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Achtes Kapitel.

Es war beinah halb zehn, als Siebrand aufwachte. Es verdroß ihn, beim Schlafengehn den Wecker nicht gestellt zu haben. Morgenbummel zum Deich – Andacht – Frühstück – alles verschlafen! Was sollten Holtmanns denken? Wenn er noch zur Kirche wollte, war es allerhöchste Zeit sich fertig zu machen, denn schon klang über Dächer und Gärten das Geläute zu seinem Fenster herüber. Auf dem Tisch lagen noch die Aale. Trübselig lugten die spitzen schwarzen Köpfe unter dem Papier hervor. Er nahm das Paket und stieg die Treppe hinab. Als das Mädchen erklärte, Holtmanns zögen sich bereits für den Kirchgang an, übergab er diesem die Aale, bestellte einen höflichen Gruß und bat, den Morgenkaffee aufs Zimmer zu bringen.

Der Kaffee ließ auf sich warten. Da das Läuten schon zu Ende ging, begab er sich zur Kirche. Er tröstete sich mit dem Gedanken, daß die katholischen Geistlichen gleichfalls mit nüchternem Magen in ihre Frühmesse mußten.

Das Eingangslied war zu Ende und Pastor Elm intonierte soeben die Liturgie. Siebrand nahm auf einer Bank des Orgelbodens Platz. Auch in Pallwarden hatte er sich zu diesem überall von den Landlehrern bevorzugten Platz gehalten. Es fiel ihm schwer, während der Predigt rechte Andacht zu behalten. Zwischen die Worte, die er da von Griepenkerl über den guten Hirten des Evangeliums und über die Vorzüge des geistlichen Amts hörte, drängte sich ihm die Frage, ob er seinen Besuch beim Schultheiß von Kampen heute nachmittag machen sollte oder über acht Tage. Er gab sich einen Ruck und mühte sich angestrengt auf die Predigt zu hören. Aber vergeblich. Die Nebenpredigt, die er sich in der Stille hielt, spann ihren Faden weiter wie die dort drüben auf der Kanzel.

… Fräulein von Kampens Bild trat vor ihn hin, wie er sie auf dem Wagen gesehn hatte. Und ihr weißes Taschentuch wehte ihm in die Gedanken hinein …

Zwischen Gottesdienst und Mittagessen hoffte er vier oder fünf Besuche zu erledigen. Doch das war nicht so einfach, wie er sich's gedacht hatte. Bei Kaufmann Suding ging es einigermaßen glatt. Er selbst war nicht zu Hause. Die Frau sprach von einem eiligen Geschäftsgang. In Wirklichkeit saß Suding, seine Haustür im Auge behaltend, gegenüber bei Kleefoot. Den mörderlichen Grog, den die spinnige Kaufmannsfrau ihm kredenzte, kämpfte Siebrand tapfer hinunter, obwohl ihm das lauwarme Zeugs sehr widerstand. Dann aber geriet er zu Landschöff Peter Brütt, der im Osterende auf dem ersten Hof am Brackstrom wohnte. Der Alte führte ihn in alle Winkel seines weitläufigen Geweses und zeigte ihm jedes Pferd und jede Kuh, Wagen, Ackergerät, Marderfallen und alles mögliche. Immer wieder schlossen sich an die großen braunroten Kreuzscheunen kleinere Speicher an, Kropscheune fürs Jungvieh, Backspeicher, Brauhaus und Torfställe. Siebrand durfte nicht ungeduldig werden. So wenig die Besichtigung in seinem Programm lag, so sehr interessierte sie ihn. Endlich gab es nichts mehr zu zeigen, und er wollte sich von dem alten Junggesellen empfehlen. Doch der schüttelte sehr energisch den eisgrauen Bart und lotste ihn wieder ins Haus. Eine Flasche Portwein wurde aufgefahren; und es wurde nicht eher von der Stelle gerückt, als bis der letzte Tropfen vermöbelt war. Peter Brütt kam in Stimmung. Er erzählte von seinen Vorwesern und wurde fast rührselig, als er davon sprach, wie er der letzte seines Stammes wäre und wie der schöne Hof nun in fremde Hände übergehen müßte. Er schlug mit der Faust auf den Tisch und bestellte bei der Haushälterin noch eine Flasche. Siebrand erhob sich.

