Anzeige. Gutenberg Edition 16. 2. vermehrte und verbesserte Auflage. Alle Werke aus dem Projekt Gutenberg-DE. Mit zusätzlichen E-Books. Eine einmalige Bibliothek. +++ Information und Bestellung in unserem Shop +++
Nach einer alten Legende wiedererzählt.
Zu den Zeiten als Leo und Constantinus, die Kaiser, das Römisch Reich, und Pipin und Carl, sein Sohn, das Königreich in Frankreich regieret haben, ist gewesen gar ein christlicher, gottesfürchtiger und mit viel Tugenden gezierter König in Dänemark, der auch ein sonder tugendreiche Königin zu einem Gemahl gehabt hat. Und dieweil sie Gott, der Allmächtig, etwoviel Zeit eines Kindes beraubt, haben sie sich deß aus natürlicher Zuneigung nicht wenig betrübt, und den Allmächtigen flehlich und mit täglichem Ernst um ein Erben väterlichs Königreichs gebeten, mit einmüthiger Verheißung, daß sie alsdann ihm ewige Dienst leisten, und darzu solchen Erben zu seinem göttlichen Lob und Geboten ziehen wollten. Darin hat sie der höchst Schöpfer (der keinen auf ihn Hoffenden und Fürchtenden nimmer verläßt) barmherziglich erhöret und ihnen einen einigen Sohn mitgetheilt, den sie
Sebaldum genannt, und mit billiger Danksagung gegen Gott, den Allmächtigen, zu allen
göttlichen Werken und Tugenden gehalten, und in Frömmigkeit und Ehrbarkeit auferzogen haben.
Als nun der heilig Jüngling Sanct Sebald seine kindlichen Tag in dem königlichen Palast bei seinen Aeltern göttlich und wohl zubracht, und das fünfzehnt Jahr seines Alters erlangt, hat ihn der König, sein Vater, auf die hohe Schule gen Paris, in Frankreich, gesendet, der Lernung anzuhangen. Daselbst ist der heilig Jüngling in Künsten und Tugenden so reichlich und hoch gewachsen, daß es allen daselbst Wohnenden zu sehen und zu hören wunderbarlich gewest ist, hat auch nicht allein die, so viel älter und bei der Lernung lange Zeit vor ihm da gewest seyn, mit Künsten und Schicklichkeit überstiegen, sondern darin also zugenommen, daß er in Kurz bei Männiglich für einen vollkommnen Meister geacht, und gegen alle Menschen angenommen worden ist.
Nach Verscheinung etlicher Zeit ist der heilig Sanct Sebald von der hohen Schul zu Paris wiederum zu seinen frommen Aeltern (die nach ihm, als einem einigen Sohn und aufenthaltlichen Stab ihres Alters, aus Neigung natürlicher Liebe, nit kleines Verlangen haben gehabt) anheims gereist, darob der fromm König und sein Gemahel übergroße Frohlockung und Freuden in ihrem Gemüthe empfangen, dieweil sie ihren Sohn gesehen haben, in seinem Wandel tapfer, vernünftigen Gesprächs, geschickter, fürsichtiger Werk, und in seinem Wesen tugendlich und annehmlich. Und nachdem die beiden Aeltern nunmehr zu einem tapfern Alter gelangt, auch dem allmächtigen Gott, auf gnädige Bescherung und Mittheilung eines leiblichen Erben, ewige Reinigkeit ihres Leibs zu halten verheißen hatten, damit dann ihr Königreich nach ihrem Tode nit erblos gelassen, sondern mit einem tauglichen, geschickten und tugendlichen König wiederum versehen würde, haben sie sich entschlossen, ihren hochgeliebten Sohn, den heiligen Sebaldum, mit einem ehelichen frommen Gemahel, wie sich königlichen Würdigkeiten geziemt, zu versehen. Und demnach ihr ehrlich, trefflich Botschaften an viel Ort und Königreich (nach dergleichen Gespons Nachfrag und Erkundigung zu haben, und unter andern in Frankreich) gefertigt, daselbst hat diese Botschaft ein Jungfrauen, eines mächtigen Grafen in Frankreich Tochter, auch des Geschlechts und Geblüts des königlichen Stammens in Frankreich, gefunden, die gar hübsch und mit allen ehrbaren Tugenden und Geberden geziert gewest ist, die haben die Aeltern ihrem Sohn Sebaldo ehelich vertraut.
