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Am »Bund« in Hankau, an der Schiffsanlegestelle auf dem früheren Deutschen Kai begannen sich Menschen anzusammeln. In der Mehrzahl waren es Chinesen, doch sah man auch Europäer in weißen Anzügen darunter. Es ging gegen sechs Uhr, die Stunde, in welcher der Tag sich eilig zu verabschieden beginnt.
Jenseits über den etwa eine Meile breiten Jangtsekiang hinweg hüllte sich unübersehbar die Ebene in den dunklen Atem der begonnenen Nacht. Stromaufwärts erhob sich aus dem anderen Ufer, nur als eine geschlossene Masse, eine große Stadt. Es war Wutschang, eine reine Chinesenstadt. Die Umrisse des Che-Hügels stiegen mitten aus ihr, und man erkannte gerade noch im Dämmerungsnebel, wie die hochgezinnte Scheitellinie der finsteren Mauer bald steigend, bald sich senkend, die Stadt umlief und sie zu einer großartig fremden, rätselhaft grausamen Riesenburg machte.
Einige der Europäer schauten den Strom hinauf zu diesem düsteren und erschreckenden Bilde hin. Die Chinesen plauderten erregt miteinander und schienen es nicht zu sehen.
Sie blickten auch nicht hin, als jetzt mitten in dem breiten Strom eine Segeldschunke zu Tal zog. Sie glitt unter dem dunkeln schweren Segel, das aus Baststreifen geflochten war, lautlos wie ein Zauberschiff vorbei und in das rauschende Wehen hinein, zu welchem die Geräusche des Stromes sich verdichteten und das das Atmen der ganzen Landschaft bildete.
Da kam den »Bund« herab im Laufschritt etwas daher, voran ein Mann, der an einem Stock eine schon brennende Laterne, eine riesengroße weiße Seidenkugel mit drei hohen roten chinesischen Schriftzeichen vor sich hinhielt und gewalttätige Warnrufe ausstieß. Vier Kulis trugen eine Sänfte. Zwei liefen vorn im Gestänge, zwei hinter dem Stuhl. Die Schriftzeichen auf der runden Laterne bedeuteten den Namen ihres Herrn.
Auf einen Befehl des Laternenträgers, welcher aber nicht, wie es sonst Sitte, ein gewöhnlicher Kuli war, sondern der Diener Nr. 1, setzten sie die Sänfte ab. Sie taten das ganz unmittelbar am Kai über dem Wasser, das, mit gelbem Sand durchstrudelt, im Dahinströmen sich mit surrenden Lauten an den Quadern der Mauer rieb. Die Kulis blieben aber wie zum Sprung bereit zwischen den Tragstangen stehen.
Es war kein gewöhnlicher Tragstuhl. Es war fast ein kleines Kupee, nach drei Seiten geschlossen, mit runden Gucklöchern rechts und links vom Sitz, und die Vorderseite, in der man einstieg, mit einem Seidenvorhang verschließbar. Es war ein Rollvorhang. Nach alter Mode hingen auch rechts und links am Einstieg in das farbig lackierte Möbel bunt bestickte, befranste und bequastete Seidenstreifen.
Nun unterbrachen auch die Chinesen ihr eifriges Geplauder und drängten neugierig heran. »Platz! Platz!« rief der Laternenträger zornig und herrisch und schwenkte den Stock mit der Laterne ein wenig hin und her, wie einen Zauberstab, der eine Gasse zu dem Tragstuhl freihalten sollte. Geduldig fügten sich die Neugierigen.
Aber ein Europäer trat heran und fragte:
»Welchen hohen Mandarin erwartest du!«
»Weiß nicht!« sagte der Diener lakonisch, womit er zu erkennen gab, daß er nicht antworten wollte. Aber ein stummes Lachen, das sein Gesicht ergeben und eifrig in Falten legte, erfüllte die Etikette und machte das Kurzangebundene der Antwort dem Gesetz der Höflichkeit gegenüber wett.
»Maski!« sagte der Europäer.
