgslän, Westergötland, überaus zahlreich vertreten und einige wenige derselben trifft man auch in Bohuslän. Von den bis jetzt in Schweden bekannt gewordenen 140 Galeriegräbern kommen mehr denn 110 auf Skaraborgslän und von diesen wiederum befinden sich die meisten in der Nähe von Falköping, während in dem zum Elfborgslän gehörenden Gebiete Westergötlands dagegen nur zwei Gräber mit einfachen Gängen liegen, welche sich obendrein von den eigentlichen Galeriegräbern wesentlich unterscheiden.
Die Steinsärge, dem Anscheine nach die letzte Art von Grabmälern aus der Steinzeit, besitzen eine viel weitere Verbreitung denn die übrigen und sind freistehende Steinsärge (Hällkistor) besonders häufig in Westergötland – und dort wieder namentlich im Elfborgslän –, in Bohuslän, Dal und im südwestlichen Teile von Vermland.
Die von einem Erdhügel überwölbten Steinsärge trifft man in allen denjenigen Provinzen, wo die älteren Grabmäler vorkommen; außerdem in Blekinge, Småland, dem Südwesten von Östergötland und auf der Insel Gotland – kurz in allen denjenigen Gebieten, wo die älteren Gräberformen fehlen.
Noch muß hinzugefügt werden, daß sich die Stendösar stets dicht an der See, selten mehr denn 9 km von der Küste entfernt, finden, indes man die anderen Gräber häufig weit landeinwärts, fast immer aber dicht an einem See oder an einem dem Meere zuströmenden Ausfluß desselben trifft.
Alle diese Einzelheiten liefern den deutlichen Beweis, daß Skåne, sowie die Westküste zuerst bevölkert gewesen, und daß diese Ureinwohner nach Norden und Nordosten vordringend, dem Lauf der Flüsse und der Richtung der größeren Seen folgend, sich allmählich längs der Küste der Ostsee, sowie über das Innere des Landes verbreiteten. Erst gegen das Ende der Steinzeit hatten die östlichen Landesteile – Småland, Östergötland und Gotland, als die ersten unter ihnen – eine überhaupt nennenswerte Bevölkerung aufzuweisen, wie gering dieselbe jedoch im Vergleich zu der Bewohnerzahl der Westseite gewesen sein muß, dafür stellt Södermanland als sprechendes Beispiel sich dar, dort sind nämlich die Überreste aus der Steinzeit in den nahe der Ostsee gelegenen Gegenden weit seltener als in dem südwestlichen Gebiete, in der Nähe von Wingåker, und läßt sich diese Erscheinung dahin erklären, daß ein Teil der Bevölkerung, von dem Hauptstamme sich abzweigend, von den Hauptniederlassungen im Norden von Westergötland ausging, um über Nerike nach dem westlichen Södermanland vorzudringen.
Vorstehende Thatsachen sprechen auch dafür, daß das Volk, von welchem jene Altertümer Zeugnis ablegen, aus dem Süden oder vielmehr aus dem Südwesten, d. h. aus Dänemark, hierher eingewandert sein muß, und erscheint diese Einwanderung von Südwesten her um so bemerkenswerter, als die während der folgenden Zeiträume stattfindenden, bis zu späteren Jahrhunderten fortgesetzten Bewegungen von Südosten und den östlichen Regionen her für das Land eine so viel größere Wichtigkeit erlangt haben. Wenn man dann obendrein die hervorragende Rolle in Betracht zieht, welche Öland und Gotland während der Eisenzeit gespielt, so erfordert das auf jenen Inseln so seltene Vorkommen von Altertümern aus der Steinzeit doppelte Beachtung.
Alle diese bereits angeführten Altertümer aus der Steinzeit hat man in den südlichen und mittleren Teilen Schwedens aufgefunden. Aber auch der Norden hat verschiedene Altertümer aus geschliffenen Steinen – vorzugsweise Schiefer – aufzuweisen, doch lassen dieselben sofort erkennen, daß sie weder der südskandinavischen Steinzeit noch dem Volke angehören, welches Stendösar und Gånggrifter erbaute. Diese Altertümer, mit dem technischen Ausdruck als »arktische« bezeichnet, finden sich zumeist in Norrland und Lappland, woselbst Steinwerkzeuge der südskandinavischen Art sehr selten vorkommen, und da man sie hier niemals zusammen angetroffen hat, so liefert dies einen weiteren Beweis dafür, daß die arktischen Altertümer einem völlig von dem anderen verschiedenen Volksstamme angehören. Dieselben besitzen vielmehr große Ähnlichkeit mit den in Finnland gemachten Funden, und Lappen, Finnen, sowie andere ihnen verwandte Stämme mögen diese nordischen Gegenden bewohnt haben, wo die Steinwerkzeuge nicht nur ein anderes Material, sondern auch eine von der in Südskandinavien gebräuchlichen Form abweichende Bildung zeigen.
Merkwürdig ist, daß Speerspitzen und Messer aus Schiefer, wie sie die arktische Steinzeit aufweist, vereinzelt in Svealand, südlich von Dalarne (Dalekarlien) und in Götaland vorkommen. In Svealand, woselbst man mehr denn 2300 skandinavische Steinwerkzeuge ans Tageslicht beförderte, hat man indes nur zwölf Speerspitzen und Messer aus Schiefer gefunden und in den weiter südlich gelegenen Gebieten unter 44 000 Altertümern aus der Steinzeit gar nur fünf arktische Speerspitzen. Eine Erklärung dieser Thatsache ist überaus schwer; es bleibt nur die Annahme, daß die Lappen, wenn auch in geringer Zahl, ihre Wohnsitze einstmals über den Dal-Elf hinaus ausgedehnt oder daß die Südskandinavier der Steinzeit diese Schiefergeräte von ihren nördlicher lebenden Nachbarn erhalten und benutzt hatten. Da es nun den gemachten Funden nach wenigstens wahrscheinlich ist, daß zur Steinzeit zwei verschiedene Völker das Land bewohnten, da außerdem an der großen Zahl der entdeckten Gräber die lange Dauer der Steinzeit in Skandinavien, wie an den in ungeheuren Mengen ausgegrabenen Geräten, Werkzeugen u. s. w. auch der allmähliche Fortschritt des Volkes sich erkennen läßt, so entsteht die wichtige Frage: in welchem Verhältnis steht, hinsichtlich ihres Beginnes und ihrer Dauer, die arktische Steinzeit zu derjenigen von Südskandinavien und nahm die erstere ihren Anfang früher oder später denn die andere?
In Bezug auf Ackerbau und Viehzucht zeigt der letzte Abschnitt der Steinzeit bedeutende Fortschritte; trotzdem bildeten aber während desselben Fischfang und Jagd noch immer die vornehmsten Beschäftigungen.
Die Kenntnis der Bronze kam vermutlich von den im Süden und Südosten wohnenden Völkerschaften zu den Skandinaviern, indes erfolgte der Übergang von der Steinzeit zur Bronzezeit nur langsam und allmählich, und lange nachdem der Gebrauch des Metalles bekannt geworden, fanden Steingeräte noch immer Verwendung.
Nachstehende Abbildung zeigt den Durchschnitt eines großen, aus der Bronzezeit stammenden Grabes, welches man vor wenigen Jahren bei Dömmestorp in Süd-Halland entdeckte und sorgfältig untersuchte. Auf dem Grund des Hügels, in der Mitte (an der mit a bezeichneten Stelle), befand sich ein 2,20 m langer Steinsarg mit unverbrannten Menschenresten, dabei aber barg derselbe Hügel, oberhalb des großen Sarges und näher nach der Außenseite hin, drei andere, nur 40–75 cm lange, mit verbrannten Knochen gefüllte Särge. Ein mit einem flachen Stein bedecktes Loch, dicht bei dem Sarge b, enthielt gleichfalls verbrannte Knochen und denselben Inhalt zeigte ein thönerner Topf dicht bei dem obersten Sarge, auch enthielten drei der Särge, der große, derjenige an der Spitze des Hügels und einer der kleineren, außer den Knochen noch Geräte aus der Bronzezeit. Ohne Zweifel stammen die drei anderen Eingrabungen gleichfalls aus dem nämlichen Zeitraum; doch ist der große Sarg, seiner Lage nach zu urteilen, zweifelsohne älter denn die übrigen.
Durchschnitt eines Grabhügels bei Dömmestorp in Süd-Halland.
Fast ausnahmslos finden sich in Grabhügeln aus der Bronzezeit neben Särgen mit verbrannten auch solche mit unverbrannten Knochen; die letzteren aber immer dichter am Boden des Hügels denn die ersteren und müssen demnach die Grabstätten mit unverbrannten Knochen ein höheres Alter haben als die anderen. Eine Bestätigung dieser Ansicht bildet die Ähnlichkeit, welche einzelne aus dem Beginn der Bronzezeit stammende Gräber mit solchen aus der unmittelbar vorangehenden Periode der Steinzeit zeigen, wie sich denn wieder aus den Gräbern der früheren Bronzezeit die zu Ende dieses Abschnittes übliche Form allmählich entwickelt hat; in ununterbrochener Reihenfolge lassen die schwedischen Gräber diesen Entwickelungsgang erkennen, welcher mit der großen Grabkammer seinen Anfang nimmt, um mit der nichtssagenden Aufbewahrungsstätte einer Handvoll Aschenreste zu enden. Die ältesten bekannten Gräber aus Skandinaviens Bronzezeit sind Steinsärge, welche mehrere Skelette umschließen, allmählich wurden diese Särge immer kleiner, zuletzt maßen sie nur noch etwa 2 m, reichten also gerade hin zur Aufnahme eines Toten. Diese der Körpergröße eines Menschen entsprechenden Särge bieten besonderes Interesse, denn sie bilden den Übergang zu den kleineren, welche nur Knochenreste enthalten; einige von ihnen, der Länge nach für eine unverbrannte Leiche berechnet, bargen nur ein kleines Häufchen verbrannter Knochen und gehörten augenscheinlich jenem Zeitraume an, da die Leichenverbrennung erst anfing allgemeiner zu werden.