Mit Worten aber und tröstlichen Vermahnungen hat Sanct Sebald von der Jungfrauen, seinem Gespons, seinen Abschied in der Nacht heimlich und unwissend genommen, und ihr davor geboten, solch's in Geheim zu behalten und sein Fürnehmen Niemand zu eröffnen; hat also den königlichen Palast seines Vaters, alle Gewalt, Weltlust, Reichthümer und Ehre dieser Welt verlassen, ist von dannen gezogen und hat erwählt, mehr einem geistlichen, beschaulichen Leben, als ein Einsiedel in der Wüsten, dann den zergänglichen augenblicklichen Lustbarkeiten dieser falschen, bezüglichen Welt anzuhangen, und sich also einig in einen Wald gethan, damit er von Gemeinschaft der Menschen und allen Gegenwürfen, die sie zum Fall der Sünden verursachen, möcht' abgesondert bleiben. Daselbst hat er Tag und Nacht in dem Gebet mit Andacht verharret, sich mit viel Fasten und Abbrechung leiblicher Speiß gehelligt, und wiewohl er aus solcher Kästigung seines Leibs ganz armselig und mager geworden ist, hat er doch von großen Anfechtungen des Teufels, seines Fleischs und der Welt nit mögen übrig seyn, sondern sich mit diesen dreien merklichen Feinden durch ritterlichen Kampf und Widerstand täglich geübt. Aber so vielmehr dieselb Anfechtung gegen ihn auch im täglichen Kampf erwachsen, so vielmehr desto ehrlicher ist auch ihr Ueberwindung erschienen.
Und als er in der Wüsten bis in das sechzehnt Jahr ein heilig einsiedlisch Leben geführt, hat er aus göttlicher Heimsuchung und Einsprechung des heiligen Geistes, zu Gedächtniß geführt die Lehre des heiligen Evangeliums: Welcher ein Licht anzündet der solle es nit verborgentlich unter einen Schäffel stürzen, sonder in die Höhe auf einen Leuchter setzen, damit die Fürgehenden davon gesehen, hat auch bedacht, daß er nit in der Wüsten einig und allein nutz wäre und demnach den Weg angenommen die heilige Stadt zu Rom heimzusuchen. Als er nun daselbst hinkommen, und der Papst Gregorius, der Ander, seines heiligen Lebens bericht worden ist, hat er ihm die Bürden zu predigen und das Gotteswort zu verkünden aufgelegt, das er williglich und mit Gehorsam angenommen. Ist also barfuß wie ein Pilgram mit sammt seinem Discipel Dionisio gewandert. Und aus göttlicher Schickung hat er auf dem Wege seiner Pilgrimschaft die Heiligen Sanct Willibaldum und Wunibaldum gefunden, die er in sein Gesellschaft gutwillig angenommen hat. Als nun diese heilige Männer etwoviel hoher Gebirg und scharfer Wege gewandert waren, und aus Fern solch's Weg's gemüdigt und von Hunger schwach worden, seyn sie zu Sct. Sebald, ihrem Mitgesellen, getreten, und ihm ihren Kummer angezeigt, der hat sie getröst, sprechend: Lieben Brüder, ihr sollt nit verzagen, und eure Hoffnung in den stellen, der mit 5 Broden und zweien Fischen fünftausend Menschen gespeist hat in der Wüsten, der auch allen menschlichen und unvernünftigen Creaturen leibliche Nahrung mittheilt, von dem werdet ihr, wo ihr euer Vertrauen in ihn stellt, ersättigt.
Also ist der heilig Sebaldus ein kleinen Weg von ihnen gegangen, und hat sein Gebet zu Gott dem Allmächtigen gethan. Nach Vollendung desselben hat ihm der Engel Gottes vom Himmel die Speiß gebracht, die er, nach gesagter Danksagung, seinen Mitgesellen brüderlich hat mitgetheilt. Die sind deß erfreut und wunderbarlich ersättigt worden.
Der heilig Diener Gottes, Sebaldus, hat geeilt in Lombardiam das Gotteswort zu predigen, welche Sprach er auch in seiner väterlichen Wohnung hat erlernet.
Und als er sich zu der Stadt Vincenz genahet, hat er in einem Gehölz und Gewild dabei etlich Zeit sein Wohnung gehalten, und also ein ehrlich Wesen geführt, daß sein Name und Leben allenthalben in Lombardia erschollen ist, deshalben auch etwoviel Menschen aus Vincenz, Padua und Mailand sich zu ihm genahet haben, die christenliche Lehre von ihm zu hören, die er gar gutwillig angenommen, und mit höchstem Fleiß in dem christlichen Glauben unterweist hat.
