Im Lande der Mitternachts-Sonne
Verlag: Ferdinand Hirt & Sohn | Jahr: 1885 | Übersetzer: A. Helms
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Zweiundzwanzigstes Kapitel. Die edelste Perle in Norwegens Schönheitskrone.
Der Aardals-Fjord. – Der Gjelledal-Foß und der Afadal-Foß. – Der Morka- oder Vettis-Foß. – Der Aurlandsfjord. – Der Naerö-Fjord. – Gudvangen. – Das Naerödul. – Jordatsnut. – Der Tvinde-Foß. – Vossevangen. – Der Gravens-Fjord.
Es war zu Anfang des Herbstes, als ich auf einer Segelfahrt begriffen und aus dem Lyster-Fjord nach dem Hauptkanal zurückkehrend, in den Aardals-Fjord gelangte, eine Fortsetzung des Sogne-Fjords und zwar dessen östlichster Ausläufer. Hier blieb mein Boot infolge plötzlich eintretender Windstille, fast genau in der Mitte zwischen den himmelan strebenden Bergwänden unbeweglich liegen, und in voller Pracht entrollte sich vor mir ein Landschaftsgemälde, das hinsichtlich seiner Großartigkeit selbst in Skandinavien von wenigen anderen erreicht und von keinem übertroffen wird. Den Eingang des Fjords bewacht an einer Seite der 910 m hohe Bodlenakken, an der anderen der Baermotnaase, 1115 m hoch, während gewaltige Berge im Hintergrunde emporragen, und mitten zwischen den zu den Wolken emporreichenden Bergriesen das einsame Offerdal (Aafferdal) sichtbar wurde. Dichter am Ufer des Fjords lag eine Anzahl armseliger Gehöfte beisammen, der Boden ringsum zeigte ein unfruchtbares Ansehen, doch hatte man, den allenthalben in Haufen geschichteten Kieselsteinen nach zu schließen, wenigstens den Versuch gemacht, denselben in Ackerland umzuwandeln; überall waren Netze auf Stangen zum Trocknen aufgehängt und Scharen flachshaariger Kinder liefen fröhlich spielend zwischen denselben umher, – der einzige Reichtum, welchen diese niederen Hütten bergen, besteht eben in Kindern, von welchen stets eine erstaunliche Menge vorhanden ist.
Reitpfade bilden die einzige Verbindung zwischen den verschiedenen Thälern, welche auf den Liebhaber und Bewunderer großartiger Naturschönheiten ihres wundersamen Reizes nie verfehlen werden, enthält doch eines derselben einen von Norwegens schönsten Wasserfällen, den Vettis- oder Morka-Foß, dessen Besuch um so weniger versäumt werden sollte, als die Reise zu dem herrlichen Fall, einschließlich des Rückweges, kaum einen Tag in Anspruch nimmt. In dem romantischen Thale, welches eine Fortsetzung des Fjordes bildet, gelangt man zuerst an einen malerischen See, dessen Wasser eine eigentümliche, tiefgrüne Farbe zeigt, und an dessen Ufer senkrecht emporsteigend, sich der Stigebjerg erhebt, während aus schwindelnder Höhe ein mächtiger Wasserfall, umwallt von blendend weißen Schaumwolken, herab in die Tiefe stürzt.
Von der Mitte des Sees aus gesehen, gewährt die Bergpartie einen wunderbar großartigen Anblick, senkrecht fallen die ungeheuren Felsmassen nach dem See hin ab, etwas weiter stürzt der Elvegaard-Foß in gewaltigen Wolken blendend weißen Schaumes – einen wundervollen Gegensatz zu den dunkeln Felsen ringsum bildend – von der Höhe hernieder, und nur eine kleine Strecke weiter wälzt sich ein zweiter Wasserfall, der Stiege-Foß, schäumend und tobend in die Tiefe hinab. Ebenso ist auch nach dem Fjord hin das Schauspiel von schauerlich schöner Erhabenheit; wohin das Auge blickt, trifft es auf stolz zum Himmel ragende Berge, überall strecken sich enge wilde Schluchten dahin, freundlich aber schimmert dazwischen das gelbe Laub der Birken und das saftige Grün der Wiesenflächen.
