Im Lande der Mitternachts-Sonne
Verlag: Ferdinand Hirt & Sohn | Jahr: 1885 | Übersetzer: A. Helms
Wenn Sie das Buch lieber in der Hand halten möchten, können Sie es hier erwerben:
Oder laden Sie das Buch kostenlos als E-Book für Ihren E-Reader herunter:
Wie verwende ich eine EPUB-Datei?EPUB herunterladen
„Im Lande der Mitternachts-Sonne“ als E-Book für Ihren Reader.
Projekt Gutenberg unterstützen
Ihr Download startet.
Projekt Gutenberg lebt davon, dass Literatur frei zugänglich bleibt.
Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie, diese Bibliothek zu erhalten und weiter auszubauen.
Im Buch suchen
Vierunddreißigstes Kapitel. Schwedens Seen.
Der Mälar-See. – Seine Schlösser. – Der Göta-Kanal. – Der Wetter-See. – Der Wener-See. – Trollhätta. – Der Hjelmar-See.
Norwegen und Schweden, zwei Schwesterreiche, dicht an einander sich schmiegend und doch so vollständig verschieden an Natur und Wesen. In Schweden findet sich nichts von der überwältigenden Großartigkeit der düsteren Pracht, welche in so hohem Grade die Eigenart des stolzen Norwegens bildet, dafür besitzt es aber den Zauber entzückender Lieblichkeit, und wem es vergönnt gewesen, den herrlichen Mälar zu schauen, verklärt von der wundersamen Beleuchtung der nordischen Sommernächte, dem wird der märchenhafte Reiz des berückend schönen Landschaftsgemäldes sich auf ewig unvergeßlich ins Gedächtnis prägen. Dabei liegt ein Hauch der Romantik über diesem schönen Fleckchen Erde, wenig Landstriche sind so überreich an historischen Erinnerungen, wie die Umgebung des Mälar, welcher alle Jahrhunderte, von der Steinzeit bis zur Regierung der Wasa – jener Glanzepoche in der Geschichte Schwedens – ihre unvergänglichen Spuren ausgeprägt haben: neben der Stätte heidnischer Gottesverehrung erhebt sich der Stammsitz eines edeln Geschlechtes und dicht bei dem Grabmal irgend eines gewaltigen Häuptlings dehnt sich eine blühende Stadt, deren stolzer Dom die Zeit zurückruft, da auch hier der Krummstab die unumschränkte Herrschaft führte und die schönsten Ländereien, wie überall, sich im Besitze der Kirchen und Klöster befanden.
Unter den Schlössern an den Ufern dieses schönen, interessanten Sees ist es die auf der lieblichen Insel Löfö, etwa 10 km von Stockholm entfernt gelegene königliche Residenz Drottningholm, welche vor allen anderen Anspruch auf unsere Beachtung erhebt. Den Grundstein zu diesem den See überblickenden Prachtbau legte Hedwig Eleonore von Holstein, die Witwe Karls X., jenes Königs, welcher zuerst das Wagnis unternahm, mit seinem Heere die Eisdecke des Beltes zu überschreiten, um nach Dänemark zu gelangen, und der seine tapferen Krieger siegreich bis ins Herz von Polen führte. Nikodemus Tessin der Ältere und der Jüngere waren die Bauherren und unter der Regierung Karls XI. (1660–1697) ward das Werk vollendet. Die Gärten, welche Alleen herrlicher Linden durchschneiden, zeigen in ihrer Anlage eine Mischung des altfranzösischen, wie des niederländischen und englischen Geschmacks, Vasen, sowie Gruppen in Marmor und Bronze sind überall verteilt und an Springbrunnen und Teichen mit schönen Schwänen ist kein Mangel. Ein ganz eigenartiges, aber reizendes Erzeugnis der Gärtnerkunst ist das Théatre de Verdure (man hat den französischen Namen beibehalten), ein aus gestutzten Bäumen und Hecken hergestelltes Theater, auf dessen Bühne König Gustav III. französische Schauspiele zur Aufführung zu bringen liebte. Allerliebst ist auch das inmitten eines Dickichts aus hohen Hecken gebildete Labyrinth; dort erhebt sich ein Schweizerhaus, hier Floras Hügel mit der Bildsäule der Göttin. Das Kina Slott, die Nachbildung eines chinesischen Palastes, ist ein originelles Spielzeug, mit welchem König Adolf Friedrich im Jahre 1752 seine Gemahlin, die Königin Luise Ulrike, die Schwester Friedrichs des Großen von Preußen, an ihrem Geburtstage überraschte, und enthält eine Menge von chinesischen Kostbarkeiten; ganz in der Nähe liegt das aus einer Anzahl kleiner Häuschen bestehende sogenannte Dorf Canton und in dessen Nähe eine kleine Fabrikanlage, in welcher der König – dazumal wohl der geschickteste Schlosser in ganz Schweden – der Bearbeitung von Stahl und Eisen mit höchsteigenen Händen oblag.
Über eine prächtige Treppenflucht gelangt man in den Palast und zwar zuerst in eine Halle, deren wundervolle Ausführung sie sofort als ein Werk Tessins erkennen läßt, und von da aus über eine andere Treppe zu den Gemächern des ersten Stockwerkes. Stunden und Tage könnte man in denselben verweilen, um die herrlichen Gemälde, die kostbaren Tapeten, die Sammlungen alten Porzellans und was dergleichen mehr ist, zu bewundern; hier hängen auch die Bilder des Königs Adolf Friedrich (1751–1771) und seiner blauäugigen Gemahlin, einer sehr merkwürdigen Frau, deren in französischer Sprache an ihre » très – chère maman« geschriebene Briefe von ihrem hohen Kunstsinne, gleichzeitig aber auch von ihrer Vorliebe für Drottningholm vollgültiges Zeugnis ablegen.
Westwärts von Drottningholm, an dem nördlichen Ende der Insel Björkö, bemerkt man zahlreiche Überreste des alten Birka, eines in den letzten Jahrhunderten der Heidenzeit sehr bedeutenden Hafenplatzes. Die Erde ist dort vielfach mit Kohlenresten und Asche untermischt, deshalb auch svarta jorden (die schwarze Erde) genannt, und häufig werden hier häusliche Geräte, Schmucksachen und Waffen, vor allen Dingen aber Tierknochen in so großen Mengen gefunden, daß diese Erdhügel in gewisser Beziehung den Kjökkenmöddinger der früheren Perioden gleich zu achten sind. Den häufigen Angriffen der Vikinger gegenüber war die Stadt nicht stark genug, den gehörigen Widerstand zu leisten, und so hatten die Bewohner versucht, durch Anlage von Wehren den Zugang zu ihrem Hafen zu erschweren. An der Ostseite war die Stadt durch einen Wall geschützt, von welchem noch Spuren vorhanden sind, während der Wall an der Südseite längst hinweggeräumt und das Terrain in Ackerland umgewandelt wurde. Auch der Hügel an der Westseite war mit Befestigungswerken versehen, mit Ausnahme einer Stelle, wo der Abhang so steil ist, daß jede Vorsichtsmaßregel überflüssig erscheinen mochte. Diese Mauern unterscheiden sich von den anderen im Mälar-Thale aufgefundenen insofern, als sie nicht aus lose über einander gehäuften Steinen bestehen, sondern dicht mit Erde überdeckt waren, aber obschon man somit alles gethan hatte, um den Ort möglichst widerstandsfähig zu machen, wurde er schließlich doch eingenommen und zerstört. Über den Zeitpunkt, wann dieses Ereignis eingetreten, sind bestimmte Nachrichten nicht vorhanden, so viel nur weiß man, daß im Jahre 936 der Bischof Unne von Bremen noch hier starb, während ein aus dem Jahre 1070 stammender Bericht die Stadt zwar erwähnt, jedoch hinzufügt: sie sei so vollständig verwüstet, daß kaum die Stelle zu erkennen sei, wo sie gestanden.