Und als auf ein Zeit etliche derselben Personen bei ihm gewest seyn, und aus der Fern des Weg's die Speiß nit mit genommen, hat Sct. Sebald seinem Diener Dionisio geschafft, denselben Gästen den Wein, so er gehabt, zu reichen, das aber der junge Dionisius, dieweil er die Nacht davor, aus zugefallen Durst, solchen Wein ausgetrunken hat, zu thun geweigert. Den hat Sct. Sebald zu etlichen Malen angehalten, seinen Geboten zu leben, also ist Dionisius zu der Legel, darin der Wein gewest, kommen, und hat die so reichlich und voll mit Wein befunden, daß er in Oeffnung derselben Legel allenthalben mit Wein besprengt worden ist, darob sich die Menschen hoch verwundert, und ihn für einen heiligen Mann, aus deß Fürbitt der Allmächtig solche Mirakel gewirkt, haben gehalten.
Auf ein andere Zeit, als der heilig Sct. Sebald etwoviel Menschen das Wort Gottes gepredigt, hat sich in Mitten des Volks ein Ketzer empört und freventlich geredt, daß alle Lehre des heiligen Sct. Sebalds falsch wäre, und auf solchem freventlichen Irrsal vor allem Volk verharrt, deshalben Sct. Sebald zu Gott dem Allmächtigen geruft, und ihn demüthiglich gebeten hat, daß er ein Zeichen vor allem Volk wirken wolle, durch welches der christlich Glaube um so mehr bestättiget werden möge. Zu Stund hat sich das Erdreich aufgethan, und in Angesicht alles Volks denselben Ketzer bis zum Hals verschlungen. Und als er für und für unter sich gesunken, ist er in sich selbst geschlagen, hat seinen falschen Irrsal bekannt, und mit lauter Stimm zu Sct. Sebald geruft, Gott für ihn zu bitten, mit dem Zusagen, daß er hinfüro dem christlichen Glauben anhangen wollt. Also ist er wiederum durch Fürbitt Sct. Sebalds auf das Erdreich erhebt, und von solcher göttlichen Straf gnädiglich erlediget worden. Von diesem Zeichen sind gar viel Menschen zu dem Glauben bekehrt worden.
Also hat Sct. Sebald welsche Land verlassen und nach Bayern gezogen. Als er nun an das Wasser der Donau, nit weit von der Stadt Regensburg, kam und kein Brücken oder Schiffmann fand, der ihn überführen möcht, hat er sein Kutten, die er allweg über ein hären Hemd pflegte anzutragen, auf das Wasser gelegt, ist darauf gestanden und hinüber bis zu der Stadt ohne alle Beleidigung geschwommen, dann das Wasser erzeiget sich, als ob allein die Kutten, unbeschwert, darauf läge, das ein Inwohner der Stadt sah, der den heiligen Mann zu ihm in sein Haus mit Freuden empfing.
Als er ihm aber in Betrachtung seiner großen Heiligkeit gern viel Ehren erzeigt, und doch kein Trinkgeschirr hat, entlehnt er von einem seiner Nachbarn gar ein schön herrlich Trinkglas, darin er Sct. Sebald zu trinken bot. Und aus Unfürsichtigkeit fiel ihm solch's Glas zu viel Stücken auf die Erden, darob der arm Mann erschrack, unwissend, wie er seinem Nachbarn solch Trinkgeschirr wieder vergelten sollt. Also hieß Sct. Sebald ihm die Trümmer reichen, die er wieder zusammen gethan, und das Glas wie vor ergänzt hat, deß sich der Arm erfreuet. Auch die Menschen, die das vernahmen, dem heiligen Sct. Sebald bald viel Ehren erboten.
Nach kurzer Zeit ist Sct. Sebald fürter gewallet, und kommen in einen Wald auf dem Nordgau. Allda hat er gar ein streng, hart, einsiedlisch Leben geführt, mit Abbrechung leiblicher Speiß, viel Fastens, Wachens, Betens, und großer Kasteiung seines Leibs. Auf ein' Zeit begab sich, daß ein arm Bauersmann zween Ochsen im Holz verloren hätt, die er auch den ganzen Tag mit Traurigkeit sucht, und nit finden mocht. Am Abend kam er aus Schickung des Allmächtigen zu Sct. Sebald, der ihn um Ursach seines Trauerns fraget. Und als ihm der Bauersmann den Verlust seiner Ochsen anzeiget, tröstet ihn Sebaldus, und hieß ihn wieder nach den Ochsen suchen, mit dem Zusagen, daß er die ohn Zweifel finden würde. Dagegen antwort ihm der Bauer: mich würde jetzo die Nacht umsahen, und so ich dann das Licht des Tags verliere, würde ich irr gehen und nit wissen, wohin ich kehren soll. Also erbarmt sich Sct. Sebald des Armen und that sein Gebet zu Gott. Nach Endung desselben sprach er zu dem Bauern, daß er sein Händ aufrichten und dann seine verlorne Ochsen wiederum suchen sollt. Als nun der arm Mann nach Geheiß Sct. Sebalds seine Händ aufhob, gaben seine Finger einen großen Schein, gleich den brennenden Lichtern, unversehrt von ihnen, davon der Arme, wie zu Mittentag, gesehen mocht, sucht seine Ochsen, und fand die, wie ihm Sct. Sebald gesagt hat.
