Anzeige. Gutenberg Edition 16. 2. vermehrte und verbesserte Auflage. Alle Werke aus dem Projekt Gutenberg-DE. Mit zusätzlichen E-Books. Eine einmalige Bibliothek. +++ Information und Bestellung in unserem Shop +++
In den ersten Julitagen begingen Rektor Siebrand und Pastor Elm gleichzeitig einen großen Festtag.
Endlich traf von Ezards der langersehnte eingeschriebene Brief ein. Er hatte eine sehr zusagende Stelle in seiner Heimat bei Emden gefunden und hatte gute Hoffnung, daß diese Stelle nach dem ewigen Hin- und Herziehn der endgültige Hafen für sein Lebensschiff werde. Acht Wochen später kam eine Verlobungsanzeige. Der von Ezards für unmöglich erklärte Fall war schließlich doch noch eingetreten. Er hatte jemanden gemocht, und zwar die Tochter des Apothekenbesitzers, und sie hatte ihn gemocht.
Im zweiten Predigerlehn hing eine nagelneue Fahne aus der Dachluke heraus.
Kindtaufe!
Der am Tag nach Himmelfahrt angekommene Erdensohn sollte gebührend gefeiert werden. Es war das erste Kind, und eine große Fete war sehr berechtigt. Aber was für eine wunderliche Taufgesellschaft hatten Pastors sich zusammengeladen! Daß die Thüringer Verwandten zahlreich angereist kamen, darunter ein alter Forstmeister, der mit seiner in der Marsch ungewohnten Uniform einen bedeutenden Eindruck machte, und daß der Herr Pastor mit diesem tags zuvor nach Cuxhaven fuhr, um verschiedene Weine zu kaufen, das fand in Hadelworth jedermann natürlich bis auf die, welche bei der Gelegenheit gern ihren eigenen Wein losgeworden wären. Daß aber Kaufmann Suding eingeladen war – der kein eingesessenes Hadelworther Kind war, sondern irgend woher stammte und mal irgendwo Konkurs gemacht haben sollte, und der neulich zum Maskenball nach Cuxhaven gefahren war? Und seine Frau – die als Stewardeß auf einem Bremer Dampfer gefahren sein sollte? Die Leute schienen den neuen Pastors durch ihre Katzenfreundlichkeit die Augen verblendet zu haben. Daß der Herr Superintendent als Vertreter der höchsten geistlichen Macht und daß der Herr Schultheiß von Kampen nebst Familie als Vertreter der höchsten weltlichen Macht geladen waren, war alles begreiflich. Wo aber blieb Pastor Griepenkerl? Also dachte und fragte Amalie Wruck und gab ihren Gedanken überall Ausdruck. Dabei hatte sie den Rektor Siebrand nicht einmal auf ihrer Einladungsliste, obwohl der in dieser asketischen Zeit auch gern einen fröhlichen Taufschmaus mitgemacht hätte, insbesondere wenn Fräulein Theda von Kampen dabei war.
Aber Pastor Elm war trotz seiner forschen Worte ein ängstlicher Mann, der es allen Leuten recht machen wollte. Gar zu gern hätte er den Rektor als fröhlichen Gesellschafter mit eingeladen, aber er wollte Griepenkerl nicht vor den Kopf stoßen. Auch den Kollegen Griepenkerl hätte er gern gebeten, von wegen der Gemeinde, aber das ging wieder nicht gut an wegen des Superintendenten Steenbrügge. Was vor allem den Kollegen Griepenkerl betraf, – kalkulierte Elm – so würde dieser trotz der Nichteinladung freundlich kollegial gegen ihn gesonnen sein. Hatte er ihm doch allen Grund gegeben und großes Entgegenkommen gezeigt. Denn seit acht Tagen ging Pastor Elm gleich dem Kollegen ohne Schnurrbart einher. In Thüringen, wo man sehr liberal war, hatte er einen großen Schnauzer getragen. Aber dann kam er ins strenge Hannoverland, und der Bart mußte fallen. Doch sofort gereute ihn dies, als er in Hadelworth merkte, wie freigesinnt man in der Gegend war. Der Bart begann wieder zu wachsen. Das Klima war rauh und die Erkältungsgefahr groß. Nun aber war die Oberlippe seit acht Tagen wieder kahl und sollte endgültig kahl bleiben. Seit er im Nordwesten war, hatte er auch seine Aussprache geändert. Er »schprach« nicht mehr, sondern er »s–prach«, ja er tat sogar des Guten zuviel und »s–brach«. Der Rektor wollte das für charakterlos halten. Der alte Krohn war milder und weitherziger: »Er tut es wohl, damit die Leute ihn besser verstehen sollen.«
Während der Zeit, da es beim Pastor Elm hoch herging, mußte Siebrand in der Schule schwitzen und Habersaths Heini auf die Finger klapsen, weil dieser stillkens ein Zündholz unter das Thermometer gehalten hatte und behauptete, nun sei es so weit mit der Hitze und die Schule müsse notwendig ausfallen.
