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III.
Im Controlorgang

(Zweite Scene.)

Erst als die Thür sich hinter Horja geschlossen, richtete Joseph seine Blicke wieder denen zu, welche ihn umgaben und sich dicht an ihn heran gedrängt hatten. Mit freundlichem Lächeln streckte er wieder seine Hand aus, um weitere Bittschriften zu empfangen, aber Niemand bot deren mehr dar. Wie der Kaiser indeß langsamen Schrittes, mit ausgestreckter Hand, an den zu beiden Seiten des Corridors aufgestellten Bittstellern vorüberging, flüsterte es hier und dort: Ich bitte den Herrn Kaiser um die Gnade einer Audienz. Ich möchte ihm mündlich meine Bitte vortragen.

Und jedesmal dann blieb der Kaiser stehen und nickte dem Bittenden freundlich Gewährung zu. Dann grüßte er Alle mit einem raschen Kopfnicken und kehrte in sein Cabinet zurück, die Thür, welche auf den Controlorgang führte, weit offen lassend.

Nun stellten sich Diejenigen, welchen der Kaiser eine Audienz bewilligt hatte, auf einen Wink des Kammerdieners Günther, welcher an der nach Außen führenden Thür bis dahin seine Stelle gehabt, und Alles überwacht hatte, zu beiden Seiten dieser nach dem Cabinet des Kaisers führenden Thür auf, während diejenigen, welche nur eine Bittschrift zu überreichen gehabt, durch die andere Thür sich entfernten.

Eine kleine Pause trat ein, denn Joseph war in seinem Cabinet damit beschäftigt, die Bittschriften in die für sie bestimmte Schatulle zu legen, damit keine von ihnen verloren gehen könne.

Dann trat er wieder unter die Thür des Controlorganges, und seine großen Augen freundlich der Dame zuwendend, welche dicht neben der Thür stand, sagte er mit einer höflichen Verneigung: Haben Sie die Güte, einzutreten.

Die Dame trat vor in das Cabinet des Kaisers, der alsdann mit eigener Hand die Thür hinter ihr schloß.

Jetzt, Madame, sprechen Sie, sagte er, aber ich bitte, sagen Sie mir deutlich, kurz und bestimmt, was Sie wünschen, denn Sie sehen wohl, es sind noch neun Andere da, welche angehört sein wollen. Wenn ich Jedem von Ihnen fünf Minuten bewillige, bedarf ich fast einer Stunde, um mich wieder andern Geschäften zuwenden zu können. Ich bitte also, seien Sie kurz und bestimmt. Zuerst bitte ich um Ihren Namen.

Sire, ich bin die Wittwe des Präsidenten von Kahlbaum.

Ah, er war ein guter Diener des Staats, sagte der Kaiser freundlich. Haben Sie Kinder?

Ja, Majestät, erwiderte die Dame. Ich habe zwei Fräulein und einen jungen Herrn Sohn.

So? Sie haben zwei Fräulein? fragte der Kaiser. Ich hatte auch ein Mädel, aber es ist gestorben. Des Kaisers eigene Worte. Siehe Hübner II. S. 80. Und womit kann ich Ihnen, Ihren Fräuleins und Ihrem Herrn Sohn dienen?

Oh, Sire, diese fürchterliche Verordnung, welche die außerordentlichen, von Ihro Majestät der verstorbenen Kaiserin bewilligten Pensionen einzieht, hat mich, gleich tausend Anderen, wie ein Blitzstrahl zerschmettert. Ich bitte Eure Majestät, mir gnädigst meine außerordentliche Pension, die ich bisher aus dem Kammerbeutel erhielt, zu lassen.

Sie wissen also nicht, daß der Kammerbeutel aufgehoben ist? fragte der Kaiser strenge.

Ich weiß das, Sire, aber ich weiß auch, daß Eure Majestät Gnade üben werden, wo Sie es vermögen. Sie werden sich daher auch meiner huldreichst erbarmen, Sire, und mir in Gnaden die tausend Thaler Zulage, die ich aus dem Kammerbeutel erhielt, geneigtest bewilligen. Oh, Sire, nur diese tausend Thaler machten mir ja den Verlust meines Mannes und das einsame Dasein einigermaßen erträglich. Ich mußte ja ohnedies schon meine Equipage, meine Bedienten abschaffen, und mich begnügen, einfach und in der Stille zu leben, um wenigstens vor dem Mangel geschützt zu sein. Aber nun, wenn ich die tausend Thaler aus dem Kammerbeutel verliere, bleibt mir nichts, als die fünfhundert Gulden Pension. Oh, Sire, wie ist es möglich, daß ich mit zwei Töchtern von so geringer Pension leben soll? Ihre eigene Gerechtigkeit wird meine Fürsprecherin sein.

Die Gerechtigkeit ist die Richtschnur aller meiner Handlungen, sagte der Kaiser strenge, und darum gerade werden Sie die tausend Thaler nicht wieder erhalten.