Der heilig Mann Sebaldus hat Gewohnheit, daß er je zu Zeiten, um Andacht göttlicher Unterweisung willen der Menschen, gen Nürnberg ging, und bei einem Wagner sein Wohnung, und Herberg nahm. Und als zu Winters Zeiten ihn, aus zugefallner Krankheit, die Kält bezwang, bat er den Wagner ihm ein Feuer zu machen. Das weigert er, und saget, daß er nit Holz het. Dergleichen bat auch der heilig Sebaldus desselben Wagners Weib. Als ihm aber solches durch die Frauen, aus Geheiß und Furcht ihres Manns, auch abgeschlagen wurd, gebot er der Frauen, daß sie ihm die Eiszapfen vom Dach hineintragen sollt, das thät sie. Nach vollbrachtem Gebet Sct. Sebalds, das er zu dem allmächtigen Gott thät, wurden wunderbarlich dieselben Eiszapfen zu Feuer und Holz, bei dem sich der heilig Mann erwärmt. Da das der Wagner und sein Weib sahen, lobten sie Gott und bekannten Sct. Sebalds große Heiligkeit.
Nachfolgend hieß der heilig Mann demselben seinem Wirth, daß er ihm als einem Kranken, der durch sein hart Leben, große Kästigung und Abbrechen schwach worden war, auf dem Markt Fisch kaufen wollt. Wiewohl nun durch die Herrschaft, die auf der Burg zu Nürnberg ihr Wohnung hat, bei Verlierung des Gesichts geboten war, daß Niemand Fisch kaufen sollt, dieselb Herrschaft hätte dann zuvor kauft, wollt doch der Wirth den Vermahnungen und Ersuchen Sct. Sebalds gehorsam seyn. Und als er die Fisch kauft, wurd er betreten, und mit aufgesatzter Pön gestraft, und seines Gesichts beraubt, über den sich aber der gütig Gast Sebaldus erbarmet, thät sein Gebet zu Gott, und erlangt ihm wiederum sein Gesicht. Von diesem Wunderzeichen wurde sein Heiligkeit aber gar größlich erweitert.
Als nun der heilig Mann Sebaldus voll Tugend und Heiligkeit etwoviel Zeit daselbst zu Nürnberg und in dem Wald dabei, dahin er um Andacht und Beschaulichkeit willen kam, löblich und ehrlich verzehrt, auch jetzo den Lauf des elenden sterblichen Lebens vollbracht het, hat ihn der Allmächtig als einen getreuen Taglöhner und Arbeiter mit ewiger Glorie belohnen wollen, und aus Offenbarung Gottes und Empfindlichkeit seines sterblichen Abscheidens hat er sich zu den Leuten, bei denen er vor je zu Zeiten gewohnt het, gethan, und denen eröffnet, daß sein letzte Stund nun vor Augen wäre. Und nach christlicher Vorschickung und andächtiger Bereitung hat er seine Seele geopfert in die Hände des Herrn.
Da aber der selig Mann an sein Todbett kommen, haben ihn die Umstehenden, als sie sein Heiligkeit erkennt, gefragt, in welcher Erde er begehr begraben zu werden. Der hat ihnen befohlen, daß sie zween Ochsen nach seinem Tod an einen Wagen, darauf sie seinen Leichnam legen, spannen sollten, und an dem Ende, allda die Ochsen still stehen würden, sollten sie seinen Körper begraben. Das haben sie nach Befehl des heiligen Sct. Sebalds gethan, und zween ungezähmt Ochsen an einen Wagen, darauf sie die Bahr und den heiligen Leichnam hetten gelegt, gesetzt, die haben denselben Leichnam geführt bis zu Sct. Peters Kapellen, allda er jetzo ruhet und gar gnädiglich rastet, und über mannigfaltig Bezwengnuß und Anhalten, nit ferner gehen wollen, damit anzuzeigen, daß der heilig Leichnam sein Begräbnuß desselben Orts erwählt het.
