Lafontaines Fabeln
MeistgelesenVerlag: Georg Bondi | Jahr: 1913 | Übersetzer: Ernst Dohm
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5. Der Fuchs mit dem gestutzten Schwanz
Ein alter schlauer Fuchs, schon lang'
Als Hühnerwürger groß und im Kaninchenfang,
Kurz, recht ein Fuchs von Rang und Stande,
Ging in die Falle doch zuletzt.
Glücklich in Freiheit wiederum gesetzt –
Nicht ganz, denn seinen Schwanz ließ er dabei zum Pfande –
Frei aber schwanzlos und von Scham erfüllt, begehrt
Leidensgefährten er; drum hat er, schlau wie immer,
Als einst der Füchse Rat tagte, das Wort begehrt:
»Was soll uns diese Last?« sprach er »Sie nützt uns nimmer,
Als daß sie höchstens all die schmutz'gen Steige kehrt!
Was tun wir mit dem Schwanz? 's ist besser ihn zu stutzen,
Und sicher tut's ein jeder, folgt ihr mir.«
Drauf einer aus der Schar: »Dein Rat scheint sehr von Nutzen;
Doch dreh' dich erst 'mal um, und dann werd' Antwort dir.«
Bei dieser Red' entstand solch Hohngeschrei und Zischen,
Daß den gestutzten Schelm man gar nicht mehr vernahm
Und nie zur Sprache mehr das Schwanzabschneiden kam;
Die alte Mode blieb inzwischen.