Sire, ich bin äußerst betroffen, ächzte die Präsidentin, die Verdienste meines Mannes, mein Stand –

Die Verdienste Ihres Mannes wurden während seines Lebens schon belohnt, unterbrach sie der Kaiser ernst, und wegen dieser Verdienste bekommen Sie jetzt Ihre Pension. Was Ihren Stand anbetrifft, so habe ich nicht auf den, sondern auf alle Stände zu sehen, denn ich bin nicht blos Kaiser von Wien und habe nicht blos Unterthanen von Ihrem Stande. Soll der Niedere Hungers sterben, damit der Höhere im Ueberfluß leben könne? Ich gebe zu, daß Ihr Verlust unangenehm ist, daß Sie in Ihrem Wohlleben beschränkt worden sind, aber von den tausend Thalern, die ich Ihnen nehme, kann ich drei andern Familien geben, und sie werden glücklich sein; deshalb also kann ich Ihre Bitte nicht erfüllen.

Aber, rief die Dame weinend, was soll aus meinen Töchtern werden, ohne Vermögen?

Gute Wirthschafterinnen, wenn sie nichts Besseres gelernt haben, gute Erzieherinnen, wenn Sie ihnen eine ordentliche Bildung haben geben lassen.

Unmöglich, Sire, meine Töchter sind von hoher Familie und von uraltem Adel, unmöglich kann ich meiner Familie die Schmach auferlegen, daß meine Töchter sich selber ihr Brod erwerben und dienstbar werden sollen!

Und warum nicht? Diene ich nicht auch? Diene ich nicht Ihnen und allen Denen, die da draußen meiner warten? Verdiene ich nicht auch mein Brod und werde dafür von meinem Volk bezahlt? Niemand ist zu gut zur Arbeit, und da der alte Adel Ihrer Töchter sie nicht vor Mangel schützen kann, so darf er sie auch nicht von der Verpflichtung zur Arbeit befreien.

Oh, Majestät, so erbarmen Sie sich wenigstens meines Sohnes! Er ist doch der einzige Sohn eines Mannes von großen Verdiensten und von untadelhaftem adlichem Herkommen.

Hat er etwas gelernt? Hat er eine Carrière eingeschlagen?

Er hat die Erziehung eines Edelmanns erhalten, Sire! Wir konnten nicht denken, daß mein Gemahl so früh sterben würde, bevor er seinen einzigen Sohn versorgt hatte. Jetzt, da er nichts mehr für ihn thun kann, entschloß sich mein Sohn, Officier zu werden. Aber auch da legt man ihm Schwierigkeiten in den Weg; man verlangte, daß er ein Examen mache, und da er die ihm vorgelegten Fragen nicht alle genügend hat beantworten können, verweigert man ihm ein Officiers-Patent. Oh, Majestät, erbarmen Sie sich wenigstens meines Sohnes und geben Sie ihm um seines Vaters und seines Standes willen eine Compagnie unter Ihren Fußvölkern!

Madame, rief der Kaiser ernst, man kann der Sohn eines ausgezeichneten Vaters sein, ohne die geringste Anlage zum Officier zu haben, man kann ein Cavalier von guter Familie sein, ohne andere Verdienste zu haben als die, daß man durch ein Spiel des Zufalls ein Edelmann geworden ist! Des Kaisers eigene Worte. Siehe: Briefe Joseph II. S. 108. Da Ihr Sohn sein Examen nicht hat machen können, so kann er nicht Officier werden und muß sich damit begnügen, ein Edelmann und nichts als ein Edelmann zu sein! Leben Sie wohl! Sie wissen, meine Zeit ist beschränkt! Es thut mir leid, Ihnen nicht dienen zu können, aber ich muß gerecht sein und kann daher Ihre Bitte nicht erfüllen.

Die Präsidentin, in Thränen ausbrechend, verneigte sich und eilte, Wuth im Herzen, der Thür zu. Der Kaiser folgte ihr und sagte laut: Der Nächstfolgende trete ein!

Sofort erschien ein junger Mann in der reichgestickten Uniform eines Ministerialrathes auf der Schwelle der Thür und verneigte sich tief und der Etiquette gemäß vor dem Kaiser.

Keine Ceremonien, sagte Joseph unwillig. Wir sind hier nicht im Audienzsaal, sondern im Controlorgang, die Formen sind hier überflüssig. Schnell zur Sache! Sie sind, wie ich an Ihrer Uniform sehe, Rath im auswärtigen Departement?

Ja, Majestät, ich bin Rath geworden durch die Gnade der hochseligen Kaiserin, und jetzt droht man, mich, gemäß der kaiserlichen Verordnung, absetzen zu wollen!

Wie heißen Sie?

Ich heiße Bertram.

