Lafontaines Fabeln
MeistgelesenVerlag: Georg Bondi | Jahr: 1913 | Übersetzer: Ernst Dohm
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16. Das Pferd und der Esel
Hilfreich sei einer stets dem andern in der Welt;
Dein Nachbar stirbt, und sicher fällt
Auf deine Schultern seine Bürde.
Mit einem Esel ging ein trutzig Roß einher,
Trug nichts als sein Geschirr: das Langohr trug so schwer
Der Ärmste fühlt, daß er der Last erliegen würde.
Er bat das Roß, es möcht' ihm helfen, gar nicht viel,
Sonst stürb' er sicher noch, eh' er die Stadt erreichte.
»Die Bitte« sagt er »ist wahrhaftig eine leichte;
Die Hälfte meiner Last, für dich ist's nur ein Spiel!«
Das Pferd verweigert's ihm mit höhnischer Gebärde;
Da sieht's, tot sinkt sein Freund unter der Last zur Erde.
Nun ward ihm bald sein Unrecht klar:
Es ward zu seinem großen Schaden
Des Langohrs Fracht ihm aufgeladen,
Und obenein sein Fell noch gar.