Steinplatte eines Sarges mit Zeichnungen, Givik in Skåne.
Viele dieser kleinen Steinsärge sind auch gerade nur groß genug, um ein thönernes, die gesammelten Knochen enthaltendes Gefäß aufnehmen zu können; manchmal fehlt der Sarg auch vollständig; man trifft dann nur Thongefäße mit Asche, einem kleinen Bronzemesser, dem Stück einer Bronzesäge oder dergl. darin und in einzelnen Fällen findet man auch die Knochen einfach in einer kleinen, mit einem flachen Stein bedeckten Höhle des Grabhügels. Verschiedene Anzeichen lassen außerdem darauf schließen, daß in jenen Zeiten Leibeigene zuweilen mit ihren Herrn bestattet wurden.
Gewöhnlich befinden sich die Grabstätten auf der Höhe eines Hügels, welcher einen unbeschränkten Blick nach der See oder einem anderen großen Wasserbecken gestattet, auch trifft man ebenso die Steinhügelgräber, der Mehrzahl nach, auf der Spitze hoher Felsen.
Dem äußeren Ansehen nach läßt sich das Alter dieser Gräber nur selten bestimmen, denn sehr viele dieser Hügel gehören nicht der Bronzezeit, sondern späteren Perioden der Heidenzeit an, und nur eine Untersuchung des Inhaltes vermag in dieser Beziehung Aufschluß zu geben.
Einen interessanten Bestandteil der Gräber bilden noch die Steinzeichnungen. Bei Kivik in Skåne entdeckte man in einem großen Steinhügel einen mächtigen, vermutlich aus der früheren Periode der Bronzezeit stammenden Steinsarg, welcher eine Länge von 4,50 m, eine Breite von 1 m und eine Höhe von 1,20 m besitzt, und dessen Steinplatten an der Innenseite Darstellungen zeigen, deren Enträtselung, zu vielen Streitigkeiten Anlaß gebend, bis jetzt noch nicht gelungen ist. Ähnliche Zeichnungen finden sich in stattlicher Anzahl auf Steinen und Felsflächen, welche die Gletscher der Eiszeit glatt geschliffen, und entstammen sie allem Anscheine nach insgesamt der Bronzezeit, denn von den Runensteinen der Eisenzeit unterscheiden sich diese Zeichnungen schon durch die größere Tiefe, während bei jenen lediglich die Umrisse angegeben sind. Unterscheidende Merkmale bilden weiter: die abweichende Form der Schwerter, wie auch der Schiffe – die Fahrzeuge der Bronzezeit sind nämlich an beiden Enden verschieden gestaltet, diejenigen der Eisenzeit dagegen gleich und ebenso erscheint auch das Fehlen der Runen bestimmend, denn wenn dieselben auch wohl zu Anfang der Eisenzeit in Gebrauch gewesen, so sind sie doch auf keiner dieser Steinzeichnungen anzutreffen. Noch einen wichtigen Beweis liefert schließlich die Verschiedenheit der religiösen Symbole – Rad und Kreuz. Daß beide Zeichen Verwendung gefunden, ist nicht in Abrede zu stellen, nur geschah dies zu verschiedenen Zeiten, während der Bronzezeit bediente man sich ausschließlich des Rades, und erst mit der Eisenzeit tauchte die Kreuzform auf; aus diesem allen aber geht hervor, daß jene Steinzeichnungen einer Periode vor der Eisenzeit ihre Entstehung verdanken und es handelt sich also lediglich darum, festzustellen: ob sie der Bronzezeit oder einem noch früheren Zeitraume angehören.
Felsenbilder in Bohuslän, Schiffe darstellend. (1/20 der natürlichen Größe.)
Das häufige Vorkommen von Schwertern auf diesen Zeichnungen spricht gegen die Steinzeit, denn während jener Periode war das Schwert noch nicht gebräuchlich. Die meisten der bis jetzt in Schweden bekannt gewordenen Denkmäler dieser Art hat man im nördlichen Teile von Bohuslän, Östergötland, im Südwesten von Skåne, seltener in Blekinge, Dal, Vermland und Upland entdeckt; zwei sind auch in Ångermanland und Jemtland gefunden worden, von denen das eine dem gleichen Zeitraum wie diejenigen der südlicher gelegenen Provinzen zu entstammen scheint. Die Zeichnungen zeigen indes je nach den einzelnen Landesteilen, in welchen man sie gefunden, große Verschiedenheit von einander; so bringen z. B. diejenigen aus Bohuslän häufig Menschen und Tiere zur Darstellung, was bei den übrigen nur selten der Fall ist, dagegen sieht man auf denjenigen aus Östergötland oftmals Schwerter und Schilde alleinstehend, d. h. nicht von Menschen getragen, was wiederum bei den Steinen aus Bohuslän fast niemals vorkommt. Schiffe bemerkt man beinahe auf allen Steinen, doch weicht ihre Form, je nach den verschiedenen Provinzen, sehr von einander ab; durchgehends erscheinen hingegen die kleinen, napfförmigen Vertiefungen, Sandalen u. dergl. m.
Felsenzeichnung bei Backa in der Pfarrei Brastad, Bohuslän. (1/67 der natürlichen Größe.)
Zahlreiche Versuche zur Erklärung dieser Steinbilder sind bereits gemacht worden, keiner derselben aber war bis jetzt von dem gewünschten Erfolge begleitet, doch stimmen einige skandinavische Archäologen in der Behauptung überein, daß gewissen Figuren und Zeichen eine symbolische Bedeutung beizulegen sei. Diese Ansicht enthält ohne Zweifel sehr viel Wahres, so bedeutet z. B. eine napfförmige Vertiefung – eine Flüssigkeit, ein Getränk; eine gekrümmte Linie dagegen eine Welle und deshalb heißt die Zusammenstellung von einem Schiff, einer Biene und einer solchen gekrümmten Linie – »Methorn«, in dem bildlichen Sinn von »das Schiff der Honigwelle«, und ebenso soll ein kleiner Napf mit einer darauf gerichteten Speerspitze »Blut« bedeuten, d. h. »Trank des Speeres«.
Diese wenigen Andeutungen genügen wohl, um die Schwierigkeiten bei Auslegung dieser Zeichnungen zu veranschaulichen, aber wenn wir auch nicht hoffen können, den Sinn dieser Darstellungen je völlig zu ergründen, so schöpft doch der aufmerksame Beobachter gar manche Kenntnis aus diesen Denkmälern einer längst verflossenen Zeit. Sie reden von tapferen Thaten zu Wasser und zu Land; sie zeigen uns Schiffe und wecken die Vermutung, daß in jenen fernen Zeiten schon der Unternehmungsgeist diese Völker des Nordens zu Fahrten nach fremden Ländern trieb, aus welchen später die kühnen Kriegs- und Eroberungszüge der stolzen Wikinger zu so gewaltiger Ausdehnung sich entwickelten.
Steinzeichnung Reiter darstellend. – Tegneby in der Pfarrei Tanum, Bohuslän.
(1/24 der natürlichen Größe.)
Aber auch von friedlichen Beschäftigungen, von Ackerbau und Viehzucht, erzählen uns diese alten Steine, häufig finden sich auf denselben Pferde und Ochsen abgebildet und in den Gräbern trifft man Überreste von Häuten, wollenen Gewändern, Schwert- und Dolchscheiden aus Häuten, Gegenstände aus Horn gefertigt u. s. w. Daß Pferde zum Reiten Verwendung fanden, läßt die Zeichnung auf dem bei Tegneby in Bohuslän gefundenen Stein erkennen, während die Platte des Steinsarges zu Kivik die Abbildung eines Wagens enthält.
Auf einem Felsenbild bei Tegneby in Bohuslän sieht man einen Mann beim Pflügen und wird der Pflug, welcher die allerprimitivste Form zeigt, von zwei Tieren, vermutlich Ochsen, gezogen. Diese große Zeichnung bietet deshalb besonderes Interesse, weil sie eines der ältesten Zeugnisse für den Betrieb des Ackerbaues in Schweden liefert, außerdem wird diese Andeutung ergänzt durch das Auffinden einfacher Bronzesensen in Östergötland. Über die Art, in welcher das Mahlen des Kornes vorgenommen wurde, lassen sich nur Vermutungen hegen, doch wurde dies wahrscheinlich mit Hilfe von Handmühlen bewerkstelligt.
Felsenzeichnung bei Tegneby. (7,90 m hoch u. 5,15 m breit.)
Thongefäß. – Halland. (? der natürlichen Größe.)
Von Hausgeräten hat man, außer Gefäßen aus gebranntem Thon, Bronze und Gold, nur wenig gefunden; dann und wann trifft man zwar auch hölzerne Gefäße, deren Gebrauch natürlich sehr allgemein gewesen, welche jedoch dem Einfluß der Zeit nicht Widerstand zu leisten vermochten, und was die Thongefäße betrifft, so zeigen sie wohl große Mannigfaltigkeit der Form, stehen aber an Schönheit der äußeren Verzierung wie auch an Reinheit des verwendeten Materials weit hinter denjenigen der Steinzeit zurück. In zwei, zweifelsohne dem nämlichen Zeitraum angehörenden Gräbern hat man auch runde Schachteln aus dünnem Holz mit Deckeln, ähnlich den noch heute gebräuchlichen, gefunden.
Thongefäß. – Halland. (¼ der natürlichen Größe.)
Thongefäß. – Skåne.