Ach, ich habe diesen Namen auf der Conduitenliste, welche mir gestern über die verflossenen sechs Monate zuging, gelesen. Ihre Kenntnisse sind als nicht genügend befunden nach den Verordnungen, die ich darüber gegeben.

Ich bin aber angestellt worden, Sire, bevor diese Verordnungen existirten. Ihro Majestät, die hochselige Kaiserin, verlieh mir mein Raths-Patent in Ansehung der großen Verdienste meines seligen Großvaters, der –

Bei mir, unterbrach ihn der Kaiser, bei mir bedürfen Sie zu Ihrer Empfehlung der eigenen Verdienste. Sind Sie Ihrer Muttersprache mächtig?

Geruhen Ew. Majestät zu bedenken, daß ich ja in Wien geboren und erzogen bin.

Das ist nicht genügend, denn meine Wiener sind der deutschen Sprache nicht allzu sehr mächtig. Finden Sie an dem jetzt herrschenden Styl in den Kanzleien nichts zu tadeln?

Nicht das geringste, Sire, es ist ja der alte probate Stylus Curiae.

Ja, rief der Kaiser ironisch, der alte probate Stylus Curiae ist's noch immer, und so lange wir den bewahren, wird auch der Staat in der papiernen Verfassung bleiben, in der er jetzt schwebt, in der unendlich viel geschrieben und wenig gethan wird. Des Kaisers eigene Worte. Siehe: Briefe Joseph II. S. 105. Reden Sie fremde Sprachen?

Ja, Ew. Majestät, französisch und ein wenig italienisch.

Schreiben Sie beide Sprachen?

Nein, Majestät.

Haben Sie studirt?

Bis an das jus Naturae!

Bis dahin? Und man machte Sie zum Rath? fragte der Kaiser mit zorniger Stimme. Und Sie haben die Unverschämtheit, noch ferner auf eine Stelle Anspruch zu machen, bei welcher Sie, da Sie gar keine Kenntnisse besitzen, nur unnütz und unthätig sein können? Wie wollen Sie Ihre Stimme mit Einsicht geben, wenn Sie nichts von der Verfassung meiner Bürger und von ihren Rechten wissen? Mein Gott, welchen Köpfen war das Wohl meiner Bürger anvertraut. Ich weiß leider, es giebt noch Viele von Ihrer Art, aber –

Sire, ich bitte unterthänigst, erbarmen Sie sich meiner! rief der Rath zitternd vor Angst.

Aus besonderer Gnade, sagte Joseph nach einer Pause, und weil ich es Anderer Thorheit und Gewissenlosigkeit mehr noch zuschreiben muß, als Ihrer eigenen, daß Sie die Stelle eines Rathes so lange beschimpft haben, aus besonderer Gnade mache ich Sie zum Kanzelisten. Befleißigen Sie sich einer leserlichen Handschrift und lernen Sie die Sprachen, die Sie zu reden wissen, auch correct schreiben, sonst sind Sie auch zum Kanzelisten nicht tauglich und werden abgesetzt. Gehen Sie!

Der Kaiser wandte dem Herrn Rath den Rücken zu, wenig achtend auf das zorngeröthete Gesicht und die tiefen Verbeugungen, mit welchen dieser sich der Thür zuwandte.

Der Nächste soll eintreten, rief der Kaiser abermals, und ein Greis in der Tracht der Landgeistlichen trat ein.

Ich bin der Pfarrer aus dem Dorf Nonnenburg, sagte der alte Mann, Ew. Majestät haben befohlen, daß ich komme.

Ich habe Sie gebeten, zu mir zu kommen, sagte der Kaiser, rasch auf ihn zuschreitend und ihm seine Hand darreichend. Sie sind ein rechtschaffener Mann; schreiben Sie es meiner Unwissenheit zu, daß Sie so lange im Mangel lebten. Ich habe mit warmer Herzensfreude in Ihrem Bezirk den guten Unterricht in der Religion bemerkt, und ich schätze Sie doppelt hoch, weil Ihr elender Gehalt Sie in Ihren Pflichten nicht hat lau werden lassen. Sie sollen von heute an statt fünfzig Gulden fünfhundert Gulden Gehalt haben, dafür fällt, was Sie an Grundstücken und Abgaben bekommen, dem Dorf anheim; der Prediger der Nächstenliebe muß nicht gezwungen sein, seine Worte durch Eintreibung der Abgaben zu widerlegen. Eine wohlgeordnete Seelsorge auf dem Lande liegt mir aber besonders am Herzen, denn dem armen Landmann ist sein Pfarrer Alles in Allem, er ist sein Lehrer, sein Vater und Erretter, oder sein Verderber und Verführer. Es ist daher meine heiligste Pflicht, für gute Landgeistliche zu sorgen. Wie viele Seelen zählt Ihr Sprengel?

Etwas über fünfhundert Seelen, Majestät, denn es gehören noch zwei Ortschaften zu meinem Dorfe, in denen ich auch die Seelsorge habe.