An dieser Stätte soll es auch gewesen sein, wo den Schweden 829 durch Ansgar – Mönch aus der Abtei Corbie in Frankreich, später Bischof von Hamburg – zuerst das Evangelium gepredigt wurde, und hat man zur Erinnerung hieran im Jahre 1834 ein steinernes Kreuz am Seeufer errichtet.
In einer von Erzbischof Rimbert (? 888) verfaßten Lebensbeschreibung seines Vorgängers Ansgar wird erwähnt, daß er in dem Engländer Simon den ersten Bischof der Insel Björkö ernannte, und ist in diesem Berichte Birka als ein im Lande der Svear gelegener, von vielen reichen Kaufleuten bewohnter Hafenort bezeichnet. Er erzählt weiter, daß, als die Bewohner der Stadt ihren König Anund verjagten, dieser sich mit den Dänen verbündete und die Stadt angriff. Die Bürger suchten Zuflucht in einem nahe gelegenen Fort, da dasselbe indes nicht stark und die Zahl der Verteidiger nur gering war, so knüpften sie Friedensunterhandlungen an; König Anund forderte 2000 Pfund Silber, und – ein Beweis für den ungewöhnlichen Reichtum der Stadt – ohne irgend welchen Verzug wurde ihm die ungeheure Summe ausbezahlt.
Adam von Bremen, ein viel jüngerer Chronist, bemerkt, Birka sei eine Stadt in der Nähe von Upsala und in ihr befinde sich der berühmteste Heidentempel der Svear.
Am Ufer des Gripsholm-Fjordes erhebt sich das stattliche Schloß Gripsholm, welches, zu Anfang des 14. Jahrhunderts erbaut, im Jahre 1434 zerstört wurde. Sten Sture der Ältere überließ während seiner Reichsstatthalterschaft das Gebiet dem Kloster Mariefred, König Gustaf Erikson Wasa I. aber brachte es wieder an die Krone zurück und er war es auch, der den jetzigen, 1537 vollendeten Bau begann und den vier Türmen die Namen seiner vier Söhne: Erik, Johan, Magnus und Karl beilegte. Überaus groß ist die Menge der in Gripsholm angehäuften Schätze an alten Möbeln, kostbaren alten Tapeten, reichem Silbergeschirr u. s. w.; vor allem aber sind es die geschichtlichen Erinnerungen, welche dem Schloß ein so ganz besonderes Interesse verleihen, man könnte es am richtigsten als das Pantheon der Familie Wasa und ihrer Zeitgenossen bezeichnen. Die mehr denn 2000 Stück umfassende Gemäldegalerie ist in ihrer Art einzig in Europa, denn sie enthält eine so große Anzahl von Porträts bedeutender Persönlichkeiten – Könige fast aller europäischen Staaten, Staatsmänner, schwedische und nichtschwedische, sowie Königinnen, schöne und häßliche – wie man sie sonst nirgends mehr beisammen findet. Einzelne der Bildnisse, aus der Zeit vor der Wasa-Dynastie stammend, sind schon über 500 Jahre alt.
Schloß Gripsholm.
Die Mauern des alten Schlosses haben viel Trauer und Elend gesehen; eine gewölbte Zelle, in welche man von der Halle aus auf einer schmalen Treppe gelangt, diente den Opfern des Blutbades zu Linköping als Kerker und in einem Turmgemach, dessen drei Fenster nach dem See zu liegen, wurde nach der allgemeinen Angabe Johan, einer von Gustafs Söhnen, lange Zeit von seinem Bruder Erik gefangen gehalten.
Nicht weit von Gripsholm entfernt, gleichfalls an einer der vielen Buchten des Mälarsees, liegt das in früheren Zeiten so hochbedeutende, jetzt wenig beachtete Strengnäs. In der Kathedrale, einem aus dem Jahre 1291 stammenden schönen Gebäude von 90 m Länge, befinden sich die Grabmäler vieler Berühmtheiten des Landes, unter ihnen die von Karl IX. und Sten Sture dem Älteren.
Strengnäs gerade gegenüber liegt die Insel Fosterö mit der alten Kirche von Aspö, etwas weiter hin das alte Schloß Fiholm, einstmals im Besitze Axel Oxenstjernas und in geringer Entfernung hiervon die Jäderkirche, welche außer vielen Erinnerungszeichen an die Zeit des dreißigjährigen Krieges auch das Grab des großen Kanzlers enthält.
Am Eskilstuna-Fluß, aber doch noch in nächster Nähe des Mälarufers, erheben sich die kleinen Städte Torshälla und Eskilstuna – letzteres der am meisten bevölkerte und bedeutendste Ort am Südufer des Mälar –, die Anfertigung von Waffen, sowie Messerwaren wird hier in hervorragendem Maße betrieben. Am westlichen Ende des Sees liegen an den Flüssen gleichen Namens die Städtchen Köping und Arboga.
An dem nördlichen Ufer des Sees befindet sich gleichfalls manche interessante Stätte. Das an der Mündung des Svartå-Flusses gelegene Vesterås war im Mittelalter ein sehr bedeuteter Ort. Der im zwölften Jahrhundert erbaute Dom hat eine Länge von 90 m und sein Turm, der höchste in Schweden, eine Höhe von 100 m; Svante Sture, Erik XIV. und der Kanzler Magnus Brahe haben in dieser Kirche ihre letzte Ruhestätte gefunden. Von hohem Interesse ist auch die 12 000 Bände umfassende Bibliothek der Elementarschule, enthält sie doch den Bücherschatz des Kurfürsten von Mainz, welcher von Axel Oxenstjerna erbeutet und der Stadt zum Geschenk gemacht wurde.
Die Kirche von Aspö.
Schloß Strömsholm verdankt seine Entstehung Gustav I. und wurde ehemals von den Königen als Sommerresidenz benutzt; jetzt befindet sich hier Schwedens bedeutendstes Gestüt, sowie eine Reitschule für die Offiziere der Armee. Bei Strömsholm nimmt auch eine der schönsten Wasserstraßen Schwedens ihren Anfang; etwa 110 km lang besteht sie fast ganz aus natürlichen Wasserläufen, verbunden durch Kanäle, deren Länge alles in allem 10 km beträgt; ihr nördliches Ende findet sie bei dem Dorfe Smedjebacken in Dalekarlien und zahlreich sind die Eisenwerke, die man an ihren Ufern gewahrt.
An dem nördlichen Ufer, etwa 30 km von Stockholm entfernt, zweigt sich der Sigtuna-Fjord ab, von welchem aus man den Weg nach Upsala auf dem Wasserwege zurücklegen kann. Nahe dem Fjord erhebt sich das königliche Schloß Rosersberg mit seinen schönen Gärten; hier liegt auch das alte Sigtuna, dessen die Sagen als einer volkreichen, mächtigen Stadt so häufig Erwähnung thun. Unter den heidnischen Völkerschaften, welche von Osten herkommend in der Mitte und gegen das Ende des 12. Jahrhunderts die Ufer der Ostsee heimsuchten, befanden sich auch die Esthen, im Jahre 1187 drangen sie bis an den Mälarsee vor und verwüsteten Sigtuna, damals nach der Zerstörung Birkas der bedeutendste Handelsplatz. Zwei prächtige Kirchenthüren aus massivem Silber, welche sie bei dieser Gelegenheit von hier mit fortschleppten, sind noch heute in der Kirche von Nowgorod zu sehen; von den Kirchen selbst sind nur noch wenige Ruinen übrig geblieben, deren Steinblöcke aber so mächtig sind, daß man sich unwillkürlich fragt, wie es möglich gewesen, diese ungeheuren Massen zu heben und zusammenzufügen.
Kirche von Arboga.
