Lafontaines Fabeln
MeistgelesenVerlag: Georg Bondi | Jahr: 1913 | Übersetzer: Ernst Dohm
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7. Der Satyr und der Wandrer
Saß 'ne muntre Satyrngruppe
In der wilden Höhle Grund,
Führten traulich ihre Suppe
Und den Zubiß in den Mund.
Satyr, Weib und Kinder strecken
Sich behaglich auf dem Moos;
Hatten Teppich nicht noch Decken,
Doch 'nen Hunger riesengroß.
Schauernd vor dem kalten Regen
Tritt ein Wandrer jetzt herein,
Und, ob etwas ungelegen,
Lädt man ihn zur Brühe ein.
Ohne weitres abzuwarten,
Nimmt er's an nach Gastrechtsbrauch,
Wärmt sich erst die halb erstarrten
Finger durch des Mundes Hauch.
Als dann Speisen aufgetragen,
Bläst er drauf mit spitzem Mund;
Die erstaunten Satyrn fragen:
»Freund, wozu das? Tut's uns kund.«
»»Dieses kühlet mir die Speise,
Jenes wärmt die Finger mir.««
Drauf der Satyr: »Auf die Reise
Macht Euch wieder! Fort von hier!
Hüt' es Zeus, daß eine Stunde
Noch mein Dach Euch berge! Geht!
Fort mit dem, aus dessen Munde
Warm und kalt der Atem weht!«