Und wie viele Gehülfen haben Sie dazu?

Gar keinen, Sire! Wie konnte ich mit fünfzig Gulden Gehalt mir wohl einen Adjuncten halten! Jetzt aber soll es meine erste Sorge sein; denn es ist für einen rechtschaffenen Priester schmerzlich und betrübend, wenn er bei allem guten Willen doch nicht seinen Pflichten genügen kann, wenn er trotz aller Eile wegen der Weite des Weges mit dem Sterbe-Sakrament zu spät kommt, und so ohne sein Verschulden dem armen Sterbenden seinen letzten und größten Trost rauben muß!

Ich glaube es Ihnen, sagte der Kaiser traurig, es muß schmerzlich sein. Drei Dorfschaften und einen Pfarrer! Ich bitte Sie, gehen Sie gleich in die Kurie, suchen Sie sich in meinem Namen zwei Adjuncten aus, sie sollen ohne Zeitverlust gleich mit Ihnen gehen, für ihr Gehalt werde ich sorgen. Vertheilen Sie dieselben nach Ihrer Einsicht in Ihrem Sprengel. So lange ich regiere, soll der arme Landmann seine letzte Labung nicht entbehren. Ich glaubte bei meiner Durchreise durch Ihr Dorf, Sie hätten nur diesen einzigen Bezirk!

Ursprünglich, Sire, war es auch so. Als aber der Pfarrer und Kaplan der einen Ortschaft, welche die andere mitzubesorgen hatten, gestorben waren, ließ man ihre Stellen eingehen, weil die Dorfleute, die überaus arm sind, die Abgaben zum Unterhalt eines Priesters nicht mehr erschwingen konnten, und die Obrigkeit wollte die Kosten nicht tragen. So kamen die beiden Ortschaften an mich.

So kamen die beiden Ortschaften an Sie? wiederholte der Kaiser, seine Hand sanft auf die Schulter des Greises legend und ihm tief gerührt in das sanfte, ehrwürdige Antlitz schauend. Und Sie übernahmen bei Ihren fünfzig Gulden Gehalt die neuen beiden Aemter ohne allen Vortheil und Gewinn? Das ist edel und brav, das ist gehandelt im Sinn und Geist der wahren christlichen Liebe, und ich danke Ihnen dafür im Namen meiner Unterthanen, denen Sie mit Ihrer edlen Liebe beigestanden. Es ist niemals mein Wille gewesen, daß die Pfründen von der Gemeinde sollten erhalten werden, weil der Seelsorger dadurch die Liebe und Achtung seiner Gemeinde verliert. Wie kann ich aber auf treue und gute Unterthanen hoffen, wenn für ihr Seelenheil nicht gut gesorgt wird, und wenn sie in den heiligsten Pflichten ihres Lebens, die der Grundstein ihres bürgerlichen Gehorsams sind, nicht genügend unterrichtet werden können, weil ihrer zu Viele sind, und der Pfarrer nicht Zeit hat, sie zu unterrichten. Drei Ortschaften und Ein Pfarrer! Ich bitte Sie, eilen Sie nach der Kurie! Ich kann den Gedanken nicht ertragen, daß vielleicht schon so manche meiner Unterthanen, wie Sie selbst sagen und wie das unvermeidlich war, ohne geistlichen Beistand gestorben sind. Eilen Sie und nehmen Sie sich zwei Gehülfen mit, ich werde für Alles sorgen! Eilen Sie!

Ich eile, Sire, aber nur gestatten mir Ew. Majestät, Ihnen aus tiefster Seele zu danken für die Wohlthat, die Sie meiner armen Gemeinde erwiesen, und Ihnen zu versprechen, daß ich, was an mir liegt, Ihnen gehorsame, fromme und gute Unterthanen erziehen will. Oh, sie werden Ew. Majestät lieben, sie werden nichts mehr glauben von Dem, was die Zeloten und Eiferer sagen, die Ew. Majestät als einen Ungläubigen und Gottesleugner schildern, und die Herzen Ihrer Unterthanen von Ihnen abwenden möchten. Ich werde meiner Gemeinde Ew. Majestät schildern, wie Sie sind, so edel, menschenfreundlich und gut; ich werde ihnen die Worte wiederholen, welche Ew. Majestät zu mir gesprochen, ich werde ihnen sagen, daß Ew. Majestät nicht ein eifernder und bigotter, sondern ein erbarmender und humaner Christ sind, und daß –

Nein, unterbrach ihn der Kaiser lächelnd, sagen Sie Ihren Bauern nichts davon, wiederholen Sie zu Niemanden, was ich Ihnen hier gesagt. Die Böswilligen würden Ihnen doch nicht glauben, oder sie würden vermeinen, ich habe nur so gesprochen, um ihre Verleumdungen zu widerlegen. Die Gutgesinnten aber werden auch ohnedies an mich glauben und meinen Thaten vertrauen, wenn sie auch meine Worte nicht hören können. Ich will aber mein Volk nicht mit Worten, sondern mit Thaten glücklich machen, und etwas werden meine Feinde doch wohl davon übrig lassen müssen. Gehen Sie also, mein ehrwürdiger Freund, erziehen Sie mir gute Christen, und für alles Uebrige lassen wir Gott sorgen. Beten Sie zu ihm, daß er mit mir ist und seine Hand nicht von mir ziehe.