Dieses »Maski« war in China das zweite Wort zwischen Einheimischen und Weißen. Mit ihm wurden die schwersten Lagen im Handumdrehen erledigt. Das Wort war ein Bruder des russischen »nitschewo«, nicht zu übersetzen, weil ein metaphysischer Begriff drin mitlebte, den die Religion des Landes ausgebildet hatte. Wenn man versuchen wollte, an seinen Sinn heranzukommen, müßte man es etwa folgendermaßen umschreiben: Gegenüber der Macht, welche vor einer sternenhaft alten Zeit die Welt erschaffen hat und sie auf ein nicht weniger sternenhaft fernes Ziel unterhält, ist die Sorge, die ein weltlicher Vorgang in unser Gemüt einfallen läßt, etwas so völlig Verschwindendes, daß es sich nicht lohnt, auch nur den geringsten Bruchteil einer Regung daran zu verschwenden.
Der Europäer sagte also dieses »Maski« und trat von dem Stuhl und dem chinesischen Hausmeister fort. Da erschienen im Abenddunst, der bereits schwer und wie ein braunes Flocken auf dem Fluß lag, das rote und grüne Positionslicht des Dampfers, der den Umtrieb am »Bund« in Hankau veranlaßt hatte. Es war der Schanghai-Dampfer der Nischin Nischen Kaischa. Nun stellte er den Scheinwerfer ein. Die Menschenmassen am Kai, in die jetzt der Tragstuhl eingekeilt festsaß, und der »Bund« bis auf die andere Seite zu den Gebäuden des deutschen Konsulats, der deutschen Bank und der großen Kontorhäuser hin, waren plötzlich in ein gewaltsames Lichtwunder, wie in eine stillstehende Explosion, eingegossen. Etwas wie ein Stocken lähmte die Bewegung der Menschen. Aber es dauerte nur wenige Augenblicke, bis sie sich an die Grelle gewöhnt hatten und mit gesteigertem Eifer dem Anlegen des Dampfers entgegenwarteten.
Ganz zuvorderst hielt sich der Chinese mit der brennenden runden Seidenlaterne. Er hob sie hoch, damit der Reisende, für welchen der Tragstuhl am Kai stand, Schriftzeichen und Namen lesen und erkennen konnte, wo er erwartet wurde. Als einer der ersten Reisenden erschien auf dem Steg, der das Schiff mit dem Kai verband, ein auffallend großer und eleganter Mann in europäischer Kleidung. Er drängte hastig vor. Der Chinese mit der Laterne erblickte ihn, zwängte sich achtlos zu ihm durch, verbeugte sich tief und machte mit erregten Rufen Platz, damit er zum Tragstuhl durch konnte. Er hob den Rollvorhang, der Herr stieg ein, die vier Träger schulterten den Stuhl, und in demselben Augenblick begannen sie zu laufen, der Laternenträger voran.
Der Europäer, der den chinesischen Hausmeister nach dem Besitzer des Tragstuhles gefragt hatte, sah, daß der Mann, der schließlich in den Stuhl gestiegen war, gar kein Chinese zu sein schien. Er fühlte sich befremdet. Er hatte nie erlebt, daß um einen Europäer so rein chinesische Anstalten getroffen worden waren. Dann schüttelte er aber die Schulter, sagte wieder: »Maski« und begann sein Interesse den aus dem Schiff Steigenden zuzuwenden.
Es war ein Angestellter des deutschen Konsulats, der den Auftrag hatte, die junge Dame abzuholen, welche der neu eingerichteten Wirtschaftsstelle zugeteilt worden war. Die Ankunft der »Ermland« in Schanghai war vor vier Tagen dem Konsulat drahtlich mitgeteilt worden. Man hatte erwartet, daß das junge Mädchen gleich den Anschluß mit der »Yuenkiang Maru« benutze. Aber es kam niemand von Bord, der sie sein konnte.
Um keine Möglichkeit außer acht zu lassen, ging der Beamte noch aufs Schiff und fragte den japanischen Manager. Mit einem asiatischen Lächeln wurde ihm versichert, es sei nicht möglich, daß der Aufenthalt einer solchen jungen Dame auf dem Schiff nicht auf das Angenehmste bemerkt worden sei. Mithin sei sie nicht mitgekommen. Der Deutsche überlegte sich, ob er nicht die Gelegenheit benutzen sollte, um nach dem Europäer zu fragen, den die chinesische Sänfte erwartet hatte, hielt es dann aber für unter seiner Würde, sich so neugierig zu zeigen, grüßte dankend und ging zum Land zurück.
Der Tragstuhl eilte derweil die langen Kais der europäischen Niederlassungen am Jangtse dahin, über den Franzosen-, den Russen-, den Engländerkai der Chinesenstadt Hankaus zu, an der plötzlich die Straße aufhörte, weiter am Wasser entlang zu laufen. Die Häuser schoben sich dicht über das Ufer.