Die Bronzegefäße haben meist die Form, wie die nachstehenden Abbildung (S. 538) sie zeigt. Häufig findet man bei denselben eine Art Deckel aus dem nämlichen Metall, der mit zwei Handhaben gleich denen des Gefäßes selbst oder mit zwei runden Knöpfen zur Befestigung des Gefäß und Deckel verbindenden Riemens versehen erscheint, und ist der Deckel stets so viel kleiner als die Schüssel, daß er nicht auf dieselbe aufgelegt, sondern in einiger Entfernung von derselben gehalten worden sein muß, doch ist die Verwendung dieser Gefäße bis jetzt unaufgeklärt geblieben.
Die in Blekinge gefundenen goldenen Gefäße sind, aller Wahrscheinlichkeit nach, als Trinkschalen benutzt worden, sie sind sehr dünn, mit Verzierungen in erhabener Arbeit geschmückt und gehören vermutlich den späteren Perioden der Bronzezeit an.
Hängendes Gefäß aus Bronze. Westergötland.
Was die in jenen grauen Zeiten übliche Kleidung angeht, so geben die Steinzeichnungen, obschon sie häufig menschliche Gestalten, zuweilen sogar in natürlicher Größe, zur Darstellung bringen, hierüber doch keinerlei Ausschluß. Um so willkommener mußten daher die bei Eröffnung einiger Gräber kürzlich gemachten unerwarteten Funde sein, indem man durch sie zuerst erfuhr, wie die Tracht zur Bronzezeit beschaffen gewesen, und lieferte ein Erdhügel bei Dömmestorp in Halland besonders reiche Ausbeute. Die Steinplatten des etwa 60 cm langen Sarges waren sorgfältig zusammengefügt und nach Entfernung der Decksteine zeigte sich das Innere desselben vollkommen frei von Sand oder Erde, so daß der Inhalt sich bequem untersuchen ließ. Auf dem Boden befanden sich einige wenige verbrannte Knochen, über diesen lag, in Falten geordnet und den ganzen Sarg einnehmend, eine Art von wollenem Shawl und darin verborgen ein Dolch aus Bronze in einer gut gearbeiteten, wohlerhaltenen Lederscheide mit Bronzeschließen. Der Shawl besaß eine Länge von etwa 1½ m, bei einer Breite von 60 cm; die Farbe ist durch das Alter braun geworden, an jedem Ende aber ein etwa 10 cm breiter, hellgelber Streifen noch deutlich zu unterscheiden; leider war jedoch der Stoff dermaßen vermodert, daß nur einzelne Stücke desselben ans Tageslicht befördert werden konnten, welche nunmehr in dem National-Museum in Stockholm untergebracht sind.
Die in dänischen Grabhügeln gemachten Funde lassen erkennen, daß zur Bronzezeit die Kleidung der Frauen aus denselben zwei Hauptstücken bestand, welche heute noch bei der bäuerlichen Bevölkerung in Gebrauch sich befinden. Die Tracht der Männer dagegen – vorausgesetzt, daß die aufgefundenen Stücke als vollständiges Muster der üblichen Kleidung gelten können – wich bedeutend von der späteren, selbst von der zu Anfang der historischen Zeit gebräuchlichen ab und muß hierbei vor allem das Fehlen der Beinkleider hervorgehoben werden, welche von sämtlichen germanischen Völkern getragen wurden, bei den celtischen Stämmen wie auch bei den Volksstämmen des südlichen Europa dagegen unbekannt waren.
Goldene Schale. – Blekinge.
Nähutensilien, Nadeln, Pfriemen, kleine Zangen und dünne Messer finden sich in großen Mengen in den Gräbern, und wenn dieselben auch meist aus Bronze sind, so hat man doch auch eine goldene Zange und einen ebensolchen Pfriemen einer Grabstätte entnommen. Die Pfriemen mußten natürlicherweise mit Stielen versehen werden und ist eine Anzahl derselben, aus Bronze, Knochen und Bernstein gefertigt, auf uns gekommen; auch Scheren waren in Gebrauch und die Nadeln glichen vollständig denjenigen der Steinzeit, doch trifft man sie seltener als die Pfriemen, was seinen Grund darin haben mag, daß die letzteren benutzt wurden, um Leder und Felle zu nähen, während die Nadeln bei der Verarbeitung von Wollenstoffen zur Verwendung gelangten, welche jedoch als sehr kostbar galten, deshalb auch nur selten vorkamen.
Messer, wie sie die spätere Bronzezeit aufweist, wurden vermutlich bei Herstellung der Kleidungsstücke aus Fellen benutzt; man schnitt mit denselben das Leder selbst zu und ebenso auch die dünnen Riemen, deren man sich zum Nähen bediente; mit dem Pfriemen wurden dann die Löcher gebohrt, während die Zange beim Durchziehen des Lederriemens Dienste thun mußte.
Die einfachen Schmucksachen der Steinzeit genügten zur Bronzezeit nicht mehr; die aus jener Zeit stammenden, meist aus Gold oder Bronze gearbeiteten, zeigen nicht nur größere Schönheit, sondern auch mehr Mannigfaltigkeit der Formen und namentlich zeichnen sich die Arbeiten aus den ersten Perioden der Bronzezeit durch Zierlichkeit der Muster sehr vorteilhaft aus, während die späteren Erzeugnisse in dieser Hinsicht den früheren bedeutend nachstehen.
Armreif aus Bronze. – Skåne.
Die zur Bronzezeit gebräuchlichen Waffen stimmen im allgemeinen mit denjenigen der Steinzeit vollständig überein; man benutzte Schwerter, Dolche, Äxte, Speere, Bogen und Pfeile, vermutlich auch Keulen und Schleuder; wichtige Ausrüstungsgegenstände zur Verteidigung waren außerdem Schilde, in manchen Fällen auch Helme.
Spiralförmiges Armband aus Bronze. – Skåne.
An Schwertern und Dolchen hat man mehr denn 500 in Schweden gefunden; ebenso grub man schöne Bronzeäxte bei Eskilstuna aus; doch scheinen dieselben, weil nicht massiv, sondern lediglich aus Kalkstein mit einem dünnen Überzug aus Bronze bestehend, schwerlich für Kriegszwecke, sondern, aller Wahrscheinlichkeit nach, als Schmuckstücke gedient zu haben. Übrigens bietet die Unterscheidung zwischen Streitäxten und gewöhnlichen Äxten, sowohl bei den der Bronzezeit wie auch bei den der Steinzeit entstammenden Waffen und Werkzeugen, große Schwierigkeiten.
Die Schilde scheinen gewöhnlich aus Holz oder Leder gefertigt und in der Mitte mit einem runden Bronzezierat versehen gewesen zu sein; doch stellte man sie manchmal wohl ganz aus Bronze her; Erwähnung verdienen auch hier noch die prachtvollen Schlachthörner aus Bronze, welche man an verschiedenen Orten gefunden.
Diadem aus Bronze. – Skåne.
Halsband aus Bronze. – Södermanland.
So viel sich aus den verschiedenartigen Altertümern erkennen läßt, waren zur Steinzeit nur Götaland und einzelne Teile des südlichen Svealand bewohnt; vor dem Ausgange der Bronzezeit hatte sich indes die Bevölkerung schon über das Land nördlich vom Mälar-See, möglicherweise auch über den Dal-Elf hinaus, verbreitet. Nach Norrland kamen nichtlappische Ansiedler wahrscheinlich erst zu Anfang der Eisenzeit; trotzdem hat man in Medelpad zwei, augenscheinlich der Bronzezeit angehörende Funde gemacht, und zwar ein sehr gut erhaltenes Schwert in Njurunda, sowie einen Meißel in Timra. In Finnland dagegen, woselbst Altertümer aus der Bronzezeit sehr selten vorkommen, hat man bei Storkyro, in der Nähe von Wasa, ein Schwert gefunden, und an der norwegischen Küste trifft man Waffen gar noch weiter nordwärts, selbst in den Ämtern Nordre Throndhjem und Tromsö.
Goldreif als Kopfschmuck. – Skåne.
Halsband aus Bronze. – Skåne.
Als dieser Zeit angehörend muß man auch die wenigen Steingeräte südskandinavischer Art betrachten, welche nördlich vom Mälar, sogar noch bei Skellefteå entdeckt worden sind. Diese Altertümer weisen darauf hin, daß die Bewohner jener nördlichen Gegenden den Südskaninaviern der Bronzezeit verwandt gewesen, und um so auffallender erscheint deshalb ein anderer Fund, welchen man kürzlich in Lappland gemacht; es ist dies ein hohler Meißel, der, gänzlich verschieden von den im übrigen Skandinavien vorkommenden, den in Rußland und Sibirien gefundenen auf das genaueste gleicht.
Schnalle aus Bronze. – Westergötland.
Bronzekamm.
Knopf aus Bronze. – Westergötland.
Spiralförmiger Fingerring aus doppeltem Golddraht. – Skåne.
Noch muß an dieser Stelle erwähnt werden, daß die Altertümer der Steinzeit nicht bloß in den drei skandinavischen Reichen übereinstimmend erscheinen, sondern auch denjenigen des nördlichen Deutschlands entsprechen, was mit Bestimmtheit auf einen gemeinschaftlichen Ursprung dieser Völkerschaften hinweist.
Mehrere Funde, aus dieser Zeit stammend, hat man noch am Salten-Fjord unter 67° nördl. Br. und sogar auch auf der Insel Senjen unter 69° 20' gemacht; aber so weit im Norden von Schweden sowohl wie von Norwegen kommen Altertümer aus der Steinzeit nur sehr selten und dann auch stets vereinzelt vor; Gräber aus dieser Zeit hat man in jenen fernen Regionen überhaupt nicht angetroffen. Am häufigsten werden Funde im Süden der skandinavischen Halbinsel und in Dänemark gemacht, während in Norwegen die Gegenden am Christiania- und am Throndhjem-Fjord, die Bezirke Lister und Jaederen am reichsten mit ihnen versehen sind, doch hat man auch weiter landeinwärts noch solche entdeckt, wogegen Schiefergerätfunde ausschließlich dem Norden angehören.