»Wenn Sie noch eine Flasche trinken wollen, lassen Sie sich die nur gut schmecken, Herr Landschöff. Für mich wird's Zeit. Ich möchte nicht gern mit Gesang und Tanz über die Straße ziehn.«

Es war auch nicht von ungefähr, daß das alte Fräulein mit der bestellten Flasche nicht überkam. Sie kannte ihren Herrn und dessen bullerballerige Laune, wenn er mit seinen Bordeauxfüßen zu tun hatte und Karlsbad ihm wieder von seinem Podagra abhelfen sollte.

Mit genauer Not kam der Rektor noch rechtzeitig zur Andacht. Bei Tisch wurde des vorhergehenden Abends mit keinem Wort Erwähnung getan. Auch der Aale nicht. Er selbst mochte nicht fragen. Nach der einsilbigen Unterhaltung bei Tisch schien es mehr eine höfliche Form zu sein als eine besondere Teilnahme, durch die Frau Holtmann sich zu der Nachfrage veranlaßt sah, was er denn heute nachmittag zu unternehmen gedenke. Er wollte einen andern Ton in die gedrückte Stimmung bringen und gab zur Antwort:

»Ich habe mir schon ein hervorragendes Programm zusammengestellt. Zuerst Festmarsch durch den Ort, sodann großer Umzug über den Deich und durchs Osterende zurück und daran anschließend kleiner Dämmerschoppen bei Kleefoot.«

Das schwachsüßliche Lächeln, das Holtmanns bei dieser Ankündigung zeigten, ging bei Nennung der letzten Programmnummer bedenklich ins Säuerliche über. Es machte aber äußerster Überraschung Platz, als der Provisor Ezards fragte, ob seine Begleitung dem Rektor angenehm wäre. Er hätte seinen freien Sonntagnachmittag. Hatte doch Ezards während der acht Monate, die er im Haus war, mit Siebrands Vorgänger Voßhoop kaum zweihundert Worte gewechselt.

Als der Rektor auf sein Zimmer kam, fand er einen Brief von Pastor Griepenkerl vor mit der Mitteilung, daß die Versammlung des Jünglingsvereins um acht Tage verschoben war. Siebrand hätte als sinnige Einleitung des Festmarsches am liebsten einen Feier- und Freudensprung über den Stuhl getan. Erst jetzt fiel ihm ein, daß die beabsichtigte Abkündigung in der Kirche heute morgen unterblieben war. Vielleicht, so hoffte er schon, würde nun aus der ganzen Sache nichts werden! Zugleich enthielt das Schreiben Griepenkerls eine Einladung für nächsten Sonntag zum Mittag. Abgesehen von anderen liebenswürdigen Persönlichkeiten würde er auch einen lieben Bruder kennen lernen. Das klang sehr verheißungsvoll. Was mochten das für andere liebenswürdige Persönlichkeiten sein?

Gerade wollte er sich zu einem kurzen Schlaf niederlegen, als Ezards kam und ihn abholte. So begaben sich die beiden zum Deich. Siebrand äußerte seine Freude über den mit immer neuem Reiz fesselnden Anblick der weiten von Schiffen belebten Fläche.

»Offen gestanden,« entgegnete der andere, »und ohne Ihnen schmeicheln zu wollen, an Ihrer Gesellschaft liegt mir mehr als an dem muffigen Schlickgeruch und den paar halbverfaulten Scheerkrabben. Die sogenannten Genüsse auf dem Deich sind mir ziemlich problematisch.«

Siebrand war erstaunt, daß sein Begleiter durch die Landschaft so wenig heimatlich berührt war, und gab seinem Unwillen offen Ausdruck.