Wenn man den Fjord weiter aufwärts fährt, kommt man, nachdem man den engen Erikssund passiert, in die von dunkelen Wäldern umschlossene Bucht Sko. An ihrem Ufer erhob sich früher das Skokloster, welches zu Ende des 13. Jahrhunderts erbaut, späterhin ein Raub der Flammen wurde. Gustav Adolf schenkte das Terrain dem Feldmarschall Hermann Wrangel, und dessen Sohn, der berühmte Feldherr des 30jährigen Krieges, Karl Gustav Wrangel, erbaute auf dieser Stelle das Schloß, dessen Türme man jetzt vom Wasser aus erblickt. Dicht dabei steht die noch wohlerhaltene alte Klosterkirche mit dem Grabe des heil. Holmgeir; in einer Seitenkapelle, deren Wände Schlachtenbilder aus dem Leben des Helden schmücken, ist das Reiterstandbild Karl Gustav Wrangels aufgestellt; die teilweise sehr wertvollen Gemälde stammen aus dem Kloster Oliva bei Danzig, und auch der Altar, sowie sonstige Kunstschätze sind Beutestücke aus Deutschland.
Durch die Vermählung von Wrangels Tochter, seinem einzigen Kinde, mit einem Brahe gelangte dies Schloß – eines der schönsten in Schweden – in den Besitz dieser Familie, in welcher es sich seitdem weitervererbt hat. Die von vier gewaltigen Türmen flankirten, vier Stockwerke hohen Gebäude umschließen einen großen Hof; über dem der Wasserseite zugekehrten Haupteingange prangt das Wappen der Familie Wrangel, und das Deckengewölbe der weiten Halle stützen acht prachtvolle ionische Säulen aus Marmor, ein Geschenk der Königin Christine an Karl Gustav Wrangel, ein »Geschenk« freilich, für welches Brahe unter der Regierung Karl XI. – welcher alle von seinen Vorgängern, besonders von Christine, für geleistete Dienste verliehenen Krongüter oder sonstigen greifbaren Gnadenbezeigungen zurückforderte – eine ungeheure Geldsumme erlegen mußte. Das Schloß selbst ist ein wahres Museum, angefüllt mit allen nur möglichen seltenen Kostbarkeiten; die Wände der Treppen, Korridore, sowie diejenigen einer Reihe von Sälen bedecken interessante Gemälde; von erstaunlicher Reichhaltigkeit und Mannichfaltigkeit ist die über 1200 Stück umfassende Waffensammlung: Feuerwaffen aller Art, große Mengen von Schwertern, Degen, Dolchen und Bogen finden sich hier, einzelne davon kunstvoll mit Gold und edeln Steinen eingelegt, andere wieder von hohem historischen Werte, wie z. B. das Schwert des Hussitenführers Ziska und der kostbare Schild Karls V., beides Beutestücke von der Plünderung Prags durch die Schweden. In den Staatsgemächern gewahrt man prachtvolle Gobelins, ein Geschenk Ludwigs XIV., in anderen wieder Ledertapeten mit reicher Goldpressung; Gemälde und Venetianische Spiegel, sowie prachtvoll eingelegte Tische und Schränke füllen die Räume, während in der sogenannten Königshalle, deren Decke ein Meisterwerk von Stuckarbeit ist, altes Porzellan und zahllose andere Kunstgegenstände in riesigen Schränken aufgestellt sind – so viel des Seltenen und Wertvollen bietet sich hier dem Auge des Beschauers, daß man kaum weiß, wohin man den bewundernden Blick zuerst wenden soll. Hochinteressant ist auch die Bibliothek, enthält dieselbe doch außer dem 30 000 Bände umfassenden reichen Bücherschatze eine bedeutende Sammlung seltener Handschriften und Briefe, unter diesen einen von Erik XIV., in welchem er Auftrag giebt, Unterhandlungen zu seiner Vermählung mit Maria Stuart anzuknüpfen, ein Vorhaben, welches er, als er sich später um Elisabeth von England bemühte, dieser gegenüber auf das entschiedenste in Abrede stellte.
Aber nicht der Mälar allein, auch die anderen Seen besitzen ihre Reize in landschaftlicher wie in historischer Beziehung. Wer sie gründlich kennen lernen will, der nehme seinen Weg quer durch Schweden, nicht dahinfliegend mit schnaubendem Dampfroß auf eisernen Schienen, sondern gemächlich dahingleitend auf den klaren Fluten der Seen und Kanäle.
Schwedens schöne Seen und der Götakanal! – Natur und Kunst im Verein haben hier einen entzückenden Wasserweg geschaffen, auf welchem man, das mittlere Schweden quer durchschneidend, von der Ostsee nach der Nordsee zu gelangen vermag. Im ganzen 420 km lang und mit 74 Schleusen versehen, erreicht diese Wasserstraße ihre höchste Höhe mit ungefähr 90 m bei dem zwischen Wettern und Wenern gelegenen kleinen Viken-See; der Kanal – in seiner ganzen Anlage und Ausführung ein wahres Meisterwerk – führt streckenweise mitten durch starre Granitmassen, besitzt eine Tiefe von über 3 m und verbreitert sich von 15 m, die er am Boden mißt, nach oben hin bis zu 27 m; die Schleusen haben bei einer Länge von 37 m eine Breite von beinahe 8 m, und mehr denn 30 Brücken spannen sich über ihn hin. Der Verkehr auf diesem wundervollen Wasserwege ist sehr bedeutend, die Zahl der von der Nordsee nach dem Wenernsee fahrenden Schiffe beträgt jährlich zwischen 6000–7000, während von dem Wenern nach der Ostsee etwa 3000 Schiffe gehen; außerdem besteht eine direkte Linie, und kann man auf den sehr bequemen Dampfern die ganze Strecke von der Ostsee nach der Nordsee in 2–3 Tagen zurücklegen.
Von Stockholm aus führt der Dampfer am südlichen Ufer des Mälar entlang bis nach Telge-Viken, wo er in den Mälar und Ostsee verbindenden Södertelge-Kanal eintritt. Die am Südufer des Mälar sich dehnende Provinz Södermanland, welche dieser Kanal durchschneidet, ist ein kleines Paradies. Reich an Flüssen und Seen, besitzt die streckenweise überaus malerische Landschaft einen köstlichen Schmuck an ihren herrlichen Wäldern, Hügel und Thäler sind mit Fichten und Birken bedeckt, Eichen erreichen einen stattlichen Umfang und ebenso sind Linden, Ulmen und Kastanien in mächtigen Exemplaren vertreten. In einem lieblichen Erdenwinkel versteckt, spiegelt das reizende Schloß Stora-Sundby seine gewaltigen Mauern mit den zahlreichen Türmen in den klaren Fluten des Hjelmar-Sees.
Ausgezeichnet nicht nur durch schöne Lage, sondern auch durch den Besitz zahlreicher Kunstwerke, sowie einer kostbaren Bibliothek und eines Archivs, von dessen Urkunden einzelne aus dem Jahre 1300 stammen, ist Schloß Säftasholm; der erste Rang unter allen Edelsitzen dieser Provinz gebührt indes unstreitig dem stolzen Eriksberg, welches, schon 200 Jahre alt, in prächtiger Lage von einem niederen Hügel auf den reizenden Eriksberg-See herniederschaut. Unter den vielen hier angesammelten Kostbarkeiten verdient besonders die jetzt im ehemaligen Audienzsaal untergebrachte 10 000 Bände starke Bibliothek Erwähnung; in Bezug auf die Geschichte Skandinaviens ist sie eine der reichhaltigsten in Schweden. Sehenswert ist auch das an den Ufern des Båfven-Sees gelegene Sparreholm, ganz besonders interessant jedoch das einige Kilometer weiter am See Valdemaren, inmitten ausgedehnter Parkanlagen sich erhebende Schloß Stenhammar, dessen bereits um das Jahr 1300 Erwähnung geschieht. Der See allein, der mit seinen vielen Krümmungen und den zahlreichen Eilanden ein an Abwechslung überaus reiches Bild bietet, genügte, um diesem Platz einen besonderen Zauber zu verleihen, aber auch in anderer Hinsicht ist diese Gegend vor allen anderen durch hohe landschaftliche Schönheit ausgezeichnet und außerdem ein wahres Schatzkästlein der Erinnerung an längst vergangene Zeiten.