Nach Norden hin zweigt sich das Nonsdal ab, 600 m hoch über dem Wasser hängen hier noch Gehöfte an den öden Bergwänden; von dem oberen Ende des Sees aber, dort, wo der Weg nach dem Vettis-Foß hin führt, nimmt das Aaardal den Namen Utladal an und folgt in seiner Richtung derjenigen des Lyster-Fjords, von welchem es nur durch eine etwa 40 km breite, in dem rings von Gletschern umgebenen 2320 m hohen Horunger auslaufende Bergkette geschieden wird. Auch nach der Ostseite hin zeichnet sich die Landschaft durch ganz besondere Schönheit aus, zahlreiche Seen und Ströme beleben hier das herrliche Bild und bis zu einer Höhe von 1980 m strecken die gewaltigen Berge ihre Häupter empor.
Von dem Moardal aus führt ein Pfad nach dem File-Fjeld und nach Nystuen und von da weiter über die von dem Ende des Laerdal-Fjords ausgehende Landstraße nach Christiania. Dicht an dieser Straße liegt in anmutiger Umgebung das hübsche Gehöfte Moen und eine kurze Strecke oberhalb desselben springt ein mit Föhren bestandener Hügel so weit vor, daß das Thal auf den ersten Blick völlig von demselben versperrt erscheint, aber dies ist Täuschung; es öffnet sich vielmehr ein anderes, etwa 2 km langes, liebliches Thalbett, einem köstlichen Smaragd in prächtiger Fassung vergleichbar, dann jedoch verengt sich dasselbe allmählich zu einer Schlucht, welche von den Bergwänden herabgerollte Steinmassen erfüllen, während gleichzeitig hier und da an den Bergseiten terrassenförmige Abstufungen bemerkbar werden. Etwas weiter stürzt der herrliche Gjelledals-Foß, als eine einzige gewaltige Schaumwolke, eine steile Felswand von 200–250 m Höhe herab und in geringer Entfernung von diesem bietet der fast gleich hohe Afadal-Foß einen wunderbar prächtigen Anblick. Eine sehr schmale Brücke führt über den Strom, an dessen jenseitigem Ufer einige kleine Gersten- und Kartoffelfelder sich dehnen, während das Gehöfte Afdal in solcher Höhe an einen Bergabhang sich schmiegt, daß es nur auf einem überaus gefährlichen Pfad, Afdalsskaarene, erreichbar ist. Auf einigen Fichtenstämmen führt er über gähnende Abgründe, dann wieder auf so schmalen Felsvorsprüngen weiter, daß im Winter, wenn Schnee und Eis die schwindelnden Wege bedecken, nur die an den Felsen befestigten Baumstämme die Wanderer vor dem Hinabstürzen bewahren In den achtziger Jahren ist ein neuer viel besser gebauter Pfad angelegt worden, auf welchem man ohne Gefahr gehen und reiten kann. Dr. Y. Nielsen.. So arm die Vegetation in diesen abgelegenen Gegenden auch ist, so genügt das Heu doch zum Unterhalt einiger Kühe während der Winterzeit und ebenso giebt es Birken genug zur Feuerung, Wind und Sturm aber toben hier mit wahrhaft entsetzlicher Gewalt.
Der Vettis- oder Morka-Foß.
Allmählich verengt sich das Utladal immer mehr und gegen das Ende hin, bei dem Vettisgjelet, einer der engsten und wildesten Klüfte, die man sich vorstellen kann, ist es sogar fast völlig versperrt von ungeheuren Felsblöcken, welche unter dem wütenden Anprall des mit gewaltigem Tosen dahinrauschenden Stromes alljährlich von den Wänden sich loslösen.