»Ja, wenn ich ein Vollblutostfriese geblieben wäre! Aber je längere Zeit ich aus dem Lande des Doornkaat und der Kluntjes heraus bin, – und das wird bald fünfundzwanzig Jahre sein – desto mehr habe ich meine Ostfriesenhaftigkeit abgelegt und bin so'n bißchen Kosmopoliter geworden.«

Der heimatlose Mann dauerte den Rektor. Es entfuhr ihm die Äußerung, dann hätte er es doch viel weiter bringen müssen, als jetzt in einer kleinen weltentlegenen Apotheke den Provisor zu spielen. Der andere warf ihm einen raschen bösen Blick zu.

»Sie sind verdammt offenherzig, mein Teurer. Sie kennen scheint's nicht das schöne Wort: wer nix erheirat't oder nix erbt, bleibt ein armes Luder bis er sterbt. Was soll ein armer Pastorensohn, der den Vorzug hat, zehn Geschwister zu besitzen, anders machen als bis an sein seliges Ende bei fremden Leuten den gebildeten Hausknecht markieren?«

Der Rektor ließ nicht locker und meinte mit gutmütigem Spott: »Wenn Sie keine Erbtante zur Verfügung gehabt haben, hätten Sie wenigstens heiraten sollen.«

»Aus Ihnen spricht der jugendliche Leichtsinn. Früher waren mir die Frauensleute zu quarig. So sagt man in meiner Heimat, wenn man nämlich etwas unhöflich sein will. Und jetzt bin ich mit meinen Fünfundvierzig über die Zeit hinüber, wo der Mensch noch ans Heiraten denkt. Mitunter möchte ich wohl, aber jetzt mögen die Weibsleute nicht. Früher war das umgekehrt.«

Der Rektor drehte sich um. Er glaubte seinen Namen gehört zu haben.

Auf der Deichkappe kam ein untersetzter Mensch hinter ihnen her, der sie sichtlich einzuholen strebte. Siebrand faßte den Mann ins Auge. Das war derselbe, der ihm heute morgen die Treppe zum Orgelboden nachgestiegen war. Obwohl eine Menge Platz da war und obwohl er ein eigenes Buch mitgebracht hatte, hatte der Mann sich dann ganz dicht neben ihn gesetzt und immerfort mit in sein Gesangbuch hineingesehn.

»Der Onkel ist nicht gut zum Schweinemöten. Die werden ihm zwischen den Knien durchwutschen, wenn er sie greifen will,« bemerkte Siebrand im Blick auf die enormen O-Beine des Menschen.

Der Mann kam heran. Ein Insaß des Armenhauses konnte er nicht sein. Dafür war die Kleidung zu schäbig. Zu den Zurückhaltenden schien er auch nicht zu gehören. Denn er gab dem Rektor die Hand, tat, als kennten sie sich schon lange, und begann unverfroren über alles Mögliche zu schwatzen. Die beiden wollten den Aufdringlichen los sein und blieben stehn, doch der tat, als merkte er nichts, und blieb jedesmal, so oft sie auch Halt machten. Schließlich wurde es dem Rektor zu viel, und ärgerlich sagte er, falls der Mann noch Besorgungen habe, möchte er sich ja nicht aufhalten lassen, außerdem hätten der Provisor und er etwas miteinander zu bereden, das ihn nicht interessieren würde. Der Kerl grinste und meinte, er habe genau so viel Recht auf dem Deich zu stehn oder zu gehn wie jeder andere.

»Wenn Sie nun nicht bald machen, daß Sie den Dreh kriegen, dann passiert was!« drohte der Rektor. Nun erst setzte der Krummbeinige sich in Bewegung.

»Paßt aber auf! Ihr sollt mir noch kennen lernen!« rief er hämisch, als er eine Strecke entfernt war. »Ich meine besonders Ihnen, Rektor Siebrand. In der Kirche natürlich, da sind se alle Brüders. Aber sonsten, da wissen se vor Einbildung nich, wer se sind.«

»Der Kaliban soll uns nicht bange machen. Kläffende Hunde beißen nicht,« äußerte Siebrand gemütlich. Der andere machte ein bedenkliches Gesicht.

