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Lafontaines Fabeln

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von Jean de La Fontaine

Verlag: Georg Bondi | Jahr: 1913 | Übersetzer: Ernst Dohm

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Kapitel 240

22. Ein Narr und ein Weiser

Mit Steinwürfen verfolgt ein Narr einst einen Weisen.
Der Weise kehrt sich um und spricht: »Das war von dir
Sehr gut gemacht, mein Freund; nimm diesen Taler hier.
Du quälst dich wahrlich sehr, und zu so niedern Preisen!
Denn jede Müh' ist wert des Lohnes sicherlich.
Sieh dort den reichen Mann, der hat viel mehr als ich;
An den halt' dich, er wird dir deinen Lohn schon geben!«
So lockt ihn der Gewinn, daß er den Reichen eben

Mit gleicher Frechheit überfällt.
Er wurde gut bezahlt, doch diesmal nicht mit Geld:
Schnell nahen die Lakai'n, man kriegt den Kerl beim Kragen,
Und er wird krumm und lahm geschlagen.

Bei Hof gibt's solche Narren; ihren Herrn
Bringen auf eure Kosten sie zum Lachen.
Möchtet ihr für ihr Schwatzen sie nicht gern
Abstrafen gleich? Ihr seid, um das zu machen,
Vielleicht zu schwach. Weist sie an einen Mann,
Der stark genug, daß er sich rächen kann.