Es steht außer allem Zweifel, daß die Steinzeit in den skandinavischen Ländern eine längere Dauer besaß als in dem übrigen Europa und infolge hiervon konnten die Menschen einen höheren Grad der Kultur erreichen, wie solcher an ihren Gerätschaften, in den schönen Mustern und der besseren Ausführung derselben, zum Ausdruck gelangt.
Die Geräte der Bronzezeit enthalten durchschnittlich 90% Kupfer und 10 % Zinn; auch sind dieselben zum größten Teile gegossen, die Schmucksachen außerdem nach dem Gusse entweder graviert oder geschmiedet.
Funde aus dieser Zeit hat man in Norwegen bis jetzt nur in geringer Zahl bis zum 66° nördl. Br. getroffen; am häufigsten kommen sie in Jaederen und Stavanger, mehr in der Nähe der Küste als weiter landeinwärts vor; gleich den Altertümern aus der Steinzeit sind auch diejenigen der Bronzezeit ihrer Mehrzahl nach im Süden der skandinavischen Halbinsel, sowie in Dänemark zu finden.
Nur während der beiden letzten Perioden der Eisenzeit hat Norwegen eine annähernd gleich große Bevölkerungszahl aufzuweisen, wie die der beiden anderen skandinavischen Reiche. Funde aus dem Beginn der Eisenzeit hat man in Norwegen Gräbern entnommen; die der beiden späteren Perioden aber sind, da sie zumeist aus goldenen Geräten bestehen, wohl als vergrabene Schätze zu betrachten.
Die Eisenzeit in Schweden und Norwegen.
Gräber. – Runen. – Fremde Münzen. – Verkehr mit den Römern. – Schmucksachen aus Bronze, Silber und Gold.
Die Eisenzeit umfaßt diejenige vorhistorische Periode, in deren Verlauf die Bewohner Schwedens und Norwegens zuerst den Gebrauch von Eisen, Silber und Blei kennen lernten; Glas, Elfenbein, geprägte fremde Münzen, die Fertigkeit, Metalle zu löten und zu vergolden, zu ihnen gelangten, vor allem aber die Kunst des Schreibens in Gestalt der Runen, Eingang bei ihnen fand.
Durch Vergleichung der Gräber und Altertümer dieser Periode sowie mit Hilfe der in großen Mengen unter den skandinavischen Funden aus der Eisenzeit vorkommenden, fremden Münzen ist es möglich, dieselbe, in drei bestimmte Abschnitte zu sondern.
Der Beginn oder die sogenannte frühere Eisenzeit begreift den Zeitraum vom Anfang der christlichen Ära bis zum Jahre 450 n. Chr. in sich.
Begräbnisstätte mit Bautastenar (Grabsteinen) bei Greby in Bohuslän.
Die mittlere Eisenzeit dauert von 450 bis 700 n. Chr.
Das Ende oder die spätere Eisenzeit aber beginnt 700 und reicht bis zur ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts.
In Norwegen trifft man eine große Anzahl von der Eisenzeit angehörenden Grabstätten, über welchen sich gewöhnlich ein runder oder länglicher Erd- oder Steinhügel wölbt, und ist einer der bedeutendsten dieser Hügel, vermutlich sogar der größte in ganz Skandinavien, der Raknehaug (Raknehügel) bei der Eisenbahnstation Trögstad in der Pfarrei Ullensaker, Amt Akershus, welcher an seiner Grundfläche im Durchmesser 90 m und 18 m in der Höhe mißt. Häufig sind diese Gräber mit mächtigen, aufrechtstehenden Bautastenar (Grabsteinen) versehen, wie denn in Greby, bei Grebbestad, an der Küste von Bohuslän, wo mehr denn 150, teils runde, teils längliche Grabhügel dicht bei einander liegen, gewaltige bis zu 4½ m hohe Bautastenar die Spitze derselben krönen oder sich zwischen den Hügeln erheben. Die Aufschriften der meisten sind im Laufe der Zeit unleserlich geworden; hier und da kann man eine derselben noch entziffern, doch sind sie, der Mehrzahl nach, nur sehr kurz und enthalten selten mehr als den Namen desjenigen, zu dessen Andenken sie vor Jahrhunderten errichtet worden. Bei Björketorp, in Blekinge, in der Nähe von Ronneby, befinden sich gleichfalls drei prachtvolle Steine dieser Art noch wohlerhalten und spricht die Inschrift des einen einen Fluch aus über den etwaigen Zerstörer des Denkmals. Die Runen sind übrigens nicht gleich auf allen diesen Steinen und lassen erkennen, daß ein Teil der Gräber älter ist als die übrigen; von diesen älteren Runensteinen hat man 5 in Blekinge, 2 in Bohuslän, 1 in Vermland, 1 in Westergötland, 1 in Östergötland, 2 in Södermanland und 2 in Upland angetroffen.
Lange Jahre hindurch erwiesen sich alle Versuche zur Entzifferung der älteren Runen als vergeblich; im Laufe der letztverflossenen Zeit jedoch ist es gelungen, die Lösung dieses Rätsels zu finden; ja noch mehr, man glaubt das Alter der ältesten Runeninschriften nunmehr mit Bestimmtheit angeben zu können. Die ältesten Inschriften, welche man bis jetzt entdeckte, stammen aus dem Jahre 300 n. Chr., welcher Zeitpunkt mit der früheren Eisenzeit der Halbinsel in Übereinstimmung sich befindet. Die zu Beginn der Eisenzeit gebräuchlichen Runen sind von den späteren vollkommen verschieden; indes zeigt eine eingehende Prüfung, daß diese Verschiedenheit nur auf eine allmähliche Veränderung und das Weglassen einzelner Zeichen zurückzuführen ist.
Die Bedeutung dieser jüngeren oder neueren Runen war schon längere Zeit bekannt; man hatte Schriften gefunden – aus der ersten Zeit nach Einführung des Christentums in Schweden und Norwegen stammend –, welche, gleichzeitig in lateinischer wie in Runenschrift ausgeführt, die Erforschung der letzteren verhältnismäßig leicht werden ließen, und sind es auch diese jüngeren Runen, welche man auf der Mehrzahl der in Skandinavien vorkommenden Steine antrifft. Ihr Gebrauch behauptete sich lange Zeit hindurch, und selbst noch zu Anfang des 16. Jahrhunderts bediente man sich in den weiter abgelegenen Gegenden Skandinaviens mit Vorliebe der altgewohnten Runenzeichen.
Ältere Runen.
Jüngere Runen.
Früher war die Annahme allgemein verbreitet, die Runenschrift sei von den germanischen Völkern selbständig, ohne irgend welche Anlehnung an die Alphabete südeuropäischer Völker erfunden worden; spätere Nachforschungen jedoch haben die Unrichtigkeit dieser Ansicht dargethan, denn besonders bei den älteren Runen tritt die Ähnlichkeit mit den Schriftzeichen Südeuropas klar zu Tage. Niemand wird es z. B. für einen bloßen Zufall halten, daß die Runen r, k, h, i, s und b lateinischen Buchstaben gleichen und ebenso teilweise auch gleiche Bedeutung mit den griechischen Schriftzeichen haben. Diese Übereinstimmung ist unverkennbar, nur entwickelten die alten Germanen eine merkwürdige Selbständigkeit in der Anwendung der fremden Alphabete, indem sie nicht allein den einzelnen Zeichen neue, von der ursprünglichen Bedeutung abweichende Namen beilegten, sondern dieselben auch in anderer Reihenfolge ordneten. Während alle südeuropäischen Alphabete mit a, b u. s. w. beginnen, bilden bei den Runen f, u, th den Anfang, und ebenso war die Trennung des Alphabetes in drei Teile, jeder zu 8 Buchstaben, eine weitere Neuerung. Das älteste Runenalphabet zählte 24, das neuere dagegen nur 16 Buchstaben; man hatte bei diesem letzteren indes nicht nur einzelne als überflüssig erscheinende Zeichen weggelassen, auch die Bedeutung mehrerer derselben war im Laufe der Zeit eine andere geworden; so kam z. B. das Zeichen für r anfänglich nur am Ende eines Wortes stehend vor, galt dann für s, woraus sich allmählich z entwickelte, während die für th und w stehenden Buchstaben vermutlich den betreffenden Lautzeichen der englischen Sprache gleichkamen.
Aber nicht bloß durch die eigenartige Bedeutung der Zeichen, sondern auch durch die Art, in welcher sie geschrieben wurden, unterschieden sich die Runen von den Schriften der meisten anderen Völker; man schrieb nämlich die älteren Runen von rechts nach links und erst bei den späteren Inschriften findet sich die noch heute gebräuchliche Schreibweise von links nach rechts.
Einen überaus interessanten Runenstein hat man bei Skåäng, in Södermanland, gefunden; hunderte von Jahren, nachdem die erste Inschrift auf seiner Fläche eingegraben worden, hat man denselben zum zweiten Male benutzt und mit einer neuen Aufschrift versehen, und zwar lautet die erste derselben, in einer Linie in der Mitte des Steines geschrieben: » Haringa Hleugar«, während die zweite am Rande des Steines befindliche heißt: » Skanmals auk Olauf thau letu kiara merki thausi eftir Suain fathur sin Kuth hialbi salu hans«. (»Skanmals und Olauf Frauennamen.) sie ließen machen diesen Denkstein nach Sven, ihrem Vater. Gott helfe seiner Seele.«)
Das Verbrennen der Leichen war, wenigstens in der ersten Periode der früheren Eisenzeit, fast allgemeiner Brauch; so findet man in den meisten Gräbern verbrannte Knochen über eine Schicht Steinkohlen gebreitet oder in einem Loche vergraben und manchmal auch von einem Hügel überwölbt. In letzterem Falle waren sie wohl ursprünglich von einem hölzernen Gefäß umschlossen gewesen, oftmals trifft man diese Überreste auch in irdenen oder bronzenen Urnen, um welche Steine, ein Viereck bildend, gelegt sind.