Die Kulis mit der Sänfte drangen, geführt von dem in ununterbrochenem Jähzorn Warnrufe ausstoßenden Laternenträger in das Gewimmel der Chinesenstadt. Es war Nacht geworden. Die nach den Gassen offenen Läden hatten ihre Lichter angezündet, und die Waren, die Gegenstände, Lebensmittel oder Stoffe, Holzschnitzereien oder Kerzen, Schuhe oder Reis oder Heilwurzeln schlummerten unter dem kargen Licht auf hohen Stapeln in der Tiefe der Läden. Der Verkäufer hielt sich über den Ladentisch vorgeneigt, der den Raum gegen die Gasse abgrenzte, und ein glotzäugiges Holzbild des Hundes Fo, des Wächters des Hauses, betrachtete mit ihm zusammen den Auftrieb, den das hastige, von den Warnrufen des Laternenträgers begleitete Durchtragen der großen Sänfte in dem Gewurrel des Lebens verursachte.
Ein Schneider, der auf seinem Ladentisch in der Hocke saß, blieb mit der Nähnadel zwischen zwei Fingern in der Höhe halten, neigte sich vor und rief seinem Nachbar hinüber, einem Mann, der Seidenkokons zu Daunen zerzupfte, indem er immer wieder eine auf einen Bogen gespannte Saite hineinschnellen ließ:
»Der Tragstuhl Kungs!«
»Bu Kung!« antwortete der Kokonzupfer lachend, indem er seine Arbeit unterbrach, das untere Ende des Bogens in das schneeige Polster der aufgezupften Kokons stemmte, und sich darauf stützte, »Bu Kung ist im Rauch seines Opiums ins zweite Leben hinüber gegangen. Er ist tot!«
»Ein anderer saß im Stuhl«, sagte der Schneider. »Ein Nachfolger! Denn woher bekämen wir Opium, wenn wir niemanden hätten, der den Beamten des Zolls Schmiergelder zahlen könnte, damit sie den Schmuggel dulden?«
»Der Magistrat ist jetzt streng! Vor drei Tagen wurde auf dem Che-Hügel in Wutschang drüben wieder ein Opiumraucher erschossen.«
»Aber Kung haben sie nie erwischt! Wieviel Taels mag es ihn im Jahr gekostet haben, damit sie ihn nicht erwischten!?«
»Er hatte auch seine schnellen Seelenverkäufer in der Wasserstadt. Er wäre ihnen entwischt, wenn sie hätten zufassen wollen. Denn, mein lieber Heng, sei du Polizist und suche einmal einen in der Stadt auf dem Wasser, der nicht gefunden werden will! Auch die Polizei weiß, daß der Grund des Flusses keinen Mund hat!«
Ja, es war der Tragstuhl jenes Mannes, den der Seidenkokonzupfer Bu Kung genannt hatte und der vor kurzem gestorben war. Durch seine Hand war der ganze Opiumschmuggel des Jangtsetals gegangen, durch seine Hand, durch seine schwimmenden Lager in der Stadt der Sampans und Dschunken auf dem Hanfluß und durch seine Bankguthaben. Natürlich hatte der Schneider recht, nicht der Tote saß in dem Tragstuhl. Der Mann, der durch seine hohe Gestalt und seine Eleganz und die Tatsache, daß er Europäer war, dem Beamten des deutschen Konsulats aufgefallen war, war Beck-Duvernois.
Der Tragstuhl hastete erst durch die engen Kaufgassen der chinesischen City, dann durch Straßen, die dunkel und menschenleer in weiten Umwegen um die langen Mauern der Yamen gingen, der früheren Beamtenpaläste, schlüpfte dann hinter dem Laternenträger her in eine kurze schmale Nebengasse, und plötzlich hörten rechts und links die Häuser auf. Eine weite dunkle Fläche breitete sich aus. Es roch nach Wasser, aber auch nach hundert anderen Gerüchen, und auch die Geräusche des Lebens änderten sich. Die Schreie waren nicht so dicht, aber lauter, als sei eine größere Entfernung zwischen den Menschen.