Stora-Sundby.
Von dem Södertelge-Kanal aus gelangt man in den Slätbaken-Fjord, an dessen Ufer sich eine schöne Ruine, der Turm von Stegeborg, erhebt, schon im 13. Jahrhundert geschieht dieser abwechselnd von Dänen und Schweden umlagerten und erstürmten Feste Erwähnung. Etwa 20 km von Stegeborg entfernt befindet sich die Einfahrt in den Götakanal und damit ist das Gebiet der Provinz Östergötland erreicht, eines Landstriches, der sich rühmen darf, einer der fruchtbarsten Schwedens zu sein. Hier liegt auch am oberen Ende des Bråviken-Fjordes, zu beiden Seiten des Motala-Flusses, dessen zahlreiche Stromschnellen den vielen an seinen Ufern gelegenen Fabriken eine fast unerschöpfliche Wasserkraft bieten, Norrköping, die bedeutendste Fabrikstadt des ganzen skandinavischen Reiches.
Schloss Eriksberg.
Ungefähr 30 km von Norrköping entfernt liegt die nicht weniger denn 50 000 Hektar umfassende Besitzung Finspong, zu welcher außer großen Eisenwerken auch eine bedeutende Kanonengießerei gehört. Aber nicht nur als Stätte des Handels und Gewerbefleißes erscheint diese Gegend ausgezeichnet, auch dem Geschichtsforscher, wie dem Liebhaber alter Bauwerke bietet sich hier des Interessanten genug, dem einen in der nahe der Küste sich dehnenden Bråvalla-Heide, auf welcher im Jahre 740 die blutige Schlacht zwischen Harald Hildetand und Sigurd Ring zum Austrage gekommen, dem anderen in der etwas weiter nördlich gelegenen, aus dem Mittelalter stammenden und ihrer reichen Holzschnitzereien und Malereien wegen bemerkenswerten Risinge-Kirche.
Etwa 30 km weit erstreckt sich von Stegeborg aus der Kanal, dann ist der schöne Roxen-See erreicht, der 30 m über der Ostsee gelegen, eine Länge von ungefähr 25 km und eine Breite von 9–11 km besitzt und in welchen drei bedeutende Ströme, der Motala, der Ausfluß des Wettern, der Svartan und der Strångån sich ergießen.
Am Ufer des Strångån liegt die alte Stadt Linköping. Dieselbe zählt etwa 8000 Einwohner; die im Jahre 1150 in romanischem Stil erbaute Kirche hat eine Länge von 100 m und in zwei Reihen zwanzig mächtige, das Dach stützende Säulen; auch die Kirche St. Lars stammt aus dem 12. Jahrhundert. Das Schloß, zwischen 1470 und 1500 entstanden, ist ein gewaltiges, aber keineswegs durch Schönheit ausgezeichnetes Gebäude; interessant dagegen ist die alte Elementarschule mit ihrer 30 000 Bände starken Bibliothek, die zum größten Teile aus böhmischen Klöstern im 30jährigen Kriege erbeutet ist, und den schönen Porträt-, Münzen- und Antiquitätensammlungen.
Mit Norrköping ist die Stadt durch eine schöne Landstraße verbunden, ebenso führt von hier aus ein allerliebster Wasserweg südwärts durch den übrigen Teil von Östergötland. Kanäle verbinden die zahlreichen Seen unter einander und jeden zweiten Tag legen bequeme Dampfer die etwa 160 km betragende Fahrt zurück. Die ganze Gegend ist überaus anmutig, bei Fillinge dehnt sich ein von der Axt noch nicht berührter Fichtenwald, der schönste, den ich in Schweden gesehen, weiterhin fesseln wogende Getreidefelder und saftig grüne, mit bunten Blumen übersäete Wiesenstrecken den Blick; um so überraschender wirkt der Gegensatz, sobald man sich den Kupferbergwerken von Åtvidaberg nähert. Öde und trostlos reihen sich hier die Hügel rings um das Thal, wird doch durch die aus den Werken aufsteigenden Schwefeldämpfe auf einen ziemlichen Umkreis der Pflanzenwuchs fast gänzlich zerstört. Åtvidaberg gehört zu der 20 000 Hektar umfassenden Besitzung Adelsnäs, die größte unter den Gruben ist diejenige von Bersbo mit einer Tiefe von 390 m, nur von einer einzigen in Schweden, derjenigen von Mormorsgrufvan, wird sie mit 415 m an Tiefe übertroffen. Schon im 14. Jahrhundert, wenn nicht früher, war das Bergwerk von Åtvidaberg in Betrieb und sein Ertrag seit lange bedeutend, spielte das Kupfer doch bereits im hanseatisch-schwedischen Ostseeverkehr eine wichtige Rolle. Etwa 400 bis 500 Arbeiter werden allein hier beschäftigt, deren Lohn zwischen 45 M und 70 M monatlich beträgt, Frauen ungefähr 200 an Zahl, Mädchen und Knaben finden beim Sortieren der Erze Verwendung und verdienen damit gleichfalls 5–7 M wöchentlich. Außer dem Lohn erhält jeder Arbeiter jährlich noch 60 cbm Holz und freie Wohnung für sich und seine Familie, im Falle einer Erkrankung oder sonstigen Arbeitsunfähigkeit wird für die Leute und ebenso nach dem Tode des Ernährers für die Hinterbliebenen in ausreichendem Maße Sorge getragen, wie denn überhaupt das Verhältnis zwischen den Arbeitern und dem Besitzer der Güter, Baron Adelswärd, ein wahrhaft mustergültiges zu nennen ist.
Innenansicht der Risinge-Kirche.
So karg dieses Gebiet mit Schönheit bedacht ist, so reich an Anmut ist die Umgebung des bereits erwähnten lieblichen Roxen-Sees. Die ihn umschließenden Hügel bedecken schöne Wälder, aus welchen stolze Schlösser und altersgraue Ruinen neugierig hervorlugen. Unter den historisch bedeutenden Ruinen ist besonders Stjernarp erwähnenswert, welches 1654 erbaut, dem in Gustav Adolfs Diensten zu hoher militärischer Würde aufgestiegenen schottischen Grafen Robert Douglas lange Zeit als Wohnsitz diente. Leider wurde der größte Teil des prächtigen Baues im Jahre 1789 durch eine Feuersbrunst zerstört, nur die beiden Seitenflügel konnten vor der Wut des verheerenden Elementes gerettet werden und ist der eine derselben noch jetzt bewohnt.
An dem östlichen Ufer des Sees, in der Nähe von Berg, setzt sich der Kanal fort, indes müssen auf dieser Strecke 16 Schleusen passiert werden, so daß die Fahrt nur langsam von statten geht. Dicht bei Berg liegt die auf den Ruinen eines alten Benediktinerklosters erbaute Wreta-Kirche, in welcher sich die Grabstätten verschiedener schwedischer Könige befinden: Inge der Jüngere (1118–1130) mit seiner Gemahlin Helene, König Ragwald Knaphösde (1130–1133) aus dem Hause Stenkil und Waldemar Birgersson aus dem Geschlechte der Folkunger haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Das Haus der Folkunger – der Glanz desselben nahm mit dem um das Jahr 1100 verstorbenen Folke Digre (dem Dicken) seinen eigentlichen Anfang – hatte den schwedischen Thron bis zum Jahre 1389 inne; ein Enkel des oben genannten Folke, der thatkräftige Birger Jarl, führte die Zügel der Regierung lange Zeit hindurch mit gewaltiger Hand, ihm verdankt auch Stockholm seine Entstehung, aber erst mit seinem Sohne Waldemar gelangte im Jahre 1250 die königliche Würde thatsächlich an sein Haus.