An den Geräten aus der ersten Periode der Eisenzeit erscheint noch keine Spur römischer Verfeinerung nachweisbar; es war eben damals ihr Einfluß noch nicht so weit nach Norden vorgedrungen, indes schon in der zweiten Periode macht sich eine Umwandlung bemerkbar, indem die jener Zeit entstammenden Gegenstände die Anlehnung an fremde Muster erkennen lassen. In Norwegen tritt dieser Umstand weniger auffällig hervor; auch sind dort die Funde an fremden Münzen weit seltener, wie denn gerade dieser Teil Skandinaviens überhaupt arm ist an Altertümern aus der früheren Eisenzeit sowohl als aus der Bronze- und Steinzeit; denn hat man solche zwar noch unter 69° nördl. Br. gefunden, so trifft man sie doch in den beiden anderen skandinavischen Reichen bei weitem häufiger.
Mit Hilfe dieser aus der früheren Eisenzeit herrührenden Funde gelingt es sich ein ziemlich genaues Bild davon zu machen, wie das Leben in Skandinavien beschaffen und wie weit die Kultur dort bereits vorgeschritten war während jener Jahrhunderte, da Heidentum und Christentum in der römischen Welt um die Vorherrschaft stritten, die germanischen Völkerschaften, in immer geringeren Zwischenräumen und mit stets wachsendem Ungestüm, die Grenzen des gewaltigen Reiches beunruhigten, bis der Kampf endlich mit dem Siege der Barbaren und dem Sturz der mächtigen Roma endend, dem stolzen Gebäude antiker Civilisation scheinbar völlige Vernichtung drohte.
Aus den Gräbern stehen sie wieder vor uns auf, die Recken jener Tage, im vollen Schmuck der Waffen; so wie die nebenstehenden Abbildung es zeigt, so erschienen vor etwa 1500 Jahren die Häuptlinge der kriegerischen Nordlandssöhne. Diese Darstellung darf getrost das Recht historischer Treue für sich in Anspruch nehmen, denn die Kleider, Waffen und Schmuckstücke sind eine ganz genaue Wiedergabe der in dänischen Torflagern bei Thorsbjerg und Nydam in Süd-Jütland ans Tageslicht geförderten Gegenstände; in wirklich überraschender Weise haben sich die vergänglichsten Dinge inmitten dieser Torfschichten erhalten, und sind sowohl Gewänder, wie auch Holzgeräte u. dergl. m. aus der früheren Eisenzeit in vollkommen gutem Zustande bis auf uns gelangt. Diese Funde besagen, daß wollene Stoffe zur Herstellung der Gewandstücke Verwendung fanden, das Gewebe zeigt größere Feinheit als zur Bronzezeit; die Muster aber sind häufig buntscheckig; ebenso vermag man die hauptsächlichsten Kleidungsstücke zu unterscheiden und zwar bestanden dieselben aus einer langen Jacke mit bis zu den Handgelenken reichenden Ärmeln und aus Beinkleidern, welche um die Hüften mit einem Lederriemen befestigt und unten an hochheraufreichende Socken angenäht waren; lederne, schönverzierte Sandalen umschlossen die Füße, während ein über die Schultern geworfener Mantel mit einer Franse am unteren Ende den Anzug vervollständigte, und zwar ist einer der in den Torfgruben gefundenen Mäntel, welcher seine ursprüngliche Farbe unverändert erhalten hat, grün mit gelben und dunkelgrünen Streifen rings um den Rand. Zusammengehalten wurden die Gewänder durch Nadeln oder Spangen, welche letzteren sich in großer Anzahl in den Gräbern jener Zeit vorfinden, denn gewöhnlich trug man – wie sich gleichfalls aus den Gräberfunden deutlich erkennen läßt – deren mehrere zu gleicher Zeit, entnahm man doch z. B. einem Grabe mit einem Skelette darin, nicht weniger denn vier derselben; eine hatte vorn am Halse, eine auf jeder Schulter und eine auf der Brust ihren Platz gehabt. Was die Waffen betrifft, so stimmten sie mit denjenigen der Bronzezeit überein; nur waren sie in der Form einigermaßen verschieden, auch zweischneidige Schwerter wurden vielfach gebraucht.
Normannenhäuptling. (Frühere Eisenzeit.)
Als Trinkgefäße benutzte man während dieser Zeit vorzugsweise Hörner, doch war auch kein Mangel an Geschirren aus Glas, Bronze, Silber, sowie aus Holz und gebranntem Thon. Diese letzteren – aller Wahrscheinlichkeit nach durchgängig Erzeugnisse häuslichen Gewerbfleißes – sind bei weitem schöner und dünner, auch besser gebrannt als diejenigen der Bronzezeit; ebenso zeigen die meisten überaus anmutige Formen, doch sind die aus der früheren Eisenzeit stammenden, wie auch diejenigen der beiden vorhergehenden Zeitalter nicht glasiert.
Einen wie hohen Wert Glas zu jener Zeit besaß, geht daraus hervor, daß man Scherben als Zierate in Thongefäße einsetzte; Funde dieser Art hat man in mehreren Gräbern gemacht.
Goldenes Halsband.
Unerwähnt darf nicht bleiben, daß außer den Trinkgefäßen die Gräber auch häufig Würfel und Schachbretter in ihrem Innern bergen, und die außerordentliche Menge von Schmucksachen, welche man an verschiedenen Orten den Gräbern entnommen und nunmehr in den National-Museen zu Stockholm und Christiania aufbewahrt, lassen darauf schließen, daß Schweden während der mittleren Eisenzeit einen wahren Überfluß an Gold besessen. Auch spiralförmige Ringe werden häufig angetroffen; man vermutet, daß dieselben als Zahlungsmittel gedient haben, auch die byzantinischen Goldmünzen, welche man auf Öland gefunden, gehören gleichfalls diesem Zeitraume an, und ebenso entstammt demselben jener herrliche Schatz, welchen man 1774 bei Trosa gehoben. Dieser köstliche Fund hatte ein Gewicht von 14 kg und umfaßte mehrere größere und kleinere goldene Ringe, ein großes Halsband, an seiner breitesten Stelle von der Dicke eines Fingers, sowie eine Anzahl von Zieraten, wahrscheinlich für Schwerter bestimmt. Das Metall war ausgezeichnet durch seine wunderbare Reinheit – es enthielt 98 % Gold –, leider aber wurde von all den Kostbarkeiten nur weniges für den Staat gerettet, denn der größte Teil derselben war bereits eingeschmolzen worden, ehe die Behörden von dieser wichtigen Entdeckung Kunde erhielten, was um so mehr zu bedauern ist, da dies zweifelsohne als der bedeutendste Fund anzusehen ist, den man jemals in Schweden – vielleicht in ganz Europa – machte.
Ein ebenfalls sehr kostbares Schmuckstück hat man einem norwegischen Grabhügel entnommen; es ist dies eine Filigranarbeit von so entzückender Feinheit der Ausführung, daß sie unbedingt als das beste dieser Art bezeichnet werden muß unter allem, was man bis jetzt in skandinavischen Grabstätten gefunden; auch an diesem Fundstück ist das Gold fast ganz rein (23 Karat).
Römische Bronzevase. Vesterås, Westermanland.
Sind indes die hier genannten Wertsachen auch alle hervorragend durch hohe Schönheit, so werden sie doch von den im historischen Museum zu Stockholm befindlichen Prachtstücken noch übertroffen, denn diese drei breiten, großen Halsbänder aus der Heidenzeit sind wahre Meisterwerke der Goldschmiedekunst. Je 1 kg schwer, bestehen sie aus drei, fünf und sieben über einander liegenden, mit köstlichster Filigranarbeit bedeckten Röhren; hinten ist ein Scharnier angebracht und vorn wird das Halsband durch Übereinanderschieben der Röhren geschlossen. Das eine grub man am Ålleberg bei Falköping aus, das zweite bei der Kirche von Möne, etwa 30 km von dem Fundort des ersten entfernt, und das dritte, welches die nebenstehende Abbildung veranschaulicht, fand man 1860 in Torslunda bei Färjestaden auf Öland.
Während der späteren Eisenzeit müssen die Skandinavier in ziemlich lebhaftem, entweder direktem oder indirektem – durch ein anderes Volk vermitteltem – Handelsverkehr mit den Römern gestanden haben; wenigstens liefern die großen Mengen von Münzen, Gefäßen aus Bronze und Glas, Waffen u. dergl. m., sogar Kunstsachen, welche hier im Schoße der Erde jahrhundertelang verborgen geruht, einen deutlichen Beweis dafür, und erscheint unter diesen Altertümern römischen Ursprunges eine Bronzevase, welche man 1818 in Fycklinge bei Vesterås, beim Öffnen eines Grabhügels fand, vornehmlich bemerkenswert. Das köstliche Gefäß, welches nur einige verbrannte Knochen, sowie mehrere Stückchen geschmolzenes Glas enthielt, besitzt eine Höhe von 45 cm; die Verzierungen des oberen Randes sind mit Silber eingelegt und eine Aufschrift besagt, daß die Vase dem Apollo Grannus von Ammilius Constans, Aufseher im Tempel dieses Gottes, geweiht worden.
Römische Bronzegefäße ohne Aufschrift hat man in Gotland in großer Anzahl ausgegraben.
Die Zeit der Vikinger.
Waffen. – Runensteine. – Sitten und Lebensweise der Skandinavier gegen das Ende des heidnischen Zeitalters. – Schiffbau. – Ein aufgefundenes Vikingerschiff.
