Im Lande der Mitternachts-Sonne
Verlag: Ferdinand Hirt & Sohn | Jahr: 1885 | Übersetzer: A. Helms
Wenn Sie das Buch lieber in der Hand halten möchten, können Sie es hier erwerben:
Oder laden Sie das Buch kostenlos als E-Book für Ihren E-Reader herunter:
Wie verwende ich eine EPUB-Datei?EPUB herunterladen
„Im Lande der Mitternachts-Sonne“ als E-Book für Ihren Reader.
Projekt Gutenberg unterstützen
Ihr Download startet.
Projekt Gutenberg lebt davon, dass Literatur frei zugänglich bleibt.
Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie, diese Bibliothek zu erhalten und weiter auszubauen.
Im Buch suchen
Hauptreiserouten in Schweden und Norwegen
von Dr. Yngvar Nielsen in Christiania.
Der Fremde, welcher den zwei skandinavischen Königreichen einen Besuch abstatten will, kann dieses Vorhaben ohne große Beschwerden zur Ausführung bringen.
Wer die Seekrankheit nicht fürchtet, kann von Hamburg aus mit den dort abgehenden norwegischen Dampfern die Fahrt nach Christiansand in 35–40 Stunden zurücklegen, was jedoch nur eine kleine Minderzahl der Reisenden thut.
Die meisten ziehen die Reise über Kopenhagen, über Kiel oder Stettin vor, oder sie fahren mit der Eisenbahn durch Schleswig-Holstein und Jütland nach Frederikshavn (Fladstrand), um von dort aus mit dem Dampfer in 4–5 Stunden nach Gothenburg (Göteborg) in Schweden, oder in 9–11 Stunden nach Larvik in Norwegen, hinüber zu gelangen. Im ersten Falle fährt man durch das Kattegat, im anderen durch das Skagerrack. In Hamburg sind Rundreisebillette zu kaufen, mit welchen man die ganze Rundfahrt unternehmen kann. Von Kopenhagen aus kann man sich nach zwei verschiedenen Richtungen wenden: entweder mit dem Dampfschiff nach Christiania oder über Malmö nach Stockholm. Die erstgenannte Route, mit dem hotelähnlichen Dampfer »Christiania«, ist bei schönem Wetter entzückend, bei der zweitgenannten aber werden die Unannehmlichkeiten vermieden, welche oft mit einer längeren Fahrt auf offener See verbunden sind, ist doch die Überfahrt von Kopenhagen nach Malmö zu kurz, um irgend welche Gefahr bieten zu können.
Als Hauptrouten auf der skandinavischen Halbinsel selbst sind die folgenden besonders hervorzuheben:
I. Eisenbahn Malmö-Stockholm, 618 km, mit Schnellzug in 16½ Stunden.
Diese Fahrt bietet, was Naturschönheiten betrifft, nicht besonders viel Sehenswertes. Zuerst fährt die Bahn durch die fruchtbaren Gefilde der reichen Provinz Skåne an der Universitätsstadt Lund vorüber, dann durch die hochgelegenen Wälder von Småland und weiter durch die Ebenen von Östergötland, um endlich das an Seen reiche Södermannland zu durchschneiden und so die schwedische Hauptstadt zu erreichen. Man kommt auf dieser Strecke an der Knotenstation Näßjö vorüber, von welcher aus eine Zweigbahn über Jönköping, einer am Wettersee schön gelegenen Stadt, nach Falköping (113 km, mit Schnellzug in 3½ Stunden erreichbar) an der Bahn Göteborg-Stockholm führt, welche Linie von Reisenden, die nach Norwegen wollen, benutzt werden muß.
Fernerhin kommt man auf der Fahrt nach Stockholm an der Hauptstadt von Östergötland Linköping, der Kanalstation Norsholm und der am mächtigen Motalastrome gelegenen blühenden Fabrikstadt Norrköping vorüber.
An der Station Katrineholm vereinigt sich die Bahn mit der nach Göteborg führenden Linie.
Schon auf dieser Fahrt wird der Reisende Gelegenheit haben, die guten und wohlfeilen Restaurationen kennen zu lernen, die sich an fast allen schwedischen Eisenbahnstationen befinden. Man genießt an der wohlversehenen Table d'hôte was man wünscht, bezahlt am Büffett und liefert am Ausgange sein da erhaltenes Billet wieder ab; das System ist einfach und praktisch, denn man hat auf diese Weise nichts mit Zahlkellnern oder Zahlkellnerinnen zu thun. Die Bedienung ist fast ausnahmslos weiblich.
II. Eisenbahn Göteborg-Stockholm, westliche Staatsbahn, 458 km, mit Schnellzug 14¼ – 16½ Stunden.
Landschaftlich mehr bedeutend als Linie I, führt aber nicht durch ebenso reiche Gegenden.
Die ersten Stationen bei Göteborg haben eine schöne Lage. Die Bahn kommt an der Fabrikstadt Alingsås und weiterhin an der Station Herrljunga vorüber, von welcher aus eine gegen Norden hin nach Wenersborg abgehende Zweigbahn die Verbindung mit der Eisenbahn Göteborg-Christiania bewerkstelligt; dann folgt die kleine Station Falköping, wo Reisende von Malmö nach Göteborg und Christiania Anschluß finden.
Die Bahn wendet sich mehr nordwärts und durchschneidet die zwischen den beiden großen Seen Wenern und Wettern gelegene flache Gegend, bis sie an der Station Töreboda den Götakanal überschreitet. Von der Station Laxå aus, woselbst die nordwestliche Staatsbahn (nach Christiania) abgeht, führt die Bahn westwärts weiter über die Ebene von Nerike hin nach Katrineholm, um sich mit der von Malmö kommenden zu vereinigen. Durch Södermannland fahrend, erreicht man Stockholm.