Ein abendliches Schwimmbad eine Stunde vor Hochwasser spülte des Tages Hitze und kleine Verdrüsse hinweg. Auf dem Heimweg vom Deich traf er den alten Kantor. Sie kamen auf die heutige Kindtaufe zu sprechen. Wie von ungefähr warf Siebrand hin, die Familie des Schultheiß sei auch mit geladen.
»Auf unsere Frau Schultheiß,« erzählte Krohn, »müssen Sie einen besonderen Eindruck gemacht haben. Tante Amalie und die Apothekerin haben neulich im Kränzchen über Sie losziehn wollen. Sie könnte es nicht begreifen, hat Tante Amalie gesagt, wie einer mutterseelenallein auf der Geest herumliefe, ohne dort Verwandte besuchen zu wollen. Und Frau Holtmann meinte, Sie hätten wohl mal das Bedürfnis gehabt, sich irgendwo gehn zu lassen, wo Sie keiner kennte und kontrollierte. Aber da hat Frau von Kampen sich Ihrer angenommen und hat Sie tüchtig verteidigt. Meine Frau war noch ganz voll Begeisterung, als sie vom Kränzchen nach Haus kam.«
Das war dem jungen Rektor eine Wonne zu hören. Jetzt wollte er das Spiel wohl gewinnen und wegen Eduard Wruck nicht besorgt sein. Allerdings hatte er diesen Menschen gestern noch auf seinem Landauer gesehn, und es war gerade kein Hochgefühl für ihn, gewahren zu müssen, daß er Fräulein Theda und noch ein anderes junges Mädchen mit auf dem Gefährt hatte. Aber das konnte ein bedeutungsloser Zufall gewesen sein.
Wie es bei Pastor Elms Kindtaufe hergegangen war, sollte Siebrand auf einem andern Wege erfahren, als er gedacht hatte.
Am nächsten Sonntag sitzt er in der Kirche.
Das sommerliche Licht, das durch die großen Rundbogenfenster hereinkommt und von der weißen Stuckdecke zurückgeworfen wird, spielt ungewiß und zitterig auf dem flämischen Eichenschnitzwerk und den hellbraunen gewundenen Säulen des Predigerstuhls ihm gegenüber. Griepenkerls breite altertümliche Halskrause leuchtet wie ein weißer Mühlstein aus dem Halbdunkel heraus. Das Haupt Johannes des Täufers auf der Schüssel – pflegte Tante Amalie zu sagen. Das Licht umspielt auch die beweglichen Rundköpfe der Chorknaben, die um das Kantorpult stehn. Flimmerig huscht es überall hin und her, bald über das sonderbare Schnörkelwerk an Kanzel und Taufbecken, bald über die grellbunten Figuren vorn an den Priechen und über die Wappen und Bauerzeichen des alten Gestühls. Jenseits der Kanzel versammeln sich die Andächtigen. Von seinem Stuhl aus wirft Siebrand während des Eingangsliedes einen musternden Seitenblick auf die Kirchgänger. Plötzlich zuckt er zusammen. Die in dem hellen Kleid und weißen Hut, die dort einige Bänke weiterhin sitzt und im Gesangbuch blättert – ist das nicht Theda? Wahrhaftig, sie ist es! Mit seiner Andacht ist es vorbei. Mit einem Mal will sein Singen nicht mehr so heraus wie