Gedichte
Verlag: Max Hesse's Verlag
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Kapitel 88
An Johann Gutenberg.
Verschlossen hielt in düsterer Zellen Gruft
Des Lichtes Hort selbstsüchtiger Stolz, und Neid
Bewachte seinen Strahl, ein Lindwurm
Hütend die Früchte der Hesperiden.
Beglückten nur erschloß sich das Heiligtum
Und draußen stand, des Joches gewohnt und froh,
Leibeignes Volk in blöder Demut,
Harrend beklommen des Götterausspruchs.
Da kamst du Mann des Volkes und tratest hin,
Und schlugst der Pforte Hüter, die Drachenbrut,
Und pochtest an. Da sprang das Tor weit
Auf, wie vor Moses Gebot die Felsenwand.
Und blendend brach die Quelle des Lichts hervor,
Und strömte hin und stillte den Durst der Welt,
Nicht Vorrecht mehr des Glücks, Gemeingut
Aller und ewigen Fortschritts Bürgschaft.
Du aber Zeit des eigenen Lobes voll,
In Weihrauchwolken wiegend das stolze Haupt,
Gedenk des Manns, der einst dem Schößling
Keimender Bildung den Sand gelockert;
Nun hoch zum Baum erwachsen, beschnei' er fromm
Mit grünem Laub und Blüten des Pflegers Grab,
Und jedes Vöglein seines Laubdachs
Weih' ihm begeisterter Rührung Danklied.
Aus allen Zweigen tön' es: »Er lieh dem Wort
Des Blitzes raschen Flügel, des Donners Schall,
Und fand die neue Welt Columbus
Besseres gab er der alten: Freiheit!«