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Der Junker und der treue Heinrich

Nun horchet fein und lauschet still
Dem, so ich Euch erzählen will
Von Abenteuern seltner Art,
Wie ehmals hier gesehen ward.
Es ist dergleichen wohl bekannt
Und noch geschaut im fremden Land,
Doch wie vor Zeiten es geschehn,
Hat man allhier nicht mehr gesehn.
Nun aber will ich selb'ge Sachen
In schlichtem Deutsch zu Reimen machen.

In einer Stadt vor manchem Jahr
Ein Junker reich an Ehren war.
Faulenzen konnt' er nicht vertragen,
Stets musste fechten er und schlagen,
Sonst wurden ihm beim Müßiggang
Die Stunden und die Tage lang.
Der Edelmann ward mit der Zeit
Gar groß an Mut und Tapferkeit,
Tät man wo stechen und turnieren.
Der Junker mußte auch hofieren
Und liebt' ein Fräulein hochgeboren,
Das er in Minne sich erkoren.
Er dient' ihr treu und lange Zeit,
Dann widerfuhr ihm bittres Leid,
Dieweil die Herzgeliebte starb
Und seines Lebens Lust verdarb.
Die zarte Jungfrau bracht' ihn da
Durch ihren Tod dem Ende nah,
Und ein Tag nach dem andern zog,
Indem er große Trübsal pflog;
So ward es mir zu keiner Stund
Von Weibern noch von Männern kund,
Denn bitter schwere Schmerzen
Trug er in seinem Herzen.
Groß war darob der Eltern Not,
Es brachte ihnen frühen Tod,
So daß dem Junker dieser Art
Aus alter Sorge neue ward.
Nun hatte selb'ger einen Knecht,
Der gut war, tüchtig und gerecht
Und der, sofern ich recht gelesen,
Schon manches Jahr bei ihm gewesen.
Der brachte Trost ihm allerhand
Und sprach: »Kein Mann lebt hierzuland,
Der so wie Ihr voll hoher Ehre
Und gänzlich ohne Schande wäre.
Ihr solltet Euch des Leids begeben
Und fröhlich unter Menschen leben.«
Doch jener zu dem Knechte sprach:
»Mein Kummer und mein Ungemach
Wird nimmermehr vergehen
Und bis zum Grab bestehen.«
Berichtete man jüngst mich recht,
Hieß Heinrich der getreue Knecht.
Er sprach zu seinem jungen Herrn:
»Ihr habet Kampf und Ehren gern,
Ach, Junker, so entsagt dem Leid
Und macht der Freude Euch bereit,
Denn oftmals hab' ich hören sagen,
Man soll kein Leid zu lange tragen.
Und allzu schwer deucht mich die Last,
Mit der Ihr jetzund Euch befaßt.«
Am Ende sich der Edelmann
Auf des Getreuen Rat besann,
Der ihm gar wohlgemeint erschien.
Noch manche Stunde bracht' er hin,
Eh' er sein schweres Leid vertrieb,
Ein Stachel aber stets doch blieb,
Im Herzen quälend ihm zurück,
Dacht' er an das vergangne Glück,
Sein Lieb so hold und rosenrot,
Draus wuchs ihm immer größre Not.
Nun war ihm aber allerwegen
Und stets die Sippe angelegen
Und rühmten seinen jungen Leib
Und suchten gerne ihm ein Weib,
Das künftig für sein Leben
Ihm hätte Glück gegeben.
Doch lieh er dem kein willig Ohr,
Turnieren tat er wie zuvor,
Und hatte dessen kein Gewinn;
Sein Hof und Erbe ging dahin.
Ungerne mocht' es Heinrich leiden
Und tät gar oft dawider streiten.
Doch sprach sein Herr: »Geselle mein,
Ich habe all mein Lebtag fein
In Ehr' dahingelebet,
Nach Freud' und Ruhm gestrebet.«
So mußte Heinrich sich bescheiden,
Und es geschah zu diesen Zeiten,
Ein Herold kam geritten,
Mit feinen edlen Sitten,
Der tat ihm kund und offenbar,
Daß da ein stolzer König war
In Cypern fern gesessen,
Der hatte sich vermessen
Und wollte haben ein Turnier
Mit edler Herren reicher Zier.
Denn eine Tochter er besaß,
Die er beschenkte sonder Maß
Zu einem wunderlichen Ende:
Den er als Ritter kühn befände
Und der sich dann auf seinem Feste
Im Kampf erwiese als der Beste,
Dem wollte er die Jungfrau schenken
Und ihn auch später reich bedenken,
Denn einst, wenn er beschloß das Leben,
Wollt' er sein Königreich ihm geben.
Zu ihm, der weit und breit gepriesen,
Alsbald der Herold ward gewiesen,
Und als er vor sein Antlitz kam,
Der Junker froh das Wort vernahm
Und gab ihm Kleider und ein Pferd,
Wohl an die vierzig Gulden wert.
Des lobte ihn der Herold sehr
Und sprach: »Kein Ritter schenkte mehr,
War also hoch gesonnen,
Gott möge es Euch lohnen!«
Und schied mit frohen Sinnen
Und ritt alsbald von hinnen.
Der Junker ohne zu verziehn
Sprach: »Laß uns zu dem Hofe ziehn,
An den der Herold uns geladen,
Es bring' uns Nutzen oder Schaden.«
Und Heinrich: »Laßt's Euch nicht betrüben,
Nach Eurem Willen mögt Ihr üben,
Ihr könnet ja wohl selber sehn
Wie jetzo Eure Sachen stehn;
Zwei Höfe nur und noch ein Haus,
Dann ist's mit dem Turnieren aus.«
Der Junker eilends sprach: »So lauf
Und Höfe mir und Haus verkauf,
Und wurdest du es alles los,
Bestelle Pferde mir und Roß.
Wir müssen uns bereiten,
Gerüstet sein beizeiten.
Ich habe wohl vernommen,
Im Maie soll ich kommen.«
Die Tage zogen nun herbei,
Die nahe schon dem Monat Mai;
Da rief der Knecht und seufzte schwer:
»Ach Herr, kein Gulden bleibt uns mehr!«
Doch der: »Du sollst dich, Heinrich, fassen.
Gott wird uns nimmermehr verlassen,
Er half vor uns so manchem Mann,
Geh hin und zweifle nicht daran
Und bring, was nötig für die Fahrt.«
Heinrich also beruhigt ward
Und ging und brachte mancherlei,
Das not tat für die Fahrt, herbei.
Doch große Angst kam ihm am Ende,
Daß Übel ihnen wohl erstände
Aus allem, so sein Herr getan.
Nun höret meine Rede an,
Wie es der Junker ferner trieb.
Von allem Gut ein Hof nur blieb,
Den schenkte hold und mild gesinnt
Er Heinrich, seinem Weib und Kind.
Und also hoch beschenkt er ihn,
Weil er ihn hieß von dannen ziehn.
Des freute Heinrich sich gar sehr,
Entbot ihm Dank und große Ehr.
Nicht länger nun gezögert ward;
Mit höfisch ritterlicher Art,
Begann der Junker seine Fahrt
Sogleich mit dem Gesinde,
Und vorwärts ging's geschwinde.
Wie also er des Weges ritt,
Kam auch ein schmucker Ritter mit,
Voll freiem, frohem Mute,
Doch arm an ird'schem Gute.
Zum Junker hatt' er sich gesellt
Und meint', mit ihm wär's wohl bestellt.
Wie jeder nun auf seiner Reise
Dahinritt auf die eigne Weise,
Den Weggesellen er vernahm,
Wohin er ging, woher er kam.
Der Ritter alsobald begann:
»Sagt mir in Huld und Gnaden an,
Wohin geht heute Eure Fahrt?«
Und dieses ihm als Antwort ward:
»So möget Ihr vernehmen,
Ich will mich just bequemen
Und fahren in ein Land,
Das Cypern wird genannt.«
Drauf sprach der Ritter: »Ist dies wahr,
So mache ich Euch offenbar,
Es steht mein eigen Herz und Sinn,
Ihr möget's glauben, auch dahin.
Wir können nun zu diesen Zeiten,
Ist es Euch recht, zusammen reiten.«
Da rief der edle Junker schnell:
»Heinrich, mein trauter Herzgesell,
Geh' hin und richt' es fein und klug,
Und schaff' zum Nachtmahl mir genug,
Auch bringe mir ein Tuch herbei,
Von Sammet es und Seiden sei,
Das will ich ohn Bedenken
Sogleich dem Herren schenken.«
Doch Heinrich sprach: »Bei meinem Leben,
Bald ist das Letzte ausgegeben,
Dann ist's, o Herr, um uns getan.«
»Das fechte, Heinrich, dich nicht an!