soeben noch. Und dann wieder singt er plötzlich, ohne es zu merken, mit kräftiger Stimme das Responsorium mit, daß die kleinen Chorknaben sich verdutzt nach dem unberufenen Mitsänger umdrehn und ihren Vers schlecht zu Ende bringen. Er setzt sich anders und bemüht sich seine unheilige Unaufmerksamkeit zu bekämpfen. Mit krampfhafter Genauigkeit besieht er die Schnitzereien des Altarschreins, berühmte Kunstwerke aus dem 16. Jahrhundert, von denen kein Mensch weiß, woher sie stammen, – aber wenn er auf die Leidensfiguren mit den schmerzlichen Gesichtern hinsieht, kommen ihm alle andern Gedanken, nur keine Passionsgedanken. Eigentümlich. Heute wollen ihm die biblischen Männer- und Frauengestalten in ihren mittelalterlichen Trachten leblos und steif vorkommen. Was hilft es! Kann er seinen Kopf verstecken wie der Vogel Strauß? Immer und immer muß er seine Augen dahin gehen lassen, wo sie sitzt. Ob auch sie ihn bemerkt hat?
Mehr bei der Sache als Rektor Siebrand ist Pastor Griepenkerl. Heute hat er sich etwas ganz Besonderes vorgenommen. Es gilt dem werten Amtsbruder eins auszuwischen und dessen Anhang, dem lieben mit allen Leuten kordial tuenden, die Würde des Amts auf die leichte Schulter nehmenden, bei Kleefoot biertrinkenden und skatspielenden weltförmigen Herrn Amtsbruder Elm, dem Allerweltsmann aus Thüringen. Wo ist Pastor Griepenkerls mildes Lächeln geblieben? Überhaupt kennt ihn heute niemand wieder. Vom Wirbel bis zur Zehe sind alle Muskeln auf die Predigt eingespannt. Zweimal hat er sie abgeschrieben und wörtlich memoriert. Zweimal hat er sie seiner Johanna vorgelesen. Auf der zweiten Seite, Mitte der achten Reihe, da steht's. Da fängt die Kraftstelle an. Er sieht jedes Wort vor sich, als hätte er das Manuskript. Er knipst ein von der Decke gefallenes Gipsblättchen drei-, viermal über den Ärmel und weiß gar nicht, daß er spielt. Er läßt den Pastor Elm die Liturgie halten, ohne überhaupt etwas zu hören. Funkelnden Auges hat er zum zehntenmal seine Zuhörerschaft überflogen und ist zum zehntenmal im Predigerstuhl auf- und abgegangen, wie ein schwarzer Panther im Käfig. Jetzt ist es soweit. Er schüttelt die Beinkleider, damit sie über den Stiefeln keine Falten werfen, und steigt mit federnden Knien die Treppe hinauf auf die Kanzel, die sich wie die Kommandobrücke eines Dampfers quer durch die Kirche streckt.
Langsam, wie zögernd, verliest er das Evangelium für den Sonntag nach Trinitatis. Vom reichen Manne und armen Lazarus. Dann klappt er das Buch zu und nimmt seine Brille ab. Mit hohler Grabesstimme spricht er die ersten Sätze. Er spricht von reichen und armen Leuten. Er weiß handgreiflich zu schildern, der Herr Pastor Griepenkerl, das muß ihm der Neid lassen.
