Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Anzeige. Gutenberg Edition 16. 2. vermehrte und verbesserte Auflage. Alle Werke aus dem Projekt Gutenberg-DE. Mit zusätzlichen E-Books. Eine einmalige Bibliothek. +++ Information und Bestellung in unserem Shop +++

XV.

Agnes Skoernings kleine Abendtees in ihrer Charlottenlunder Villa waren berühmt. Fast immer war ein bekannter Künstler oder eine Größe vom Theater oder Film eingeladen. Die Gespräche bewegten sich in einer leichten, plaudernden Gelassenheit auf den Gebieten der Kunst, Literatur und Politik.

Agnes Skoerning selbst war eine gut aussehende, weißhaarige Siebzigerin, die nicht nur liebenswürdig, sondern auch so quicklebendig war wie ein junges Mädchen. Selbst die jüngeren Herren ihres sehr ausgedehnten Bekanntenkreises pflegten ihr noch den Hof zu machen.

Paul Kattensen hatte sich an diesem Abend um eine gute halbe Stunde verspätet. Einem erfolgreichen Geschäftsmann, der vor Konferenzen und wichtigen Besprechungen oft nicht mehr ein noch aus weiß, der reich und angesehen ist und obendrein über gewandte Umgangsformen und ein angenehmes Äußeres verfügt, nimmt man eine halbe Stunde indessen nicht weiter übel. Gegen neun Uhr konnte der Diener den verspäteten Gast endlich anmelden.

Agnes Skoerning hatte ihre grauen, jugendlich leuchtenden Augen schon eine ganze Weile auf die Tür gerichtet, durch die Paul Kattensen eintreten sollte, aber er kam nicht.

Noch mehr als die Hausfrau wunderte sich der Diener, wohin der Gast, den er angemeldet hatte, wohl so plötzlich verschwunden sein mochte. Kopfschüttelnd ging er nach der Eingangstür zurück. Da hörte er plötzlich ein Geräusch hinter sich, und als er sich umwandte, sah er Kattensen bereits im Begriff, den Salon zu betreten. Der Diener zog verwundert die Augenbrauen in die Höhe, vergaß aber schnell den kleinen Zwischenfall wieder, denn Kattensen war ein alter, wohlbekannter Gast des Hauses.

Als Paul Kattensen den Salon betrat, sprach man gerade von einer Varieté-Sensation auf dem Gebiet des Gedankenlesens, die, wenn den Texten der Plakate auf den Anschlagsäulen Glauben geschenkt werden durfte, das Tagesgespräch Kopenhagens bildete. Eine bekannte Schauspielerin, Helene Boysen, berichtete gerade, welchen Eindruck diese Vorführung auf sie gemacht hätte.

Doktor Mons, ein bekannter Chemiker, zog ein wenig spöttisch die Mundwinkel herab. »Ich bin der Meinung«, sagte er, »daß diese sogenannten Medien keineswegs mit besonderen seelischen Fähigkeiten ausgestattet sind, sondern ohne Ausnahme mit Tricks arbeiten.«

»Das mag in diesem Falle zutreffen«, erwiderte die Schauspielerin. »Ich habe indessen vor Jahren in Paris ein Erlebnis gehabt, daß mir die Gewißheit gab, daß manche Menschen in der Tat mit übersinnlichen Kräften ausgestattet sein müssen.«

»Erzählen! Erzählen!« wurde sie von allen Seiten bestürmt.

Helene Boysens Geschichte gehörte zu jenen ziemlich häufig erzählten Geschichten, in denen heimliche Diebe angeblich durch ein Medium entlarvt wurden. Die Geschichte selbst interessiert hier nicht weiter, wohl aber die Diskussion, die sich an die Erzählung der Schauspielerin anschloß.

Frau Tornquist, eine lebhafte Fünfzigerin mit rotblondem Haar, wandte sich an Paul Kattensen und fragte ihn: »Was halten Sie von diesen Dingen? – Glauben Sie daran?«

Der Angeredete betrachtete nachdenklich den Aschenkopf seiner Zigarre, ehe er antwortete. Als er den Kopf hob, sah man in seinen Augen ein merkwürdiges Leuchten.