Denn haben wir das Geld verzehrt,
Noch bleiben Rosse uns und Pferd,
Von ihnen können wir uns nähren.«
So sprach sein junger Herr in Ehren,
Und es versetzt Heinrich, der Knecht:
»Junker, Ihr habet wahrlich recht,
Ich tue Euren Willen gern.«
Und er bestellte seinem Herrn
Zum Nachtmahl Speis und Trank genug,
Dem Fremden ward das seidne Tuch.
Als dies geschehen, sonder Scham
Heinrich zum fremden Ritter kam
Und sprach: »Herr, höret mein Begehren,
Wollt Ihr in Zukunft mit mir zehren,
So müsset Geld Ihr hinterlegen.«
Und also sprach der fremde Degen:
»Ich bitte, höre, was ich sage:
Gibst du die Kost mir vierzehn Tage,
Will ich sodann in vierzehn Tagen
Für Eure Nahrung Sorge tragen.«
So ward der Junker auch beschieden.
Er sprach, er wär' es wohl zufrieden.
Und Heinrich schien also mit Fug
Zum Mahl das Beste gut genug.
Nach dem, so mir gekündet ward,
Ging frisch und rasch voran die Fahrt.
Der Ritter einst zum Junker sprach:
»Mich dünket Eurem Ansehn nach,
Ihr seid an großen Freuden reich
Durch eine Jungfrau engelgleich.«
Der Junker drauf sofort begann:
»Ach, trauter Freund, ich armer Mann!
Das dritte Jahr nun schon verfloß,
Seit rechten Glückes ich genoß;
Es nahm mein Lieb der bittre Tod,
Daraus entsprang mir viele Not.
Ich kann mit Zuversicht Euch sagen,
Daß ich in meinen künft'gen Tagen
Nie eine Maid so lieb gewinne,
Wie ich sie hatt' in treuem Sinne;
Nur sie war meines Herzens Freud,
Was man mir auch durch sie gebeut,
Dasselbe kann ich nicht versagen.«
Der Ritter ehrte solches Klagen
Und des Gefährten treuen Sinn.
Kaum waren vierzehn Tage hin,
Als Heinrich kühn sich unterfing,
Fein höflich zu dem Ritter ging
Und sprach: »Herr Ritter, hört, Ihr habt
Euch vierzehn Tage schon gelabt,
Nun zahlet unsre Kost hinfort,
Auf daß Ihr löset Euer Wort.«
Und der erwidert züchtiglich:
»Seid nur getrost, das tue ich
Des Morgens früh, des Abends spat,
Denn billig nur ist solche Tat.«
Als nun der Abend war gekommen
Und ihre Herberg sie genommen,
Da geizt er nicht, von allen Dingen
Ließ er in reicher Fülle bringen.
Doch hat nicht lange er gelegen,
Vor Tage ritt er seiner Wegen,
So wie ich höre und vermein',
War Gut und Habe allzu klein.
Kaum aber schien der lichte Tag,
War schon der treue Heinrich wach
Und hielt die Pferde all bereit,
Sein Junker kam zu selb'ger Zeit,
Zu fragen, ob er wohl vernommen,
Wo denn der Ritter hingekommen?
Da sprach der Wirt mit feinen Sitten:
»Herr Junker, er ist fortgeritten,
Vor Morgengraun ließ er das Haus
Und zog dahin mit Mann und Maus.«
Als Heinrich solches Wort vernahm,
Gar große Angst ihn überkam.
Er sprach: »Nun Junker, seht Ihr's schon,
Das ist für edle Tat der Lohn,
So an dem Ritter Ihr begangen.
Jetzt mag Euch wohl nach ihm verlangen.«
Der Junker drauf: »Dem wird noch Rat,
Wer weiß, was ihn bezwungen hat,
Daß er nicht hier geblieben.
Not hat ihn wohl vertrieben.«
Doch Heinrich sprach: »Ihn trieb's ins Feld,
Daß er nicht zahle unser Geld,
Man sollte ihn erstechen
Und solches an ihm rächen.«
Der Junker aber sprach zu ihm:
»Sei stille, Heinrich, und vernimm:
Was ihm an Ehren ward beschert,
Ist ihm von Gott dem Herrn gewährt.
Doch geh und laß mir diesen Morgen
Geschwind für eine Messe sorgen.«
Als nun die Messe war getan,
Da sagt' der Wirt dem Junker an,
Daß er bereiten wollt' das Essen.
Nicht kärglich war es zubemessen.
So blieben sie bei Speis und Trank
Und ihnen schien die Zeit nicht lang.
Wie sie nun saßen in der Runde,
Da bat der Wirt den Knecht um Kunde,
Wo denn der fremde Ritter her
Und wie zu ihnen kommen wär',
Und Heinrich alsogleich bereit
Gibt ihm mit Freuden so Bescheid:
»Er ist fürwahr ein böser Wicht,
Er hat ein schlimmes Angesicht,
Schlecht ist sein Wort und schlecht sein Rat
Und schlecht sein Sinn und seine Tat.
Der Teufel hole seine Art!
Er kam zu uns auf unsrer Fahrt
Und frug, ob wir ihn wollten leiden,
Er wolle ferner mit uns reiten.
Ich sollte zahlen seine Zechen,
Doch gab er gleich mir das Versprechen,
Er wollte dann nach vierzehn Tagen
Für unsre Nahrung Sorge tragen.
Er tat es nur die eine Nacht.
Da solches er an uns vollbracht,
So wünsch' ich, daß ein böses Jahr
Und Unheil viel ihm widerfahr'.
Der Schurke wäre es wohl wert!
Nun haben alles wir verzehrt
Und wären doch mit Nutz und Frommen
Bis nach Venetien gekommen.«
Der Junker hörte dieses an,
Mit holder Rede er begann:
»Heinrich,« so sprach er sanft und weich,
»Der gute Gott im Himmelreich
Wird uns durch seine Gnaden
Auch ferner wohl beraten.«
Darauf sprach Heinrich wohlgemut:
»Ich glaube gern, daß er es tut
Und daß er unsrer noch gedenkt,
So lang die Pferde uns geschenkt.«
Nun mußten sie es leiden,
Vom ersten Rosse scheiden,
Und mit zwei Rossen nur die Fahrt
Aufs neue froh begonnen ward.
Sie lagen dann und harrten still
Fern in Venedig im April
Und blieben eine lange Zeit,
Bis daß die Schiffe all' bereit,
Die fuhren in das fremde Land,
Das uns als Cypern ist bekannt.
Da starb des Junkers bestes Pferd,
Wohl an die vierzig Gulden wert.
Und Heinrich sprach mit trübem Sinn:
»All unser Habe ist nun hin,
Der Fahrt hab' ich geringe Lust.«
Sie kamen drauf nach Famagust,
Das ist die größte Stadt im Land,
Und Heinrich sprach zum Herrn gewandt:
»So soll ich denn die Schande sehn,
Daß Ihr jetzt müßt zu Fuße gehn?
Ach, ließt Ihr schalten mich und walten,
Ihr hättet Roß und Pferd behalten!
Nun kommt und folget alsobald
Mir hin zu jenem grünen Wald,
Dort sollt Ihr stille wartend bleiben
Und Euch die Zeit so lang vertreiben,
Bis ich zu Euch zurückgekommen.
Hilft Gott, so schaffe ich Euch Frommen.«
Indes der Knecht von dannen eilte,
In süßer Rast der Junker weilte.
An eines kühlen Bächleins Rand
Er bald ein lauschig Plätzchen fand,
Und wonnereich der Wald ihm schien.
Gar munter trabte Heinrich hin
Zur Stadt, vom letzten Pferd getragen;
Schnell ward ihm Antwort auf sein Fragen
Nach einem Wirte brav und reich.
Die Leute wiesen ihn sogleich
Zu einem, der dortselbst im Land
Als reich an Rossen war bekannt.
Den grüßte er und sprach sodann:
»Herr Wirt, ich bitt' Euch, hört mich an,
Ich tue Euch durch meinen Mund
Gar wundersame Märe kund.