III. Eisenbahn Malmö-Christiania, 828 km, in 24–28 Stunden.
Langsames Vorwärtskommen, durch das häufig notwendig werdende Umsteigen bedingt. Zuerst mit Linie I nach Näßjö, dann mit der Zweigbahn über Jönköping nach Falköping, mit Linie II nach Laxå und dann weiter mit der nordwestlichen Staatsbahn, die bald in die an Seen reiche Provinz Wermland (»Wermland, du schöne, du Perle der Provinzen des Schwedenlandes«, wie es in den Volksliedern besungen wird) führt.
Man passiert auf dieser Fahrt die kleine Stadt Kristinehamn, und fernerhin die am breiten Flusse Klarelf belegene Provinzial-Hauptstadt Karlstad.
20 km von Karlstad entfernt liegt die Station Kil, von wo aus der Reisende eine schöne Dampfschiffahrt auf den Frykenseen unternehmen kann.
Von Kil aus setzt sich die Bahnlinie nach dem Städtchen Arvika fort, überschreitet bei Charlottenberg die schwedisch-norwegische Grenze, und führt dann von der Station Kongsvinger ab, woselbst eine alte Grenzfestung noch auf der Höhe oberhalb des Städtchens zu sehen ist, längs des Flusses Glommen weiter, welchen sie bei Fetsund kreuzt.
Bei Station Lilleströmmen, in geringer Entfernung von Christiania, vereinigt sich die Bahn mit der Linie Christiania-Throndhjem (Drontheim).
IV. Kanal-Dampfschiffsroute Göteborg-Stockholm, in 2½ bis 3 Tagen zurückzulegen, war früher die besuchteste Route von ganz Schweden, wird aber seit der Eröffnung der unter II. beschriebenen Bahn nur auf kürzeren Strecken, besonders bei Trollhättan und dem Ostgötakanal, von Vergnügungsreisenden benutzt.
Diese Kanallinie verbindet die beiden großen schwedischen Binnenseen mit einander und auf diese Weise das Kattegatt mit der Ostsee.
Der erste Teil der Kanallinie von Göteborg aus wird durch den fahrbar gemachten Fluß Götaelf gebildet, dessen breites Bett zu beiden Seiten kahle Berge einschließen. Bei Trollhättan bildet der Fluß eine Reihe von Fällen, die Trollhättafälle, welche durch ihre großen Wassermengen und düstere Umgebung weit mehr als durch ihre Höhe imponieren; der größte der Fälle ist der prachtvolle Toppöfall.
Mit vollem Recht nehmen die Kanalanlagen eine hervorragende Bedeutung unter allen europäischen Wasserbauten ein. Es befindet sich hier eine doppelte Reihe von Schleusen, die eine, »die alten Schleusen« genannt, 1800, die andere 1844 vollendet, und zwar wird letztere nun von den Dampfern ausschließlich benutzt. Durch die Trollhättaschleusen und 5 weitere, welche zum Umgehen anderer Fälle des Flusses angelegt sind, wird der Wasserverkehr zwischen dem Meere und dem Wenersee vermittelt. Bei der Stadt Wenersborg mündet der Kanal in diesen großen 48 m über dem Meere gelegenen Binnensee, an dessen Ufern mehrere Städte liegen, welche sämtlich vermittelst Dampfer in regelmäßiger Verbindung mit Göteborg stehen. Außerdem sind die nächst angrenzenden Seen der Provinzen Dalsland und Wermland durch Kanäle mit dem Wenersee verbunden und geben reichlich Gelegenheit zu einer Fülle von Abwechslung bietenden Dampfschiffahrten; so kann man auf dem Dalslandskanal eine wunderschöne Fahrt bis nach der Station Ed an der Bahn Göteborg-Christiania unternehmen und auf dem Seflekanal bis nach dem an der von Laxå nach Christiania führenden Bahn gelegenen Arvika fahren.
Wie der Trollhättakanal den Wenersee mit der See verbindet, wird wiederum dieser durch den Westgötakanal mit dem Wettersee verbunden. Dieser Teil der Kanallinie, welche sich mit der Eisenbahn Göteborg-Stockholm kreuzt, ist einförmiger. Über den Wettersee geht es dann schnell weiter bis Motala, wo der mächtige Motalastrom aus dem See hervortritt.
Hier fängt der schönste Teil der ganzen Linie an, der Ostgötakanal, welcher durch die reiche, fruchtbare Provinz Östergötland führt. Bei Motala liegen die riesenhaften mechanischen Werkstätten, die berühmtesten des skandinavischen Nordens. Fernerhin passiert das Dampfschiff bei Borenshult und Berg zahlreiche Schleusen, sowie einige Seen (Roxen u. a. m.), bis es bei Söderköping die Ostsee erreicht, auf der man die Fahrt weiter bis Södertelge, gleichfalls eine Station der Bahn Göteborg-Stockholm, fortsetzt.
Hier fährt das Schiff durch den Södertelgekanal in den Mälarsee ein und erreicht kurz nachher Stockholm, wo es an der Riddarholm anlegt.
V. Eisenbahn Göteborg-Christiania, 356 km, in 14 Stunden. Sobald die nun projektirte neue Eisenbahnverbindung von Hamburg nach Frederikshavn und Göteborg hergestellt, sein wird, muß diese Bahn eine große Bedeutung für den Sommerverkehr gewinnen, da dann für die von Deutschland kommenden Reisenden ein Haupteingang nach Norwegen geschaffen ist. Im ganzen bietet diese Fahrt nur wenig Sehenswertes. Man fährt zuerst mit der Bergslagsbahn nach Mellerud, von wo aus man mit der Dalslandsbahn nach Nordwesten hin abbiegt. Diese bietet bei Ed, am Südende des großen vielbuchtigen schwedisch-norwegischen Binnensees Stora-Lee, einen wunderschönen Punkt. Bei Kornsjö überschreitet man die Reichsgrenze, um die Fahrt auf der norwegischen Smålehnsbahn oder Südbahn fortzusetzen, und über ein mit spärlichen Wäldern bedecktes Plateau, das jedoch bisweilen schöne Fernsichten bietet, geht die Fahrt weiter.