Doktor Mons brach in ein blechernes Lachen aus:

»Passen Sie auf, meine Herrschaften«, sagte er. »Jetzt kommt gleich das berühmte Zitat, nach dem es zwischen Himmel und Erde mehr Dinge gibt –«

»Danke«, sagte Kattensen sich lächelnd vor dem Chemiker verneigend! »Sie haben mir das Schlimmste erspart. – Ja! Es gibt seltsame Dinge, freilich noch mehr – seltsame Zufälle.«

Er schwieg und betrachtete nachdenklich das junge Mädchen mit dem weißen Häubchen auf dem blonden Haar, das gerade einen Teewagen in den Salon hineinschob.

Plötzlich lächelte er über sein hübsches, offenes Gesicht, so daß Frau Skoerning bereits fürchtete, er würde sich soweit vergessen und dem jungen, wirklich hübschen Mädchen eine Schmeichelei sagen. Zu ihrer Erleichterung aber unterließ er es. Doch Agnes Skoerning hätte darauf schwören können, daß er etwas dergleichen im Sinne gehabt hatte – wenn man auch niemals recht wußte, woran man mit ihm war.

Durch eine Zwischenfrage des Doktors wurde sie indessen wieder an das Thema erinnert, welches die Schauspielerin angeschnitten hatte: Ein Medium, das kraft einer übermenschlichen Begabung in der Lage sein soll, einen Dieb zu entlarven – man hatte schon öfter von solchen Fällen gehört!

Sie blickte unwillkürlich zu ihrem Gatten hinüber.

Herrn Skoerning sah man sein Alter erheblich mehr an als ihr. Das lag weniger an seinem spärlichen weißem Haar als an seiner gebeugten Haltung. Nur in seinen kühlen, grauen Augen glomm immer noch das Feuer einer unverbrauchten geistigen Elastizität.

Als er den Blick seiner Gattin auf sich gerichtet sah, nickte er kurz. Er verstand sofort, woran sie dachte.

»Ich wollte«, wandte die Hausfrau sich an Helene Boysen, »ich hätte damals ihr geniales Medium gekannt, als wir vor gut zwanzig Jahren das Fest unserer Silbernen Hochzeit feierten.«

»Hatten Sie denn einen Dieb im Hause?« fragte die Schauspielerin interessiert.

Herr Skoerning nickte:

»Ja, und dieser Dieb – oder ich muß wohl sagen: diese Diebin – hat uns damals unser Freudenfest gründlich verdorben. Ich hatte nämlich für meine Frau eine Perlenkette anfertigen lassen, die aus sechsunddreißig auserlesenen Perlen bestand. Ich hatte viele Jahre gebraucht, um sie zu sammeln, da ich immer nur die schönsten Exemplare aussuchte, die gerade zu haben waren.«

Agnes Skoerning warf ihrem Manne einen liebevollen Blick zu und fuhr dann fort:

»Daß das Ganze überhaupt geschehen konnte, war meine Schuld. Ich war stets leichtfertig genug gewesen, den Schlüssel in meiner Schmuckschatulle stecken zu lassen. Am Tage vor dem Fest hatten wir viele Handwerker im Hause; Maler, Dekorateure und andere, die alles für die Feier herrichten mußten. Es war ein schreckliches Durcheinander, und in der Küche wimmelte es von Hilfspersonal, welches damit beschäftigt war, das Essen für den folgenden Tag vorzubereiten.

Ich hatte damals eine Zofe – nicht mehr jung, aber recht hübsch und über die Maßen eitel. Amalie Jensen hieß sie. An jenem Nachmittag, als im Hause alles drunter und drüber ging, ertappte ich sie dabei, wie sie sich mit meinem ganzen Schmuck behängt hatte und sich mit leuchtenden Augen im Spiegel betrachtete.

Als sie mich kommen hörte, warf sie alles hastig in die Schatulle zurück und ließ den Deckel zufallen. Sie war sehr verwirrt, als ich sie zur Rede stellte und auf das Ungehörige ihres Tuns aufmerksam machte. Die Schamröte stieg ihr ins Gesicht, und plötzlich lief sie laut weinend aus dem Zimmer. In diesem Augenblick sah ich, daß sie sich auch mein neues Perlenhalsband umgelegt und es nicht in die Schatulle zurückgelegt hatte.