Denn der Tragstuhl war am Rand der Wasserstadt angekommen, die sich am Ausfluß des Han in den Jangtse ausbreitete. Von der Million Einwohner, die sich in den vom Han getrennten Geschwisterstädten Hankau und Hanjang vereinigten, lebte wohl ein zehntel Teil in den Sampans und den Dschunken, auf Flößen und in Hausbooten dieser Siedlung auf dem Wasser. Viele von diesen Familien waren bereits in der zweiten oder dritten Generation hier seßhaft, wenn nicht schon länger. Andere kamen und gingen. Und das zeichnete auch die einzelnen Quartiere der Flußstadt unter sich aus. Dann gab es ganze Viertel, in denen ein ewiges Hin und Her der Boote, ein Durcheinander von Wasserfahrzeugen war, so gewahrte man andere, die in einer geordneten Ruhe und Beständigkeit zusammenhalten.
Man darf sich auch nicht vorstellen, daß sich hier nur Kulifamilien niederließen, zu einem billigen Wohnen gezwungen, oder daß sich Pack oder gar Verbrecher einen Unterschlupf suchten. Nein, hier wohnten nebeneinander Menschen, die ein ruhiges und geordnetes Leben führten, andere, die Einzelgänger waren und auf dem Wasser ihre Laune nach dem Absonderlichen besser erfüllen konnten, wenn auch gerade diese beweglichen, schwer einsichtigen und unmöglich zu durchsuchenden Viertel von Elementen bevorzugt wurden, welche den Verlauf ihrer Tage den Augen der Behörden entziehen wollten oder mußten. Wohl war es natürlich, daß auch ein Stand wie derjenige der Bettler das Wohnen in der Wasserstadt bevorzugte. Aber in China war Betteln ein Beruf, nicht ein Zeichen von Armut, wenn auch die Bettler von ihren sie beschützenden Herren ausgesaugt wurden. Zugleich mit der sozialen Rangordnung der Bewohner waren das Aussehen, der Umfang, die Verfassung, die Einrichtung ihrer Wohnungen außerordentlich unter sich verschieden.
Allerdings war unter den Tausenden von Schiffshäusern, die sich hier aneinander reihten, eine Unterkunft wie diejenige, welche sich der erwähnte Bu Kung geschaffen, doch eine Seltenheit. Nach außen stach sie freilich nicht ins Auge, und der Europäer, den Zufall oder Abenteurerlust, Wißbegierde oder ein anderer Grund an ihr vorbeigeführt, hätte sie nicht von anderen unterschieden. Sie tarnte sich nach außen.
Bu Kung war ein Kantonese gewesen. Er hatte auf Sumatra als Kuli begonnen. Mit den fünfzig ersten vom Lastentragen ersparten Gulden hatte er sich einen Laden an einer Tragstange besorgt. Aus diesem wandernden Laden war eine kleine Garküche geschaffen worden, die einen festen Stand hatte. Aus dem Straßengarkoch war der Chinese, nachdem sich in der ersten Stufe die Zehner zu Hundertern und in der zweiten die Hunderter zu Tausendern befruchtet hatten und ihm das Glück hold gewesen, ein kleiner chinesischer Hotelier in Hongkong geworden, hatte das Hotelchen verkauft und sich mit dem Erlös ein Opiumhaus in Macao zugelegt.
Er war sparsam gewesen, legte einen Teil seines Geldes in Hausbesitz an und hielt sich eine größere Summe flüssig, mit welcher er bewegliche, oft ändernde Geschäfte machte.
Eines dieser Geschäfte hatte ihn einige Jahre vor der chinesischen Revolution von 1911 nach Hankau gebracht, wo er sich niederließ, als er die großen Entwicklungsmöglichkeiten dieser Jangtsezentrale erkannte. Er war ein wohlhabender Mann geworden und hatte sich ein Haus außerhalb der Mauer von Hanjang gebaut.
Als 1911 die Gärung in China begann, legte er sein bewegliches Vermögen in Perlen und hochwertigen Edelmetallen an und ließ sich ein Hausboot bauen, in dessen Kielraum er seine Schätze verbarg. Er gab sein Haus auf und wohnte nun ständig in dem Boot, das inmitten der anderen unauffällig im Fluß festgemacht lag.
Das rettete ihm Vermögen und Leben. Denn als der blutige 9. Oktober von 1911 die Fluten des Jangtse bei Hankau mit dem Blut der Erschlagenen färbte, daß der Fluß nicht mehr gelb, sondern rot war, entkam er dem Blutbad, welches die Generäle Li Jüan Hung und Huang Küng anrichteten, indem er sich davonrudern ließ, und in rascher Fahrt den Jangtse hinab nach Schanghai in Sicherheit kam.
