Lafontaines Fabeln
MeistgelesenVerlag: Georg Bondi | Jahr: 1913 | Übersetzer: Ernst Dohm
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An den Herrn Herzog von Burgund
welcher von Lafontaine eine Fabel unter dem Titel »Die Katze und die Maus« befohlen hatte
Dem Prinzen zu Befehl, dem Fama will errichten
In meinem Werk ein Ruhmeshaus,
Wie soll 'ne Fabel ich unter dem Titel dichten:
»Die Katze und die Maus«?
Zeig' ich 'ne Schöne ihm, die, kalt und hart von Herzen,
Obwohl von Ansehn mild, in höchst grausamen Scherzen
Mit denen, die ihr Reiz besiegt in leichtem Strauß,
Spielt, wie die Katze mit der Maus?
Nehm' ich zum Gegenstand Fortunas Spiel? Persönlich
Paßt besser nichts auf ihn; auch macht er es gewöhnlich
Mit denen, die man hält für seine Freund' im Haus,
Ganz wie die Katze mit der Maus.
Nenn' ich 'nen König, den sie, allen weit voraus,
Allein erwählt; dem sie, ihr in das Rad zu fallen,
Erlaubt; dem eine Welt von Feinden nimmer Graus
Erregt, und der nach Lust selbst mit den Mächt'gen allen
Spielt, wie die Katze mit der Maus?
Doch ganz unmerklich führt mich dieser Weg grad' aus
Zum Ziel; und irr' ich nicht, verdürb' ich mit zu vielen
Strophen das Ganze wohl und käm' um den Applaus:
Dann möcht' der junge Prinz mit meiner Muse spielen,
Ganz wie die Katze mit der Maus.