Ich habe einen Herrn, dem ward
Sein Gut verzehrt auf unsrer Fahrt,
Weither ist er aus fernem Lande
Und lebte dorten ohne Schande;
Ihr könnt dem Degen nützlich sein,
So saget mir, wollt Ihr ihm leihn
Wohl Roß und Schimmel, Hengst und Pferd,
Und was er sonst von Euch begehrt?«
Der Wirt erwidert: »Herzlich gern«
Und rüstet für den edlen Herrn.
Indes saß in der Sonnen
Der Junker kühl am Bronnen,
Als auf die Blumen wundersüß
Ein Vogel sich herniederließ,
Und wie er senkte sich im Flug,
Ein Steinchen er im Schnabel trug.
Allwo der Junker staunend saß,
Legt' er es nieder in das Gras
Und stimmte an gar holden Sang.
Allein es dauerte nicht lang,
Hob es den Stein und ließ ihn fallen
Und ließ aufs neu den Sang erschallen
Mit hellem, wunderbarem Ton.
Nun saß es eine Weile schon,
Da flog es in das Gras wie eh
Und legt den Stein dort in den Klee.
Jetzt höret aber, was geschah.
Der Junker, der dies alles sah,
Sprach staunensvoll für sich allein:
»Herrgott, was treibt das Vögelein?«
Das aber fing zu singen an,
Weit schöner, als es je getan,
Und flog auf einen Baum hernach.
Der Junker aber zu sich sprach:
Senkt wiederum es sich zur Erden,
Möcht' ich des Steines habhaft werden.«
Da hob es zwitschernd sein Gefieder
Und ließ den Stein von neuem nieder
Und fing gar jauchzend an zu singen.
Der helle Klang mußt' weithin dringen.
Der Junker aber, sehr gewandt,
Warf einen Stein mit sichrer Hand,
So daß das Vöglein mußt entfliegen;
Den Stein ließ es im Grase liegen,
Der leuchtet hell wie ein Karfunkel,
Und wär' die Nacht auch noch so dunkel,
Er machte sie, ich rede wahr,
Durch seinen Glanz taghell und klar.
Als ihn der Junker nahm zur Hand,
Da konnt' er fliegen über Land,
Als ob er selbst ein Vöglein wär.
Des jauchzt und jubiliert er sehr.
Der Wirt war endlich nun bereit,
Vier schöne Pferde im Geleit
Und im Gefolg der Freunde viel
Ging's in den Wald mit Sang und Spiel.
Dem Wirt zu Seiten Heinrich ritt,
Den weißen Zelter führt' er mit.
Als kaum der Wirt den Junker sah,
Da wußt' er nicht, wie ihm geschah,
So schön und stattlich er ihn fand,
So reich und prächtig sein Gewand.
Von Herzen lobt' er ihn und pries
Und große Ehre ihm verhieß:
»Die Jungfrau werdet Ihr erjagen,
Gott wollte ewig Dank ich sagen,
Verlieh er gnädig Euch den Sieg!«
Der Junker nun sein Pferd bestieg.
Noch sah der Wirt zu keinen Zeiten
Bisher ein Roß so männlich reiten.
Sie trabten fürbaß miteinand,
Bis das Gefolg sich wartend fand.
Trommel- und Pfeifenklang erscholl,
Sie waren all des Lobes voll.
Ein Mann so ritterlicher Art
Von keinem je gesehen ward.
Ob reich, ob arm, ob groß, ob klein,
Er hielt sie alle insgemein
Des Grußes wert, der wackre Degen,
Und tat, wie edle Männer pflegen.
Als man nun in der Stadt vernahm,
Daß er mit viel Gefolge kam,
Da strömte schnell das Volk herbei,
Zu wissen, wer der Ritter sei.
Ein jeder zog des Weges mit,
Der eine ging, der andre ritt.
Den König insbesondre nahm
Es Wunder, wer von fernher kam.
Er ging mit seinen Frauen,
Den jungen Degen schauen.
Als kaum die Königstochter da
In seiner Schönheit ihn ersah,
Entbrannte sie in Minne
Und sprach in ihrem Sinne:
»O Herr, durch deine Güte
Den Jüngling mir behüte,
Auf daß der Preis ihm werd zuteil
Zum Glücke mir und ew'gem Heil.«
Auch in des Jünglings Herz entsandt
Ward jäh ein Pfeil aus Venus Hand,
Und alles ringsum auf ihn schaut.
Doch keine Kunde wurde laut,
Woher er wär' und wes Geschlecht,
Ob Herr, ob Ritter oder Knecht.
Indes fand er in kurzer Zeit
Beim Wirt ein schön Gemach bereit,
Zu letzen sich an süßer Ruh.
Da schickt man ihm den Truchseß zu,
Er solle ohn' Verweilen
Zum Mahl zu Hofe eilen.
Doch er entgegnete und sprach:
»Ich bitte, gönnt mir das Gemach,
Auf daß ich schlafe diese Nacht.
So manche habe ich gewacht;
Fern auf den wilden Wogen
Bin ich hierher gezogen.«
So ward der König denn beschieden,
Und gab sich gerne auch zufrieden.
Der Junker war auf sein Verlangen
Alsbald in sein Gemach gegangen.
Von seinem Fenster aus erblickt
Er sie, die just sein Herz entzückt,
In ihrer Kemenate gehn.
Da war es ganz um ihn geschehn.
Als Vögelchen fliegt er hinein
Flink in ihr offnes Fensterlein.
Die Jungfrau grade im Gebet
Auf ihren Knien zum Himmel fleht,
Den liebsten Freund ihr zu verleihn.
Da fliegt der Vogel ihr herein
Und flattert ohne Rast und Ruh;
Sie schlägt geschwind das Fenster zu,
Den Eingedrungnen rasch zu fangen,
Ward immer heißer ihr Verlangen.
Und hin und her in dem Gemach
Lief sie dem wilden Vöglein nach,
Doch konnt's nicht haschen, bis sich dies
Auf einem Bette niederließ.
Sie fing im Schleier es gewandt
Und hielt es endlich in der Hand.
Da ward das Vögelein zum Mann.
So großer Schrecken fiel sie an,
Daß Ohnmacht jäh sie überkam.
Er aber in den Arm sie nahm
Und küßte sie nach Herzenslust.
Wie sie so lag an seiner Brust,
In seinen Armen wohlgeborgen,
Sprach er zu ihr: »Seid ohne Sorgen,
Denn Jungfrau, wißt, daß ich es bin,
Derselbe Jüngling, der vorhin
Gezogen kam in diese Stadt,
Den, als er Euch gesehen hat,
Im Umsehn traf der Minne Strahl.
Des litt er bittre, große Qual.
Nun gibt mir Gott an diesem Tag,
Daß ich als Vöglein fliegen mag.«
Sie blickte ihn so freundlich an,
Den teuersten, den besten Mann.
An Antlitz und Gebärden klar
Ward ihr, daß er der Liebste war.
»Ach, trauter Herr,« sie sehnend sprach,
»Von dir kommt all mein Ungemach,
Nach dir nur muß mein Herze bangen,
Du bist mein einziges Verlangen.«
Mit ihrem schneeig weißen Arm
Umschlang sie ihn so innig warm
Und ließ den purpurroten Mund
An seinem ruhen manche Stund.
Und was die zwei da taten,
Ein Narr mag es erraten.
Indessen aber ging die Zeit,
Das Königsmahl war schon bereit,
Das kam dem Jüngling in den Sinn,
Er sprach: »Du Herzenskönigin,
Du tugendliches, holdes Lieb,
In Minnen mir jetzt Urlaub gib,
Auf daß ich schnell entweiche,
Kein Späher uns erreiche.«
»Ach scheide nicht, mein liebstes Leben,
Eh' einen Kranz ich dir gegeben,
Den sollst an deinem Helm du führen
Und ritterlich dich für mich rühren.«
»Gern, du mein Glück,« sprach er sogleich
Und nahm an sich das Kleinod reich.
Mit List den Weg zurück er fand,
Dem Knecht ward nichts davon bekannt.
Nun macht der Wirt das Mahl bereit,
Und Heinrich fand es an der Zeit,
Dem jungen Herren mitzuteilen,
Zu Speis und Trank herbei zu eilen.