Nun war ihm das Leben auf dem Wasser und in dem Boot gewohnt und angenehm geworden. Es war freier als das an Land. Die Nachbarn wechselten. Man war unbeobachteter, hatte weniger Bindungen einzugehen und konnte sich unauffälliger bewegen.
Nachdem wieder sichere Zeiten gekommen und er nach Hankau zurückgekehrt war, ließ er sich inmitten des Gerudels des Wasserquartiers nieder. Die neue Zeit hatte die Grundlage der Geschäfte zerstört, die er vor der Revolution betrieben. Er suchte etwas Neues und kam auf ein Gebiet, das er von Macao her kannte, als er Besitzer des Opiumsalons gewesen war.
Die neue Regierung hatte das Rauchen des Opiums untersagt. Sie belegte ein Vergehen gegen das Verbot mit den strengsten Strafen. Dadurch wurde der Handel mit Opium ein großes Geschäft. Die Droge mußte durchgeschmuggelt und durch eine Geheimorganisation vertrieben werden, und die Beteiligten erhoben eine Risikoprämie, die sich in einigen Hundert Prozenten ausdrückte.
Kung wurde nun bald durch seine Waren- und Landkenntnis und seinen entschlossenen Griff der Mann, der das ganze obere Jangtsegebiet bis tief nach Ssetschuan hinein, über Tschunking bis Tsöngtufu mit Opium versorgte. In wenigen Jahren war er zu einem der reichsten Männer Hupes geworden, der Provinz, deren bedeutendste Stadt Hankau war.
Aus dem Hausboot, das ihn gerettet hatte und zunächst ganz allein sein Quartier war, wurde allmählich ein kleines Gemeinwesen für sich, das innerhalb der beweglichen Umgebung zu einer winzigen Stadt zusammenschmolz. Sein Wohnboot war groß und unauffällig nach außen, nach innen bequem und kostbar eingerichtet. Es lag in der Mitte einer Flottille von Sampans, Dschunken und raschen Booten, die als Warenlager oder als Transporter dienten, als Kasernen für seine Angestellten und Arbeiter, ja er hatte Gastboote hinzugesellt, die, wie seine eigene Choatze, bequem und kunstvoll eingerichtet waren.
Inmitten der Ansammlung lag ein niedriges Boot, das sich in seinem Aussehen von den anderen unterschied, weil es keine Plattform für die Ruderer hatte. Auch war es nicht aus Holz, sondern aus Stahlblech. Es zeigte die Form eines Trogs. An allen vier Seiten hatte es je eine durch eine Schiebeklappe verschließbare schlitzähnliche Öffnung. Diese kaum handbreiten Öffnungen sahen fast wie Schießscharten aus.
Es war Kungs Gefängnis. Denn er unterhielt auch eine eigene Polizei, welche sich die Rechte einer Gerichtsbarkeit zusprach. Sie war um so ungehinderter tätig, als die meisten Urteile auf Tod lauteten und aufs Verschwiegenste an Ort und Stelle vollzogen wurden. Die beiden Zellen, aus denen das Gefängnisboot bestand, hatten nämlich einen Boden, den ein Mechanismus von außen wegschieben konnte, so daß die durch Vergasung ohnmächtig gemachten Verurteilten geräuschlos in den Fluß glitten. Das Wasser war immer bereit und war stumm.
Die Durchschlagskraft von Kungs Willen war so stark, die Organisation seiner Bande so straff, daß der Terror, welchen sie in seinem Auftrag ausübte, bis in den Yamen des Gouverneurs der Provinz ging, der nicht wie früher aus dem Adel und dem akademischen Beamtenstand ausgewählt worden, sondern von dem Wirbel der Revolution – wie das sich als Gewohnheit in der Geschichte ausgebildet hat – aus der unteren Klasse heraufgespült worden war.
Trotzdem dieser Mann gestorben war, ging sein Unternehmen weiter, als ob er es noch leiten würde, so lebendig war die Kraft seines Gedankens in den Kreis seiner Angestellten übergegangen.