Der Kanal zieht sich am Ufer des Kungs Norrby-Sees hin, um sich dann in den 75 m über dem Meeresspiegel und 40 m über dem Roxen gelegenen Boren-See zu öffnen, ein entzückendes, etwa 15 km langes, von schönen Ufern umschlossenes Wasserbecken. In dem Turme der Eckbyborna-Kirche wird noch das von der heiligen Brigitta einstmals bewohnte Gemach gezeigt, während eine reizende Geschichte treuer Liebe die alte Folkungerfeste Ulfåsa mit romantischem Hauche umweht.
Auf der 4 km langen, stellenweise sehr schöne Ausblicke bietenden Strecke zwischen Boren- und Wettern-See sind abermals fünf Schleusen zu passieren. Südlich von dem Kanal rauscht der Motala, der Ausfluß des Wetternsees, dahin und setzt, gelegentlich allerliebste kleine Fälle bildend, eine ziemliche Anzahl von Mühlen in Bewegung. An der Stelle, wo der Kanal in den Wetternsee einmündet, liegt das hübsche Dorf Motala mit etwa 1800 Einwohnern, bei welcher Zahl die Arbeiter und Angestellten des weiter stromaufwärts gelegenen Hüttenwerks, eines der bedeutendsten in Schweden, nicht mit einbegriffen sind; dieselben, auf 1700 Köpfe sich beziffernd, leben vielmehr in der Nähe der Werke selbst, wo man Wohnhäuser, Schulen, ein Krankenhaus u. s. w. eigens für sie errichtet hat. 25 km nördlich von Motala liegt in reizender Umgebung das Mineralbad Medevi, dessen Wasser zwar schon zu Anfang des christlichen Zeitalters bekannt gewesen, aber doch erst seit 1674 wirklich in Aufnahme gekommen sind.
Wettern, Skandinaviens zweitgrößter See, hat eine Länge von 130 km, während seine größte Breite über 30 km beträgt, sein Wasserspiegel befindet sich 90 m über demjenigen der Ostsee, in der Tiefe aber mißt er bis zu 140 m. Kleine Zuflüsse sonder Zahl vermischen ihre Wasser mit den seinigen, welche in einem wunderbar klaren Blau schimmernd sich zu Zeiten wie ein riesiger Spiegel dehnen, zu anderen Zeiten, anscheinend ohne alle Veranlassung, sich in wildem Aufruhr schäumend und tobend dahinwälzen, wie er denn auch von den Schiffern, der häufig sich einstellenden Springfluten und Luftspiegelungen wegen, allgemein gefürchtet wird.
Unter seinen Inseln ist Visingsö die bedeutendste, seine Ufer gehören vier verschiedenen Provinzen an: Nerike, Östergötland, Småland und Westergötland, und fünf Städte: Vadstena, Grenna, Jönköping, Askersund und Hjo spiegeln sich in der köstlichen Flut.
Vadstena, am östlichen Ufer gelegen, zählt 2500 Einwohner, welche einen lebhaften Handel mit Getreide, Bauholz und Eisen betreiben. In früheren Zeiten genoß dieser Ort, seines aus dem 11. Jahrhundert stammenden Klosters wegen, schon eine große Berühmtheit, welche sich noch steigerte, als die heilige Brigitta 1383 hier ein Kloster für Nonnen und Mönche gründete, welches nicht nur auf die Jungfrauen aus den edelsten Geschlechtern, unter ihnen viele Ausländerinnen, eine große Anziehungskraft ausübte, sondern auch nach dem Tode der Stifterin das Ziel zahlreicher Wallfahrten aus aller Herren Länder bildete. So groß war das Ansehen dieser heiligen Stätte, daß es als besondere Vergünstigung galt, an ihr zur letzten Ruhe gebettet zu werden und gar viele sich diesen Vorzug durch kostbare Geschenke erkauften; Prinz Magnus, der im Wahnsinn gestorbene Sohn Gustav Wasas, schläft unter einem prachtvollen Denkmal, dessen Baldachin vierzehn wundervolle korinthische Säulen tragen, und überall gewahrt man Namen, deren Besitzer im Leben eine hervorragende Rolle gespielt.
Schloß Vadstena besteht aus einem länglichen Hauptgebäude, welches sich am Ende eines von vier runden Türmen flankierten, rechtwinkligen Hofes aus den Fluten des Wettern-Sees erhebt, und welches, so bedeutend auch die in seiner Umgebung eingetretenen Veränderungen sind selbst fast vollständig unverändert in demselben Zustande, wie zur Zeit Gustav Wasas, erhalten ist. Im Jahre 1545 wurde der Bau begonnen und 1552 vollendet; in seinen Räumen feierte der alte König seine dritte Hochzeit mit der jugendlich schönen Katarina Stenbock.
Kirche von Vadstena.
Nach seinem Tode kam das schöne Schloß an seinen Sohn Magnus, der sich dann auch hier in einem Anfalle von Wahnsinn, in welchem er den Sirenengesang der Wassernixen zu vernehmen glaubte, aus einem Fenster stürzte und in den Fluten des Wettern-Sees seinen Tod fand. In Vadstena war es auch, wo Karl XII. nach einer zwölfjährigen Trennung zum erstenmale wieder mit seiner Schwester Ulrika Eleonora zusammentraf.
Etwa 20 km von Vadstena erhebt sich, 170 m über dem Wettern-See und 260 m über dem Meeresspiegel, der Omberg, an dessen von üppigen Wäldern bewachsenen Seiten durchsichtig klare Wassermassen herabrauschen, um sich mit den Fluten des Sees zu vereinen, und an dessen Fuß sich die Ruinen von Alvastra, eins der schönsten Baudenkmäler in Schweden, schmiegen. Das Kloster, eins der ältesten und größten in Schweden, wurde in der Mitte des 12. Jahrhunderts erbaut, befand sich erst im Besitze von Cisterciensermönchen, bis es dann später in ein Nonnenkloster umgewandelt wurde. König Sverker I. Karl VII., Sverker II. und Johan I., sowie alle übrigen Angehörigen der Sverker-Dynastie ruhen hier und ebenso Birger Brosa, Ulf Gudmarson, der Gatte der heiligen Brigitta, nebst vielen anderen. Zur Zeit der Reformation gelangte das Kloster in den Besitz der Krone; unglücklicherweise wurde damals ein Teil der Gebäude niedergerissen und das Material zum Bau der Schlösser Vadstena und Visingsborg verwandt. Gleichfalls in der Nähe des Omberg liegt die Kirche von Källstad, und mehr nach dem See zu die Heda-Kirche, eins der ältesten noch vorhandenen Gotteshäuser, dessen Bausteine, wie man annimmt, aus dem Omberg selbst gebrochen sind.
Innenansicht der Kirche von Vadstena.
Refektorium im Kloster Vadstena.
Schloß Vadstena – Landseite.
Schloß Vadstena – Seeseite.
Kirche von Källstad.
Die am Südende des Sees gelegene, 15 000 Einwohner zählende Stadt Jönköping besitzt einen geräumigen, durch starke Wellenbrecher geschützten Hafen und außerdem, da sie einen Eisenbahnknotenpunkt bildet, treffliche Verbindungen mit allen Teilen des Landes. Die Zahl der Fabriken sowie sonstigen industriellen Etablissements ist sehr groß und sind unter ihnen die Papiermühlen, die Dampffärbereien, die Eisengießereien und Maschinenwerkstätten wie auch die Chemikalien-, Tapeten-, Schnupftabak-, Cigarren- und Zündhölzerfabriken besonders bedeutend; die östlich von der Stadt gelegene Gewehr- und Nähmaschinenfabrik Husqvarna z. B. beschäftigt über 1000 Arbeiter.