»Sie hätten den Kerl nicht so anfauchen sollen. Man kann nicht wissen, was so einer einem anhaben kann.«

»Wenn einer ein gutes Gewissen hat, kann einem keiner was!« erwiderte Siebrand und beruhigte sich damit.

Die beiden gingen durchs Osterende zurück, denselben Weg, den Siebrand neulich gegangen war. Wieder schritt er über den Steg, wo er den drei jungen Mädchen Ritterdienste geleistet hatte. Er fragte den vor ihm auf dem Fliesenpfad Schreitenden, wo der Schultheiß von Kampen wohnte. Der Gefragte deutete auf ein großes behäbig vor ihnen liegendes Gehöft.

»Sie sollten gleich jetzt Ihren Besuch machen. Ich will sehr gern so lange warten.«

»Dieser Besuch steht heute nicht auf meinem Programm, kann also auf keinen Fall heute gemacht werden.«

Der Sprecher wollte lieber eigensinnig erscheinen als dem andern von der Beobachtung erzählen, die er heute mittag gemacht hatte. Auf dem Rückweg von Landschöff Brütt hatte er die Familie von Kampen ausfahren sehn. Das hatte seiner Unentschlossenheit, ob er heute einen Besuch machen sollte oder nicht, plötzlich ein Ende gemacht.

Als die zwei auf die breite Landstraße kamen, begann Ezards:

»Was die Familie betrifft, die Sie vorhin – mir übrigens völlig unverständlicherweise – nicht haben besuchen wollen, so fällt mir etwas ein, das ich Ihnen nicht vorenthalten will. Kennen Sie die berühmte Tante Amalie Wruck am Jungfernstieg?«

Siebrand bejahte und war sehr gespannt, als der andere fortfuhr:

»Die Wrucks spielen hierzulande eine große Rolle, sind aber reichlich eingebildet. Die Schultheißenfrau ist auch eine geborene Wruck und soll auch so 'nen kleinen Wruckschen Hochmutstick weg haben. Aber die ist ein Waisenkind gegen eine Schwägerin, die hier auf dem Hof nebenan wohnt. Sehen Sie dort! Jetzt wird die Stelle übrigens von ihrem Sohn Edu beackert. Dieser Edu ist ein akutes Brechmittel für mich, wird aber trotz seiner Ungeschliffenheit von der hiesigen Damenwelt als Edelstein eingeschätzt. Ist nämlich einziger Sohn, sogar einziges Kind, dieser Herr. Na kurz und gut. Von dieser Witwe, oder besser, von dieser Landschöffin Wruck muß ich Ihnen eine kleine spaßhafte Geschichte erzählen. Die ist nämlich bezeichnend für die Familie. Das ist damals gewesen, als sie noch keine Witwe war.

»Also meine gute Frau Wruck ist mit einem Dutzend anderer Damen bei der Frau Landschöffin Soundso im Westerende zum Kaffee und sitzt dickdreebsch im Sofa und hat das große Wort. Es ist von Geburtstagsgeschenken die Rede oder was weiß ich. Sie erzählt mit ihrer gnatzigen Speckstimme, was ihr Mann ist, ihr Willem, der hat ihr neulich ein Präsent aus Hamburg mitgebracht, das hat ihrem lieben Willem bare dreihundert Mark gekostet und ihrem lieben Willem ist überhaupt nichts zu teuer, wenn seiner Frau ihr Geburtstag ist. Und das Präsent ist nämlich ein neuer Fußsack. Heute abend würden sie den noch alle zu sehen kriegen. Sie habe dem Knecht extra eingeknotet, ja den neuen Fußsack mitzubringen. ›Von nun an, meine Damen,‹ sagte sie, ›aber immer hochelegant. Immer grangd mit'n Fußsack. Heute abend sollen Sie mich grangd sehn!‹ Abends um acht stehen die verehrlichen Kränzchenschwestern alle zwölfe auf der Diele und verabschieden sich.