Als just er auftat seine Tür,
Da kam der Junker schon herfür
Und sprach: »Viellieber Heinrich, schau,
Besieh dies Kleinod dir genau,
Nimm hin es und bewahr es gut,
Ich gebe es in deine Hut.«
Als der das Kleinod kaum erschaut,
Da rief er voller Staunen laut:
»Gott hat Euch wohl beraten
In dieser Kemenaten;
Wie tatet Ihr den seltnen Fund?«
Worauf der Junker sprach zur Stund:
»Niemand darf noch davon erfahren.
Auch dir kann ich nicht offenbaren,
Von wannen mir der Kranz gekommen,
Doch bringt er Nutzen mir und Frommen.«
Der Knecht ergriff das Kleinod reich
Und brachte es zum Wirte gleich:
»Herr Wirt, mein Junker hold und wert
Von Euch zu dieser Zeit begehrt,
Ihr sollt das Kleinod ihm bewahren!«
Der Wirt sprach klug und wohlerfahren:
»Soll ich die Wahrheit Euch gestehn,
Solch Kleinod hab' ich nie gesehn.
Bei Gott, des Huld es Euch beschert,
Viel tausend Gulden ist es wert.«
Fein zierlich faßte er den Schatz
Und trug ihn fort an sichern Platz.
Und Heinrich wußte ohne Sorgen
Das zarte Kränzlein wohl geborgen.
Das Mahl indessen ihrer harrt,
Und höflich bat nach Landesart
Der Wirt den Junker, sich zu setzen,
An Trank und Speise sich zu letzen.
Als dann das Essen abgetragen,
Kam Heinrich eilends, ihn zu fragen,
Ob ihm etwas zu Diensten wäre
Und was der edle Herr begehre.
Worauf der edle Junker sprach:
»Ich möchte gern am morg'gen Tag
Den Wirt gar reich bedenken,
Ihm schöne Kleider schenken,
Ihm und den Seinen allen
Nach ihrem Wohlgefallen.«
Und Heinrich, der getreue Knecht:
»Hochedler Herr, das scheint mir recht.«
Kaum blickt' des Morgens erster Schein
Zu Heinrichs Schlafgemach hinein,
So bat den Wirt er frank und frei,
Daß er ihm rasch behilflich sei,
Zu dreißig Kleidern Tuch zu holen,
Wie ihm der Junker anbefohlen.
Und länger wurde nicht geharrt,
Das Tuch dem Wirt gegeben ward,
Daß Frau und Kind und Freunde alle
Er kleide, wie es ihm gefalle.
Da rief der Wirt: »Beim Himmel, nein,
Das ist zu köstlich und zu fein,
Ich darf gewißlich es nicht leiden.«
Doch Heinrich sagte ihm bescheiden:
»Herr Wirt, mein Junker hat's getan.«
Am andern Morgen, auf der Bahn,
Sollt' man turnieren kühn und stechen.
Da tät der edle Junker sprechen,
Man solle niemand gehen lassen,
Und alle holen von der Gassen,
Ob Ritter sie ob edle Herren,
Ob Mannen oder Knechte wären,
Es solle doch sich keiner schämen,
Das Nachtmahl mit ihm einzunehmen.
Die Knechte und die edlen Herrn,
Die taten all' es herzlich gern;
Dem Junker wurde es nicht leid,
Er hielt ein trefflich Mahl bereit
Den Rittern und den Knechten,
Den Guten und den Schlechten.
Die frugen all' einander:
»Ist's Artus, Alexander?
Wer ist der Göttergleiche,
Der aller Ehren Reiche?«
Doch niemand dort am Platz sich fand,
Dem vor den andern war bekannt,
Woher der Junker wäre,
Der also reich an Ehre.
Derselbe Ritter, der geprellt
Ihn auf der Fahrt um Gut und Geld,
Sprach: »Ich bin jüngst mit ihm geritten,
Er scheint mir wohl von feinen Sitten.
Doch weiß auch ich Euch nicht die Mär,
Wie er genannt und wo er her.
Er gleichet einem edlen Herrn
Und schenkte mir im Norden fern
Ein seiden Tuch mit hohem Sinn,
Wofür ich stets ihm dankbar bin.«
Sie freuten alle sich der Kunde
Und lobten ihn aus einem Munde.
Und Reich und Arm, Hoch und Gering
Zur rechten Zeit zum Mahle ging.
Den Wirt der Junker warten hieß,
Daß er den Weg den Gästen wies;
Der stand am Tor mit all' den Seinen,
In Lobesworten sie sich einen,
Denn man empfing sie alle gleich,
Mit Ruhm und Ehren Arm und Reich.
Der Wirt mit Worten fein und gut
Die Gäste drauf zum Mahle lud.
Am Tisch sie fröhlich saßen,
Sie tranken und sie aßen,
Dann gingen sie zu munterm Tanz.
Dem Junker ward der schöne Kranz
Vom Knecht zur selben Stunden
Auf seinen Helm gebunden,
So daß ihn jedermann ersah.
Gar manchem drob viel Leid geschah.
Da packt' den Ritter auch der Neid,
Der auf der Fahrt zu seiner Zeit
Mit falschen Mannes Sitten
Von dannen war geritten.
Sogleich er vor den Junker trat,
Mit schlauer List ihn eilends bat,
Ihm um der Liebsten willen
Die heiße Gier zu stillen,
Und um ihr süßes Leben
Das Kleinod ihm zu geben.
Er sprach, dem nied'res Trachten fern:
»So nehmt es hin, ich geb' es gern«
Und nahm den Kranz vom Helme ab,
Dem fremden Ritter er ihn gab.
Der dankte heiß und inniglich,
Doch jedermann erstaunte sich,
Daß er ohn' Widerstreben
Das Kleinod hingegeben.
Als Heinrich diese Mär vernahm,
Zu seinem Herrn er eilends kam
Und rief: »Wer gab zu solcher Tat,
O edler Junker, Euch den Rat?
Der Schelmenritter sollt' sich schämen,
Das Leben sollte man ihm nehmen
Und fort ihn führen mit Gewalt.
In Schanden werd' er grau und alt!
Ich lass Euch, Junker, nun allein,
Will nicht in Euren Diensten sein.«
Der Junker bittend nun begann:
»Dann wäre es um mich getan.
Nein, nein, du darfst nicht von mir gehn.«
Und Heinrich rührte solches Flehn,
So daß er stille ward und blieb.
Die Gäste all' es heimwärts trieb,
Nach Schlaf und Ruhe sie verlangten,
Dem Junker abschiednehmend dankten
Da lud er alle, Groß und Klein,
Zum nächsten Tag von neuem ein,
Und jedem Gaste war es recht,
War er nun Ritter oder Knecht.
Sie schmückten sich zum nächsten Tag,
Als sie im eigenen Gemach.
Denn jeder dachte von den Degen,
Beim Feste Ehre einzulegen.
Der Junker auch sprach voller Sorgen:
»Sag an, wie schmücke ich mich morgen?
Zwar denk' ich weidlich mich zu rühren.
Doch was soll auf dem Helm ich führen?«
»In Treuen, Herr, daß Ihr es wißt,
Ein Hühnernest das beste ist,
Nichts andres ist hier wohl zu finden;
Ich will an Euren Helm es binden.«
Ein Hühnernest er baldigst fand
Und auf des Herren Helm es band;
Des war der Junker wohlgemut,
Dem treuen Knecht schien es nicht gut.
Als endlich nun der Sonne Macht
Vertrieben Dunkelheit und Nacht,
Da eilt' der Wirt nach seiner Weise,
Dem Gast zu geben Trank und Speise.
Der Junker drauf zur Messe ging,
Des Höchsten Segen dort empfing.
Zur Herberg dann zurück er eilt'
Und rüstete sich unverweilt.
Die Rosse er bereitet fand.
Nun sprach zu Heinrich er gewandt:
»Wenn ich dir lieb und teuer bin,
So tue ganz nach meinem Sinn
Und male mir, wie ich gewillt,
Geschwind ein Hühnernest aufs Schild.«
Und Heinrich mußt's mit Lachen
Dem Herrn zu Willen machen,
Der Junker stieg zu Roß sodann,
Mit ihm der Wirt und dreißig Mann;
Sie ritten alle auf den Plan,
Kein Ritter war noch auf der Bahn,
Doch kamen bald die edlen Herrn
Herbeigeströmt von nah und fern,
Als Erster fand sich der Geselle,
Der ihm die Krone nahm, zur Stelle.
Am Fenster lag mit seinen Frauen
Der König, prüfend zuzuschauen,
Wer seinen Speer am besten führe
Und welchem Held der Preis gebühre.
