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Lafontaines Fabeln

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von Jean de La Fontaine

Verlag: Georg Bondi | Jahr: 1913 | Übersetzer: Ernst Dohm

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Kapitel 3

1. Die Grille und die Ameise

Erstes Buch

Grillchen, das den Sommer lang
Zirpt' und sang,
Litt, da nun der Winter droht,
Harte Zeit und bittre Not:
Nicht das kleinste Würmchen nur,
Und von Fliegen keine Spur!
Und vor Hunger weinend leise
Schlich's zur Nachbarin Ameise;
Fleht sie an, in ihrer Not
Ihr zu leih'n ein Körnlein Brot,
Bis der Sommer wiederkehre.
»Glaub' mir« sprach's »auf Grillen-Ehre,
Vor dem Erntemond noch zahl'
Zins ich dir und Kapital.«
Ämschen, die, wie manche lieben
Leute, das Verleihen haßt,
Fragt die Borgerin: »Was hast
Du im Sommer denn getrieben?«
»»Tag und Nacht hab' ich ergötzt
Durch mein Singen alle Leut'.««
»Durch dein Singen? Sehr erfreut!
Weißt du was? Dann – tanze jetzt!«