Ich werde zu ihm beten, daß er die Augen der Menschen öffne und ihre Herzen erschließe, damit sie erkennen, welch einen edlen gottesfürchtigen und großmüthigen Fürsten Gott ihnen gegeben hat, rief der Pfarrer tief bewegt, indem er sich der Thür zuwandte. Der Kaiser begleitete ihn bis zur Schwelle, und erst, als der Pfarrer den Controlorgang durchschritten, hieß Joseph den Nächstfolgenden eintreten.

Es war ein alter Husaren-Rittmeister mit martialischem Gesicht und kräftigem weißem Schnurrbart, der sich jetzt dem Kaiser darstellte und mit militairischem Gruß sich neben die Thür des Cabinets postirte.

Joseph winkte ihm näher zu treten und fragte freundlich nach seinem Begehr.

Ich komme, Ew. Majestät zu bitten, daß Sie mir die Pension von dreihundert Gulden, welche mir die hochselige Kaiserin als Zulage zu meiner Pension bewilligt hat, auch ferner belassen möchten, sagte der alte Krieger fast unwillig.

Oh, rief der Kaiser lächelnd, Sie haben eine Pension aus dem Kammerbeutel gehabt und wollen die auch ferner behalten? Aber das wird unmöglich sein, mein Herr Rittmeister. Der Kammerbeutel der Kaiserin Maria Theresia, welche in der Großmuth ihres Herzens Jedermann, der sie darum bat, wenn er auch sonst keine Verdienste hatte, doch eine Pension bewilligte, dieser Kammerbeutel existirt nicht mehr, er hat ein Loch bekommen.

Der alte Husaren-Rittmeister warf dem Kaiser einen grimmigen Blick zu und zog langsam und feierlich seine Perrücke ab. Dann neigte er sein Haupt und deutete mit dem Finger auf drei breite, blutgeränderte Narben, die auf seinem glatten, glänzenden Schädel sichtbar wurden.

Sire, sagte er, sehen Sie nur, es ist meinem Kopf gegangen, wie Ihrem Kammerbeutel, er hat auch manches Loch bekommen! Es sind die Feinde Ihres Hauses gewesen, welche meinem Kopf diese Löcher beigebracht haben!

Solche Löcher zu stopfen ist für mich eine Ehrenpflicht, sagte Joseph lächelnd, und wenn auch der Kammerbeutel ein Loch hat, ein bischen ist immer noch darin geblieben für alte brave Offiziere, die meinem Hause gedient haben. Setzen Sie Ihre Perrücke wieder auf, und vergeben Sie mir meine Weigerung. Die Bittschrift, welche Sie da oben auf Ihrem Schädel tragen, ist beredter, als Ihre Worte es waren. Sie sollen Ihre Pension auch ferner behalten!

Ich danke Ew. Majestät, sagte der Rittmeister lakonisch, und mit einer steifen militairischen Verbeugung machte er Kehrt und marschirte der Thür zu.

Der Kaiser blickte ihm lächelnd nach und rief dann nach dem Nächstfolgenden. Ein junges Mädchen in einfacher bescheidener Tracht trat jetzt in das Cabinet ein.

Ew. Majestät haben mir befohlen, daß ich herkomme, sagte sie mit einem kurzen Knix. Ich bin die Beata Schönhuber, welche gestern die Bittschrift überreicht hat.

Ach, die gewesene Nonne, die im Königskloster war, und mit den Andern von mir entlassen worden ist? fragte Joseph lächelnd.

Eben die, Majestät.

Und jetzt wollen Sie sich, wie ich aus Ihrer Bittschrift ersehe, verheirathen, und zwar mit einem Officier meiner Armee?

Ja, Sire. Es ist ein Vetter von mir, und wir lieben uns von ganzem Herzen, können uns aber ohne die Gnade Ew. Majestät nicht verheirathen, weil wir Beide arm sind.

Und da meint Ihr, ich soll Euch die Aussteuer zahlen, und Ihnen die Pension, die Sie als ausgetretene Nonne beziehen, weiter belassen. Nun, da Sie durch meine Schuld dem Leben wiedergegeben sind, und ich gewissermaßen Ihr Eheprocurator gewesen bin, so ist es nicht mehr als billig, daß ich Ihnen nun auch mein Hochzeitsgeschenk mache. Ich werde also die Aussteuer besorgen, und Ihnen Ihre Pension lassen. Heirathen Sie also, meine kleine abtrünnige Himmelsbraut, heirathen Sie also meinen Officier, und sorgen Sie dafür, daß die Ex-Nonne dem Staat bald einen jungen Weltbürger schenke. Ich lade mich zum Gevatter bei Ihrem ersten Sohn.

