Gedichte
Verlag: Max Hesse's Verlag
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Kapitel 53
Du liebst mich nicht.
Du liebst mich nicht! – Ich fühlt' es tief,
Als deine Stimme jetzt mir rief;
Kein Beben war in ihrem Klang;
Nur schüchtern tönt das Wort und bang,
Das junge Liebe stammelnd spricht! –
Du liebst mich nicht, du liebst mich nicht!
Mir sagt's dein Blick, der hell und rein
Mir schaut ins tiefste Herz hinein,
So unverwandt, so unverhohlen;
Der Strahl flammt scheu nur und verstohlen,
Der aus dem Aug' der Liebe bricht! –
Du liebst mich nicht, du liebst mich nicht!
Mir sagt's die Hand, die unbewegt
Sich kalt und starr in meine legt;
Da war kein Zucken, war kein Zittern,
Wie sonst die Herzen will erschüttern,
Wenn Lieb' in eins die Hände flicht;
Du liebst mich – nein, du liebst mich nicht!
Du zeigst mir deiner Seele Grund,
Du gibst dein ganzes Herz mir kund,
Mir willst du nichts verborgen halten:
Doch Liebe birgt in Schleierfalten
Dem Tag ihr schamrot Angesicht;
Du liebst mich, nein, du liebst mich nicht!
Dein Sinn ist kalt, dein Herz ist leer:
Mir ist, als liebt' ich dich nicht mehr,
Mir ist, als flöhen meine Blicke,
Mein Herz, mein Blut vor dir zurücke,
Als könnt' ich, wenn dein Auge brach,
Aufjauchzen – ja – doch meins bräch' nach!