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Gedichte

von Friedrich Halm

Verlag: Max Hesse's Verlag

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Kapitel 15

Kapitel 15

Müdigkeit.

Ich hab' geruht an allen Quellen,
Ich fuhr dahin auf allen Wellen,
Und keine Straße ist, kein Pfad,
Den irrend nicht mein Fuß betrat.

Ich hab' verjubelt manche Tage,
Und manche hingebracht in Klage,
Bei Büchern manche lange Nacht,
Und andere beim Wein durchwacht.

Viel mißt' ich, viel hab' ich errungen;
Auch Lieder hab' ich viel gesungen,
Und ausgeschöpft hat dieses Herz
Des Lebens Lust, des Lebens Schmerz.

Nun ist der Becher leer getrunken,
Das Haupt mir auf die Brust gesunken,
Nun legt' ich gern mich hin und schlief
Unweckbar, traumlos, still und tief!

Mir ist, mir ist, als hört' ich locken
Von fernher schon die Abendglocken,
Und süße weiche Traurigkeit
Umweht mich: Komm, 's ist Schlafenszeit!