Da nun Sct. Sebalds Begräbnuß durch die Inwohner zu Nürnberg gar erwürdiglich und mit Andacht gehalten wurde, begab sich, daß der Wachskerzen eine, die zu der Bahr des heiligen Leichnams, Gott zu Lob und dem heiligen Sct. Sebald zu Ehren, aufgesteckt ward, von dem Leuchter fiel. Das ersah ein Weibsbild, die um Andacht und Ehrerbietung des Heiligen zu solcher Begräbnuß kommen war, und in ihrem Gebet kniet, lief zu und richtet solche Kerzen mit großer Inbrünstigkeit wiederum auf. Zuhand, in Angesicht alles Volks, sprang ein großer eiserner Ring, den dieselb Frau um Bußwirkung willen ihrer Sünden an dem Arm trug, mitten entzwei, mit einem großen Hall, daß solchs männiglich hören mocht. Von solchem offenbaren Zeichen wurden abermals die Menschen zu mehr und größer Andacht und Lieb zu dem Heiligen bewegt, bestättigten den heiligen Leichnam mit gebührlicher Ehrerbietung und Würdigkeit, und bauten Anfangs über solch Grab, darein sie den Heiligen hatten gelegt, ein klein hölzern Kapellen. Als aber dasselb etliche Jahr also bestund, wurd es von dem Wetter angezündet und verbrennt, und der heilig Leichnam in die Kirchen des Klosters zu den Schotten, welches Kloster jetzo zu Sct. Egydien genennt wird, gefleht, so lang, bis daselbst wiederum ein ehrwürdiges Gotteshaus gebaut würde.
Da ging ein junger Mönch desselben Klosters zu dem Körper Sct. Sebalds, berührt den Bart des heiligen Manns, und sagt mit verächtlichem, vermessem Gemüthe dieses Spottwort: Eia, du alter Greis, wie manch Menschen hast du dein Tag betrogen; zuhand hub der todt Körper die rechte Hand auf und schlug dem Mönch das ein Aug aus, davon erschrack der Mönch, kläglich schreiend, also, daß die andern Mönch zuliefen, und mit ihm den heiligen Sct. Sebald um Vergebung dieses Uebels und Wiedergesundmachung andächtiglich anruften. Also setzt der todt Körper dem Mönch sein ausgeschlagen Aug wieder ein.
Nit lang als der heilig Körper in dieselben Kapell wie oblaut, gefleht war, wollt er (vielleicht aus dieser erzeigten Unehre oder sonderlicher göttlicher Schickung) sein Wohnung daselbst nit mehr haben, sondern wunderbarlich und unzweifenlich durch die englischen Geist ward der heilig Leichnam Sct. Sebalds wiederum an die vorige Statt, dahin er von den wilden ungezähmten Ochsen geführt, und etlich Jahr daselbst gelegen war, gebracht. Und wiewohl er von dem Volk zu Nürnberg mehr denn zu einem Mahl in das Kloster geflehet, wurd er doch allemal wiederum an voriger Statt gefunden. Allda wurd ihm ein herrlichs, schöns Münster zu bauen angefangen, das auch nachfolgend erwürdiglich vollbracht ist.
Aus diesen großen Wunderwerken und öffentlichen Zeichen wurd dieser heilig Mann Sct. Sebald als ein Heiliger von dem Stuhl zu Rom canonisirt, und männiglich geboten, den als einen Heiligen zu ehren, deshalb er auch von den Bürgern und Inwohnern der Stadt Nürnberg als ihr sonderlicher Patron und Hauptherr angenommen ist. Sein Tag wird auch daselbst zu Nürnberg gar ehrwürdiglich gefeiert und gehalten am 19ten Tag des Monats Augusti, allda sein heiliger Leichnam an solchem Tag und Fest durch die Bürger des Raths und der ehrwürdigen Priesterschaft, mit Nachfolgung einer großen Menge Volks, in einem silberen Grab oder Sarg öffentlich und mit sonder Andacht getragen, und als ein sonderlicher Fürbitter und Schützer gemeiner Stadt Nürnberg nit unbillig geehrwürdiget wird, und soll Niemand zweifeln, dieweil die Stadt Nürnberg Anfangs bei geringem Stand und Vermögen gewest, daß ihr Aufnehmen, Wohlfahrt und Regiment durch die Gegenwärtigkeit des heiligen Leichnams, und das sonderlich getreu Fürbitten ihres Patrons, Haupt- und Schutzherrn Sct. Sebalds von Gott dem Allmächtigen kommen und größlich gemehret sey.