»Amalie! Meine Perlen!« rief ich ihr erregt nach. Aber sie war schon aus dem Zimmer.

Ich klingelte. Niemand kam. Endlich erschien der Diener. Ich trug ihm auf, Amalie zu veranlassen, sofort zurückzukommen. Ich verstand gar nicht, was in das dumme Ding gefahren war, besonders, da ich überzeugt war, daß sie gar nicht daran gedacht hatte, mich zu bestehlen.

Nach einer endlos scheinenden Zeit kam der Diener mit der Meldung zurück, Amalie wäre nirgends zu finden. Sie blieb den ganzen Tag verschwunden. Ich war ganz verzweifelt und überlegte, ob ich die Polizei benachrichtigen sollte. Ehe ich aber noch zu einem Entschluß gekommen war, kehrte sie zerknirscht zurück und bat mich wegen ihrer Unbesonnenheit um Verzeihung. Sie hätte sich so sehr geschämt und hätte anfangs nicht die Absicht gehabt, zu mir zurückzukehren. Es täte ihr sehr leid, daß sie sich soweit vergessen hätte. ›Aber wo sind denn meine Perlen?‹ rief ich bestürzt, als ich sah, daß die Kette nicht mehr an ihrem Halse hing. Mit großen, erschrockenen Augen sah sie mich an. ›In der Schatulle‹, erwiderte sie und wurde ganz weiß im Gesicht.

›Nein, sie sind nicht in der Schatulle‹, rief ich. ›Ich habe genau gesehen, daß Sie die Perlenschnur an Ihrem Hals trugen, als Sie heute nachmittag davonliefen.‹ Sie starrte mich an und nestelte mit zitternden Fingern an ihrem leeren Halse. ›Das ist – unmöglich‹, stammelte sie.

Die Perlenschnur blieb verschwunden. Es folgte eine sehr peinliche polizeiliche Untersuchung. Das Mädchen erklärte immer wieder, sie wäre unschuldig und wisse von nichts. Es kam zur gerichtlichen Verhandlung. Ich war die Hauptzeugin. Meine unter Eid abgegebene Erklärung, ich hätte genau gesehen, daß Amalie die Perlen am Halse getragen hätte, als sie davongelaufen wäre, wurde ihr zum Verhängnis. Sie wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.«

»Und die Perlen?« fragte die Schauspielerin.

»Die Perlen blieben bis zum heutigen Tage verschwunden. Es war alles furchtbar häßlich und traurig, und ich habe seither nie mehr Perlen leiden mögen und mich geweigert, je wieder welche zu tragen.«

Herr Skoerning nickte bestätigend. »Bei allen Pfandleihern und bei sämtlichen der Polizei bekannten Hehlern wurde nach dem Schmuck gesucht – aber alles war vergeblich. Vergessen Sie nicht, daß es sich bei diesen Perlen um ausgesuchte Exemplare handelte. Auch, wenn sie irgendwo einzeln aufgetaucht wären, hätte ich sie in jedem Fall wiedererkannt.«

Paul Kattensen lächelte rätselhaft. »Wir hörten vorhin von Medien«, sagte er, »die imstande sein sollen, Diebe zu entlarven.«

»Ja, und –?« sagte die Schauspielerin. »Sie machen ja ein Gesicht, als ob Sie das genau so gut könnten!«

»Warum auch nicht? Nur scheint es mir in diesem Falle wichtiger, die gestohlene Perlenschnur wieder herbeizuschaffen.«

»Machen Sie keine Witze!« sagte Herr Skoerning ärgerlich.

Aber der Chemiker rieb sich die Hände. »Wieder einer der tollen Streiche Kattensens«, flüsterte er seinem Nachbarn zu.

Kattensen klatschte in die Hände. »Ich schlage vor, wir veranstalten zu diesem Zweck eine sogenannte Seance. Dann werden wir kraft unserer Gedanken die verschwundene Perlenkette wieder herbeischaffen.«

»Jetzt, nach zwanzig Jahren?« spottete Herr Skoerning.