»Jetzt ist der große Augenblick da, wo der Fußsack bewundert werden darf. Richtig steht auch ein Mensch mit einer Stalllaterne schweißtriefend an der Tür und hat neben sich ein gefährlich großes dunkles Ding liegen. Das ist der neue Fußsack. Die Frau Landschöffin erklärt seine Vorzüge und erinnert dann, daß er dreihundert Mark gekostet habe. Und alle sagen, das sei ein heidenmäßiges Geld. Nun gehn sie hinaus; und der Biedermann mit dem Fußsack kommt sinnig nach. Meine gute Frau Wruck steht auf der Hofstelle und kuckt und kuckt, als wollte sie etwas durch Nacht und Regen zu sich herankucken. Eine, die schon etwas voraus war, kommt zurück und fragt mitleidig: ›Fehlt Ihnen was, beste Frau Landschöffin?‹ – ›Ja, wo hat Er denn den Wagen gelassen, Hinrich?‹ – ›De Waogen? Ick heff keen Waogen mitbrocht, Madam, blot düssen Footsack.‹ – – – – Na, Sie können sich die allgemeine Lacherei von den elf andern denken und besonders die Stimmung von der fetten Frau Wruck, die nun hinter ihrem braven, aber reichlich gutmütigen Hinrich die anderthalb Stunden bis ins Osterende zurückstiefeln darf. Ich weiß nicht, wer es gewesen ist, aber als alle auseinander sind, hat eine durch den Regen gerufen: ›Setzen Sie sich doch in Ihren neuen Fußsack rein, beste Frau Landschöffin. Wer's lang hat, muß es auch lang hängen lassen! Jümmerst grangd mit'n Footsack!‹«

Der Schwank belustigte den Rektor ungeheuer.

… Aber daß es gerade eine Verwandte von Fräulein Theda von Kampen gewesen war … Der Provisor hatte von einem Wruckschen Hochmutstick gesprochen … Doch er hatte nicht viel Zeit, mit solchen Gedanken zu gehn. Denn bald darauf saß er mit seinem Begleiter bei Kleefoot. Um den großen Tisch waren eine Menge Leute versammelt. In dem Zigarrenqualm verflogen seine arbeitenden und quälenden Gedanken.

– – In der Nacht hatte Hermann Siebrand einen tollen Traum. Der krummbeinige Mensch, mit dem er auf dem Deich aneinander gekommen war, hatte ihn in einen gewaltigen Fußsack hineingesteckt. Er ärgerte sich schmählich und konnte gar nicht begreifen, wie der hinterlistige Kerl das fertig gebracht hatte. Aber was half's? Oben am Hals war der Sack zugebunden, daß er weder Arme noch Beine rühren konnte. Und nun lag er auf der Chaussee und sah einen riesengroßen Wagen auf sich zukommen, gerade auf die Stelle los, wo er lag. Der Wagen war voll Menschen. Vorn saß Fräulein von Kampen und neben ihr Kantor Krohn. Der hatte den einen Arm um ihre Schulter gelegt und streichelte sie, und mit dem andern schwenkte er seinen schwarzen Regenschirm hin und her; und oben an der übermäßig langen Stockspitze flaggte Thedas weißes Taschentuch. Und jedesmal, wenn es lang in den Wind flatterte, waren die Worte zu lesen »einziges Kind!« Dann fingen die Leute auf dem Wagen an zu gröhlen und mit den Füßen zu trampeln. Der Wagen kam immer näher. Immer fürchterlicher wurde es ihm, wenn die Leute alle so lachten. Ob sie denn nicht sahen, wie er hülflos im Fußsack auf dem Pflaster lag? – – Gleich mußte der schwere Wagen über ihn hinrollen …

Siebrand erwachte und fuhr mit der Hand nach dem Hals. Er hatte auf der harten Kante seines Feldbetts gelegen …


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