Von der Station Tistedalen aus wird die Gegend schön, und bald erreicht man Frederikshald, wo sich auf einem Felsen oberhalb der Stadt die berühmte Festung Frederiksten erhebt, vor deren Mauern Karl XII. im Jahre 1718 den Heldentod fand. Weiterhin passiert die Bahn bei der Stadt Sarpsborg den großen, vom Flusse Glommen gebildeten Fall Sarpen, sowie die Städte Frederikstad und Moß, letztere an der See, am Christianiasjord, gelegen. Von Moß geht es in 2 Stunden nach Christiania, wo die Bahn den prachtvollsten Zugang zu dieser Stadt bietet, indem sie auf einer längeren Strecke längs des Fjordes in die Felsen eingesprengt ist, und der Anblick auf die Stadt sich durch eine Biegung der Bahn um einen Felsen wie mit einem Schlage eröffnet.
VI. Eisenbahn Göteborg-Gefle, 570 km, in 2 Tagen
Zuerst mit der Bergslagsbahn nach Falun, dann mit der Gefle-Dala-Bahn, beides Privatbahnen, weiter. Diese Fahrt bietet nur wenig Sehens- und Beachtenswertes, ist jedoch im Rundreiseverkehr mit einbegriffen. Bei Kil kreuzt die Bergslagsbahn die Bahn III, und durchschneidet fernerhin einige der reichsten Bergwerksdistrikte Schwedens. Am Dalelf, der auf einer hohen, großartigen Brücke überschritten wird, liegen die bedeutenden Eisenwerke von Domnarfvet. Falun, die Provinzial-Hauptstadt von Dalarne, ist seiner uralten Kupferbergwerke wegen berühmt, auch der 1687 durch den Einsturz mehrerer Gruben gebildete Abgrund Stöten pflegt die Aufmerksamkeit der Reisenden in hohem Grade auf sich zu ziehen. Von Falun nach Gefle, wo die Bahn bei Storvik die schwedische Nordbahn kreuzt, ist die Gegend uninteressant. Gefle selbst ist eine aufblühende Seestadt mit 17 000 Einwohnern, die ihrer Mehrzahl nach stark pietistischen Einflüssen unterworfen sind. Von Gefle aus kann man mit der Privatbahn Gefle-Upsala einen kurzen Ausflug nach den Fällen des Dalelfs bei Elfkarleby und einen längeren nach den berühmten Eisenwerken von Dannemora machen.
VII. Die Provinz Dalarne oder Dalekarlien wird als das Herz des schwedischen Landes betrachtet; sie besteht hauptsächlich aus den flachen Gegenden westlich von Falun, der Umgegend des großen Siljansees und den beiden Thalern des Östra- und Vestra-Dalelfs. Von Göteborg aus gelangt man mit der Bergslagsbahn dahin, die man bei der Station Borrlänge unweit Domnarfvet verläßt, woselbst sie sich mit der Södra-Dalarne-Bahn schneidet. Diese letztere kommt von dem an der Nordbahn gelegenen Kryllbo und folglich müssen alle Reisenden von Stockholm diese beiden Bahnen bis nach Borrlänge benutzen.
Von dieser Station aus setzt sich die Eisenbahn bis zu dem mit dem Siljan zusammenhängenden Insjön fort, auf dem man dann die weitere Fahrt mit dem Dampfschiff nach Mora macht.
Nördlich von Mora ist man ausschließlich auf Skjutsbeförderung angewiesen.
Die Umgegend des Runnsees bei Falun und des Siljansees ist die klassische Gegend der Geschichte des schwedischen Nationalhelden Gustaf Wasa, der hier, vor den Nachforschungen der Dänen fliehend, Zuflucht suchte und fand. An ihn und seine Thaten wird man hier überall erinnert. Auch ist die Gegend um den Siljan so recht eine Stätte echten Volkslebens und zieht deshalb viele Reisende an, obgleich sie sich keineswegs durch imposante Scenerie auszeichnet. Solche trifft man erst in den hoch zwischen den Bergen gelegenen Thälern.
VIII. Eisenbahn Stockholm-Östersund-Throndhjem, 854 km: Nördliche Staatsbahn bis Ånge, dann nach Storlien mit der Querbahn und fernerhin mit der norwegischen Merakerbahn. Seit der Vollendung dieser ganzen Bahnverbindung im Jahr 1882 eine für den Reiseverkehr im Sommer stets wichtiger werdende Linie. Zuerst fährt man von Stockholm aus nach der Universitätsstadt Upsala, dann geht die Fahrt nach der kleinen, ihrer alten nunmehr nicht besonders einträglichen Silberwerke wegen, bekannten Stadt Sala und nach Kryllbo, wo die Södra-Dalarne-Bahn nach Borrlänge abzweigt. Fernerhin passiert man Storvik an der Gefle-Dala-Bahn und fährt weiter durch das von dem Ljusneelf durchströmte Thal bis nach Bollnäs. Nach und nach verwandelt sich die bisher ziemlich flache Gegend in eine gebirgige, durch welche die Bahn sich zwischen waldbekleideten Hügeln hindurch schlängelt, an Flüssen und Seen vorüber, die eine reiche Abwechslung bieten. Besonders zeichnet sich der lange See Hennan durch Schönheit aus.
Bei Ånge, 484 km von Stockholm, zweigt sich ostwärts eine Seitenbahn (der östliche Teil der obengenannten Querbahn) nach Torpshammar ab, und führt von hier aus eine kurze Privatbahn nach der Hafenstadt Sundswall.