Eine Strecke weiter dehnt sich das Thal wieder zu größerer Breite und man erblickt das Vetti-Gehöfte, in welchem Touristen für die Nacht gute Unterkunft finden und von dem aus ein Zickzackpfad, Vettisgalderne, nach den zu den Wolken strebenden Höhen und weiter nach dem Abgrunde führt, in dessen gähnende Tiefe man, am Rande des Felsens platt auf der Erde liegend, hinabblicken kann, um den Sturz des mächtigen Stromes zu verfolgen. Ein anderer, nicht völlig gefahrloser Pfad führt abwärts ins Thal, an den Fuß des Bettis- oder Morka-Foß, dessen aus zwei kleinen Seen am Fuße des 1980 m hohen Koldedals-Plateau kommende Wassermasse aus einer Höhe von mehr denn 270 m an der senkrecht abfallenden Wand der im Halbkreise sich aneinander reihenden dunkelen Felsen herabstürzt und gegen Ende des Sommers, zu welcher Zeit die Stärke des Stromes geringer ist, bloß eine durchsichtige Wolke schimmernden Schaumes bildet, deren glänzende Helle sich nur um so leuchtender von der düsteren Pracht des felsigen Hintergrundes abhebt. Ich wunderte mich, daß der Fall in seiner staubartigen Beschaffenheit eine so große Menge Wassers enthalten konnte, wie solche in dem von ihm ausgehenden Strom so gewaltsam zwischen den Felsen dahinstürmte, daß ich nur mit Mühe durch die brausenden, schäumenden Wogen nach dem jenseitigen Ufer gelangen konnte, von welchem aus ein umfassender Ausblick nach dem Falle sich bietet. Über den Boden wie auch um die Felsen ringsum schmiegt sich eine Decke dunkler Schwammgewächse; alles trägt dazu bei, die blendende Weiße des Schaumes um so mehr hervorzuheben; übrigens berührt, da die Wassermasse sich vollkommen senkrecht herabwälzt, nur ein geringer Teil derselben die Felswand, auf deren schroffem Grat einige wenige Birken emporragen. Während ich noch nach dem Falle hinschaute, begann die Schaumsäule, getrieben von dem sich erhebenden Winde, plötzlich hin und her zu schweben, und als der Wind sich mit vermehrter Stärke an den vorspringenden Felsen brach, wurde die Schwingung immer heftiger, bis das schimmernde Silberband schließlich, gleich dem Perpendikel einer Uhr, über einen Raum von mehr denn 80 m sich hin- und herbewegte. Ein brausender Windstoß fuhr dazwischen und der glänzende Streifen zerstob in eine riesige Wolke, die wie ein durchsichtiger Schleier die düsteren Felsen umflatterte, dann aber, als der Wind nachließ, verwandelte sie sich wie mit einem Zauberschlage wieder in die wunderbare Säule aus leuchtendem Krystall.
Bewundernd hafteten meine Blicke an dem herrlichen Schauspiel; so fesselnd und über alle Verschreibung prächtig in jeder Gestalt. Der Fall gleicht in dem wechselnden Aussehen seiner Schaummasse dem Staubbach im Thale von Lauterbrunnen in der Schweiz und mehr noch, Beschreibungen und Photographien nach, dem oberen Teile des Yosemite-Wasserfalles in Kalifornien, welcher vollkommen senkrecht über einen mehr denn 300 m hohen Granitfelsen herabstürzt und dessen Ansehen je nach der Stärke des Wassers in den einzelnen Jahreszeiten sehr von einander verschieden ist, dessen Schaumwolken aber gleichfalls den Winden als willkommenes Spielzeug dienen. Der Morka-Foß hat jedoch eine bedeutendere Wassermenge als die beiden soeben genannten Fälle; leider wurde nur die photographische Aufnahme zu einer Zeit vorgenommen, da dieselbe geringer war als sonst gewöhnlich, unzweifelhaft gebührt ihm eine hervorragende Stelle unter jenen in Norwegen allein nach Hunderten zählenden, wunderbaren Wasserfällen, welche gleich köstlichen Brautschleiern die stolzen Häupter der Bergriesen umwallen.
Wenn man an dem südlichen Ufer des Sogne entlang fährt, gelangt man etwa 15 km westlich von Laerdalsören in den großen Aurland-Fjord, dessen Tiefe am Eingang mehr denn 900 m, und dessen Breite etwas weniger denn 1 km beträgt. Mächtige Berge steigen steil aus dem Meere empor, düstere Schluchten strecken sich dazwischen und schroffe Klippen, tiefe Abgründe, sowie grünende Wälder vereinigen sich zu einem Gemälde voll erhabener Schönheit. An dem westlichen Ufer erhebt sich der Fresvik-Gletscher, von dessen Fuß mehrere malerische Thäler sich abzweigen, und 10 km weiter teilt sich der Aurland in zwei Arme, von denen der eine den Namen Naerö-Fjord trägt.