Neulich ist er in einer großen Stadt gewesen und hat das Leben und Treiben auf den Straßen beobachtet. Zur Börsenzeit hat er eine Menge von feingekleideten Leuten gesehen, so fein gekleidet, wie man sie auf dem Lande gottlob gar nicht zu sehn bekommt, Männer mit hellen Paletots und glänzenden Zylinderhüten und gelben Handschuhen, und Frauen mit rauschenden seidenen Kleidern, weiße Straußenfedern auf ihren Hüten, Pelzstreifen um ihre Schultern, goldene Reifen mit klappernden Münzen um ihre Handgelenke. Sie saßen vor dem schönen Alsterpavillon, ließen sich von Kellnern bedienen und aßen und tranken und lachten. Und dann hat er die armen Leute ansehn müssen, wie sie auf dem Fahrdamm standen und Zeitungen und Zündhölzer feilhielten. Aber der feine glänzende Reichtum ging an der Bettelarmut vorüber, gleichgültig, als gehöre sich das nicht anders. Einige von den reichen Damen hielten sich sogar Brillengläser an langen Stielen vor die Augen und sahen sich die andern Leute an.
Nun fährt Pastor Griepenkerl fort:
In dem Herrn Geliebte! Da ist mir nun eine Frage gekommen. Gibt es auch wohl bei uns zulande solche armen und solche reichen Leute? Ich habe oft sagen hören: auf dem Lande da sind die Gegensätze nicht so schroff und scharf. Aber wie? Sollte da nicht der Schein trügen? Oh, in dem Herrn Geliebte, lasset uns achten, was unser Text sagt: Es war ein reicher Mann, der kleidete sich mit Purpur und köstlicher Leinwand und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Er kann es ja, dieser reiche Mann, denn er hat es ja dazu, wie die Welt zu sagen pflegt. Er selber hat Geld. Seine Frau hat Geld. Ein alter Onkel hat Geld. Und nun hat er ein Gastmahl angerichtet und hat zu den Gästen gesagt: Kommt, denn es ist alles bereit. Der Superintendent ist geladen, die Honoratioren sind geladen, auch ist viel Volks aus dem Dorfe geladen. Und keiner ist, der gesagt hätte: Ich bitte dich, entschuldige mich. In der Küche kocht es und schmort es und brät es; und der Rauch steigt aus dem Schornstein heraus. Die Leute im Dorf freuen sich, wenn sie so recht viel Rauch aus dem Schornstein herauskommen sehen. Denn da ist Geld, da wird was verbraucht, da wird was verzehrt. Man ißt Braten von einem Reh, das der Onkel geschossen hat, und man trinkt feinen Rotwein und stößt mit den Gläsern an, denn man ist ja zu Gast bei dem reichen Mann, der einen Taler springen lassen kann, ohne daß es ihm weh tut, und der angesehen ist, weil er so viel Geld hat. Merket ihr es, meine Lieben? Geld regiert die Welt. Aber merket ihr auch ein Andres? Das Geld des reichen Mannes geht in Rauch auf.
Es war aber ein Armer, mit Namen Lazarus, ein armer Schelm, der weder selber reich ist noch eine reiche Frau geheiratet hat. Er hat ein mageres Gehalt. Er wohnt in einem baufälligen Haus, welches der Kirchenvorstand nur notdürftig in stand hält. Er kann keinen teuren Wein trinken aus Flaschen mit weißen Kapseln. Er trinkt auch kein Bier in den Wirtshäusern und spielt keine Kegel und spielt keine Karten. Er besitzet keinen reichen Erbonkel, aber er hat eine Tante, die heißet Frau Sorge und kommt ihm täglich ins Haus. Oh, Geliebte in dem Herrn! Man braucht noch nicht bettelnd vor anderer Leute Türen zu liegen und sich von den Hunden die Schwären lecken lassen, und ist doch ein armer Lazarus. – –
Siebrands Unaufmerksamkeit war vollständig verschwunden. Er hatte noch niemals mit so atemloser Aufmerksamkeit einer Predigt zugehört. Gespannt lauschte er, ob noch andere Stellen kämen mit solch starkem Tabak. Jedoch verlor sich die Predigt im zweiten Teil in erbaulicher Länge.