Ungefähr 15 km von Jönköping entfernt, erhebt sich 340 m über der See der Taberg, neben einigen Hügeln in Lappland der einzige Berg, in welchem das Erz oberhalb der Erde gefunden wird.
Weiter nach Süden hin, eine kleine Strecke vom Wetternufer entfernt, liegt am Fuße einer Bergkette, inmitten üppiger Obstbaumpflanzungen, die im Jahre 1652 gegründete Stadt Grenna, deren Einwohner – 1500 an der Zahl – einen lebhaften Handel mit Getreide und Kartoffeln betreiben. Etwa 2 km von Grenna entfernt ist die 15 km lange und 3 km breite Insel Visingsö, eine reiche Fundgrube für Altertümer aus der Eisenzeit; auch Grabstätten hat man hier in so großen Mengen angetroffen, daß die Annahme berechtigt erscheint, die Insel sei von den umwohnenden Stämmen als Begräbnisstätte benutzt worden. Vor der Erbauung des Stockholmer Schlosses wurde Visingsö von den Königen mit Vorliebe als Residenz gewählt und sieht man am südlichen Ende der Insel unter dem Wasserspiegel noch jetzt die Ruinen des alten Schlosses Näsbo; Karl VII. (1160–68), Erik X., Johan I. und Magnus Ladulås lebten und starben hier. Im 17. Jahrhundert war Visingsö ein Lehen der Grafen Brahe, die hier das prachtvolle Schloß Visingsborg aufführten, das von Karl XI. wieder für die Krone eingezogen wurde und 1720 abbrannte; noch finden sich hier schöne Ruinen.
Fährt man von Vadstena aus nach der Feste Karlsborg, so gelangt man in den eine Bucht bildenden Bottensjö, an dessen Ende, bei Forsvik, der Kanal sich fortsetzt und nachdem, mit Hilfe einer Schleuse, ein Aufstieg von 3½ m bewerkstelligt worden, der Übergang in den Viken-See stattfindet, womit der höchstgelegene Punkt der ganzen Strecke – 95 m über der Ostsee und 50 m über dem Wenern – erreicht ist. Von dem Viken-See aus dehnt sich der Kanal in nordwestlicher Richtung nach dem Wettern hin und einige Kilometer weit ist sein an einer Stelle durch Felsen gesprengtes Bett vollständig eben, weiterhin aber wird die Zahl der Schleusen wieder sehr bedeutend und der Dampfer kann seine Fahrt nur langsam fortsetzen, bis endlich das am Wenern gelegene Sjötorp mit seinem geräumigen Hafen, den schönen Docks und großen Schiffsbauwerkstätten erreicht ist.
Auf halbem Wege zwischen Wettern und Wenern streckt sich der See Ymsen, dessen hübsche Ufer ihren schönsten Schmuck, die prächtigen Eichenwälder, leider eingebüßt haben. Dagegen sind aber auf der Spitze eines Vorgebirges die 2½ m dicken Mauern eines ehemaligen Schlosses, ein in den Felsen gebohrter Brunnen und die Überreste von Gräben und Befestigungswerken noch vorhanden; auch hat man in der Umgebung dieser aus dem Jahre 1229 stammenden Ruine goldene Ketten und Ringe, sowie sonstige Schmucksachen in ziemlicher Anzahl gefunden.
Hölzerne Thüre in der Kirche von Versås.
Außerordentlich groß ist in diesem Gebiete, wie überhaupt in dem ganzen mittleren und südlichen Teile Schwedens, die Zahl der aus dem 11., 12. und 13. Jahrhundert stammenden Kirchen. Teils im Rundbogen-, teils im Spitzbogenstile ausgeführt, mit Kuppeln und Türmen versehen, zeigen viele eine außerordentliche Anmut der Verhältnisse und können als wahre Musterbilder der zu jener Zeit gebräuchlichen Bauweise gelten. Einige andere, welche sich durch ganz besondere Eigenartigkeit auszeichnen, lassen sich unzweifelhaft als frühere Heidentempel erkennen, welche man durch Anbauten und sonstige Zuthaten in eine Stätte christlicher Gottesverehrung umgewandelt hat, und bieten gerade diese – meist tief versteckt in Hainen und Wäldern gelegen – noch immer eine reiche Fundgrube für den Altertumsfreund, denn obschon im Laufe der Jahre viele der aus jenen alten Zeiten stammenden Gemälde, Holzschnitzereien, Taufsteine mit Runen oder lateinischen Inschriften, merkwürdige Stickereien, Reliquienkästchen mit Beschlag von emailliertem Kupfer oder gediegenem Silber, alte Altäre und dergleichen mehr den öffentlichen Museen einverleibt worden sind, so enthalten sie doch noch eine Fülle interessanter Gegenstände. Hier und da trifft man noch einen Skampål (Schandpfahl), an welchem früher diejenigen, welche sich ein Vergehen gegen die Kirche oder den Staat hatten zu schulden kommen lassen, vor dem Hochaltare stehend, angesichts der ganzen Gemeinde Buße thun mußten, und fast überall sind noch die alten Thüren vorhanden, welche außer schöner Schnitzerei meist reichen Metallbeschlag aufzuweisen haben. Die Thüre, welche vorstehende Abbildung zur Anschauung bringt, befindet sich in der Kirche von Versås in Westergötland und zeigt auf einem eisernen Streifen in Runenschrift die Worte »Åsmunter gärthi dyr« (Åsmund machte die Thür), welcher Name auch in den Kirchen von Visingsö, jener Insel im Wettern-See, sowie in derjenigen von Väfversunda in Östergötland, 12 km von Vadstena, an ähnlichen Thüren vorkommt. Die Kirche von Eriksberga, Westergötland, besitzt einen prachtvollen, dem Ende des 12. Jahrhunderts entstammenden Reliquienschrein aus Holz mit reicher Verzierung aus getriebenem und vergoldetem Kupfer, und zwar ist derselbe nicht nur seiner schönen Außenseite, sondern auch seines reichen Inhaltes wegen interessant, birgt er doch in seinem Innern, wie die umfangreiche Aufschrift – zwei Zeilen an jeder Seite – besagt, neben den Knochen der Heiligen Andreas und Pankratius auch noch ein Stück vom Kreuze Christi, das Blut des heiligen Vincenz und viele andere Heiligtümer.
Reliquienschrein – Eriksberga-Kirche, Westergötland.
Einer der interessantesten Punkte zwischen Wettern- und Wenern-See ist das in der Vestgöta-Ebene gelegene Skara, ehemals ein bedeutender Handelsplatz und vor Einführung des Christenglaubens ein ebensolcher Hort des Heidentums für Götaland, wie Upsala für Svealand es war. Der Dom, nächst der Husaby-Kirche der älteste in Schweden, wurde schon 1151 durch Bischof Ödgrim eingeweiht und sind von seinen zahlreichen Türmen nur zwei übrig geblieben. Die Stadt, welche etwa 3000 Einwohner zählt, besitzt ein schönes Schulgebäude und eine neue 20 000 Bände umfassende Bibliothek, auch ein Seminar für Volksschullehrerinnen, sowie eine Tierarzneischule befinden sich hier.
Husaby-Kirche.
Das zwischen Skara und Falköping gelegene Gudhem, von dessen Nonnenkloster nur wenige Trümmer geblieben, war zur Heidenzeit eine berühmte Opferstätte und ebenso diente die etwa 10 km von Skara sich dehnende Axevalla-Heide, welche jetzt für die Truppenmanöver benutzt wird, in alten Zeiten als Begräbnisstätte, wovon die zahlreichen Galeriegräber deutliches Zeugnis ablegen. Ganz in der Nähe, kaum 4 km von Axevalla entfernt, dicht am Fuße des Billingen erhebt sich die in Kreuzform erbaute, mit drei Türmen versehene Klosterkirche von Barnhem, eine der schönsten in Schweden. Der Bau, in welchem mehrere Könige ihre letzte Ruhestätte gefunden, ward 1566 von den Dänen niedergebrannt, von dem kunstsinnigen Grafen Magnus Gabriel de la Gardie indes 1668–1671 in seinem ursprünglichen Zustande wieder hergestellt.