Von Ånge ist die Bahn durch den großen Wald geführt, welcher die Provinz Jämtland vom übrigen Reiche scheidet und früher als Jämtland norwegisch (bis 1645) war, die Grenze zwischen beiden Ländern bildete.
Längs des großen Sees Storsjön erreicht man die Provinzialhauptstadt Östersund, welche durch eine Brücke mit der wunderschönen Insel Frösön in Verbindung steht. Von der hochgelegenen Kirche dieser Insel, die man in kurzer Zeit von Östersund aus erreichen kann, bietet sich eine umfassende prachtvolle Aussicht dar über die weite Fläche des Sees bis zu den hohen Grenzgebirgen, die gegen Westen wie eine Mauer zwischen den beiden skandinavischen Königreichen emporragen. Diese Mauer hat jedoch ihre Thüren und gegen eine dieser Thüren sucht nun die Eisenbahn sich ihren Weg.
Sie folgt dem Ufer des Sees, überschreitet dessen mächtigen Abfluß, den Indalself, und wendet sich darauf in das Gebirge hinein. Über den wasserreichen Fluß Hjerpströmmen hin nähert sich die Bahn dem Fuße des 1640 m hohen Berges Areskutan und erreicht allmählich die öden Hochgebirge, wo unter anderen Bergspitzen der Syltoppene mächtig emporragt. Die letzte schwedische Station ist Storlien und gleich darauf überschreitet man die Grenze.
In der Umgegend dieser Station werden im Sommer viele Renntierherden der Lappen.
Die erste norwegische Station ist Meraker, die schon bedeutend niedriger liegt als Storlien; schnell geht es von hier aus längs des Stjördalsflusses ins Thal hinab und bald ist das an einem Arme des Throndhjemfjords gelegene Hell erreicht. Von hier aus folgt die Bahn den Krümmungen des Fjordes bis zu der neuen auf großartigem Damme angelegten Station von Throndhjem, wo man nach der langen anstrengenden Fahrt in dortigen guten Hôtels (Angleterre, Britannia, Victoria) ausruhen kann.
Außer den hier angegebenen acht Hauptrouten giebt es selbstverständlich in Schweden viele andere Nebenrouten, die sich an diese anschließen.
So hat man die von guten Dampfern befahrenen Küstenrouten, die aber nur ausnahmsweise von Vergnügungsreisenden benutzt werden. Die von Lübeck ausgehenden schwedischen Dampfschiffe fahren von Malmö bis Göteborg in nächster Nähe der Küste, die Städte Landskrona, Helsingborg, Halmstad und Varberg anlaufend; von Göteborg gehen mehrere Dampfer nach Christiania, und ebenso befahren andere Dampfschiffe von Malmö aus die östlichen Küsten bis Stockholm und weiterhin bis Gefle, Sundswall, Hernösand, Luleå und Haparanda.
Von Luleå nach Ofoten in Norwegen, also von Meer zu Meer, ist eine neue Querbahn im Bau, die mit der Zeit gewiß viele Reisende anlocken wird. Sonst sind Reisen in Lappland fortwährend mit großen Schwierigkeiten verbunden und werden deshalb nur von wenigen Reisenden unternommen.
Zur Zeit sind diese Gegenden noch am leichtesten von der norwegischen Nordküste aus erreichbar, dort ermöglicht eine regelmäßige Dampfschiffverbindung den Besuch fast aller interessanten Punkte und ist der Reiseverkehr in rascher Zunahme begriffen.
In Norwegen, diesem seiner Natur nach von Schweden ganz verschiedenen Lande, hat das Eisenbahnnetz nicht dieselbe großartige Ausdehnung wie dort gewonnen.
Es sind hauptsächlich nur die östlichen Landesteile, die reichlich mit Eisenbahnen versehen sind und, mit den schwedischen in Verbindung stehend, einen Rundreiseverkehr gestatten.
Wer aber Norwegen sehen will, muß von den Eisenbahnlinien aus Abstecher machen, was immer leichter wird, besonders da in neuerer Zeit herrliche Kunststraßen angelegt worden sind, welche mit den Alpenstraßen wetteifern, während die zahlreichen Binnenseen und vor allem die westlichen Fjorde, wo die großartigsten Landschaften eine unwiderstehliche Anziehung bieten, von Dampfern befahren werden, welche wiederum ihre Fahrpläne denjenigen der großen Küstendampfer anpassen.
Nach und nach gestaltet sich das rasch emporblühende norwegische Reiseleben derartig, daß man mit den großen Dampfern längs der Küste an gewisse Punkte fährt, dort in kleinere Fahrzeuge umsteigt und mit diesen zahlreiche Ausflüge macht, zu welchen besonders der Hardangerfjord, sowie der Moldefjord stets aufs neue locken.
Die Beschaffenheit der Küste mit dem davorliegenden Skjärgård schützt gegen die Unannehmlichkeiten, welche die Seekrankheit sonst verursacht.
Um die Küste herum, von Christiania nach Christiansand, Bergen und Throndhjem fahren zahlreiche, meist gut eingerichtete Dampfer, mit welchen man sämtliche Küstenstationen erreichen kann.
Solche finden sich besonders in den vielen größeren und kleineren Städten, welche an den Küsten entstanden sind und deren Einwohner sich von Schiffahrt, Holzausfuhr u. s. w. nähren.
Es ist hier zu bemerken, daß die Dampfschiffe bei diesen Routen nur ausnahmsweise auf der hohen See fahren. Auf solchen Strecken aber, auf welchen sie, einer längeren Abbrechung des Skjärgårds wegen, dazu gezwungen sind, wie bei dem sogenannten Jäderen, kann man sehr wohl über Land mit der dort angelegten kurzen Eisenbahn fahren.
Unter allen norwegischen Routen steht jetzt als
I. die Nordkapfahrt, welche für alle Bewohner des Kontinents einen ganz besonderen Reiz besitzt. Man erreicht hier das Ende der Welt, wenigstens unseres Weltteiles, und durchfährt, was man recht eigentlich das Land der Mitternachtssonne nennen kann.