Auf dem ersteren weiterfahrend, kommt man an verschiedenen Gehöften vorüber, welche in solcher Höhe an den steilen Bergwänden kleben, daß man nicht umhin kann, sich zu fragen: wie die Bewohner dieselben von dem Fjord aus überhaupt zu erreichen vermögen, denn so hoch oben liegen sie, daß man die mit Erde gedeckten Gebäude kaum von den Felsen ringsum zu unterscheiden imstande ist.
An der einen Seite dehnt sich das Underdal, in der Nähe liegt der Flenje Eggen, an der anderen Seite der Steganaase und östlich von dem Skjaerdal erhebt sich der Blaahkavl, 1720 m hoch über der See, dann aber 6 oder 8 km oberhalb des mit einem guten Wirtshause versehenen Fleckens Aurland erreicht der Fjord, in ein enges Thal auslaufend, sein Ende.
Ein etwa 10 km langer Felsrücken – dessen bedeutendste Höhe der Steganaase 1670 m hoch – trennt den Naerö-Fjord von dem Aurlandsfjord. Herrlich ist der Anblick von der Stelle aus, wo die beiden Fjorde sich öffnen, die See hat hier eine Tiefe von 450 m und je weiter man in den Naerö-Fjord gelangt, um so mannigfaltiger wird mit jeder Krümmung der Wasserstraße die Aussicht – nur stets sich gleich an Großartigkeit und Schönheit; so still und durchsichtig ist dabei die Wasserfläche, daß sie wie ein Spiegel das Bild der schneebedeckten Berge, der zarten Wolken und der düsteren Wälder mit lebendiger Treue zurückstrahlt. Ungeheure Mengen von grauem Granit, Gabbro und Labradorit reichen vom Meeresspiegel bis zu den höchsten Berggipfeln und zwar lagert in dem Naerö-Fjord der Labradorit stellenweise auf Gneisschichten, welche längs des ganzen Ufers deutlich hervortreten.
Zur Rechten stürzt ein großer »Foß« in einer Reihe von Fällen mehr denn 300 m hoch, schäumend und brausend herab; von überraschender Großartigkeit ist auch die Landschaft am Eingang des in den starren Fels sich schmiegenden Dyrdal, dessen Einsamkeit nur durch mehrere kleine Blockhäuser, welche den Stürmen von Jahrhunderten Trotz geboten, einigermaßen belebt wird.
Hinter Gjejteggen verengt sich der Fjord ganz plötzlich, die Tiefe des Wassers zeigt nur 60 m und einige Kilometer weiter geht der Fjord fast unmerklich in das Naerödal über, dessen Scenerie ganz den nämlichen Charakter trägt, wie diejenige des Fjords.
Ich habe diesen Fjord zu allen Zeiten des Jahres und bei jedem Wetter befahren, ich habe ihn geschaut, überflutet vom goldenen Schein der Sonne, oder beschattet von dunkelen, sturmgepeitschten Wolken, – am wirksamsten aber schien mir die überwältigende Pracht der Umgebung stets an Sommertagen kurz nach Sonnenuntergang hervorzutreten. Die Dämmerung verleiht den gewaltigen Bergriesen einen so geheimnisvollen Reiz, ihre gewaltigen Umrisse nehmen ein so gespensterhaftes Ansehen an, daß schwerlich ein anderes Landschaftsbild sich an Eigenartigkeit und Düsterkeit dem engen Naerö-Fjord an die Seite stellen dürfte. Als ich zuerst in denselben einfuhr, brach ich unwillkürlich in einen Ausruf des Entzückens aus – vor der überwältigenden Erhabenheit des Panoramas fühlte ich mich wie von einem wunderbaren Zauber befangen; wie ein zur Wirklichkeit gewordenes Märchen blickte das wunderbare Bild, diese Perle in Norwegens Schönheitskrone, mich an.
