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Gedichte

von Friedrich Halm

Verlag: Max Hesse's Verlag

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Kapitel 37

Kapitel 37

Ein Tag in Reichenau.

In hoher Tannen würz'ger Nacht
Hab' ich den Morgen hingebracht,
Und unterm Schattendach der Linde
Verging der Mittag mir gelinde;
Auf offner Flur, umhaucht: vom West,
Beschließ' ich nun des Tages Rest! –

So war mein Leben! – Nie empfand
Zu herb ich heißen Sonnenbrand;
Es trafen mich in Schattenkühle
Des Morgens Glut, des Mittags Schwüle,
Und nun am Abend, hell und rein,
Umfließt mich goldner Abendschein!

Und doch, was war es? – Qual und Not,
Zwar Sorge nicht um Dach und Brot,
Doch eitle Müh', siegloser Drang,
Wunsch, der Erfüllung nie errang,
Arbeit, mit der doch nichts getan,
Ein Taumeln wirr von Wahn und Wahn!

Das beste, was mein Los mir bot,
Das birgt die Erde, nahm der Tod!
Was war mein Leben? – Eine Frucht,
Wie an des toten Meeres Bucht
Sie golden reist in hellem Laub,
Doch immer Asche, Moder, Staub!