Durch Einrichtung der Touristenrouten, welche seit 1883 und 1884 von den beiden großen Dampfschiffahrts-Gesellschaften von Bergen und Throndhjem aus mit wachsendem Erfolg betrieben werden, ist es allen Reisenden ermöglicht, in kurzer Zeit mit voller Bequemlichkeit und zu einem wohlfeilen Preise die Nordkapfahrt zu unternehmen und die Herrlichkeiten der arktischen Welt, sowie die Heimat der Lappen aus eigener Anschauung kennen zu lernen.
Diese Gelegenheit ist bis jetzt in bedeutendem Maße von dem europäischen Reisepublikum benutzt worden, und die Strecke verspricht binnen kurzer Zeit eine der besuchtesten Routen Europas zu werden. Von Christiania nach Throndhjem beträgt die Entfernung mit der Eisenbahn 560 km.
Man fährt nach Lilleströmmen, wo die Stockholmer Bahn abzweigt, und setzt die Fahrt über den flachen Lehmboden von Romerike nach Eidsvold und dem Vormenflusse fort.
Bei Minne, wo dieser aus dem Mjösen, dem größten Binnensee Norwegens, heraustritt, passiert die Bahn auf einer prachtvollen eisernen, auf mächtigen Granitpfeilern ruhenden Brücke den Fluß und führt dann, auf eine längere Strecke hin, am Mjösufer entlang. Durch die reichen Ebenen von Hedemarken gelangt man nach der am Mjösen liegenden kleinen Stadt Hamar mit ihrem Bischofssitze und den zahlreichen Schulen. Weiter führt die Bahn durch die unendlich öden Wälder von Österdalen, wo längs des Flusses Glommen die Gehöfte in großen Abständen von einander liegen.
Hier ist die Heimat des großen Holzhandels; jeder Bauer besitzt ausgedehnte Wälder, deren Ertrag viele reich gemacht hat und sieht man im Frühsommer die großen abgehauenen Stämme rasch auf dem Strome hinabgleiten. Allmählich gelangt man in andere, holzärmere Gegenden, in welchen seit Jahrhunderten ein lebhafter Bergwerksbetrieb stattgefunden, der vielfach zur Vernichtung der Wälder beigetragen. Zur Zeit indes werden nur die Gruben und Hütten bei der hochgelegenen Bergstadt Röros betrieben.
An dem nördlichen Abhange der Gebirge senkt sich der Weg hinab in das enge Thal der Gula, Guldalen, dessen bald freundlich lachende, bald düster ernste Landschaftsbilder reiche Abwechslung gewähren.
Endlich nach Überschreitung eines anderen Hügelrückens erreicht die Bahn die alte Stadt Throndhjem ( Drontheim), die jetzt nur noch wenige Denkmäler ihrer langen Geschichte aufzuweisen hat. Am Ufer liegt der Bahnhof auf einem großen Damme, der aus der bei der Ausgrabung des neuen Hafens gewonnenen Erde aufgeschüttet worden ist. Wo jetzt die Züge herein- und hinausfahren, dehnte sich vor einigen Jahren ein tiefes Meeresbecken, in welchem Schiffe ein- und ausliefen.
Die Umgegend besitzt viele schöne Punkte, nach welchen man, während eines Aufenthaltes in Throndhjem, Ausflüge machen kann, und in der Stadt selbst steht noch die alte Domkirche, die jetzt einer vollständigen Restauration unterworfen wird.
Dieser herrliche Bau gewährt den Reisenden einen interessanten Einblick in die Eigentümlichkeiten des anglo-normannischen Baustiles.
Auf guten, wohleingerichteten Dampfern setzt man von Throndhjem aus die Reise nach dem Nordkap fort. Man benutzt dabei entweder die eigens diesem Zweck dienenden Touristenschiffe, welche die ganze Tour nach Throndhjem und zurück in 9–11 Tagen abmachen, oder die Postdampfer.
Der erste Teil der Fahrt ist einförmig und geht an öden Küstengegenden entlang. Dann, sobald man sich dem Polarkreise nähert, verändert sich der Charakter der Landschaft, die Berge werden höher wie auch schroffer. Ihre phantastischen Formen erwecken das Staunen der Reisenden; zwischen ihren hohen zerrissenen Zacken blicken mächtige Gletscher nieder, an deren Fuß man mit dem Schiffe dicht heranfahren kann.
Durch die großen und kleinen Inseln gegen die Wellen der hohen See geschützt, gleitet der Dampfer zwischen ihnen in die Fjorde hinein. Bisweilen öffnen sich, ein bezauberndes Bild, prachtvolle Ausblicke nach dem Meere. Unerreicht steht in Bezug auf landschaftliche Schönheit, der Westfjord da, über den man bei der Ausfahrt von der Stadt Bodö einen Ausblick erhält, Lofoten, eine Inselkette mit hohen zackigen Bergen, liegt vor dem staunenden Blicke, wie eine ins Meer hinabgesunkene Alpenkette. Der Westfjord selbst wimmelt von Walfischen, die man oft vom Schiffe aus herumschwimmen sehen kann; im Winter wird hier an der Küste von Lofoten die Fischerei stark betrieben und liefert einen bedeutenden Ertrag. Hat man Lofoten hinter sich gelassen, so gleitet das Schiff in die anmutigen Wasser von Senjen hinein, wo die Ufer der Sunde vielfach bebaut sind und im Schmucke schöner Birkenwälder prangen, während im Hintergrunde hohe Berge emporragen. Durch den Gisund und über den Fjord von Malangen erreicht man die Stadt Tromsö, Sitz des Bischofs, des Stiftamtmanns, der nördlichsten Lateinschule, eines reichhaltigen Museums u. s. w. Von hier aus bietet sich bequeme Gelegenheit zu einem kurzen Ausflug in das Tromsthal, woselbst man die Bekanntschaft von Lappen machen kann. Es befinden sich hier immer Lappen aus Karesuando in Schweden, die auch zur Ankunftszeit der Dampfschiffe ihre Renntierherden hereinholen und sie den Passagieren zeigen.