Mehrere Jahrhunderte hindurch, etwa von 700 n. Chr. bis 1060, sahen sich die Küsten des südlichen und westlichen Europas von einem Volke heimgesucht, welches, aus immerwährenden Raubzügen begriffen, Schrecken verbreitete, wohin es kam. Die Normannen führten die Herrschaft zur See und niemand schien imstande, dem übermäßigen Emporwachsen ihrer Macht Einhalt zu gebieten. Mit unwiderstehlicher Gewalt drangen sie vorwärts, bald hier, bald dort faßten sie festen Fuß in den Küstenländern, denen sie als Eroberer genaht; überall erstanden neue Königreiche, das Scepter aber führte die starke Faust normannischer Edeln.
Die französischen und englischen Chroniken jener Zeit vermögen nur eine unklare, sogar unrichtige Vorstellung von dem eigentlichen Wesen der Vikinger zu geben; denn man darf nicht vergessen, daß diejenigen, von welchen diese Aufzeichnungen stammen, Todfeinde der kühnen Nordlandsrecken gewesen, Männer, welche einen anderen Gott verehrten und in deren Augen die siegreichen Normannen notwendigerweise als eine Verkörperung von Raubsucht und Grausamkeit, als eine wahre Geißel der gequälten Menschheit erscheinen mußten. Aber trotz aller Verleumdungen ihrer Feinde läßt sich doch nicht verkennen, daß die Vikinger eine gewisse Bildung und manche edle Eigenschaft des Charakters ihr eigen nannten; Kühnheit und Tapferkeit war ihr unbestrittenes Erbe, aber in der Brust gar mancher ihrer Helden paarten sich Weisheit und Klugheit diesen kriegerischen Tugenden; auch galten Milde und Großmut gegen den besiegten Feind ihnen keineswegs als Schwäche. Wie schade, daß der Mensch, verblendet von Haß, Vorurteil und finsterem Glaubenseifer, so oft, ohne es zu wissen oder zu wollen, Thatsachen entstellt, die Geschichte zu einem Zerrbilde herabwürdigt!
Über die Waffen, deren Führung die Vikinger ihren Feinden so furchtbar werden ließ, geben zahlreiche Funde, wie auch die auf uns gekommenen Heldensagen genügende Aufschlüsse. Dieselben hatten sich seit Beginn der Eisenzeit nur wenig verändert und bildeten Schwert, Speer, Keule, Bogen und Pfeile, vor allem aber die gefürchtete Vikingeraxt, die Ausrüstung der alten Kämpen. Die Speerspitzen und ebenso die Streitäxte waren häufig mit Gold und Silber eingelegt, und wenn auch Bogen und Pfeile vorzugsweise zur Jagd Verwendung fanden, so spielten sie doch bei den Kämpfen zur See ebenfalls eine hervorragende Rolle.
Bronzeplatten mit Figuren in erhabener Arbeit. – Öland.
Als gewaltigste Waffe, deshalb auch hochgeschätzt, erscheinen die zweischneidigen Schwerter, und leiteten einige unter ihnen ihren Ursprung gar bis zu den Asen selbst zurück; ihr Lob erklang im Liede der Skalden und als kostbare Erbstücke vom Vater auf den Sohn übergehend, waren sie der Stolz ganzer Geschlechter. Auf die Ausschmückung und Verzierung dieser Schwerter mit Gold, Silber und Bronze verwandte man große Mühe, wie denn eine sehr wohl erhaltene Waffe dieser Art, vor wenigen Jahren im Süden von Skåne gefunden, jetzt eine Zierde des Museums bildet.
Besondere Beachtung verdienen auch die Helme jener Zeit, welche, wie aufgefundene Bronzeplatten mit Figuren in erhabener Arbeit uns belehren, sehr verschiedenartige Formen zeigten.
Zahlreiche Runensteine, in allen Teilen des Landes verstreut, geben Kunde von den Fahrten, welche die thatendurstigen Normannen, um des Handels oder um kriegerischer Zwecke willen, nach fernen Ländern unternommen; so besagt ein Runenstein in Södermanland – dieser, wie auch der weiter unten erwähnte, der ersten Hälfte des elften Jahrhunderts angehörend –, daß er errichtet sei von Sirid für ihren Gatten Sven, der oftmals mit wertvoller Ladung bis nach Semgallen bei Tumisnis gesegelt. Nun ist aber Semgallen der östliche Teil von Kurland und Tumisnis ist Domesneß, der nördlichste Punkt von Kurland. Auf einem anderen, jetzt in Schloß Gripsholm befindlichen Stein steht in Runenschrift zu lesen: » Tula lit raisa stain thins at sun sin Havalt bruthur Inkvars. Thair faurn trikilk fiari at Kuli auk austarlar ni Kafu tuu sunarla i Sarklanti.« (Tula errichtete diesen Stein für ihren Sohn Havald, Ingvars Bruder. Sie zogen kühnlich fern nach Kul und weiter ostwärts; in Kafa sie starben, südwärts in Särkland [Saracenenland]). Andere Steine, in Upland, Södermanland, Östergötland und weiter landeinwärts, melden von nach dem Lande der Griechen unternommenen Zügen; wie sich denn in der Pfarrei Eds, Upland, ein Stein befindet, dessen Runen von der Hand eines gewissen Ragnvald stammen, der in Griechenland Heeresführer gewesen.
Runenstein an der Brücke bei Täby. – Upland.
Runenstein, Levede. – Gotland.
Ein Stein bei Fjukeby, nicht weit von Upsala, ist von einem Vater dem Andenken seiner Söhne gewidmet, deren einer Anführer der Väringarne (Vikinger) auf ihrem Zuge nach Griechenland gewesen und, zurückgekehrt in die Heimat, vom Tode ereilt ward, und ebenso erzählt die Inschrift eines Steines in Upland von einem Manne, der in Långbardaland (Longobardenreich), im nördlichen Italien, seinen Tod gefunden.
Nordwärts von Stockholm, bei Täby, führt die Landstraße über eine alte steinerne Brücke, in regelmäßigen Abständen erheben sich an ihren Seiten hohe Steine, dazwischen ziehen kleinere, eine Kette bildend, sich hin, und trägt der große Stein am nördlichen Ende der Brücke folgende Inschrift: »Jarlabanke ließ diese Steine für sich errichten, während er noch lebte; er baute diese Brücke zum Heile seiner Seele und er war der Besitzer von ganz Täby; Gott rette seine Seele.«
Die Form dieser Runen, wie auch derjenigen anderer Steine in der Nähe, welche gleichfalls Jarlabankes Namen tragen, weisen darauf hin, daß er im elften Jahrhundert, wahrscheinlich sogar in der ersten Hälfte desselben, lebte und wäre die Brücke demnach während der Dauer von acht Jahrhunderten in Gebrauch gewesen.
In anderen Teilen Schwedens findet man Brücken, deren Runensteine erkennen lassen, daß sie dem Anfänge der christlichen Ära ihre Entstehung verdanken; so entdeckte man, als die in der Nähe der Kirche von Kullerstad in Östergötland über einen Bach führende Brücke im Jahre 1850 neu hergerichtet werden sollte, einen längst gefallenen und vergessenen Stein, dessen Inschrift also begann: »Hakun baute diese Brücke, aber sie soll Gunnars Brücke heißen.«
In Östergötland, in der Nähe der Kirche von Röks, wurde noch ein anderer merkwürdiger Stein gefunden; derselbe enthält die längste Runeninschrift, welche man bis jetzt in der ganzen Welt angetroffen hat, und lautet dieselbe:
»Zum Gedächtnis von Våmod diese Runen steh'n;
Varen der Vater sie schnitt
Nach dem gefallenen Sohn.«
Ich sage von meinem Sohne, der zwölfmal doppelte Beute nahm, jede von einem anderen Mann. Dies sage ich als der andere, wie er umringt ward von neun Haufen von Feinden, ferne von Rejdgots her und so den Tod fand in der Schlacht.«
»Ehmals der König
Der Vikinger kühner
Häuptling regierte
An Rejdseas Ufer.
Bewehrt auf dem Schlachtroß
Nun sitzet der edele
König – über der Schulter
Der Schild ihm hänget.
»Solches ich künd' als der zwölfte,
Wie das Roß der Valkyrja (der Wolf)
Sein Futter findet rings auf den Wiesen,
Wo zwanzig Kön'ge erschlagen liegen.«
»Solches ich künd' als der dreizehnt',
Da zwanzig Kön'ge saßen in Seeland,
In vier Wintern, mit vier Namen,
Von vier Brüdern die Söhne: fünf des Namens
Valke, Söhne von Rådulf; fünf Rejdulfar,
Söhne von Rugulf; fünf Hågislar, Söhne von
Härvad; fünf Gunmundar, Söhne von
Örn … Ich sage von meinem Sohn, welcher Helden
Sprößling er ist: es ist Vilen. Mag er
Immerdar furchen die Wogen; es ist Vilen.
Der Vikinger flieht.«
Wieder ein anderer Stein bei Sundby, in der Nähe von Upsala, erzählt uns, daß Ture nach dem Tode seines Weibes ein »Sälohus« (Zufluchtshaus) erbaut habe. Solche Zufluchtsstätten errichtete man häufig an einsamen Orten, wo der müde Wanderer kein anderes Obdach zu finden vermochte.