Kirchhof von Husaby mit den Gräbern von König Olaf Skötkonung und Königin Astrid.
Seitenansicht von Olaf Skötkonungs Grabmal.
Eine historisch sehr denkwürdige Stätte ist die am südlichen Ufer der Kinne-Bucht, am Fuße der Kinnekullen-Hügel gelegene Husaby-Kirche. Hier empfing König Olaf Skötkonung (Schoßkönig), (geb. 965 gest. 1024) durch den von König Ethelred gesandten Sigfrid im Jahre 1001 an der östlich der Kirche gelegenen Sigfrids-Quelle die Taufe, und hier, wo sich schon längst eine königliche Feste befunden hatte – die Schlösser der Könige wurden zu jener Zeit Hus genannt – nahm er dann auch seinen dauernden Aufenthalt, weil er nicht länger in Upland leben wollte, wo seine Unterthanen mit zäher Beharrlichkeit an der Religion ihrer Väter festhielten. Nach Ablauf einiger Jahre überließ er dies Hus dem ersten Bischöfe von Westergötland als Wohnsitz und als solcher verblieb es auch allen seinen Nachfolgern, bis das alte Kungshus seine Umwandlung in ein Gotteshaus, die noch heute vorhandene Husaby-Kirche, erfuhr und für die Dauer von 140 Jahren, bis zu der Zeit, da an Stelle eines Heidentempels die Skara-Kirche erstand, als die Hauptkirche des Bezirks galt. Am westlichen Ende des einschließlich des Altarplatzes 32 m langen und 10 m breiten Gebäudes stehen noch heute die drei Türme, welche ehemals einen Teil des Kungshus ausgemacht hatten, und ebenso können die Altäre, das mit Bildhauerarbeit geschmückte steinerne Taufbecken, der Bischofsstuhl, sowie die Pfosten, an welchen bei Hochzeiten brennende Fackeln befestigt wurden, auf ein hohes Alter zurückblicken, stammen sie doch gleichfalls aus jener Zeit, da das Christentum zuerst anfing sein Licht in dem Lande zu verbreiten. Groß ist auch in der Kirche selbst, wie auf dem Friedhofe die Zahl der Grabstätten, und erscheinen unter ihnen diejenigen des Königs Olaf Skötkonung, sowie seiner Gemahlin Astrid besonders bemerkenswert, sind doch nahezu 9 Jahrhunderte verflossen, seit die beiden hier zur letzten Ruhe gebettet wurden.
Endansicht von Olaf Skötkonungs Grabmal.
Olaf Skötkonung war Schwedens erster christlicher König und derselbe, welcher in Gemeinschaft mit König Sven Tveskägg von Dänemark in der berühmten Seeschlacht bei Svolder über Olaf Tryggvason von Norwegen den Sieg davontrug.
Von der Höhe der Kinnekulle-Hügel bietet sich eine umfassende Rundschau über die Landschaft ringsum und die Bucht, an deren Südseite, an der Mündung des Lidanflusses, die Stadt Lidköping liegt, während einige Kilometer südlich vom Eingange des Kanals Schloß Börstorp sich erhebt.
Schloß Görstorp.
Der Wenern, Skandinaviens größter See, besitzt eine Länge von 150 km, bis zu 75 km Breite, und nördlich der Inselgruppe Lurö seine bedeutendste Tiefe mit 110 m; die Wasserhöhe ist nicht immer gleich und richtet sich vollständig nach dem Zuflusse, welchen er im Frühlinge aus den 30 in ihn einmündenden Strömen erhält. Dieser Binnensee mit seinen zahlreichen Buchten, Landzungen und Inselgruppen macht einen überaus malerischen Eindruck, und schönbewaldete Hügel bilden einen köstlichen Rahmen, aus welchem blühende Städte, schmucke Dörfer, Kirchen, Gehöfte, Eisenschmelzen, Sägemühlen und historisch denkwürdige Schlösser hervorlugen. Größere Inseln sind nur in geringer Zahl vorhanden, nach Süden hin nur Kollandsö, Forsö und Bromö, nach Norden Hammeron und Amon. Segelschiffe und Dampfer durchfurchen die schimmernde Wasserfläche nach allen Richtungen hin und mehr denn 40 Leuchttürme verbreiten mit einbrechender Nacht ihren warnenden, leitenden Schein.
Reich an historischen Erinnerungen ist die dicht am Kinnekulle gelegene Insel Kollandsö, an deren nordöstlichem Ende auf einer Klippe – und durch den in den Felsen gesprengten Graben eigentlich von der Insel getrennt – das von dem Bischof Brynolf von Skara 1298 begonnene Schloß Leckö trotzig emporragt. Obgleich gegen Ende des 15. Jahrhunderts durch Bischof Brynolf Gerlachsson noch stärker befestigt, vermochte doch sein Nachfolger Didrick Slaghök die Feste nicht gegen Gustav Wasa I. zu verteidigen; nach mancherlei Wandlungen wurde sie 1527, während Bischof Magnus Sommar hier seinen Sitz hatte, von der Krone eingezogen, 1566 aber von den Dänen bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Im Jahre 1615 ward das Terrain dann der für Jakob Pontusson de la Gardie aus drei Bezirken gebildeten Grafschaft hinzugefügt; dieser ließ die Feste neu aus den Trümmern erstehen, und sein Sohn erweiterte den Bau in einer solchen Weise, daß derselbe schließlich sieben Türme aufzuweisen hatte, aber andere ernteten die Frucht so vieler Mühe: als das Werk vollendet war – nahm Karl XI. dasselbe für die Krone in Besitz, und bei ihr ist es bis zur Stunde auch geblieben. Trotz seiner Unregelmäßigkeit ist es noch immer ein recht stattliches Bauwerk, von seinen Türmen sind jedoch nur noch vier vorhanden. In diesem Jahrhundert ist das Schloß einige Zeit im Besitze des Generals Adlercreutz gewesen, dem es von den Reichsständen als Anerkennung seines im finnischen Kriege bewiesenen Heldenmutes übertragen wurde.
Von Leckö aus führt der Kanal durch die Felspartie nördlich von Kollandsö hindurch, um dann in den unter dem Namen Dalbo-See bekannten Teil des Wenern einzumünden, von wo aus die Fahrt in südwestlicher Richtung weitergeht. Zur Rechten erblickt man die Ufer von Dalsland, zur Linken den Leuchtturm Hinna und weiterhin, da wo der Wenern sich mehr und mehr verengt, kommt 90 m über dem See der Halleberg, gleich darauf auch der Hunneberg, beide mit senkrecht ansteigenden Wänden, in Sicht und eine kleine Weile später ist der Hafenplatz Wenersborg erreicht.