Man bekommt dann ein recht belebtes Bild zu sehen; die Tiere werden von den Hunden zusammengetrieben und mit Hilfe des lappischen Lasso gefangen, einige werden gemolken, andere geschlachtet, kurz, gegen ein kleines Eintrittsgeld kann man hier, im großen natürlichen Cirkus des Thals, einen Einblick erhalten in das Leben dieses eigentümlichen Volkes, das in den arktischen Gegenden noch seinen Kampf ums Dasein fortsetzt. Der Besuch des Tromsthales bildet in der That eine der Perlen der Nordkapfahrt.
Nördlich von Tromsö verdienen die Ufer des großartigen Lyngenfjords mit ihren hohen Alpen und mächtigen Gletschern einen Besuch. Bei der Mündung des Kvänangfjords geht es über die Grenze von Finnmarken, und der Reisende befindet sich inmitten einer gänzlich veränderten Natur. Auch hier sind die Gletscher groß und mächtig, aber überall herrscht eine starre Öde, die besonders bei schlechtem Wetter eine verstimmende niederdrückende Wirkung ausübt. Einsam auf der großen, holzarmen Insel Kvalö liegt Hammerfest, die nördlichste Stadt unseres Weltteils, in deren Hafen trotzdem im Sommer, wenn die russischen Schiffe dahin kommen, um das Mehl des nördlichen Rußlands gegen norwegischen Stockfisch auszutauschen, ein reges Leben herrscht. Von Hammerfest bringt den Reisenden eine kurze Dampfschiffahrt nach dem Nordkap, das mächtig, aber über die Maßen öde aus den Wellen des nördlichen Eismeers empor ragt.
Mag es ganz stille sein ringsum, mag im Norden die Mitternachtssonne ihren Lauf um den Himmel vollenden, mögen heftige Winde durch die zahlreichen Klüfte heulen, während die Wellen des Meeres ihr Zerstörungswerk gegen die alten Felsen fortsetzen – immer wird man von einem Besuche der nördlichsten Spitze Europas das Gefühl zurückbringen, daß einem derartigen Orte nicht leicht ein anderer zu vergleichen ist. Öde, furchtbar öde und abschreckend ist die Natur, als wäre hier der Aufenthaltsort der Seelen der Verdammten, die Phantasie kann sich nicht eine ödere Gegend vorstellen als diese hier, und doch prägt sich das Nordkap der Erinnerung ein als eine Stätte, die man wohl wiedersehen möchte.
Vom Nordkap aus verlohnt es sich dem Svärholtklubben einen Besuch abzustatten, um die dort hausenden Myriaden von Seevögeln zu sehen; diesen letzten kurzen Ausflug abgethan, dampft man nach Hammerfest zurück, um von dort aus die Rückfahrt nach Throndhjem ohne weitere Unterbrechung zurückzulegen, und bald ist man wiederum aus dem Bereich der arktischen Regionen.
II. Von Christiania über Thelemarken nach Bergen.
Mehrere Routen durchschneiden das Land von Osten nach Westen. Will man über Thelemarken reisen, so fährt man mit der Eisenbahn nach Skien (204 km), weiter mit dem Kanaldampfer nach Ulefos (26 km), dann per Wagen eine kurze Strecke (22 km) und weiter mit einem Dampfer über die Thelemarkischen Seen nach Dalen (62 km), wo die eigentliche Landfahrt ihren Anfang nimmt. Eine streckenweise recht schlechte Straße führt über Berge und durch hübsche Thäler nach Mule, einer sehr einfachen Station in der Pfarrei Vinje, wo die direkt von Christiania führende Straße sich mit ihr vereinigt.
Wer dieser folgen will, fährt zuerst mit der Eisenbahn nach Kongsberg, wo man den berühmten Silbergruben einen Besuch abstatten kann; auf der Weiterfahrt bietet sich dann eine vorzügliche Gelegenheit, einen Ausflug nach dem schönen Westfjordthale und dem dort befindlichen großen Wasserfalle Rjukan zu machen. Über Hiterdal, Hjartdal, das prachtvolle Fladdal, Siljord und Morgedal kommt man nach der oben erwähnten Station Mule, dem Vereinigungspunkte der beiden Straßen während man über Nyländ nach den Hochgebirgen von Haukelid gelangt, wo die neue prächtige Straße im Jahre 1885 vollendet werden wird. An dieser liegt mitten in den Bergen die gute Station Haukelidsäter, deren Besitzer nunmehr in der Nähe zahme Renntiere unterhält, mit deren Fleisch er das ganze Jahr hindurch die Reisenden bewirten kann, weil das Fleisch der wilden Renntiere, den Jagdgesetzen zufolge, erst nach Mitte August zu haben ist.
Von hier aus kann man auch einen Ausflug zu den Weidestätten der Tiere machen, auf welchen sie von einigen vor kurzem hierher übergesiedelten Lappen gehütet werden.
Vom Haukelidsäter aus geht es noch eine Strecke weiter auf dem Berge hin, dann führt der Weg in das abgelegene Thal von Röldal hinab, vormals eine der einsamsten Gegenden im ganzen Lande, nunmehr ein Knotenpunkt verschiedener Straßen und nach drei Richtungen hin mit der Außenwelt in Verbindung gebracht.
In Röldal angelangt, trennt den Reisenden nur eine kurze Bergstrecke von dem Paradiese Norwegens, den Ufern des Hardangerfjords.
Die weiten Eis- und Schneefelder der großen Firnmasse des Folgesonn begrenzen hier die Aussicht, während man an Seljestad vorüber in das anmutige Thal hinunterfährt.