Vor verschiedenen Jahren begab sich, daß ein Weibsbild, die etwa in Markt Erlbach gesessen und in die Stadt Nürnberg häuslich gezogen war, an dem Tag und Fest Sct. Sebalds wie an einem andern Tag arbeitet. Und als sie von ihren Nachbarn darum gestraft, und ihr angezeigt wurd, daß desselben Tags das löblich Fest des heiligen großen Nothhelfers und getreuen Fürbitters ihres Hauptherrn Sct. Sebalds gehalten würde, den sie mit andern billig feiern und ehren sollt, gab sie die Antwort, warum sie feiern und ehren sollt, dann zu Erlbach wüßt Niemand wer Sct. Sebald wäre, wollt auch über alle Ermahnung von ihrer Arbeit nit abstehen. Alsbald strafet sie Gott der Herr, daß sie ganz erblindet. Deß erschrack sie, klaget und weinet jämmerlich. Da ermahnten sie ihre Nachbarn, daß sie Sct. Sebald um ihre Gesundheit getreulich anrufen sollt, den sie davor hett beleidigt. Das thät sie mit großer Andacht, gelobt auch hinfüro seinen Abend jährlich zu fasten und seinen Tag zu feiern. Alsbald ward sie durch Fürbitt und Gnad dieses heiligen Nothhelfers wiederum gesehend. Deß dankt sie Gott, leistet auch ihr gethanes Gelübd mit sonderm Fleiß.
Vergangene Zeit kamen sechs Pilgram in die Stadt Nürnberg, des Fürsatzs, gen Rom zu den heiligen Stätten zu wallen. Und als sie das Münster des heiligen Patrons Sct. Sebalds und sein ehrwürdige Begräbniß heimsuchten, auch sein große Heiligkeit und Wunderwerk öffentlich vernahmen, ruften sie zu ihm, bittend, daß er sie heilsamlich und sicher gen Rom, und wieder anheims beleiten, und vor Fährlichkeiten bewahren, verhießen auch einmüthiglich, daß sie alsdann, so sie wiederkommen, und sich auf ein Tagreis gegen Nürnberg nahen würden, barfuß zu seinem Grab kommen wollten. Und da sie in das Welschland, und schier gen Rom kamen, wurden sie durch etlich Straßräuber mit Gewalt angerennt, die sie auch unterstunden zu berauben. Aber dieselben Pilgram aus einer sondern tröstlichen, unzweiflichen Hoffnung, die sie zu Sct. Sebald hetten, wurden gegen diese Beschädiger ermahnt, zuckten ihre Wallstecken, und nit allein erwehrten und hielten sie sich derselben mit Gewalt auf, sondern fingen sie auch, und führten die bis nahen gen Rom, da sie getrauten vor ihnen sicher zu seyn, allda ließen sie die wiederum von ihnen kommen. Als sie nun am Wiederweg waren, und auf vier Meil Wegs zu Nürnberg kommen, wurden sie von zweien Straßbeschädigern, die mit ihrem Harnisch und Wehre gerüst waren, nämlich der ein mit einem gespannten Armbrust, der ander mit ausgezogen Schwerdt, abermalen angewendet und benöthigt ihr Habe aufzulegen. Aber diese Pilgram, in Bedacht voriger Hilf, die ihnen durch den heiligen Sct. Sebald erzeigt war, gewunnen wiederum ein Herz und gute tröstliche Hoffnung, ergriffen ihre Stecken, erwehrten sich dieser Straßräuber, drangen auch ihnen beeden ihre Wehre ab, machten sie beede flüchtig und wehrlos, welche abgedrungene Wehre sie auch mit entblößten Füssen, zu einem Zeichen großer empfangener Gnaden, zu dem Grab dieses heiligen Sct. Sebalds brachten, und erzählten diese Geschichten dem Pfarrer Sct. Sebalds Gotteshaus, Herrn Albrechten Krauter, der das allem Volk öffentlich verkündigt und dasselbig Schwerdt zu Sct. Sebalds Grab ließ henken, allda es noch hängt.
Ein Bäuerinn, bei der Stadt Nürnberg seßhaft, hett gar ein große Lieb zu dem heiligen Sct. Sebald und verhieß ihm ein Opfer zu bringen. Als sie aber das aus zugefallner Schwachheit nit leisten mocht, gab sie einem ihrer Nachbarn einen schönen, großen Käs, den zu Sct. Sebalds Grab zu bringen, und von ihrer wegen zu opfern. Aber der Bauer aus Reizung des Geiz, verwechselt denselben Käs, und bracht viel einen geringern Käs, dann ihm gegeben war, zu Sct. Sebalds Grab. Und als er den darauf legt, ward er zu Stund in einen harten Stein verwandelt und zu einem wahren Zeichen noch zu Tagen daselbst hangend.