»Wenn man schon zur fünften Dimension Beziehungen unterhält«, erwiderte Kattensen ernst, »so kommt es auf solche Kleinigkeiten, wie es zwanzig Jahre sind, wirklich nicht an.«

Paul Kattensen war in der Gesellschaft dafür bekannt, daß er immer wieder etwas Neues zur Unterhaltung wußte. Die meisten der Gäste begrüßten seine Anregung daher mit großer Begeisterung, wenn auch niemand ahnte, was dieser Scherz eigentlich bezweckte.

»Wer soll denn das Medium sein?« fragte jemand.

»Ich selber«, erwiderte Kattensen lächelnd. »Ich teile die Meinung von Doktor Mons, der behauptet, daß die Medien immer nur mit Tricks arbeiten. Warum soll ich das nicht ebensogut können? Warten Sie es ab und urteilen Sie hinterher!«

»Na, schön – fangen wir an«, rief Doktor Mons.

Paul Kattensen wandte sich mit einer liebenswürdigen Verbeugung an die Herrin des Hauses. »Des seelischen Kontaktes willen ist es notwendig, daß die fragliche Schatulle, aus der vor zwanzig Jahren jene Perlenkette verschwand, hierher gebracht wird. Wollen Sie, bitte, dem Diener den Auftrag geben?«

»Verschlossen?«

»Natürlich verschlossen! Den Schlüssel nehmen Sie selber während der Dauer des Experimentes in Verwahrung.«

Agnes Skoerning schaute ihre Gäste der Reihe nach an. Überall bemerkte sie belustigte Erregung und Spannung. Sie glaubte daher, nicht gut nein sagen zu können.

Der Diener brachte auf ihren Befehl die Schatulle. Frau Skoerning stellte sie auf den Tisch und zog den Schlüssel heraus.

»Eine Frage, gnädige Frau«, sagte Kattensen, indem er die flache Hand auf den hübschen, mit hellen Einlagen verzierten Ebenholzkasten legte. »Befinden sich irgendwelche Perlen in dieser Schatulle?«

Frau Skoerning schüttelte lebhaft den Kopf.

»Nicht eine einzige. Ich sagte Ihnen ja schon, daß ich seit jener Zeit Perlen hasse.«

»Gut. Um so besser wird unser Experiment gelingen.«

Ein Mann, an dessen Äußerem man unschwer den ehemaligen Militär erkannte, näherte sich stirnrunzelnd dem jungen Geschäftsmann.

»Habe ich Sie recht verstanden?« fragte er. »Sie wollen jene vor mehr als zwanzig Jahren verschwundene Perlenkette in die Schatulle da zurückzaubern?«

»Ganz recht«, erwiderte Kattensen liebenswürdig. »Sie haben sich durchaus nicht verhört.«

»Und diesen Unsinn soll ich glauben?« grollte der alte Offizier.

»Nicht doch! Sie sollen nur etwas Geduld haben und sich einmal überraschen lassen. Ich setze voraus, daß Sie unserer liebenswürdigen Gastgeberin aufs Wort glauben, wenn sie sagt, daß sich in jener Schatulle da keine Perlen befinden?«

»Das steht selbstverständlich außer jeder Frage!«

»Nun also. Dann bitte ich Sie, meine Herrschaften, jetzt ihre Plätze einzunehmen. Wir legen alle die Hände auf den Tisch und bilden eine geschlossene Kette. Keiner von Ihnen darf dann die Schatulle, die mitten auf dem Tisch steht, aus den Augen lassen. Vergessen Sie nicht, daß ich das Medium sein werde.«

Seine Augen blieben auf dem hübschen Kasten haften, während ein Lächeln um seine Mundwinkel zuckte.

Eine seltsame Stimmung hatte sich der Gesellschaft bemächtigt. Die Frauen waren ganz besonders erregt, da diese ja im allgemeinen für alle Dinge, die das Übersinnliche berühren, viel zugänglicher sind als die Männer.

Das warme, gelbe Licht über dem Tisch, um den Gastgeber und Gäste saßen und mittels ihrer Hände eine geschlossene Kette bildeten, gab den Gesichtern einen merkwürdigen Farbton. Das Gespräch verstummte. Hier und da flüsterte noch jemand; dann war nur noch das Ticken einer Uhr und das Scharren der Füße unter dem Tisch zu vernehmen.