Pu, Beck-Duvernois' Diener, der aus Kungs Umgebung gekommen war, hatte für seinen Herrn auf einem der Gastboote Quartier besorgt. Von der auf den Fluß mündenden Gasse, durch welche der Tragstuhl die geschlossene Stadt verlassen hatte, ging ein geschickt getarnter, nur dem Eingeweihten erkenntlicher und von Kungs Polizeitruppe stets bewachter Weg über Flöße und Kähne bis zu der Niederlassung. Beck-Duvernois gelangte hin, ohne die Sänfte verlassen zu haben. Kurz nach ihm kam auch sein Gepäck an.
Es vergingen einige Tage, bis Pu heraus hatte, daß der Ingenieur Keill und Fräulein Voyder auch in Hankau angekommen waren. Der Ingenieur wohnte in einem der Hotels am »Bund«, Fräulein Voyder im Bungalow des Kanzlers des Konsulats, der verheiratet war und kleine Kinder hatte.
Als Pu diese Kunde brachte, hatte Beck-Duvernois eine längere Aussprache mit ihm. Das erste Ergebnis dieser Aussprache war, daß die Ama des deutschen Beamten kündigte. Die »Ama«, die Kinderfrau, ist eine wesentliche Einrichtung der Europäerhaushalte in China. Sie betreut die Kinder und hilft der Hausfrau. In einem solchen Haus geschieht nichts, das ihr nicht zur Kenntnis käme. Die Ama erklärte, sie müsse sofort heim. Sie war aus Hunan. Aber sie hatte eine andere bereit. Es war ein nicht mißzuverstehender Wink an sie ergangen; zu verschwinden und der anderen, die von Pu gestellt wurde, Platz zu machen.
Der Diener Nummer zwei aus Keills Hotel, der die Zimmer zu besorgen hatte, blieb eines Tages aus. Doch verging keine halbe Stunde, so hatte sich ein anderer gemeldet. Auch hier spielte die Hand Pus, und nun war dieser in der Lage, seinen Herrn fortlaufend über jeden Schritt des europäischen Paars zu unterrichten.
Beck begann auf dem Hausboot ein Leben, das sich wie aus einer Nebenwelt heraus zu speisen schien. Er hatte Tiffriche in Schanghai zurückgelassen und sprach nie mit einem anderen Menschen als mit seinem Diener Pu. Das Boot, in welchem er wohnte, hatte mitschiffs zwei ineinandergehende Kabinen. Die größere, die zum Eß- und Aufenthaltsraum benutzt wurde, hatte drei auf vier Schritte im Geviert, die kleiner war als sein Schlafkabinett, mit einem aufklappbaren an die Wand festgemachten Lager. Hinter ihr stieg das Schiff im Heck höher hinauf. Hier lag eine winzige Kochgelegenheit, und an ihr hatten Koch und Diener ihre Schlafstelle. Nach vorn ging das Schiff in ein geräumiges flaches Deck aus. Auf der Reise hatten die Ruderer hier ihren Platz, an die dreißig Mann. Jetzt war ein Segel darüber gespannt, und es diente als eine Veranda und war auch mit Liegestühlen ausgestattet.
Doch Beck-Duvernois benutzte sie selten und nur, wenn es dunkel war. Denn das Gelingen dessen, was er vorhatte, hing davon ab, daß niemand wußte, und insbesondere daß Veronika nie erfahren würde, daß er zugleich mit ihr und Keill in Hankau sei. Aber wenn er sich, um einmal von der Enge und Eingeschlossenheit des Bootes freizukommen, in der Finsternis auf einem der Liegestühle ausstreckte, trieben ihn die hundert Gerüche, denen seine europäischen Schleimhäute nicht gewachsen waren, wieder ins Innere zurück. Dieses schützte er durch ununterbrochenes Verspritzen seines russischen Lederparfüms vor den Gestänken.
Das Leben, das er in diesem winzigen, schwimmenden Wasserpalazzo führte, stellte ungeheuerliche Anforderungen an seine Selbstüberwindung. Beck hatte nicht die Gewohnheit, zu trinken. Aber er rauchte die fingerdicken Zigaretten von Simon Arzt aus Port Said bis ins Bett hinein und rauchte sich morgens mit ihnen aus dem Bett heraus. Es war sein einziger Zeitvertreib. Denn auch das Essen war ihm gleichgültig.