Ein ehrbare Frau hett ein kleins Knäblein das ihr Enkelein, und Vater und Mutter beraubt war, bei ihr. Das fiel in Krankheit, die auch so heftig an ihm zunahm, daß es bei allen umstehenden Menschen mehr für todt, dann noch lebendig geacht wurd, meinten auch die Ahnfrau soll dasselb Kind lassen vergraben. Aber dieselb Frau, die Sct. Sebald allweg lieb gehabt hett, ruft mit großem Ernst zu ihm, flehend und bittend, dem Kind seinen Gesund und Leben mitzutheilen, gelobt ihm auch, daß sie alsdann so schwer Wachs, als das wäre, zu seinem Grab bringen wollt. Zuhand war dieselb andächtig Frau von dem heiligen Sct. Sebald erhört, daß das Kind ganz wieder erweckt und gesund wurde.
Es lag ein fromme tugendliche Jungfrau zu Nürnberg im Spital, die auch sechs ganze Jahr bettriß und ganz lahm gewest war. Und dieweil sie ein sondere begierliche Lieb und Neigung zu dem heiligen Nothhelfer Sct. Sebald hett, nahm sie ihr für, daß sie zu seinem Grab kommen wollt, in ganz zuversichtlicher Hoffnung, Gesundheit durch sein gnädig Fürbitt zu erlangen, eröffent auch dem Pfarrer daselbst, der ihr Beichtvater war, daß sie zu dem Grab kriechen wollt, und wiewohl der Pfarrer ihr solchs aus ihrer Unvermöglichkeit oft widerrieth, nochdann ließ sie sich durch Menschen aus dem Bett heben, kroch auch auf allen Vieren zu Sct. Sebalds Grab, den sie mit hoher inbrünstiger Andacht um Gesundheit anrufet. Alsbald wurd sie erhört, gesund und ganz grad, ging auch ohn aller Menschen hilflich Zuthun wohin die wollt, und verkündet das groß Zeichen jedermänniglich die mit ihr Gott den Herrn und den heiligen Sct. Sebald größlich lobten und preißten.
Ein andere ehrbare Frau hett ein Tochter, die war ob den vierzig Wochen krank und bettriß gelegen, der auch kein Arzt mit leiblicher Arznei helfen oder ihren Gesund herwieder bringen mocht. Also ruft die Mutter mit Innigkeit zu dem heiligen Sct. Sebald mit Verheißung, so ihr Tochter Gesundheit erlanget, daß sie Gott zu Lob und dem Heiligen zu Ehren ein Viertung Wachs zu seinem Grab bringen wollt. Alsbald wurde ihr Tochter wunderbarlich gesund und ihrer Schwachheit entlediget, darum sie beede der Mutter Gelübt vollstreckten und dem heiligen Sct. Sebald hohen Dank sagten.
Ein Handwerksknecht des Kürschnerhandwerks, als der auf ein Zeit in seiner Arbeit war, und ein Nadel in seinem Mund hielt, begab sich, daß er dieselb Nadel durch ein gähe stark Ansichziehen des Athems bis in den Hals verschlang, also, daß sich männiglich mehr seines Sterbens, dann des Lebens vermuthet. Der eilet auf Rath und Anzeichen etlicher Menschen zu dem Grab dieß Heiligen, ihn mit Andacht um Gesundheit anrufend, mit dem Verheißen, daß er ihm alle Jahr eine sondere Dankbarkeit erzeigen wollt. Alsbald nach vollbrachtem Gebet und seinem Wiederheimkehren wurd er durch ein stark Ausspurzen, oder Räuspern von solcher Nadel wunderbarlich erledigt. Zuhand ist er wiederum für Sct. Sebalds Grab niedergefallen, und hat das, so er vor gesagt hett, vor männiglich öffentlich wiederum verheißen.
Dieses großen Heiligen und sondern Nothhelfers Hülfe und Genad haben nit allein die Menschen auf dem Erdreich, sondern auch diejenen, so in Wassernöthen und Fährlichkeiten gewest seyn, mildiglich empfunden. Denn als auf ein Zeit ein Pilgram über Meer fuhr, erhob sich ein große Widerwärtigkeit und Ungestümmigkeit des Winds auf dem Wasser, solchermassen, daß der Mastbaum und Segel, auch die Anker des Schiffs ganz zerrissen, und einig Hoffnung des Heils den Schifffahrenden nit mehr zugegen war. In diesen Nöthen rufet derselb Pilgram um Hülf zu Sct. Sebald, und ermahnet seine Mitverwandten solchs gleicher Weis zu thun, die alsbald in großer Hoffnung diesen Heiligen anruften, und ihm alle Jahr ein sonder Ehrerbietung zu erzeigen verhießen. Zuhand erschien Sct. Sebald diesen Nothleidenden in Gestalt eines Wallers oder Pilgrams, und mit seinem Stecken, den er in Händen helt, verjaget er die gegenwärtige Ungestümmigkeit, und half dem Schiff zu Land, verschwand auch alsbald vor ihnen. Als nun der Pilgram wieder anheim kam, verkündet er das groß Mirakel allen Menschen, die vielmehr dann vor große Lieb und Andacht zu Sct. Sebald gewonnen.