Oh, Ew. Majestät, rief das junge Mädchen mit strahlenden Augen, Ihnen werde ich das Glück meines ganzen Lebens danken. Ihr Name wird niemals in meinen Gebeten fehlen, und wenn mir der gütige Gott wirklich eines Tages das Glück schenkt, Mutter zu werden, so soll das erste Wort, welches mein Kind stammelt, der Name meines Kaisers sein, und sein erstes und heiligstes Gebet soll für Ihr Wohl sein, und Gott wird unser Gebet erhören, er wird Ew. Majestät segnen mit Glück, Frieden und Freudigkeit.

Sie zürnen mir also nicht, daß ich Sie dem Kloster entrissen habe? fragte Joseph lächelnd.

Sire, ich segne Sie dafür, wie es alle die erlöseten Clarissinerinnen thun!

Alle? Ich denke, Ihr seid noch immer voll heiliger Wuth über den Tempelschänder und Gottesläugner, der die heiligen Jungfrauen und Himmelsbräute hinausgestoßen hat in die sündige Welt? Habt Ihr mir nicht bei Eurem Auszug aus dem Königskloster eine Scene aufgeführt und sogar versucht, das Volk wider mich aufzuwiegeln?

Sire, wir mußten das thun, denn die Frau Priorin und unser Seelsorger hatten es uns befohlen, und wir hatten uns drei Tage lang mit dem Priester, welchem die Frau Priorin nachher auf der Straße wie zufällig begegnete, die ganze Scene einstudirt. Wir mußten weinen und die Augen gen Himmel wenden, während unser Herz doch hüpfte vor Vergnügen, daß wir durch die Gnade Ew. Majestät frei werden sollten.

Aber wenn es so war, warum waren Sie denn überhaupt in's Kloster gegangen? Ich bitte, beantworten Sie mir diese Frage aufrichtig. Ich möchte gern den wunderlichen Beruf näher kennen lernen, um dessentwillen so viele junge gesunde Mädchen der Welt entsagen konnten. Thaten Sie es aus Noth, und suchten Sie eine Zuflucht im Kloster, weil Sie arm waren?

Ach, Majestät, arme Mädchen finden selten oder nie Aufnahme im Kloster. Ich hatte im Gegentheil sehr wohlhabende Eltern, die mich als ihr einziges Kind zärtlich liebten. Sie waren Beide sehr fromm, und freuten sich, daß die Schwestern des Königsklosters, in dessen Nähe wir wohnten, so freundlich zu mir waren. Sie schickten mir Spielwerk und allerlei Näschereien, ich besuchte sie im Sprachzimmer, und meine kindischen Plaudereien erheiterten und amüsirten sie, es war ein frisches grünes Blatt aus der Welt, das ihnen der Zufall in ihre dürre Einsamkeit hineinwehte, und deshalb gefiel es ihnen. Als ich sieben Jahr zählte, nahm mich die Frau Priorin oft Tage lang mit auf ihr Zimmer, sogar im Chor mußte ich an ihrer Seite bleiben. Sie lehrte mich lesen, schreiben, Amulette machen und etwas singen. Meine Eltern fühlten sich geschmeichelt durch diese Liebe, welche die hochwürdige Frau ihrem einzigen Kinde weihete, und aus Freude und Dankbarkeit verwandten sie einen großen Theil ihres Vermögens auf kostbare Geschenke, die sie dem Kloster machten. So wuchs ich heran unter den Liebkosungen und Schmeicheleien der Nonnen. Nun äußerten meine Eltern den innigen Wunsch, mich als eine Braut Gottes vor allen Gefahren der Welt geborgen zu sehen, und ich gab ohne Widerstreben ihrem Wunsch nach. Ich kannte ja nichts anderes, als die reinen Klosterfreuden, denen gegenüber man mir die Welt als einen Abgrund der Laster und Verbrechen geschildert hatte. Ich ward Nonne; meine Eltern opferten meiner Einkleidung und Aufnahme den Rest ihres Vermögens und starben bald darauf. Ach, wie bald sollte ich nun enttäuscht werden über die reinen Klosterfreuden! Die Nonnen, welche ich bis dahin immer gleich Engeln und Heiligen verehrt, hatten nun, da sie nichts mehr von mir erlangen wollten, nicht mehr nöthig, vor mir ihre gottselige Maske des lächelnden Himmelsglückes zu tragen. Sie ließen sie fallen und ich sah darunter ihre mißvergnügten, verdrießlichen Gesichter, sah, daß die Gebrechen, Schwachheiten und Fehler der Welt auch im Kloster zu finden seien. Nun bereuete ich, was ich gethan, und meine erträumte Glückseligkeit ward mir eine unerträgliche Last. Eine unaussprechliche Sehnsucht nach der Welt, nach Menschen, nach Liebe, Glück und Arbeit überkam mich, aber zu spät, zu spät! Die Langeweile drückte wie ein Alp auf meinem Herzen und meinem Hirn, die Sehnsucht nach der Welt zehrte an meinem Körper, ich rang nach Resignation, und konnte sie nicht finden. Da auf einmal erschallte durch das Kloster Ihr kaiserliches Erlösungswort, und wie ich's vernahm, stürzte ich jauchzend nieder auf meine Kniee, und dankte Gott mit heißen Thränen, daß er das Herz des großmüthigen Kaisers gerührt, daß dieser uns die Freiheit wiedergeben wollte.