Nach Beendigung des Gottesdienstes eilte er hinaus zu kommen. Hinter ihm sprach jemand laut zu einem andern über die Predigt. Er glaubte Kleefoots Baßstimme zu erkennen. »Ich bin sehr dafür,« äußerte der hinter ihm, »wenn die Pastoren sich nicht lange im Lande Kanaan aufhalten, sondern mit den Zuhörern nach Deutschland gehn. Aber wenn einer deutsch wird, braucht er damit noch nicht so deutlich zu werden.«
Siebrand wollte sich nicht umdrehn, denn es lag ihm daran, baldmöglichst und unbemerkt vor den andern einen Vorsprung zu gewinnen. Er hoffte Theda zu begegnen und ging eiligsten Schrittes durch die Reichenstraße und über die Brackstrombrücke. Jenseits sah er den Landschöff Brütt bei der Haustür hantieren und erwog schon, wie er am besten vorüber käme, mochte es sogar eine kleine Unhöflichkeit kosten. Aber der alte Brütt ging ins Haus; und er war der Verlegenheit überhoben.
Auf dem Osterender Weg mußte ihm Theda begegnen. Er verlangsamte seine Schritte und tat, als sei er auf einem harmlosen Spaziergang. Er hatte sich nicht verrechnet. Schon von weitem sah er ihr helles Kleid zwischen den grünen Weidenbäumen. – – Sie war allein! – – Sein Herz begann zu klopfen. Je näher sie kam, desto häufiger stieß er beim Gehen mit dem Fuß auf. Fing der Erdboden an höher zu werden? – Oder waren ihm die Beine plötzlich zu lang geworden? Er bemühte sich sie unbefangen zu grüßen. Sie dankte lächelnd.
»Habe ich mich eigentlich getäuscht oder nicht, Herr Rektor? Ich glaubte Sie vorhin noch in der Kirche zu sehen. Oder haben Sie einen Doppelgänger?«
Hermann Siebrand fühlte, wie er bei ihrer Frage bis an die Haarwurzeln rot wurde. Er stotterte etwas von Frischeluftschöpfen; die Kirchenluft sei ihm heute nicht gut bekommen.
»Leicht möglich!« erwiderte sie spöttisch. »Ich muß gestehn, mir auch nicht. Ich weiß aber nicht, woran das liegt.«
Wie sie vor ihm stand und ihm mit ihren hellen klugen Augen schalkhaft ins Gesicht sah, kam ihm die Ruhe wieder, und er bat höflich, sie eine Strecke Weges begleiten zu dürfen. Eine leichte Wolke flog über ihre Stirn. Sie fragte, ob er wieder einen Auftrag von ihrer Mutter zu effektuieren habe, und gab dem Gespräch dann sofort eine Wendung.
»Warum haben Sie denn Himmelfahrt so wenig getanzt? Haben Sie keine Gewissensbisse, daß Sie die jungen Mädchen so schmählich enttäuscht haben?«
Dem Rektor zuckten die Lippen zur Frage, ob auch sie sich zu diesen jungen Mädchen rechnete. Doch er besann sich.
»Der einzige Tanz mit Ihnen, Fräulein von Kampen, war mir Genuß genug. Für meinen Hausbedarf hat er genügt. Wenn ich aber der jungen Mädchenschaft dadurch einen Gefallen tun kann, bin ich gern bereit mich zu bessern.«
Sie sah ihn eine Sekunde von der Seite an, fragend, forschend. In seinem Gesicht zuckte keine Muskel, aber in seinen Augen brannte ein Schelmenfeuer.
»Na, dann wünsche ich Ihnen eine gute Besserung,« erwiderte sie und reichte ihm zum Abschied die Hand.
Gern wäre er einigen Kirchleuten, die ihm mit schmunzelnden Gesichtern entgegenkamen, aus dem Weg gegangen, aber das ging nicht an.
Gute Besserung? – – was mochte denn sie damit gemeint haben? Und hatte sie ihn abblitzen lassen? – – Oder war es nur, daß sie unnützes Gerede der Leute hatte vermeiden wollen?
Die folgende Zeit war für den jungen Rektor ein Auf und Nieder zwischen Jubilieren und Hoffnungslosigkeit. Nach einigen Wochen begannen die großen Ferien. Er fuhr nicht wie sonst mit dem Gefühl stolzer Freude zu seiner Mutter. Für einen verliebten Menschen waren fünf Wochen eine lange Zeit …