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Wo die Luchwiesen sich zur Kiefernheide aufheben, um das Häuschen am Wege herum, blühen die Kirschbäume. Sie blühen schon zum zweiten Mal, seit Friede Schmahl gestorben ist, im Gerichtsgefängnis drüben in der Kreisstadt.
Er hat sein Urteil nicht erlebt. Das machte denen, die im Bruch wohnen, das Herz leichter.
Die Maisonne strahlt, und die kleinen Sänger jubilieren in den Wipfeln.
Lene Schmahl steht im Garten und hängt Wäsche auf. Rot und weiß leuchten ihr Hals und Wangen, ihre Augen strahlen wie damals, als Friede Schmahl sie küßte.
Und am Zaun, den die Himbeersträucher mit jungem Trieb überwuchern, steht einer, der, sein Zeug auf der Schulter, zur Arbeit will.
Sie plaudern und lachen, die beiden, mit den Vögeln droben um die Wette.
Und es ist noch so früh. Hier lang kommt jetzt keiner.
Lenes Vater ist tot, auch der alte Schmahl lebt längst nicht mehr. Die junge Frau, die Verwandtenmißgunst vom Schmahlschen Hofe drängte, wohnt hier zwischen Wald und Wiese ganz allein.
Da springt der Mann, die Tür verschmähend, über die Hecke.
Lene schreit auf. Dann lacht sie. Sträubt sich erst, als er nach ihr langt, und läßt sich doch küssen.
Ob sie ihn haben will?
Ja … immer so einsam … sie sehnt sich nach einem Menschen, der gut zu ihr ist.
Der Mann legt sein Arbeitsgerät auf die Bank vorm Hause und sie gehen hinein.
Um die Kirschbäume summen im Sonnenglast die Bienen – Bilder des Lebens, das unablässig weiterwirkt an des Schöpfers urewigem Werke.