Der Kaiser hatte dem jungen Mädchen mit gespannter Aufmerksamkeit zugehört, und jetzt, als sie geendet und mit Thränen in den Augen zu ihm hineilte, um seine Hand zu erfassen und an ihre Lippen zu drücken, ließ er es geschehen und nickte ihr freundlich lächelnd zu.

Ich danke Ihnen für Ihre Erzählung, sagte er, und wenn wirklich Ihre Geschichte die mancher anderer Nonnen wäre, so dürft' ich ja hoffen, Euch armen Geschöpfen eine Wohlthat erwiesen zu haben? Und doch geht ein Geschrei des Zorns über mich durch alle Kirchen und Klöster, und keine der entlassenen Nonnen denkt wie Sie.

Oh, glauben Ew. Majestät mir nur, im Grunde ihres Herzens denken alle diese Nonnen so, wie ich, und wenn sie anders sprechen, so geschieht es nur, um ihre Freude zu beschönigen, oder weil die Drohungen der Andern sie eingeschüchtert haben. Nur diejenigen denken anders, welche ihr hohes Alter und die Gewohnheit der Sclaverei vielleicht schon unempfindlich gegen die Freuden der Welt und die Gemeinschaft mit den Menschen gemacht haben. Die Andern aber denken und fühlen mit mir, und danken es Ew. Majestät, daß Sie sie errettet und dem Leben wiedergegeben haben.

Dankt mir, indem Ihr glücklich seid und die braven Frauen Eurer Männer, die treuen Mütter Eurer Kinder werdet, sagte der Kaiser, indem er dem Mädchen die Hand zum Abschied reichte, und sie mit einem freundlichen Kopfnicken entließ.

Sie hatte kaum das Cabinet verlassen, als in der Thür desselben eine ärmlich gekleidete Frau erschien, umringt und umdrängt von einem Haufen Kinder, die sich scheu und ängstlich um ihre Mutter preßten, und ihre glühend rothen Gesichter in ihrer Schürze und ihrem Rock verbergend, es der Frau unmöglich machten, auch nur einen Schritt weiter vorwärts zu thun.

So laßt mich doch gehen, Ihr Kinder, sagte die Frau halb lächelnd, halb unwillig, wenn Ihr mich festhaltet, werde ich nimmer dem Herrn Kaiser meine Bittschrift übergeben können.

Da sie Euch nicht loslassen, werde ich wohl zu Euch kommen müssen, die Bittschrift in Empfang zu nehmen, sagte der Kaiser, mit lachendem Gesicht zu der Frau hineilend, die noch immer in der Thür mit ihren Kindern rang. Gebt mir Eure Bittschrift.

Majestät, diese hier sind meine Bittschrift, sagte die Frau, auf ihre Kinder deutend. Mein Mann diente im zwölften Regiment zweiundzwanzig Jahre lang und starb jetzt an den Wunden, die er im letzten baierischen Krieg erhalten. Er hat mir nichts hinterlassen, als einen Haufen Kinder ohne Vater.

Der Kaiser schaute lächelnd auf die Kinder hin, die sich noch immer an ihre Mutter klammerten, und deren goldlockige Köpfe hier und dort aus den Falten ihres Gewandes hervorschimmerten, wie die goldenen Früchte aus den Zweigen des kräftigen Obstbaumes. Dann aber auf einmal flog ein Schatten über Josephs Antlitz hin, und ein leiser Seufzer entrang sich seiner Brust. Ihr beklagt Euch über Eure Armuth, gute Frau, sagte er, und wißt nicht, wie Viele Euch beneiden mögen um Euren Reichthum, wie Viele Euch Millionen geben möchten, wenn dafür eins Eurer Kinder ihnen gehören könnte. Kindersegen ist Gottes Segen!

Ja, Majestät, wenn ein Vater da ist, der für sie sorgen kann.

Ich will ihr Vater sein, sagte der Kaiser, und seine großen blauen Augen richteten sich mit einem Blick voll unendlicher Milde und Güte auf die Kinder hin, die jetzt schon mehr Muth gefaßt hatten, und mit emporgerichteten Köpfen und ihren hellen unschuldigen Augen den Kaiser neugierig anstarrten. Lauter Buben, fuhr der Kaiser fort. Nun sagt, Ihr Buben, wollt Ihr auch Soldaten werden?