Paul Kattensen lehnte sich in seinen Stuhl zurück und schloß die Augen. Als jemand anzüglich hüstelte, sagte er: »Ich bin Medium. Ein Medium in Trance. Stören Sie mich nicht.«

Er seufzte zwei-, dreimal schwer auf, dann begann er mit hohler, eintöniger Stimme zu sprechen:

»Wie dunkel es ist! Ein Nebel senkt sich wie ein weißes Tuch herab. – Nun wird es heller – der Nebel zerteilt sich. – Ich sehe – ich sehe das Bein einer schönen Frau – nein, eines jungen, hübschen Mädchens – das Mädchen trägt schwarzseidene Strümpfe. – Ich sehe eine Perlenkette, eine unvergleichlich schöne Perlenkette – sie ist an einem Strumpfband befestigt – Hände greifen nach der Kette – lösen sie ab – sie schwebt über einer Schatulle – der Deckel öffnet sich – die Perlenkette gleitet aus der Hand – der Deckel schließt sich lautlos.«

Einer von den Gästen brummte hörbar: »So ein Blödsinn.«

»Licht aus!« rief Paul Kattensen.

Das Licht verlöschte. Langsam zählte Paul Kattensen bis sieben. Dann sprang er so plötzlich auf, daß eine junge Frau einen erschreckten Schrei ausstieß.

»Licht wieder einschalten!« rief er.

Als es hell wurde, sah man rings um den Tisch verlegene, verwirrte und grinsende Gesichter. Frau Skoerning riß wie mit Gewalt die Augen auf, als erwache sie aus einem tiefen Schlaf und schaute sich verstört um.

»Bitte schließen Sie die Schatulle auf!« sagte Paul Kattensen.

Frau Skoernings Hände zitterten ein wenig, als sie den Schlüssel in das Schloß steckte und ihn langsam herumdrehte. Mit ihren weißen, schmalen Händen schlug sie den Deckel zurück. Dann erhob sie sich von ihrem Sitz, um besser in das Innere der Schatulle blicken zu können. Alle folgten ihrem Beispiel und starrten auf die Schatulle.

Plötzlich stieß Frau Skoerning einen lauten Schrei aus. Ja! Da lag sie! Oben auf all dem glitzernden Geschmeide lag eine Kette von sechsunddreißig Perlen seltener Schönheit! Als sie nach der Kette griff und sie herausnahm, zitterten ihre Hände wie Espenlaub.

»Sie ist es!« sagte der alte Skoerning mit heiserer Stimme.

»Sollte man's glauben?« – Und er starrte auf das Schmuckstück, als sähe er eine überirdische Erscheinung.

Jetzt ergoß sich ein Strom aufgeregter Fragen über Kattensen. »Wie konnten Sie das nur wissen? – Wie ist das möglich? – Wie haben Sie es bloß gemacht?«

Doktor Mons aber sagte lachend: »Tausend Kronen für ihren Trick!«

Kattensen schüttelte den Kopf. »Zehntausend!« antwortete er ernst.

»Was hatte eigentlich das Gerede von dem Bein eines schönen Mädchens zu bedeuten?« fragte jemand. »War es eine Vision?«

Paul Kattensen blickte wie träumerisch dem Rauch seiner Zigarette nach. »Ja«, antwortete er schließlich, »und eine ganz entzückende dazu. Sie werden's mir glauben.«

Herrn Skoernings Hand ruhte auf seiner Schulter. Als Kattensen aufsah, bemerkte er einen ernsten Ausdruck in dem Gesicht des Fabrikanten.

»Ich glaube, Sie sind uns eine Erklärung schuldig, Herr Kattensen«, sagte er. Der junge Mann schob die Augenbrauen in die Höhe.

»Ich? –« Er zuckte gelassen die Achseln. »Die Aufklärung, die Sie wünschen, kann Ihnen nur die Polizei geben.«

»Die Polizei?«

»Ja«, erwiderte Kattensen. »Aber heute dürfte es wohl schon zu spät dazu sein.«


 << zurück weiter >>