Die Alpen haben die Allée blanche mit ihren Gletschern, hier in Norwegen begegnet man einer anderen Allée blanche, im Schmucke der herrlichsten Wasserfälle prangend, welche dicht an der Straße an den schroffen Felswänden herabrauschen.
Der Weg führt, nachdem er dieses Thal der Wasserfälle verlassen, längs eines kleinen Sees hin, an dessen Ufern man den herrlichen Buargletscher erblickt, und endet bei Odda am Hardangerfjord, wo sich jetzt ein buntes Reiseleben entwickelt hat.
Mehrere Dampfer vermitteln von hier aus die Verbindung mit Bergen, welche Stadt man in 15–30 Stunden erreichen kann.
Hardanger bietet, wie keine andere der vielbesuchten norwegischen Landschaften, eine reiche Gelegenheit zu Ausflügen mit Wasserfällen und Gletschern als Ziel. Der Buar- und der Bondhusgletscher gehören zu den prachtvollsten ihrer Art, und Fälle wie der Skjäggedalsfoß und der Vöringfoß stehen in Europa unerreicht da; neben ihnen finden sich eine große Menge anderer Fälle, die, wenn auch an Stärke und Höhe verschieden, doch sämtlich einen hervorragenden Platz behaupten. An den Ufern des weitverzweigten Fjords herrscht ein mildes Klima, weshalb auch selbst im Winter viele Brustleidende hier leben und oftmals völlige Genesung finden. Fast überall trifft man Gasthäuser.
Über Eide, Vossevangen und Stalheim führt nach dem Sognefjord hinüber eine kurze Poststraße, die bei Vossevangen die sogenannte Vossebahn schneidet.
III. Die Vossebahn (108 km) verbindet Bergen mit Vossevangen; sie ist ein großartiger Bau, der 50–60 größere und kleinere Tunnels aufzuweisen hat und längs der Fjorde auf weite Strecken hin in die Felsen eingesprengt ist.
Diese Eisenbahnfahrt ist eine sehr lohnende und muß besonders denjenigen empfohlen werden, welche den Hardanger- und den Sognefjord besuchen wollen, wohin man mit der Post leicht gelangen kann. Die Fortsetzung der Bahn, entweder direkt über das Hochgebirge oder über den Hardanger nach Christiania, ist in Aussicht genommen, aber noch nicht endgültig beschlossen. Wer von Vossevangen nach dem Sognefjord fahren will, folgt der Poststraße bis Stalheim, dort öffnet sich das Naerödal, durch welches man weiterhin nach Gudvangen gelangt, von wo aus ein kleiner Dampfer die Verbindung mit Laerdalsören besorgt.
Das Naerödal und der Naeröfjord sind überaus großartig und wild, beide sind allen denjenigen Reisenden besonders zu empfehlen, welche typisch norwegische Gegenden zu sehen wünschen. Wer besonders wilde Gebirgswanderungen liebt, kann auch den Ufern des angrenzenden Aurlandfjords einen Besuch abstatten und von dort aus auf recht eigentlichen Gebirgspfaden durch das Flaamsthal nach Hardanger und durch das Vasbygdthal nach Hallingdal wandern. Durch das Hallingdal führt eine Straße weiter nach Christiania.
IV. Von Christiania über Valdres nach Bergen. Am Ausgangspunkte Christiana kann man drei verschiedene Wege wählen, die sich alle in Frydenlund vereinigen.
Man fährt entweder mit der Westbahn nach Heen (131 km), dann mit dem Dampfschiff über den Waldsee Spirillen (50 km) und endlich per Wagen nach Frydenlund (51 km); oder mit der Westbahn nach dem Randsfjord (142 km), mit dem Dampfschiff nach Odnäs (73 km) und mit Wagen nach Frydenlund (48 km); oder endlich vom Ostbahnhof nach Eidsvold (68 km) oder Hamar (126 km), mit dem Dampfschiff nach Gjövik (65 bez. 18 km) und per Wagen über Odnäs nach Frydenlund (88 km). Die Station Frydenlund liegt in dem lieblichen Thale von Valdres, welches, ausgezeichnet durch die Schönheit seiner Seen und Wälder, als anmutige Gegend für einen Sommeraufenthalt dem östlichen Norwegen das ist, was Hardanger dem westlichen.
Längs der herrlichen waldumkränzten Seen windet sich die Straße durch das Thal dahin, bis bei dem See Vangsmjösen das Öderwerden der Gegend an die Nähe des Hochgebirges erinnert.
Man steigt empor, fort geht es über das wüste Filefjeld und dann wieder in das Lärdal hinab, wo man am brausenden und rauschenden Lärdalsflusse entlang nach dem 232 km von Odnäs entfernten Lärdalsören fährt und sich hier an Bord des Dampfers begiebt, um die Fahrt auf dem Sognefjorde nach Bergen fortzusetzen.
Wer nicht direkt fahren will, kann viele Ausflüge in die großartig romantische Umgegend machen.
Vor allem ist es zu empfehlen, einem der zahlreichen Ausläufer des größten Gletschers auf dem europäischen Festlande einen Besuch zu machen, was am bequemsten mit dem Dampfer geschieht, der einmal in der Woche den Fjärlandsfjord befährt. Man kann dort die Pracht der Gletscher von Boyum und Suphelle bewundern, zweier der größten Ausläufer des Jostedalsbrä, welcher hinsichtlich des Flächengehalts alle anderen Eis- und Schneemassen von Norwegen wie auch der Alpen weit übertrifft.
Die zahlreichsten Ausläufer des Jostedalsbrä sind an der westlichen Seite des zwischen den Bergen völlig versteckten Jostedals, dessen große Eismassen man an verschiedenen Stellen überschreiten kann, um in die herrlichen Thäler am Nordfjord hinabzusteigen.