Auch lag die holde Jungfrau da;
Als kaum das Kränzlein sie ersah,
Da schwoll ihr Herz vor Freud und Lust,
Sie betete aus tiefster Brust,
Daß Gott ihr helf in ihrer Minnen
Und ihren Liebsten ließ gewinnen,
Sie wähnt, daß mit dem Kranze der
Ihr herzgeliebter Ritter wär',
Indes der Junker sich zuvor
Das Hühnernest aufs Schild erkor.
Zum Kampf schloß mancher das Visier,
Doch er, der edlen Degen Zier,
Kam ritterlich daher gerannt
Und führt den Speer mit sichrer Hand,
So daß der Kranz im Staube lag.
Ach, wie die Jungfrau da erschrak!
Sie wähnte ihres Herzens Degen
Gefallen und im Staub gelegen.
Manch einer kam noch angeritten
Mit höfisch ritterlichen Sitten,
Auf stolzem Rosse, mit Geleit,
Und hielt zum Kampfe sich bereit.
Der Junker fällte Mann um Mann,
Im kühnen Stechen stets gewann.
Ein Ritter weilte auch allda,
Der alle andern fallen sah,
Und wollte die Genossen rächen.
Doch konnte er nicht einmal stechen,
Im Staub er überwunden lag.
Der König voller Staunen sprach:
»Der Degen ist von seltner Art,
Noch keinem Gutes von ihm ward;
Die Ritter und die Knechte alle,
Er brachte jeglichen zu Falle.
Der Erste, der den Kranz getragen,
Im Umsehn wurde er geschlagen,
Dem Zweiten, der ihn rächen wollt',
War der Verwegne auch nicht hold,
Er schlug so kühn, daß Roß und Degen
War alsobald im Staub gelegen.
Den dritten Ritter er hernach
Im Handumdrehn zu Boden stach.
Darauf begannen sie zu weichen.
Wir sahen niemals seinesgleichen.«
Die Holde doch, voll Schmerz und Bangen,
War immer noch im Wahn befangen,
Daß es ihr herzgeliebter Degen,
Der mit den andern unterlegen.
Zu Gott sie im Gebet sich wandte
Und heißes Flehn gen Himmel sandte:
»Ach großer Gott, ach holder Christ,
Der mild du und allmächtig bist
Im Himmel und auf Erden,
Laß ihn den Meinen werden!
Der du der Menschen Ruhm und Preis,
Verleihe mir das blüh'nde Reis!
O höre, was mein Herz dir klagt,
Du süße Mutter, reine Magd,
Und fleh für mich bei deinem Kind,
Das deinen Worten wohlgesinnt
Und dich zur Mutter hat begehrt,
Daß meine Bitte es gewährt,
Daß seinen Knecht es gütig führe,
Damit als Preis ich ihm gebühre.«
Indes die Jungfrau also fleht,
Zu Gott sich wendend im Gebet,
Aufs neu berührt von kühnem Schlag
Der Kranzesritter unterlag.
Welch Schreck, als ihn, den sie ersehnt,
Gestürzt sie dort am Boden wähnt.
Es war der mit dem Hühnerneste
Von allen im Turnier der Beste.
Ein Wunder jeder in ihm schaut,
Und viele Stimmen wurden laut,
Ein jeder sprach und klagte sehr:
»Wer führte diesen Degen her,
Wer tut uns kund und sagt uns an,
Ob König er, ob Untertan,
Wes Blut er ist, von wann' er rührt,
Der dieses Nest im Schilde führt.
Sein Name ist uns unbekannt,
Doch wie er immer ist benannt,
Wir wissen, daß er kräftig schlägt,
Den Bösen wohl im Leibe trägt.«
Er achtet doch ihr Wort gering,
Fürbaß er stolz alleine ging,
Denn leicht war ihm zu Mute.
Das macht die Holde, Gute,
In deren süßem Dienst er war.
Die schien indes der Freude bar,
Es schuf ihr großes Ungemach,
Daß gar so schlecht ihr Ritter stach.
Doch hätt' die Wahrheit sich erwiesen,
Das Hühnernest hätt' sie gepriesen.
So ging es weiter Schlag um Schlag
Und währte fast den ganzen Tag,
Bis müd' die Ritter und die Mannen
Und ritten männiglich von dannen.
Der Junker auch ritt heimatwärts
Und große Freude barg sein Herz,
Als Tapferster ließ er die Bahn.
Nun langt er in der Herberg an,
Und einen Boten er erblickt,
Der von dem Könige geschickt
Mit höfisch feinen Sitten
Zum Mahl ihn soll entbieten.
Er dankt mit wohlgesetztem Wort:
»Verzeihet mir, ich kann nicht fort,
Ich selber lud zu frohem Feste
Die Ritter ein als meine Gäste.
Sie sollen bei mir bleiben,
Die Nachtzeit mir vertreiben.«
Der Bote, der das Wort empfing,
Alsbald zurück zum König ging;
Wie der die Botschaft drauf vernahm,
Gar großer Zorn ihn überkam.
Er rief: »Was soll mir diese Märe,
Nur mir steht zu des Hofes Ehre,
Allein so scheint's mir jetzt mit nichten,
Ein andrer übt des Wirtes Pflichten.«
Der Truchseß aber sprach mit Ruh
Ihm Trost in klugen Worten zu:
»Herr König, sollt' es Euch belieben,
Das Fest bis morgen aufzuschieben,
Mich dünkt, Ihr werdet ihn nicht missen.«
Der König drauf: »So laßt's ihn wissen,
Denn ich gedenke es zu tun.«
Der Junker hat inzwischen nun
Helm, Speer und Rüstung abgetan
Und hebt zu seinem Knechte an:
»Ich will jetzund der Ruhe pflegen
Und mich ein wenig niederlegen,
Laßt mich ein Weilchen drum allein.«
Und Heinrich drauf: »So soll es sein«
Und schloß die Türe hinter sich.
Doch ehe lange Zeit verstrich,
Der Junker an das Fenster flog,
Wohin sein Herzenslieb ihn zog.
Dort wandelte alleine
Die Engelgleiche, Reine,
Und in der Kammer, da sie ging,
Sie minniglich den Freund empfing.
In Liebe sie sich setzten,
Von Herzen sich ergetzten.
So wie es kündet dieses Lied.
Als endlich er von dannen schied,
Begann holdselig sie zu sprechen:
»Daß deine Schmach du mögest rächen
Helf Gott zu kämpfen dir und siegen,
Das Hühnernest soll unterliegen
Im Staube binnen kurzer Zeit.«
Und er entgegnet: »Holde Maid,
Was heut' mißglückte meinen Händen,
Will morgen ich zum Bessern wenden.
Doch bitt' ich Herzenströsterin,
Laßt jetzo mich von hinnen ziehn,
Weil Ritter ich und Knechte gut
Zu mir zu frohem Mahle lud.«
Da kündete sie ihm die Märe,
Wie sehr ergrimmt ihr Vater wäre,
Wie zornig und wie unzufrieden,
Daß er den Hof so kühn gemieden,
Und bat, er möge nach dem Mahl
Mit seiner edlen Gäste Zahl
Schnell unverwandt zu Hofe eilen
Und ihr zu Liebe dort verweilen.
Er sprach: »Gern, edle Königin,
Du meines Herzens Trösterin.«
Nun ging und eilte schnell die Holde
Und holte eine Kron' von Golde,
Die war so wunderschön und fein,
Von herrlich funkelndem Gestein.
Sie wollte sie dem Freunde schenken
Zu seiner Liebsten Angedenken.
Das Kleinod sollte stets von neuem
Ihm Kraft und Tapferkeit verleihen.
Von Herzen küßten sich die beiden,
Dann mußte er von hinnen scheiden.
In seiner Kammer, da er schlief,
Geschwind er Heinrich zu sich rief,
Das Kleinod dem Getreuen wies:
»Heinrich, komm her und schaue dies,
Die Krone wurde mir verliehn.«
Dem Knecht ein reicher Schatz es schien,
Er sprach: »Bezahlt wird Speis und Trank,
Des zollen wir der Krone Dank
Und ihrem köstlichen Gestein.«
Ein Wunder schien es ihm zu sein,
Durch das dem jungen Herrn in Eil'
Das schöne Kleinod ward zuteil;
Und er gedacht' bei sich am Ende,
Daß Zauberei sein Herr verstände.
Er eilte fort, den Helm zu finden,
An ihn die Krone schmuck zu binden.