Gegen den Ausgang der Heidenzeit lebte die größere Masse der skandinavischen Bevölkerung in Dörfern verteilt und mögen viele dieser Ansiedlungen sich auf dem nämlichen Raume befunden haben wie die jetzigen, viele derselben auch ihren Namen bis auf den heutigen Tag vererbt haben; wenigstens spricht für diese Annahme der Umstand, daß in der Nähe der Dörfer – besonders ist dies in den Provinzen rings um den Mälar-See der Fall – vielfach Begräbnisstätten aus der Heidenzeit sich finden. Da die Kunst des Kalk- und Backsteinbrennens vermutlich erst mit dem Beginn des christlichen Zeitalters im hohen Norden Eingang fand, so erscheint es wahrscheinlich, daß die damaligen Wohnstätten den bei Björkön oder am Mälar-See vorkommenden Ruinen entsprechen. Diese, die ältesten, welche überhaupt in Schweden gefunden worden, bestehen aus Lehm, der, indem er beim Brennen einem hohen Hitzegrad ausgesetzt wurde, eine solche Härte erlangte, daß die Trümmerreste noch jetzt die alte Form unverändert bewahren, dabei aber meist ein ungleichmäßiges Ansehen: die Außenfläche glatt, an der Innenseite aber den oftmals 2 cm tiefen Eindruck von Zweigen zeigen.
Außer diesen Lehmhütten gab es noch Häuser aus Holz, doch waren auch bei diesen die Fugen zwischen den Balken mit Lehm verkleidet.
Das Innere dieser Hütten bildete gewöhnlich einen etwas mehr langen denn breiten Raum, welcher an den Längsseiten meist kaum die Höhe eines Mannes hatte; Fenster waren nur selten vorhanden, und, wenn dies der Fall, an dem hohen, auf Querbalken ruhenden Dache angebracht. Der von einem Vordach überragte Eingang befand sich an einer der Breitseiten; Schornsteine waren unbekannt; der Rauch von der die Mitte des Raumes einnehmenden Feuerstelle entwich durch eine im Dach befindliche Öffnung und dieses selbst war mit Stroh, Rasen oder Schindeln bedeckt.
Die innere Ausstattung dieser Wohnstätten war weder besonders reichhaltig, noch besaß sie großen Wert; Bänke und Bettstellen – beide an den Wänden befestigt –, lange vor den Bänken sich hinziehende Tische, eine oder zwei Truhen zur Aufbewahrung von Wertsachen und Kostbarkeiten, dies waren die vornehmlichsten, wenn nicht die sämtlichen Stücke der häuslichen Einrichtung. Stühle finden manchmal, jedoch nicht häufig, Erwähnung, so spricht Odin nach dem Sange Havàmàl:
Gunlöd schenkte mir
Auf goldnem Sessel
Einen Trunk des teuern Mets.
Ebenso erzählt eine isländische Sage von einem Manne in Norwegen, der im Jahre 1011 in einen Grabhügel einbrach und dort Högbon auf einem Stuhle sitzend fand, die Füße auf eine mit Gold und Silber gefüllte Truhe aufgestellt.
Einen sehr überraschenden Fund machte man vor einigen Jahren bei der Öffnung eines Grabes im Südosten von Norwegen, indem man dort aus der Vikingerzeit stammende Überreste von Kissen entdeckte.
Über die zu jener Zeit gebräuchlichen Geräte haben gleichfalls zahlreiche Gräberfunde Aufschluß gegeben; Gefäße aller Art trifft man in großen Mengen; die Kochgeschirre waren der Mehrzahl nach aus Bronze, Thon, Stein oder Eisen; die Trinkgefäße dagegen aus Gold, Silber, Glas und Thon gefertigt; vorzugsweise aber scheint man zu letzterem Zweck sich der Hörner bedient zu haben; auch Messer wurden schon damals vielfach benutzt und ebenso Löffel aus Holz und Horn.
Bei der Bekleidung, bei welcher Pelze, Felle, Wollenstoffe, Leinwand und manchmal auch Seide Verwendung fanden, wurden Zieraten aus Bronze, Silber und Gold vielfach angebracht. Auch Würfel und Schachbretter pflegte man den Toten oftmals mit ins Grab zu geben, und da sich Spuren von Schachfiguren gleichfalls gefunden haben, so muß das Spiel wohl bereits im neunten Jahrhundert, wenn nicht noch früher, bekannt gewesen sein.
Grabstätten aus jener Zeit trifft man in ungeheuren Mengen in Norwegen bis zu den Lofoten und wurden die Leichen sowohl verbrannt wie auch unverbrannt bestattet. Erdhügel, Steinvierecke oder auch die Umrisse eines Schiffes bezeichnen die Ruhestätten der Toten, die letztgenannten Zeichen wahrscheinlich diejenigen der Vikinger, und ebenso bemerkt man auf der Spitze der Erdhügel häufig runde Steine mit den verschiedensten, vornehmlich kreisförmigen Zeichen bedeckt.
Bei Björkön oder Birka befindet sich ein besonders umfangreicher Begräbnisplatz, aller Wahrscheinlichkeit nach der größte in Skandinavien, sind doch mehr denn 2100 Grabstätten noch jetzt vorhanden, nachdem viele andere im Laufe der Jahrhunderte zerstört worden. Mehr denn 500 dieser Gräber wurden einer sorgfältigen Durchsuchung unterzogen und alle in denselben gemachten Funde weisen darauf hin, daß sie dem letzten Abschnitte der Heidenzeit angehören.
Alte Befestigungswerke bei Ismanstorp. – Öland.
Befestigungswerke aus dieser Zeit haben sich gleichfalls in ziemlicher Anzahl erhalten und erscheinen in den verschiedenen Provinzen, besonders in der Nähe des Mälar-Sees, ebenso auf den Inseln desselben, zahlreiche Höhen mit diesen alten Forts gekrönt. Auch bei Ismanstorp auf Öland befindet sich ein solches, dessen sehr feste, 4½ m unten, und an unbeschädigten Stellen oben noch 2½ m starke Mauern aus Granit und Kalksteinblöcken erbaut sind, dabei aber keinerlei Spuren von Mörtel zeigen. Mehrere Öffnungen führen in das über 100 m im Durchmesser haltende Innere des Forts, woselbst die Grundmauern zahlreicher Häuser sich noch ganz wohl erkennen lassen.
Zu großer Vollkommenheit war der Schiffbau in dem fernen Norden gediehen und ungeheuer an Zahl waren die Schiffe der streitbaren Normannen, wie denn Snorre Sturlasson sagt: »König Anund Jakob hatte in dem Kriege gegen Dänemark eine Flotte von mehr denn 400 Schiffen.« Bei anderen Gelegenheiten finden noch größere Zahlen Erwähnung, so erzählt die Olafssage, daß Knut (Kanut) der Große zu seinem Angriff auf Norwegen eine Flotte von 1440 Schiffen zusammengebracht habe, welche zum Teil mit Segeln, zum Teil mit Rudern ausgerüstet waren; mehr denn einen Mast und ein Segel besaß indes ein solches Schiff gewöhnlich nicht. Die Segel waren meist aus grobem Wollenstoff, zuweilen auch aus Seide, mit blauen, roten und grünen Streifen. Die Zahl der Ruderbänke, häufig war dieselbe sehr hoch, diente dazu, die Größe eines Schiffes zu bezeichnen, wie denn z. B. Olaf Tryggvessons Schiff »Ormen Långe« (die große Schlange), zu jener Zeit das größte Fahrzeug Norwegens, 34 Paar Ruder und eine Bemannung von nahezu 1000 Mann aufzuweisen hatte, und Kanut der Große besaß gar einen »Draggen« (ein Schiff mit einem Drachenkopf am Heck), welcher mehr denn 60 Paar Ruder zählte.
Mit Hilfe der auf den Grabsteinen und Felsen Skandinaviens befindlichen Zeichnungen vermögen wir uns eine ziemlich genaue Vorstellung von der Form jener alten Schiffe zu machen, umsomehr als auf einem in Upland gefundenen, jetzt aber im Nationalmuseum zu Stockholm aufbewahrten Stein ein Boot aus der Eisenzeit dargestellt ist, dessen Ähnlichkeit mit den gegenwärtig an der norwegischen Küste, besonders in Nordland, gebräuchlichen Fahrzeugen unverkennbar hervortritt.
Ein anderer Runenstein, von 1½ m Höhe, welcher in Tjängvide, Pfarrei Alskog, entdeckt, jetzt gleichfalls im Museum zu Stockholm aufgestellt ist, zeigt auf seiner unteren Hälfte die Abbildung eines mit einem Maste und einem Segel versehenen Drachenschiffes, auf dessen Deck sich, in einer Reihe stehend, eine Anzahl Bewaffneter befindet, während über dem Schiffe ein achtfüßiges Pferd angebracht ist, – Sleipner, Odins Roß –, welchem Männer mit Opfergaben nahen.
Daß es während der Vikingerzeit im Norden nichts Ungewöhnliches war, die Toten samt ihren Schiffen zu begraben, ist sowohl durch alte Sagen wie auch durch mehrere in der Neuzeit gemachte Funde hinlänglich bewiesen, denn sowohl in Schweden wie in Norwegen und Dänemark hat man in Grabhügeln Schiffe mit den Leichen von Kriegern, ihren Waffen und Pferden gefunden.
In seiner Sage von Hakon dem Guten erzählt Snorre Sturlasson von einer Schlacht, welche dieser König im Jahre 954 den Söhnen von Erik Bloodaxe und ihrer Mutter Gunhild lieferte und in welcher von Hakons Mannen mit vielen anderen auch Eigill Ullsärk fiel. Nach gewonnener Schlacht ließ der König die erbeuteten Fahrzeuge seiner Gegner ans Ufer schaffen, legte dann Eigill Ullsärk und alle, die von den Seinen gefallen, in eines dieser Schiffe und befahl einen Hügel von Erde und Steinen über demselben zu errichten. Ebenso wurden seine Feinde gleichfalls in Schiffen bestattet und sind diese Grabhügel noch, südlich von Frejderbjerg, am Ausgange des Nord-Fjords, zu sehen, wo hohe Bautastenar die Ruhestätte von Eigil Ullsärk bezeichnen.
Runenstein bei Tjängvide.