Es giebt hier besonders zwei empfehlenswerte Übergänge: nach Näsdal in Loen und nach Greidung in Stryn; besonders auf dem ersten bekommt man die Gletscher in ihrer ganzen Herrlichkeit zu sehen.
Bis jetzt werden diese abgelegenen Thäler noch selten von Reisenden aufgesucht, weshalb auch die Verpflegung noch viel zu wünschen übrig läßt.
V. Von Bergen nach Molde führt eine 489 km lange Route, welche teils herrliche Landschaften durchschneidet, teils den Zugang zu einigen der großartigsten Gegenden Norwegens ermöglicht. Man fährt zuerst von Bergen mit dem Dampfschiff 141 km weit nach Vadeim, einer Station am äußersten Ende des Sognefjords. Von dort folgt man der Landstraße nach dem Thal von Förde am Söndfjord und weiter durch die in demselben Thale liegende Pfarrei von Jölster bis nach dem Breumsee und dem Nordfjord. Bei Utviken erreicht man den Fjord und setzt nach Faleide über, einem schönen Punkte, von wo aus eine vorzügliche Gelegenheit sich darbietet, Ausflüge in die benachbarten Gletscherthäler, sowie nach Olden, Loen und Stryn mit ihren schönen Seen und stolzen Bergen zu machen.
Von Faleide geht es gegen Norden weiter, nach Hellesylt, wo man abermals für kurze Zeit einen Dampfer benutzen muß, dabei aber auch Gelegenheit findet, den so großartigen und pittoresken Geirangerfjord zu besuchen. Dieser Fjord wird wahrscheinlich mit dem Jahre 1885 in das Bereich der Touristenrouten nach dem Nordkap mit hineingezogen werden. Man befindet sich hier im Distrikte Söndmöre.
Bei Söholt muß man wieder aussteigen, um eine kurze Fahrt überland zu machen, und fährt dann über den Romsdalsfjord nach Molde, dem Centralpunkt des Reiselebens in diesen Gegenden, einer an der See herrlich gelegenen Stadt und Station der großen Küstendampfer, von welcher aus ein schöner Anblick der ganzen Bergkette von Söndmöre und Romsdal sich darbietet.
VI. Von Christiania durch das Gudbrandsdal und das Romsdal nach Molde 506 km.
Man fährt mit der Eisenbahn nach Eidsvold oder Hamar und von einer dieser beiden Stationen mit dem Dampfschiffe über den großen Binnensee Mjösen nach Lillehammer. Von hier aus geht eine Straße durch das Gudbrandsdal und Romsdal nach dem Romsdalsfjord, welche Fahrt man zu Wagen in 4 Tagen bequem zurücklegen kann.
Das Gudbrandsdal ist schön, aber für die Dauer etwas einförmig; es wird von dem Flusse Laagen durchströmt, dessen Wasser durch zahlreiche Zuflüsse von großen Gletschern eine eigentümlich grüne Farbe erhält. Der Hauptfluß hat seinen Ursprung in der Pfarrei von Lesja, wo er aus einem See heraustritt, dessen anderem Ende die bedeutend kürzere Rauma entspringt. Längs dieser senkt sich die schöne Straße rasch in das prachtvolle Romsdal hinab, wo zahlreiche Wasserfälle sich über die senkrechten Bergwände herabstürzen. Unter den Thälern Norwegens nimmt das Romsdal in Bezug auf landschaftliche Schönheit einen hervorragenden Platz ein, besonders wegen der schroffen, von mächtigen Zinnen überragten Felsenwände, welche kein menschlicher Fuß zu betreten vermag. Der Troldtinden, das Romsdalshorn und der Vengetinden sind hier die bekanntesten Spitzen, welchen sich eine Unzahl anderer mehr oder weniger bekannter anschließt.
Bei Veblungsnäs erreicht man den inneren Arm des Romsdalsfjords, auf welchem man in einigen Stunden nach Molde gelangt.
Wer der langen Überlandfahrt entgehen will, kann nur von Molde aus das eigentliche Romsdal besuchen; in den letzten Jahren wird diese Fahrt häufig unternommen und ist sie besonders allen denen zu empfehlen, welche nicht allzu viel Zeit haben und deshalb rasch zu reisen wünschen.
VII. Jötunfjelde ist der Name der Gebirge, die, zwischen dem Gudbrandsdale, Valdres und Sogn liegend, die höchsten Spitzen Norwegens einschließen. Hier dehnen sich, um große hochgelegene Seen gelagert, mächtige Gletscher und ragen hohe Berge; zahlreiche Pässe verbinden die einzelnen Thäler, die meistens zu hoch liegen, um selbst im Sommer von Sennern bewohnt werden zu können. Es ist eine malerische, zugleich großartige Alpenwelt, welche hier dem Reisenden entgegentritt und in den letzten Jahren immer mehr In- und Ausländer anlockt.
Unterkommen findet man in den wohl ausgestatteten großen Unterkunftshäusern, die hier von dem norwegischen Touristenvereine angelegt sind, und in denen man recht gut leben kann, während man Ausflüge nach allen Richtungen hin unternimmt.
Drei Tage genügen, um diese Berge von Thal zu Thal zu durchwandern, ihre Seen, Gletscher und Gipfel von allen Seiten zu bewundern.
Deutsche Reisebücher über Skandinavien. Seit 1873 existiert ein Reisehandbuch vom Verfasser dieser Einleitung über Schweden und Norwegen in deutscher Sprache, Verlag des Bibliographischen Instituts zu Leipzig. Seit 1879 erschienen ähnliche in Bädekers Verlage. Der Nielsen'sche Führer kam außerdem in Norwegischer Sprache (4. Auflage 1885) heraus und wird 1885 zum ersten Mal in englischer Sprache erscheinen. Bedeutend älter sind die englischen Handbücher in Murrays Sammlung.
(Notiz vom Verfasser der Hauptreiserouten).