Das Naerödal.
Vinje.
Der Eingang des Naerödal bildet eine würdige Fortsetzung des Naerö-Fjordes, hier liegt das Dorf Gudvangen völlig eingeschlossen zwischen ungeheuren Felsblöcken, welche von den Bergwänden ringsum sich losgelöst, und man sollte meinen, jeder Tag müßte mit einem neuen Felssturz dem armen Flecken gänzliches Verderben bringen.
Der Jordalsnut.
Jenseits rauscht der liebliche, 610 m hohe Wasserfall Kila-Foß, welcher zu manchen Zeiten im Jahre in einem Guß herabstürzt, zu anderen Zeiten sich in zwei, dann auch wieder in drei Arme teilt und an einer Stelle, ohne die Felsen zu berühren, eine Höhe von über 300 m herabfällt.
Der Tvinde-Foß.
Von dem Naerö-Fjord führt eine der besten und malerischsten Landstraßen Norwegens nach dem 80 km entfernten, am Ausgang des Gravens-Fjord am Hardanger gelegenen Eide; es ist ein an Abwechslung reiches Bild, welches hier vor dem Auge des Wanderers vorüberzieht, denn kein anderes, von einer Landstraße durchschnittenes Thal kann sich an Rauheit der Scenerie mit dem Naerödal messen. Da, wo dasselbe ein plötzliches Ende erreicht, scheint der Weg völlig abgeschnitten, eine scheinbar unübersteigliche Kluft versperrt den Ausgang, in der Entfernung aber wird eine im Zickzack sich hinziehende Straße sichtbar und wirklich gelangt man auf dieser über das Hindernis, die Stalheims-Schlucht, hinweg.
Von dieser Straße aus erblickt man zwei prächtige, aus einer Höhe von nahezu 100 m herabstürzende Wasserfälle. Ihre Flut zerstäubt an den vorspringenden Felsen zu schimmernden Schaumwolken, um in der Tiefe angelangt den Naerö-Fluß zu bilden, und einem ungeheuren Dome gleich schaut der Jordalsnut aus stolzer Höhe in das enge Thal herab.
Südwärts von Stalheim zeigt die Landschaft ein freundlicheres, lieblicheres Gepräge, hier vereinigen sich Wälder, herrliche Seen, klare Flüsse, alte Gehöfte samt den in der Ferne emporragenden schneeumhüllten Bergen zu einem wirklich entzückenden Panorama.
Von dem alten Gehöfte Tvinde aus, gewahrt man den Tvinde-Foß, welcher in zahlreichen Armen über einen dünn bewaldeten Bergrücken etwa 90–120 m hoch herabfällt – einer der lieblichsten Wasserfälle Norwegens.
Von Vossevangen führt die nach dem Gravens-Fjord sich dehnende Landstraße, eine Strecke von etwa 30 km weit, durch eine schöne, an Föhren reiche Gegend, in welcher hier und da wohl altertümliche Sägemühlen anzutreffen sind, die Bevölkerung aber nur sehr spärlich ist. Dann nach einer Entfernung von etwa 15–20 km erreicht das obere Thal ein plötzliches Ende und eine herrliche Aussicht öffnet sich ganz unerwartet dem erstaunten Blick; das untere, etwa hundert Meter tiefer gelegene Thal ist von hohen Bergen rings dicht umschlossen und eine prächtige, überaus kunstvolle Landstraße zieht sich, stellenweise am Fuß ungeheurer, überhängender Felsenwände hinführend, an den schroff abfallenden Bergseiten hinab. Zur Linken, da wo, die Mitte dieses Halbkreises bildend, ein tiefer Abgrund gähnt, rauscht ein schöner Wasserfall herab, eilt eine kleine Strecke weit über die nackten Felsen dahin, um dann wieder eine größere Höhe herabzustürzen und nun als wildbrausender Strom davonzueilen. Eine Brücke führt über das ungestüme Wasser und von ihr aus gelangt man nach der mit Steinblöcken eingefaßten Landstraße, welche längs des Sees und des Flusses sich hinziehend die Verbindung mit dem Hardanger-Fjord bildet.