Dann ging er eilends in den Saal,
Allwo bereitet stand das Mahl,
Und dacht' für sich in seinem Sinn:
»Die Krone geht ihm wohl dahin,
Die bleibt ihm nicht auf seinem Helm,
Er gibt sie auch dem Ritter Schelm,
Drob mache ich mir keine Sorgen,
Er findet eine andre morgen.«
Nun nahten Gäste wohlgemut
Und taten sich am Mahl zugut;
Da kam ein Ritter auch gegangen,
Mit großer Ehr' ward er empfangen,
Zum Junker neigt er sich sofort
Und alle lauschen seinem Wort:
»Der König hat mich hergesandt,
Ich tue männiglich bekannt,
Daß, wie Ihr heute hier vereint,
Am morg'gen Tag bei Hof erscheint.«
»Gern«, sprach der Junker, »tun wir dies.«
Der Ritter drauf den Saal verließ.
Am selben Tische aber saß
Der Kühne, der sich jüngst vermaß,
Den Kranz des Junkers zu gewinnen.
Er dachte sich mit neid'schen Sinnen:
»Bei Gott, dem Vater und dem Sohne,
Besäßest du die goldne Krone,
Die dort auf seinen Helm gebunden,
Du hättest all dein Heil gefunden.«
Als nun das Essen war vorbei,
Rief sie der Junker frisch und frei:
»Kommt mit mir an den Hof, Ihr Herrn!«
Sie folgten ihm und taten's gern.
Gar reiche Kleidung ihn umfloß,
Die größten Freuden er genoß,
Ein jeder sah ihm freundlich nach
Und voller Staunen also sprach:
»Wir sahen nie in diesem Reich
Noch einen Ritter, der ihm gleich
War an Gestalt und Wesen.
Gott hat ihn auserlesen.«
Sie mußten endlich heimwärts ziehn,
Ihm folgten Degen schmuck und kühn,
Die jüngst mit ihm zu Mahle saßen.
Stolz ritt er über alle Maßen
Bei Pfeifen- und Trompetenklang.
Drauf harrten sie bei gutem Trank
Noch lange in der Herberg' aus.
Dann dachten alle still nach Haus,
Weil jedem viel am nächsten Tag
Und seiner Waffen Ehre lag.
So dankten sie mit holdem Wort
Und gingen darauf eilends fort.
Der Ritter nur, dem Herz und Sinn
Stand nach der goldnen Krone hin,
Verharrte noch am selben Platz
Und bat den Junker um den Schatz,
In Güte mög' er sie ihm schenken,
In der Geliebten Angedenken.
Der sprach: »Ich will's, bei meinem Leben,
Geht, laßt sie Euch von Heinrich geben.«
Der Ritter kam zurück und klagte,
Daß Heinrich ihm den Schatz versagte.
Allein der Junker nahm alsbald
Dem Knecht die Krone mit Gewalt
Und schenkte sie dem edlen Gast;
Der hielt nicht länger bei ihm Rast
Und dachte: »Hiermit wirst du stechen
Und alle deine Unbill rächen.
Die Krone dich besiegen läßt
Den Ritter mit dem Hühnernest.«
Als sie zur Ruh sich wollten legen,
Sprach zu dem Knecht der junge Degen
»Nun Heinrich, rate mir und sprich,
Was führ' auf meinem Helme ich?«
Und Heinrich drauf erwidert frisch:
»Ei Junker, einen Ofenwisch!«
Und keine Ruh der Treue fand,
Bis auf den Helm er einen band,
Auch auf dem Schild mit eigner Hand
Ein schöner Ofenwisch entstand.
Des hatte Heinrich seinen Spott
Und sprach: »Ich bin gewiß, bei Gott,
Der Ofenwisch wird morgen siegen,
Die goldne Krone unterliegen.«
Da lacht' der Junker herzlich laut.
Wie nun der nächste Morgen graut,
Sprach er zu seinem Wirte frei:
»Der Herr steht uns gewißlich bei,
Wenn wir zur Messen uns bequemen,
Sein heilig Wort dort zu vernehmen.«
Wie drauf vollbracht die Litanei,
Kam Heinrich alsobald herbei.
Er öffnete des Stalles Tür
Und bracht' die Rosse all herfür.
Gewappnet unter Spiel und Klang
Der Junker sich zu Pferde schwang,
Viel Volkes blickte ihm da nach,
Und jeder sprach: »Kaum ist es Tag,
Doch deucht es uns, dies ist der Degen,
Der gestern kämpfte so verwegen.«
Noch niemanden traf auf dem Plan
Der Junker beim Turnieren an,
Doch nahte in der Ferne schon
Der Ritter mit der goldnen Kron'.
Der fühlte sich zur Tat bereit
Und rüstete alsbald zum Streit.
Allein der Junker nicht verweilte,
Dem Ritter er entgegeneilte.
Sein kühner Streich ihm wohl gelang,
Der Feind besiegt zu Boden sank.
Inzwischen war der Tag gekommen,
Der König hatte Platz genommen
Allda mit allen seinen Frauen,
Den edlen Kämpen zuzuschauen.
Die Königstochter auch war da,
Zur Stund ihr großes Leid geschah,
Der Ritter mit dem Ofenwisch
Stach gar zu mutig und zu frisch,
Sie wähnt, daß mit der Krone der
Der wunderholde Jüngling wär',
Den heiß sie minnt im Herzen;
Das bringt ihr große Schmerzen.
Als vom Turniere sie vernahmen,
Die andern Ritter eilends kamen
Zum Plan hinaus in großer Schar,
Der Degen wurden sie gewahr,
Des, der die goldne Krone trug
Und jenes, der so kühn ihn schlug.
Der mit der Kron' macht sich bereit,
Der Junker läßt ihm keine Zeit
Und also schnell er in ihn dringt,
Daß Mann und Roß zu Boden sinkt.
Die Jungfrau darob schier verzagte,
Der König aber freundlich sagte:
»Fürwahr, das ist der gleiche Degen,
Dem gestern alle unterlegen,
Der Ritter mit dem Hühnerneste!
Er ist der Stärkste und der Beste.«
Als kaum der König noch geendet,
Hat sich der Junker schon gewendet,
Mit seinem Speere unverwandt,
Streckt er den Zweiten in den Sand.
Jedwedem Ritter fern und nah
Das gleiche Leid durch ihn geschah.
So trieb er's fort bis in die Nacht,
Bis seinen Willen er vollbracht.
Im Kreise blickte jedermann
Ihn als ein hohes Wunder an,
Und jeder staunte, wer er wäre.
Jetzt höret weiter meine Märe:
Der König seinen Knecht entsandte
Zu fragen, wer der Unbekannte
Mit seinem Ofenwische sei.
Wie nun der Abend kam herbei,
Da schickten sich die Ritter an
Und ritten alle von der Bahn,
Sie alle, Heimische und Gäste.
Der Junker aber war der Beste,
Und fröhlich sprengte er von dannen,
Ihm nach der Wirt mit seinen Mannen.
Der Knecht folgt heimlich ihrer Spur,
Und in der Herberg er erfuhr
Vom Junker die erwünschte Kunde.
Zum König eilte er zur Stunde
Und bracht' ihm treulich den Bescheid.
Noch saß allda die süße Maid
Und lauschte schweigend seinem Wort.
In ihre Kammer eilt' sie fort,
Wo sie der Freude übergroß
Und hoher Seligkeit genoß.
Des Liebsten dacht' sie minniglich
Und wünschte sehnend ihn zu sich.
Der Junker wie am vor'gen Tag
Schloß heimlich sich in sein Gemach.
Als fort er legte das Gewand,
Aufs neu er sich ein Vöglein fand,
Das flog sogleich zum Fensterlein
Zur Liebsten Kammer flink hinein.
Die Holde dort alleine war,
Des Kummers und der Sorge bar.
Als kaum den Junker sie erschaut,
Spricht sie so milde und so traut:
»Willkommen, du mein holder Knecht!
Mein Liebster, du erquickest recht
Mit frischem Maientaue
Des Herzens süße Aue,
Drauf meine große Seligkeit
In Blüten steht für alle Zeit!«
Er sagte: »Du mein Glanz, mein Leben,
Ach, wolle Gott mir gnädig geben
Den Sieg durch unsre heiße Minne,
Daß ich durch wackren Kampf gewinne
Die Ehre, so Ihr mir getan.«
Sie frag: »Was focht dich, Liebster, an,
Daß du nicht führtest Kron' und Kranz,
So köstlich und von edlem Glanz?«
Drauf er: »Ich ward mit holden Reden
Um deinetwillen drum gebeten,
In unsrer Minne Angedenken,
Drum mußte beides ich verschenken.