In der Nähe von Borre, nicht weit von Horten und dem Christiania-Fjord, entdeckte man im Jahre 1852 im Innern eines großen Hügels die Überreste eines etwa 15 m langen Schiffes und in diesem verbrannte menschliche Knochen, die Skelette von drei Pferden und einem Hund und mehrere wertvolle Gegenstände. Wie die Sage behauptet, umschloß dies Grab die Leichen der Könige Östen und Halfdan, welche zu Ende des 8. Jahrhunderts über Vestfold regierten.
Ein anderer Grabhügel bei Ultuna, südlich von Upsala, den man 1855 öffnete, enthielt die verfaulten aber dennoch erkennbaren Überreste eines Schiffes, in welchem man einen Mann samt seinen Pferden und Waffen bestattet hatte. Das Schiff schien von der Größe einer Schaluppe gewesen zu sein, und waren die Bolzen, welche die Planken zusammengehalten, noch unversehrt. Neben der Leiche lag ein Schwert mit einem prachtvollen, reich verzierten Griff aus Bronze nebst den Überresten der hölzernen Scheide und ihren vergoldeten Beschlägen; auch ein Helm mit silbereingelegtem Helmschmuck aus Bronze – der einzige Helm aus der Heidenzeit, welchen man in Schweden gefunden –, eine Schildschnalle aus Eisen mit Bronze eingelegt, der Griff des Schildes, ein Bündel Pfeilspitzen, die Mundstücke von zwei Zäumen, 36 Schachbretter, 3 Würfel und 2 Pferdeskelette kamen zum Vorschein. Am Heck des Schiffes fand man außerdem noch einen Bratspieß, einen Topf aus zusammengenieteten Eisenplatten mit unbeweglichem Griff, sowie Knochen von Schweinen und Gänsen – entweder Reste des Totenmahles oder Mundvorrat, welchen man dem Toten auf seiner Reise nach Walhalla mitgegeben.
Bei Nydam an der Küste von Süd-Jütland fand man 1863 in einem Sumpf ein großes aus Eichenholz erbautes Schiff mit 14 Rudern an jeder Seite; 25 m lang und an der breitesten Stelle 3½ m messend, ist es an beiden Enden sehr hoch und spitz, um nach der Mitte zu sich bis zu 1½ m zu vertiefen. Die Bauart zeigt im ganzen viel Ähnlichkeit mit unseren bei der Brandung benutzten Booten. Aus elf schweren Bohlen bestehend, befinden sich deren fünf an jeder Seite, während die elfte, als Kiel geformt, den Boden bildet, dabei sind diese Planken derart gefügt, daß eine über die andere sich legt, und eiserne Bolzen, deren gerundete Köpfe an der Außenwand des Schiffes vorstehen, die Verbindung übernehmen, die Fugen aber sind mit einer aus Wolle und Pech bestehenden Masse verstopft. Bemerkenswert erscheint die Art, in welcher die Planken an den Rippen des Schiffes befestigt sind: da, wo sie einander berühren, zeigen nämlich die Planken an beiden Seiten einen länglichen Einschnitt; in dem auf diese Weise entstehenden Mittelstück befindet sich ein Loch, ebenso ist auch an der entsprechenden Stelle die Rippe des Schiffes durchbohrt und Stricke, aus den Fasern der Lindenbaumrinde gedreht und durch diese Öffnungen geführt, halten, fest verknotet, die beiden Teile zusammen; natürlich verleiht diese Bauweise dem Boote einen hohen Grad von Geschmeidigkeit, welche demselben in der Brandung sowie bei hohem Seegang gewiß zum Vorteil gereichte. An den beiden Enden, da wo die Planken zusammenstoßend festgenagelt sind, ragen Balken ziemlich weit über den Rand des Schiffes empor und am oberen Teile eines jeden dieser Balken befindet sich ein Loch, welches, Spuren vielfachen Gebrauches zeigend, wahrscheinlich zum Befestigen der Stricke diente, wenn das Schiff – wie die Vikinger selbst mit ihren größten Fahrzeugen zu thun pflegten – während der Winterszeit ans Land gezogen wurde. Ein Mast ist nicht vorhanden; das Boot war nur zum Rudern eingerichtet und die fast 4 m langen Ruder gleichen vollständig den heutigen; dagegen ist, wie bei allen aus dem Altertum und teilweise auch noch bei den aus dem Mittelalter stammenden Schiffen, hier das Steuer an der einen Seite des Schiffes, nicht wie jetzt gebräuchlich in der Mitte des Heckes angebracht und das Steuer selbst ist lang und schmal und hat mehr die Form eines Ruders. Beide Enden des Schiffes sind so vollkommen gleich, daß es schwer fällt zu unterscheiden, welches das Heck ist, wie denn überhaupt die ganze Gestalt des Bootes lebhaft an die Beschreibung erinnert, welche Tacitus von den Fahrzeugen der Suionen giebt, wenn er sagt, daß sie vollständig verschieden von denjenigen der Römer, unbeschadet der Richtung, in welcher sie gerudert wurden, stets einen Bug hatten, um damit am Lande anlaufen zu können, und daß sie keine Segel führten. Nur wenige Generationen später als der alte Römer dies geschrieben, entstand das bei Nydam vergrabene Boot; wenigstens deuten römische Münzen, die man in seinem Innern gefunden, auf etwa 300 n. Chr. als den Zeitpunkt seiner Erbauung hin.
Vikingerschiff. – Tune.
Auch bei Tune in Smaalenene fand man im Jahre 1867 in einem Erdhügel ein Schiff aus der Vikingerzeit. Dasselbe, jetzt im Museum zu Christiania aufgestellt, besitzt kein Deck, die schweren Eichenplanken sind mit hölzernen Bolzen an den Rippen des Schiffes befestigt, während der vollkommen gut erhaltene Kiel aus einem einzigen Stück besteht. Das Boot hat eine Länge von über 12 m und eine Breite von 3½ m, indes die Höhe nicht mehr denn 1,20 m betragen haben kann: dabei sind Heck und Bug spitz zulaufend und ganz gleich. Da das Dollbord zerstört ist, die Ruderpflöcke somit fehlen, läßt sich die Zahl der zu seiner Fortbewegung gebrauchten Ruder nicht erkennen; doch führte dies Fahrzeug auch Segel, worauf der Mast aus Fichtenholz, dessen unterer Teil noch vorhanden ist, mit Bestimmtheit hinweist. Etwas hinter dem Mast ist das einem Ruder gleichende Steuer angebracht, die Form der Pinne läßt jedoch erkennen, daß dieselbe an der Schiffswand befestigt gewesen. Dies Schiff barg den unverbrannten Leichnam eines Vikingerhäuptlings mit drei Pferden, Schwertern, Speeren, Schilden u. s. w.
Überreste des bei Gökstad aufgefundenen Vikingerschiffes.
Einen noch wichtigeren Fund machte man im Jahre 1880 an den Ufern des Sande-Fjord, am Eingang des Christiania-Fjord, da wo dicht bei dem Gehöfte Gökstad sich der wohlbekannte Kongs-Haug (Königshügel) erhebt. Als man an dieser Stätte Nachgrabungen anstellte, wurde ein wohlerhaltenes Vikingerschiff zu Tage gefördert, dessen Rumpf 23 m in der Länge mißt, während die Breite in der Mitte 4½ m beträgt und die Höhe etwa 1½ m gewesen sein mag, doch ist es, ungleich dem in Tune gefundenen Boot, welches es an Größe bei weitem übertrifft, lang, schmal und flach. Der in der Mitte befindliche Balken, dessen Enden in einen Fischschwanz auslaufen, diente zur Befestigung des Mastes, von welchem die untere Hälfte noch auf dieser Stelle sich befindet, während der obere Teil, abgesägt, im Schiffe selbst untergebracht war. Teile von zwei oder drei kleineren Booten, Segel, Takelwerk, Ruder, sowie das an der Seite des Schiffes befestigt gewesene Steuer lagen teils in dem Boote, teils rings um dasselbe, ebenso die Knochen von drei Pferden und einem Hund, und das Dollbord war mit Schilden über und über bedeckt, deren Eisenbeschläge, sowie Teile der bunt bemalten Schildflächen, noch vorhanden sind. Da die Vikinger, wenn sie – besonders zur Nachtzeit – mit ihren Schiffen stille lagen, Zelte in denselben zu errichten pflegten, so hatte man auch hier für ein Obdach Sorge getragen, nur war, weil das Boot, als die Ruhestätte eines Häuptlings, bis Ragnarök (das Ende aller Tage) dauern sollte, an Stelle eines Zeltes, eine Grabkammer aus Holz erbaut worden, welche sich hinter dem Maste in der Form eines Daches erhob, indes war leider die Last der auf diesem Bau lagernden Erdmassen zu groß gewesen und waren infolge dessen mehrere der ihn stützenden Balken gebrochen. Außerdem hatte man auch, allem Anscheine nach, schon früher hier Nachgrabungen angestellt, der Schiffsboden war dabei an einer Stelle zertrümmert und die Grabkammer zweifelsohne eines großen Teiles ihres Inhaltes beraubt worden, aber wenn auch unter diesen Umständen die Zahl der Fundstücke nicht mehr sehr bedeutend sein konnte, so bot doch dies Wenige noch des Interessanten genug. Unverbrannte Knochen des Leichnams, Überreste prächtiger Gewänder – der Stoff Seide, reich mit Gold durchwirkt – und Zaumzeug mit schönen vergoldeten Bronzebeschlägen, darunter einzelne Sachen ausgezeichnet durch seltene Feinheit der Arbeit, lagen ringsum verstreut. Der Gebrauch, von dem die alten Sagen uns melden – daß man die Leichname der edlen Recken in ihren Schiffen zu bestatten pflegte – durch diese Funde erhält er seine Bestätigung, deshalb allein sind sie schon von dem allergrößten Werte und ohne Zweifel waren es auch vorzugsweise Schiffe gleich diesen, in welchen die stolzen Vikinger auszogen, ihre kühnen Thaten zu vollbringen.