Ja, ja, das wollen wir, schrieen die beiden größten der Kinder, indem sie eine steife Haltung annahmen, und die Hände an die Schläfe legten, als ob sie dem Kaiser salutirten.

Nun gut, rief Joseph lächelnd, Ihr macht Eure Sache schon ganz gut, und ich nehm' Euch dereinst unter meine Leibgarde, wenn Ihr tüchtig seid. Gute Frau, meldet Euch morgen drüben in der Kanzlei, ich werde Befehl geben, daß die vier ältern Knaben gleich gut versorgt und untergebracht werden; den Kleinen bringt Ihr mir über's Jahr, und bis dahin gebe ich Euch Pflegegeld für meinen kleinen Buben. Adieu! Geht morgen auf die Kanzlei.

Gott lohne es Ew. Majestät, rief die Frau mit vor Rührung zitternder Stimme, tausendfach vergelte er's Eurer Majestät! Ach, meine Buben, meine lieben Buben, jetzt seid Ihr versorgt, denn der Kaiser erbarmt sich der Waisen! Aber das sag' ich Euch, Buben, werdet brave Kerls und betet für den Kaiser!

Sie war zurückgetreten in den Controlorgang, und hinter ihr schloß der Kammerdiener jetzt die Thür. Die Audienzen waren für diesmal beendet.

Joseph stand noch immer in der Mitte des Gemaches und schaute gedankenvoll und trübe nach jener Thür, hinter welcher die Kinder mit ihrer Mutter eben verschwunden waren.

Und betet für den Kaiser, wiederholte er leise. Was wird denn Gott mehr hören, die Gebete von unschuldigen Kinderlippen, oder die Flüche und Verwünschungen von geweiheten Priesterlippen? Es sind so Wenige, welche für mich beten, und so Viele, welche mich verwünschen! Ah bah, was nützen diese empfindsamen Klagen! Ich muß meine Straße muthig weiter gehen und der Dornen nicht achten, welche ich mir in die Füße trete. Zuweilen wird sich unter den Dornen doch auch wohl eine kleine Rose für mich finden. Und wenn nicht, nun, so muß ich auch mit einem Leben ohne Duft und ohne Blüthen zufrieden sein, und mich damit begnügen, so viel in meinen Kräften steht, Andern das Glück zu bereiten, das ich selbst entbehren muß. Fort also mit den Empfindsamkeiten, ich habe keine Zeit dazu! Da ist eine ganze Mappe voll Bittschriften! Ich will sie mit Günther durchsehen und bearbeiten!

Er trat zu dem Tisch und schellte heftig. Dann nahm er die Mappe, und sie öffnend, vertiefte er sich sofort in die Papiere, die er aus derselben hervorschüttelte, und die bald den ganzen Tisch bedeckten.

Günther war, dem Ruf der Klingel gehorchend, eingetreten, und hatte sich vor dem Tisch, der Befehle des Kaisers harrend, aufgestellt. Joseph blickte nicht zu ihm auf, sondern war eifrig damit beschäftigt, die Bittschriften zu öffnen und ihren Inhalt zu prüfen.

Plötzlich lachte der Kaiser hell auf und schaute mit blitzenden Augen von dem Papier empor und zu Günther hinüber.

Ah, welche allerliebste Bittschrift ich da eben bekomme, Günther, sagte er. Einer von den abgesetzten Hofräthen befiehlt mir, ihm eine höhere Pension zu geben, damit er anständig leben könne, und sagt, daß er bei der ihm angewiesenen Pension nicht existiren könne, und nun hören Sie den Schluß der Bittschrift: »Ein rechter Kahlmäuser ist unser Kaiser!« Hübner I. S. 199.

Und Ew. Majestät lachen dazu? fragte Günther empört.

Ja, ich lache dazu, sagte Joseph. Ich finde, daß es nichts Naiveres und Reizenderes giebt, als diese Bittschrift.

Und ich, vergeben Ew. Majestät, ich bin der Meinung, daß sie eine unerhörte Frechheit ist, und daß Ew. Majestät mit aller Strenge den Unverschämten bestrafen müssen, der –

Der so ehrlich ist, mir das in's Gesicht zu sagen, was tausend Andere hinter meinem Rücken sagen? unterbrach ihn der Kaiser. Nein, Günther, ich werde diesem ehrlichen Mann seine Pension ein wenig erhöhen, just darum, weil er kein Schmeichler ist! Nun, machen Sie kein so böses Gesicht, Günther! Kommen Sie, wir wollen arbeiten! Und indem der Kaiser sich langsam in seinen Fauteuil neben dem Tisch mit den Bittschriften niedersetzte, summte er leise vor sich hin: Ein rechter Kahlmäuser ist unser Kaiser!


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