Verzeihe mir, du holde Maid!«
Da sprach sie voller Lindigkeit:
»Hast solches du für mich getan,
Mein Freund, ich nehme es nicht an,
Und billig ist's, so wahr ich lebe,
Daß ich dir deine Schuld vergebe.«
Nun sucht die Jungfrau unverwandt,
Bis daß sie eine Kappe fand,
Die war so köstlich und so fein
Gestickt mit Perlen und Gestein.
Dann bat die wunderholde Maid,
Daß er ihr leiste einen Eid,
So lange sie noch wär' am Leben,
Den Schatz nicht aus der Hand zu geben.
Er sagte: »Holde Blume mein,
Gern soll dein Wunsch erfüllet sein.«
Nun durften sie nicht länger weilen,
Sie mußten all' zu Hofe eilen,
Auch er, der aller Ritter Preis.
Sie sprach zu ihm: »Mein blühend Reis,
Es darf nicht fürder währen,
Den Vater muß ich ehren.«
Da drückte er sie an den Leib,
Das süße auserwählte Weib.
Und flog in sein Gemach zurück
Und war zufrieden und voll Glück.
Es kam, als kaum daheim er war,
Der Ritter eine große Schar,
Sie wollten nach dem Junker sehn
Und dann mit ihm zu Hofe gehn.
Er hieß sie warten eine Weile,
Er woll' bereiten sich in Eile,
Und ging und kleidete sich an;
Zu Hofe eilten sie sodann.
Dem Junker vor den andern ward
Sehr große Ehre dargebracht.
Man hieß ihn sitzen über allen,
Das mochte ihm gar wohl gefallen.
Als alle nun am Tisch gesessen,
Versah man sie mit gutem Essen
Und schenkte ihnen edlen Wein
Und hieß sie guten Mutes sein.
Ein Knecht trat eilends in den Saal,
Als drauf beendet war das Mahl;
Mit vielen flinken Mannen
Trug er den Tisch von dannen.
Dann tanzten alle einen Reih'n
Beim Saitenspiele Groß und Klein.
Der Junker frisch im Tanz sich schwang,
Und manches frohe Lied erklang;
Viel Freude ihm und Glück geschah,
Denn auch die liebste Maid war da.
Manch Kurzweil sie noch trieben,
Dieweil sie dort verblieben.
Es wurde tiefe Nacht zuletzt,
Sie hatten sich genug ergetzt
Und traten auf den König zu
Und wünschten alle gute Ruh.
Die Jungfrau heimlich Leid gewann,
Daß von ihr schied der liebste Mann.
Der kam mit edlen Sitten
Aufs neu zur Stadt geritten.
Allüberall man auf ihn sah,
Sie sprachen spottend hier und da:
»Wo ist der mit dem Ofenwisch,
Der also kräftig stach und frisch?
's ist als ob er verschwunden wäre,
Und diesem hier gebührt die Ehre.
Er hielt sich bis zuletzt verborgen,
Der Beste wird er sicher morgen.
Heda, Ihr Herren und Ihr Ritter,
Ich glaube wohl, es schien Euch bitter,
Was Euch der Ofenwisch getan?«
Viel Volkes sammelte sich an.
Der Junker früh am Tag erschien,
Die schöne Kappe zierte ihn,
Und in der Hand den Speer er trug;
Hin zog er ritterlich genug.
Die andern sprachen unter sich:
»Herr Gott, was ist es wunderlich,
Wie wird es heute uns ergehn?
Erst ließ ein Hühnernest sich sehn,
Das schlug uns an verfloßnem Tag
Schnell in den Staub mit kühnem Schlag.
Dann kam er mit dem Ofenwisch
Und stach so mutig und so frisch;
Nun kommt er mit der Kappe an,
Er dünket uns der gleiche Mann,
Und wie ein Vogel kann er fliegen;
Er wird uns allesamt besiegen.«
Da hob ein Ritter seine Stimme
Und redete in edlem Grimme:
»Soll euch der Mittag schlafend sehn?
Euch wird nichts anderes geschehn,
Als wie schon manchem widerfahren,
Laßt ab von müßigem Gebaren!
Der edle Ritter ist wohl wert,
Was ihm vom Himmel ward beschert,
Und übet mutig seine Stärke
An ritterlichem Tageswerke.
Auch uns gebühret frisches Regen,
Wohlauf, wohlauf, Ihr wackren Degen,
Greift Ihr nur an mit frohen Sinnen,
Vielleicht könnt Ihr im Kampf gewinnen.«
Und unter sich der Degen Schar
Sprach: »Höret ihn, er redet wahr.«
Sie standen all in kurzer Zeit
Zum Kampfe auf dem Plan bereit;
Allda hub an ein Stechen,
Ein kühnes Lanzenbrechen;
Und wie ein Vogel leicht und flink
Der mit der Kappe vorwärts ging.
Im Staub lag bald der erste Mann,
Der zweite folgte ihm sodann,
Und alle er zu Boden schlug.
Dem Junker brachte wohl genug
An reicher Ehre dieser Tag.
Die holde Maid am Fenster lag;
Voll hohem Glück von dort sie sah,
Was drunten auf dem Plan geschah.
Des Kappenritters mutig Spiel
Aus Herzensgrunde ihr gefiel.
Sie dachte: »Nun hat's keine Not,
Da er befolgte mein Gebot.
Durch mich ward seine Kraft vermehrt,
Gott hat mich gnädiglich erhört.«
Im Fenster an demselben Tag
Ein Fräulein ihr zur Seiten lag,
Zu dem sie sagte: »Mägdlein, sprich,
Sieh um dich und bescheide mich,
Wer will dir von den Rittern allen
Am besten beim Turnier gefallen?«
Das Fräulein folgte dem Befehl,
Dann sprach sie: »Herrin, ohne Hehl,
Vor allen mit der Kappe der
Fliegt wie ein Vogel flink daher.
Mit Recht die Ehre wohl gebührt
Dem Ritter, der die Kappe führt.«
Der Jungfrau dieses Wort gefiel,
Sie lag und blickte fürder still
Hinab auf das Getriebe,
Voll Glück und heißer Liebe.
Gar manchen Mann es wundernahm,
Woher die schöne Kappe kam.
Der König rief, der dort gelegen:
»Das ist der Degen aller Degen!
Kein Ritter ist an Mut so reich,
Kein Kleinod ist dem seinen gleich;
Schnell wie ein Vogel kann er fliegen,
Es muß ihm jeder unterliegen.
Wär der hier mit dem Hühnerneste,
Der neulich im Turnier der Beste,
Und jener mit dem Ofenwisch,
Der also tapfer schlug und frisch,
Er würde beide überwinden.
Kein zweiter Ritter ist zu finden,
Der sich so kühn zu schlagen weiß,
Und ihm allein gebührt der Preis.«
Da kam in seiner Mannen Mitten
Der Wirt just auf den Plan geritten,
Und eilends ward nach ihm gesandt,
Daß er dem König geb' bekannt,
Wo mit dem Hühnerneste der
Und mit dem Ofenwische wär'.
Der Wirt sprach: »Gern geb' ich Euch Kunde.
Derselbe ist es, der zur Stunde
Die Kappe auf dem Haupte trägt
Und alle Ritter mutig schlägt.«
»Bescheide mich zu dieser Frist,
Woher er kommt und wer er ist.«
»Herr König, übt Barmherzigkeit,
Des weiß ich selber nicht Bescheid,
Doch wer der Treffliche auch wäre,
Er schaffet seinem Namen Ehre.
Er hatte einen schönen Kranz,
Aus Gold und Edelsteinen ganz,
Den er beim Kampfe führen sollte,
Jedoch ein andrer Ritter wollte
Den Schatz zu seinem eignen Heil.
Der ward ihm alsobald zuteil.
Der Kranz, so man mich recht belehrt,
War wohl viertausend Gulden wert.
Statt seiner, der ihm doch gebührte,
Ein Hühnernest der Junker führte
Bei dem Turnier am ersten Tag.
Des Abends brachte er hernach
Nach Hause eine goldne Krone.
Bei Gott dem Vater und dem Sohne,
Man konnte keine schön're finden!
