Im Lande der Mitternachts-Sonne
Verlag: Ferdinand Hirt & Sohn | Jahr: 1885 | Übersetzer: A. Helms
Wenn Sie das Buch lieber in der Hand halten möchten, können Sie es hier erwerben:
Oder laden Sie das Buch kostenlos als E-Book für Ihren E-Reader herunter:
Wie verwende ich eine EPUB-Datei?EPUB herunterladen
„Im Lande der Mitternachts-Sonne“ als E-Book für Ihren Reader.
Projekt Gutenberg unterstützen
Ihr Download startet.
Projekt Gutenberg lebt davon, dass Literatur frei zugänglich bleibt.
Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie, diese Bibliothek zu erhalten und weiter auszubauen.
Im Buch suchen
Fünfunddreißigstes Kapitel. Eine Alma mater des Nordens.
Upsala. – Die Königsgräber. – Universität. – Schloß.
Upsala, dem Herzen eines jeden Schweden so überaus teuer, ist schon seit Jahrhunderten eine bedeutende Pflegstätte der Wissenschaft. Im Jahre 1249 bereits gegründet, wurde die Universität 1613 von Gustav Adolf erneuert und niemand kann in Schweden als Geistlicher angestellt oder als Arzt oder Advokat thätig sein, wenn er nicht seinen Grad entweder in Upsala oder in Lund, den beiden schwedischen Universitäten, erlangt hat. Bedingung zur Aufnahme auf der Universität ist das erfolgreiche Bestehen einer Prüfung an einer der Elementarskolor (höhere Schulen) und wurde die Aufnahmeprüfung früher in Upsala selbst abgehalten. Der Kursus für das Studium der Medizin umfaßt 5–7 Jahre, derjenige für Philosophie und Jurisprudenz 4–5 Jahre; der Rektor der Universität, dessen Wahl alljährlich erfolgt, geht aus der Zahl der Professoren hervor. Die Studenten teilen sich je nach den Provinzen oder Läns, welchen sie angehören, in verschiedene Verbände und besitzt jeder dieser Verbände sein besonderes Versammlungslokal, entweder ein ganzes Haus oder wenigstens eine Anzahl von Zimmern mit einer eigenen Bibliothek; ihre Wohnungen dagegen wählen die jungen Leute je nach Belieben in den einzelnen Stadtteilen. Das Leben der Studenten gleicht demjenigen ihrer deutschen Collegen, nur daß der Gebrauch des »Paukens« unbekannt bei ihnen ist.
Bedeutende Männer haben hier am Borne des Wissens geschöpft; viele Professoren der altehrwürdigen Alma mater besitzen einen Weltruf und noch heute strahlen ihre Namen als glänzende Ruhmessterne am Himmel der Gelehrtenwelt.
Zu den interessantesten Gebäuden Upsalas gehört die Carolina Rediviva. Die Universitätsbibliothek enthält mehr denn 200 000 Bände und über 8000 Handschriften, darunter einzelne von außerordentlichem Werte, denn unter anderen seltenen Schätzen befindet sich hier eine Bibel mit Randbemerkungen von der Hand Luthers und Melanchthons und außerdem der » Codex argenteus« eine mit Silberbuchstaben ausgeführte Abschrift der vier Evangelien.
Opferstock in der Kirche von Alt-Upsala.
Die Kathedrale ist wohl eines Besuches wert, sei es auch nur, um an dem Grabe von Gustav Wasa zu verweilen, der hier neben seinen beiden Gemahlinnen die letzte Ruhestätte gefunden; auch zahlreiche andere schwedische Helden und Würdenträger sind hier beigesetzt.
Die Königshügel bei Alt-Upsala.
Die von dem Fyrisån durchströmte Stadt selbst, deren Einwohnerzahl sich auf 16 000 beläuft, hat ein freundliches Aussehen, denn die Straßen sind breit und mit Kieseln gepflastert.
In geringer Entfernung von der Stadt liegt Alt-Upsala, dessen aus Stein erbaute Kirche, eine der ältesten in ganz Schweden, einen sehr merkwürdigen Opferstock enthält, in welchem ehemals die frommen Katholiken ihre milden Gaben niederlegten. Dicht bei der alten Kirche erheben sich drei gewaltige Anhöhen, Kungshögar (Königshügel) genannt; ein anderer, Tingshög, diente als Gerichtsstätte, an welcher zur Heidenzeit die Könige Recht zu sprechen pflegten, und ebenso befand sich hier auch der große, der Verehrung des Thor und des Odin geweihte Tempel. Ein heiliger Hain umgab denselben und in seinem Dunkel wurden den hohen Göttern Menschenopfer geschlachtet. Rings um diese Stätte heidnischer Gottesverehrung reihen sich Tumuli in großen Mengen; zwei dieser Gräber hat man durchsucht und fand man in einem derselben die Gebeine einer Frau in einer Urne, sowie die Knochen eines kleinen Hundes.
Upsala-Slott.
Das alte, aus Backsteinen erbaute Schloß, dessen Mauern eine Stärke von 3½ m besitzen, bietet eine umfassende Fernsicht; doch nur ein Teil des stattlichen Gebäudes wird von dem Gouverneur bewohnt. Wie viele blutige Ereignisse hat der gewaltige Bau doch im Laufe der Jahrhunderte geschaut, besonders zu jener Zeit, da Mord und Blutvergießen eine so hervorragende Rolle in Schweden behaupteten, eine der grauenvollsten Scenen aber, welche damals sich hier abgespielt, bildete doch unzweifelhaft die Ermordung von Nils Sture durch den wahnsinnigen, grausamen Erik.