Von Wenersborg aus, wo der Kanal sich nach Westen wendet, bietet die Fahrt andauernd viel des Interessanten. Zuerst muß der Vaßbotten-See passiert werden, dann geht es, um den 6 m hohen Rönnum-Fall zu vermeiden, vermittelst eines Kanals nach dem Götafluß weiter, und nicht lange, so erblickt der Reisende den berühmten Trollhätta-Fall vor sich. Derselbe, 35 m hoch, scheidet sich in vier verschiedene Fälle, Gullö, Toppö, Stampeström und Helvetes, welche zusammen einen Raum von nahezu 2 km einnehmen; der erste ist der 8 m hohe Gullö, dann kommt der Toppö, dessen Wassermasse, welche sich hier zu einer beträchtlichen Breite ausdehnt, zu beiden Seiten der Insel Toppö 13 m hoch herabrauscht. Die Insel selbst, zu welcher man auf einer sehr gebrechlichen Brücke gelangt, bietet einen umfassenden Rundblick über das herrliche Bild, ebenso befindet sich hier die sogenannte »Königsgrotte«, eine kleine Felshöhle, so genannt, weil zahlreiche fürstliche Personen, Gustav Adolf und Gustav III., Karl Johan, Desideria, Oskar, Josephine und viele andere ihre Namen in derselben eingeschrieben haben. Nach dem Toppö-Fall kommt der 3 m hohe Stampeström, und unmittelbar an dieser Stelle sieht man nach Osten hin die Wassermasse durch die Polhems-Schleuse dahinstürzen, welche, da man mit ihrer Hilfe sowohl den Toppö wie den Stampeström zu passieren gedachte, natürlich auch ungewöhnliche Größenverhältnisse erforderte, so beträgt die Höhe der Schleusenthore nicht weniger denn 16 m. Das Wasserbecken unterhalb des Stampeström, welches den Namen Håjumsvarp führt, verengt sich bald, es folgen dicht hinter einander die mit entsetzlicher Gewalt sich herabwälzenden drei Helvetesfälle, deren Gesamthöhe übrigens nur 9 m ausmacht, und endlich bildet der Wasserstrom etwa 300 m weiter abermals einen – allerdings nur 1½ m hohen – Fall, den Flottbergsströmmen. Der Kanal, dessen Bett hier zum größten Teil durch Sprengung der Felsen gewonnen ist, zieht sich zuerst eine Strecke von 2012 m bis zu dem 40 m über dem Meeresspiegel gelegenen Åkersjö und dann durch elf Schleusen hin nach Åkersvaß, wo er sein Ende erreicht. Diese neuen Schleusen haben eine Breite von je 7½ m bei einer Höhe von 3 m und liegen dicht bei den acht alten, im Jahre 1800 eröffneten Schleusen, welche noch immer für kleinere Fahrzeuge benutzt werden. Auf dem ruhig dahinfließenden Strome, welcher hier nur 6 m über dem Meeresspiegel liegt, geht die Fahrt weiter an Skärsbo vorüber nach Åkerström, wo ein Fall von 1½ m Höhe abermals eine Schleuse notwendig macht, dann an dem seiner salzhaltigen Quelle wegen – einer der wenigen Schwedens – bemerkenswerten Torpa vorbei nach Lilla-Edet, woselbst der Fluß, schmaler werdend, wiederum einen 3 m hohen Fall bildet, zu dessen Umgehung man dicht bei dem schönen Herrensitz Ström den 1210 m langen, mit zwei Schleusen versehenen Ströms-Kanal angelegt hat, dann abermals auf dem Flusse weiter, der nun in ruhigem Laufe dahinströmt, bis er endlich seine Fluten mit denjenigen der Nordsee vereint.
Nicht weit von dem Lilla-Edet-Fall gewahrt man ein unscheinbares Dorf mit einem Hafendamm, das ist Liodhus oder Lödöse, einst eine mächtige, reiche und wohlbefestigte Stadt, welche oftmals feindliche Scharen im Schmucke der Waffen vor ihren Mauern erscheinen sah; in einiger Entfernung davon befindet sich eine andere Stätte ehemaliger Pracht und Größe: da wo heute das 900 Einwohner zählende Dorf Kongelf sich dehnt, erhob sich in alten Zeiten das stolze vielgerühmte Konghäll oder Konunghälla, d. h. Königshalle. Infolge seiner Lage an der damaligen Grenze zwischen Schweden und Norwegen wurde dieser Ort der Schauplatz vieler denkwürdiger Ereignisse; so fand hier jene verhängnisvolle Zusammenkunft zwischen König Olaf Tryggvason und Sigrid statt, und ebenso traf hier Inge der Ältere mit den Königen von Dänemark und Norwegen zusammen. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts war Konghäll die mächtigste Stadt Norwegens, bis zum Mittelländischen Meere sandte sie ihre Schiffe und Sigurd Jorsalafar ging mit dem Gedanken um, in ihr seinen dauernden Aufenthalt zu nehmen, indes schon im Jahre 1135 wurde der blühende Ort so vollständig zerstört, daß er sich nie wieder zu seiner früheren Größe und Macht emporzuschwingen vermochte. Interessant sind auch die Ruinen der auf einer Insel gegenüber gelegenen Feste Bohus.
An der Westseite des Wettern, an der Mündung des Klar-Flusses, erhebt sich Karlstad. Die Stadt zählt 7000 Einwohner, durch eine Feuersbrunst 1865 fast gänzlich in Asche gelegt, ist sie seitdem hübscher, als sie zuvor gewesen, wieder aus den Trümmern erstanden. Die Straßen sind breit und mit mehreren Reihen schöner Bäume bepflanzt, an freien Plätzen, stattlichen Gebäuden und glänzend ausgestatteten Läden ist kein Mangel und dicht bei dem Stadtpark befindet sich eine permanente Ausstellung aller gewerblichen Erzeugnisse der Provinz. Längs des Flusses, nördlich der Stadt, reihen sich eine Anzahl von Hüttenwerken, Sägemühlen und sonstigen industriellen Etablissements an einander; der erste Rang unter ihnen gebührt indes den Uddeholms-Hütten, welche, ein Gebiet von 250 000 Hektar einnehmend, aus 7 Eisenwerken und 4 Schmelzöfen bestehen und mehr denn 10 000 Arbeiter beschäftigen.
An der nordöstlichen Ecke des Sees liegt das über 4000 Einwohner zählende gewerbfleißige Städtchen Kristinehamm, welches, durch Eisenbahnen und Kanäle mit Filipstad und anderen Bergwerksbezirken der Provinz Vermland verbunden, einen lebhaften Handel mit Eisenerzen, Stangen- und Gußeisen, Bauholz und Getreide betreibt, auch eine große Zündhölzerfabrik, Gerbereien und Maschinenwerkstätten besitzt.
Filipstad, wichtig als Mittelpunkt des ausgedehnten Bergwerksbezirkes, mit seinen großartigen Eisenschmelzen und Gießereien wurde von Karl IX. gegründet, und befindet sich hier eine von den Hüttenbesitzern unterhaltene, sehr gute Bergbauschule.
Die Pfarrei Nora kann sich der reichsten Eisengruben in Schweden rühmen, etwas weiter südlich dehnt sich der Hjelmar-See, an dessen Westseite sich das alte Örebro erhebt. Die Stadt, welche jetzt noch 10 000 Einwohner zählt, hat in der älteren Geschichte Schwedens eine nicht unbedeutende Rolle gespielt, und ist unter den Baudenkmälern aus jener Zeit das auf einer Insel im Fluß erbaute Schloß mit seinen vier Türmen besonders bemerkenswert. Die Kirche stammt aus dem 14. Jahrhundert und birgt in ihren Mauern die sterblichen Überreste Engelbrekt Engelbrektsons, eines durch Hochsinn und viele glänzende Charaktereigenschaften ausgezeichneten Dalekarliers, dessen Standbild den freien Platz dicht neben der Kirche schmückt. Von adliger Herkunft, lebte er in der Nähe von Falun zur Zeit Eriks XIII., unter dessen Regierung die Statthalter der verschiedenen Provinzen sich vielfacher Gesetzesübertretungen und empörender Grausamkeiten schuldig machten, seine Landsleute gegen diese Vergewaltigungen zu schützen, schreckte er vor keinem Hindernis zurück, bis er schließlich der Rachsucht seiner Feinde zum Opfer fiel.
Kirche von Örebro.
Auch die nördlich vom Mälar-See sich ausbreitende Provinz Upland ist reich an alten Schlössern und Kirchen, unter letzteren besonders erwähnenswert aber die Knutby-Kirche, das Hauptinteresse jedoch wendet sich aber hier dem Orte zu, welcher schon seit Jahrhunderten als ein Hort des Wissens und der Aufklärung sich erwiesen.
Knutby-Kirche. (Upland).