Auf seinen Helm ließ er sie binden;
Da kam der andre Ritter grad'
Und um die Krone schnell ihn bat,
Die wert war viele tausend Pfund.
Er gab sie willig ihm zur Stund.
Uns selbst hat er mit güt'ger Hand
Versehn mit köstlichem Gewand.«
Den König freute dieses Wort,
Zum Wirt gewandt sprach er sofort:
»Nun nennt mir der Gerichte Zahl,
Die er verzehrt beim frohen Mahl,
Weil alles ich bezahlen will,
Schein' es Euch wenig oder viel.«
Der Wirt drauf: »Herr, es sei getan«
Und ritt von neuem auf den Plan.
Das Stechen bald ein Ende nahm;
Und als der dunkle Abend kam,
Es keinen mehr am Platze litt,
Und jeglicher zur Herberg ritt.
Der Junker aber eilte nun
In sein Gemach mit list'gem Tun
Und zögerte darin nicht lang.
Durch's offene Fenster er sich schwang,
Damit die Liebste er begrüße.
Ihn grüßt mit holdem Wort die Süße:
»Sollst tausendmal willkommen sein,
Mein auserwählter Sonnenschein,
Du linderst meines Herzens Qual.
Wie hat mich doch der Minne Strahl
So ganz und gar durchschossen;
Du hast mit Tau begossen
Mein Herze und durchdrungen,
Sonst wäre es zersprungen.«
Und was die zwei da taten,
Ein Narr mag es erraten;
Hiervon will ich nicht weiter schreiben.
Nun konnte er nicht länger bleiben,
Sie ließ ihn unbeschenkt nicht scheiden.
Versehn mit köstlichen Geschmeiden,
Gefertigt von der Jungfrau Händen,
Mußt' er die Schritte heimwärts wenden.
Es nahte doch die Zeit indessen,
Da sie am Hofe sollten essen,
Sie fanden alles auf das beste.
Man bat zuerst die edlen Gäste,
Die Hände eiligst sich zu netzen,
Alsdann bei Tisch sich zu ergetzen.
Dort saß auf königlich Begehren
Ein jeglicher nach Ruhm und Ehren.
Gar schwer würd' es mir wahrlich fallen,
Wollt' ich von den Gerichten allen
Und von den edlen Speisen sagen,
Die darauf wurden aufgetragen.
Auch brächt' es niemand' Nutz und Frommen,
So will ich gleich aufs Nächste kommen.
Den edlen Rittern man befahl,
Als eingenommen war das Mahl,
Sich aufzustellen in der Runde;
Dann gab man ihnen frohe Kunde;
Daß morgen man erteilen wolle
Den Dank, den man dem Sieger zolle.
Das Wort behagte allen Gästen,
Denn jeder hielt sich für den Besten.
Vom Hofe jeder Abschied nahm.
Wie stolz der edle Junker kam,
Den Frauen Ehre zu entbieten!
Als drauf die Degen heimwärts ritten,
Dacht' jeglicher in seinem Sinn:
»Nur ihm gebührt die Königin.«
Der Junker ging in sein Gemach,
Zu seinem Knecht er also sprach:
»Nun eile, mein getreuer Knecht,
Zum Wirte und erfrage recht,
Was wir verzehrt und wieviel Gulden
Wir ihm für das Genoss'ne schulden.«
Der folgte eilends dem Befehl
Und sprach zum Wirte sonder Hehl:
»Herr Wirt, ich bitt' Euch, sagt geschwind,
Was wir Euch jetzund schuldig sind?«
Der Wirt drauf: »Hört und freut Euch dessen,
Was Ihr getrunken und gegessen,
Ist mir vom König schon bezahlt.«
Ach, wie da Heinrichs Antlitz strahlt!
Als er in seine Kammer ging,
Wie süße Ruhe ihn umfing!
In sanftem Schlummer er sich streckte,
Bis ihn des Junkers Stimme weckte,
Und als von ihr er jäh erwachte,
Wie froh er ihm entgegenlachte
Und sprach: »O werter junger Herr,
Vernehmt die wundersame Mär,
Ihr freuet Euch des Königs Huld!
Er tilgte alle unsre Schuld,
Nun mag uns Not und Kummer lassen!«
Das freut' den Junker sondermaßen,
Und Gott ward warm von ihm gepriesen
Für alles, so er ihm erwiesen.
Vernehmt nun, was er fürder tat:
Vor König er und Herren trat,
Mit feinem Anstand grüßt er sie
Und ließ sich nieder auf die Knie:
»Herr König,« rief er, »hört mich an!
Die Ehre, die mir angetan,
Kann ich Euch nimmermehr vergessen
Und Eure Güte nicht ermessen.
Nun halte ich für alle Zeit
Zu Euren Diensten mich bereit
So lang ich rüstig und am Leben.
Doch wollet jetzt mir Urlaub geben,
Daß ich heimfahre in mein Land;
Den Freunden dort ist unbekannt,
Ob ich lebendig oder tot.«
Der König aber ihm gebot
Noch kurze Zeit am Hof zu weilen,
Bis daß den Dank man würd' erteilen.
Zur Tafel gingen sie sodann,
Und alsobald ward jeder Mann
Gesetzt auf königlich Begehren
Wie tags zuvor nach Ruhm und Ehren.
Als drauf beendet war das Mahl,
Ergingen alle sich im Saal,
Und jeder hofft' mit Freud und Bangen
Die holde Jungfrau zu empfangen.
Der König aber ging zu Rate
In einer stillen Kemenate
Indes mit Rittern und mit Knechten,
Sie sollten nennen ihm den Rechten,
Dem da der Dank gebühr' mit Fug.
Der erste sagte, den er frug:
»Mir scheint von allen, Herr, der Beste
Ist jener mit dem Hühnerneste.«
Den zweiten fragte er hernach,
Der ohne Zaudern also sprach:
»Der kühnste Ritter, stark und frisch,
Ist jener mit dem Ofenwisch,
Darum, Herr, wenn es möglich wäre,
Ich gäbe ihm allein die Ehre.«
Der dritte zögert auch nicht lang:
»Dem mit der Kappe gebt den Dank.
Noch niemals hier gesehen ward
Ein Mann so ritterlicher Art.
Und ist es nur an mir gelegen,
Der Dank gebührt dem edlen Degen.«
Nun höret wohl, daß Ihr es wißt:
Der König sprach mit feiner List:
»So soll denn jeder von den drei'n
Des Kampfespreis' teilhaftig sein.
Dem Kappenritter hochgesinnt
Verleihe ich mein liebes Kind,
Das Reich will ich nach meinem Leben
Dem mit dem Ofenwische geben.
Der mit dem Nest soll es erhalten
Und es in Ehren mir verwalten,
So lang ich noch am Leben bin.«
Nun kam es niemand in den Sinn,
Es könne jeder von den drei'n
Der gleiche kühne Ritter sein.
Wie drauf der König es befahl,
Führt man die Holde in den Saal,
Die Ritter stellten sich im Kreis
Im Handumdrehn auf sein Geheiß.
Und in der Runde sollt' der Maid
Man geben dreimal das Geleit
Und schließlich führen sie im Flug
Zu jenem, der die Kappe trug.
Wie wurde da die Maid so rot,
Die sich in Liebespein und Not
Von Mann zu Mann geleitet sah.
Sie wußte nicht, wie ihr geschah,
Bis man zu ihm sie endlich führte,
Dem sie als Siegespreis gebührte.
Vor Scham sie rosenrot entbrannten
Und ihre Minne laut bekannten.
Zur selben Stund ward manchem Mann
Viel Schmerz und Kummer angetan.
Es muß auf ewig unterbleiben,
Von jenem großen Glück zu schreiben,
Das nun die Liebenden genossen.
In Seligkeit die Stunden flossen.
Als kaum der neue Tag begann,
Da hub ein groß' Turnieren an,
Das eine ganze Woche währte.
Die Speisen, die man dort verzehrte,
Der Junker wollte sie begleichen.
Mit schönen Gaben, überreichen,
Ließ er die Gäste dann bedenken
Und ihnen stolze Rosse schenken,
Worauf ein jeder heimwärts ritt;
Allein der Junker kam nicht mit,
Und mächtig herrschte er im Land.
Der Knecht in Treu sich bei ihm fand,
Tät große Ehre dort genießen.

Nun will ich meinen Sang beschließen
Und wünsch' Euch herzlich allzugleich:
Gott schreib' Euch in sein Himmelreich!


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