Vor verschiedenen Jahren haben etlich alte, wahrhaftige und glaubwürdige Personen außerhalb der Stadt Nürnberg, nachfolgende große Wunderwerk, Zeichen und Mirakel, die sich an den Orten ihres Heimaths, bei der Kapellen, so in der Ehre des heiligen Patrons, Sct. Sebalds, gebaut ist, verlaufen und ereigt haben, einem Rath zu Nürnberg, auch den Verwaltern und Pflegern Sct. Sebalds Gotteshaus daselbst angesagt, und deß unter eines Notarien, oder offenbaren Schreibers, und glaubwürdigen Gezeugen Instrument und Schriften wahrhafte Urkund und Schein gebracht, solchs auch mit ihren geschwornen Eiden bestättigt.
Als etliche junge Knaben die Ziegel von Sct. Sebalds Kapellen daselbst herabrissen, damit auch leichtfertiges Spiel mit dem Schießen sich unterstunden zu treiben, und darnach in ein Weiher zu werfen, sind alle mit schweren Krankheiten belästigt worden.
Als die Kapellenmeister einem Werkmeister, solche Sct. Sebalds Kapellen um einen versprochen Lohn zu bauen versprochen, angedingt, auch der Werk- oder Baumeister deshalb, um solche Summe zu machen, angenommen und zugesagt hett, bedacht er sich in der Nacht, einen mehrern Gewinn oder Lohn zu haben. Alsbald wurd er mit schwerer Krankheit geplagt und ganz bettriß, und auf sein Bekennen, durch Fürbitt des heiligen Sct. Sebalds wiederum gesund gemacht.
Da die Werkleut solcher Kapellen an Wasser, zu dem Mörter und andern Baugezeug Mangel hetten, ist dem Baumeister Sct. Sebald erschienen, der ihm mit seinem Stecken ein Stein anzeiget, nahend bei der Kirchen. Und als der Baumeister mit sammt den andern Werkleuten solch Statt suchten und öffneten, entsprang ein lieblicher Brunn, der ihnen zu solchen Bau dienstlich war, und nothdürftig Wasser mittheilet. Sobald aber der Bau sein Endschaft hett, ist der Brunn wie vor ganz versiegt.
Ein Bauersmann, als der zu dem Gebäu desselben Sct. Sebalds Gotteshaus etlich Stein führet, stellt er sein Pferd in die Kapellen und füttert daselbst, sagend, daß Sct. Sebald nit anheims wäre. Alsbald sind dieselben Pferd gleich den Steinen unbeweglich worden. Und als sich dieser Bauersmann bekennet, die Pferd wiederum aus der Kapellen gangen.
Zu der Kapellen Sct. Sebalds sind drei gebachene Brot oder Kuchen gebracht und geopfert worden. Die wurden durch drei leichtfertig Personen, von dem Altar, aus solcher Kapellen, entwendet; sagend, daß Sct. Sebald nit hungert, so er doch die drei Kuchen so lang ungeessen hett liegen lassen. Da sie nun von der Kirchen schieden, und wieder anheims kehren wollten, gingen sie Tag und Nacht hin und wieder verirrt, unwissend, wo sie hinsollten. Also bekannten sie ihre Missethat und wurden wiederum den Menschen zugesellt.
Als ein Priester in Sct. Sebalds Gotteshaus die göttlichen Aemter versäumlich leistet, und an seinem Tag sich beschwerlich erzeiget den Gottesdienst zu vollbringen, wurde er mit schwerer Krankheit des Haupts angriffen, und auf sein Verheißen sich hinfüro zu bessern, ist er wiederum zur Gesundheit kommen.
Dieser heilig, groß Patron und Fürbitter Sct. Sebald, ist auch ein sonderlicher getreuer Nothhelfer allen Frauen, denen er wie gar oft erzählt, wunderbarlich geholfen hat, als das bei unserm Gedenken an manchfaltigen Orten beweißt ist, und noch täglich geschieht, also, so dieselben Frauen in Fähren und Nöthen gewest seyn, und sich bei ihnen vielmehr des Tods, dann Leben zu versehen gewest, so ihnen das Haupt dieses heiligen Patrons, das insonderheit bei seinem Gotteshaus zu Nürnberg behalten wird, gebracht, und sie damit berührt werden, daß sie von Gott dem Allmächtigen, durch Fürbitt des heiligen Sct. Sebalds, wunderbarlich erledigt seyn.