Wenn er dann mit ausgestreckten Beinen in dem Korbsessel saß, schaute er dem Aufflug der blauen Rauchranken nach und machte aus ihnen stählerne Lassos, oder Halsringe, Fesseln oder Zangen, mit welchen grausam gesteigerte Vorstellungen den Hals seines Gegners einfingen. Er zog zu, bis er die Augen aus den Höhlen quellen sah, und aus dem einen Bild entstanden durch Stunden Reihen von Bildern, berstend von Roheit und Gewalttätigkeit. In ihnen folterte er in endlosen Übergängen den Ingenieur zu Tode.
Eines Abends führte Pu ihn zu dem Gefängnisboot und zeigte ihm die Einrichtung, durch welche man den Boden wegrollen lassen konnte. Es war eine Folge ihrer Aussprache und Pu sagte:
»Maski, vielleicht kann blauchen!«
Wie alle Chinesen konnte auch Pu kein r sprechen und ersetzte es durch das l. Die Sprache, in der er mit seinem Herrn verkehrte, war die aus Englisch und Chinesisch verballhornte Sprache, die sich in Ostasien im Verkehr zwischen Europäern und Einheimischen herausgebildet hatte – das Pidgin.
Beck-Duvernois steckte den Kopf in die schmale Tür des ersten Raumes, und Pu leuchtete mit einer elektrischen Taschenlampe hinein. Ein Quadrat von drei Schritten nach jeder Richtung wurde sichtbar, völlig leer. Nun bückte sich Pu außenbords zu einem kleinen Kasten nieder, faßte hinein und legte einen Hebel um. Erst krachte es leise, dann ging das Geräusch in ein Surren über, während deutlich zu spüren war, wie das Boot schütterte. Beck-Duvernois sah, wie unter seinen Augen der Boden sich von der Wand löste. Im Licht der elektrischen Lampe erschien bald ein schmaler Streifen Wasser. Er hörte es durch das Surren der laufenden Maschine hindurch glucksend strömen. Als der Boden um die Breite eines Fußes gewichen war, stockte plötzlich die Bewegung. Auch das Surren verstummte.
Pu stieß einen Fluch aus. »Tausend lange Zeit nicht gehen!« knurrte er und sich niederkniend, legte er den Hebel wieder in die Ruhestellung und wollte den kleinen Apparat in dem Kasten untersuchen. Doch er verstand nichts davon. Als er aber, in der Verlegenheit, was zu tun sei, den Hebel wieder in die Anlaufstellung schlug, begann es plötzlich wieder zu surren. Mit Lauten, die sich wie ein knirschendes Seufzen anhörten, wich der Boden über den ganzen Raum zwischen den vier Wänden, und an Stelle des Bodens strudelte das Wasser als eine schwarzgelbe Flut.
Seit diesem Besuch auf dem Gefängnisboot malte Beck-Duvernois, wenn er durch Stunden fast reglos mit ausgestreckten Beinen im Sessel saß, sich aus, mit eigener Hand fasse er den Feind an der Kehle, drücke ihn in die unter dem Boot durchgurgelnde Flut und lasse das schlammige, höllenhafte Wasser solange in Keills offenen Mund hineinlaufen, bis er verstumme.
Mit einem solchen Zeitvertreib der Hölle ging er den Zwang an, ein Leben zu führen, das ihn ganz allein ließ, und es konnte vorkommen, daß in diesem blutrünstigen Zeitvertreib, in welchem er alle bösen Instinkte in der Tiefe heraufwühlte, die Liebesglut für Veronika verlohte.
Die grellen Phantasmagorien dieser Bilder mündeten in Becks wirklichen Absichten. Denn war Keill tot, so war nicht nur die Gefahr von Beira vorüber, dann war auch Veronika frei … Beck wird die erste Zeit abwarten, wird ihr eines Tages in Hankau begegnen, oder plötzlich in ihrem Zimmer stehen und ihr sagen: »Überall in der Welt habe ich versucht, es zu vergessen! Ich kann nicht!« Er wird ihr dienen. Er wird sie mit seiner Geduld oder seinem Willen, mit seiner Seele oder mit seinen Händen zwingen, die Seine zu werden. Sie wird eines Tages mürbe sein. Er kannte die Frauen. Es gab in keiner Frau eine Tugend, so stark, daß sie stärker gewesen wäre, als die Ausdauer eines Mannes!
Pu geleitete ihn eines Nachts, da Beck-Duvernois darum gebeten hatte, weil er einmal sich selber entkommen mußte, in ein chinesisches Haus, in welchem Frauen waren, Singmädchen auftraten, Opium geraucht und Glücksspiele betrieben wurden. Er wurde hier, wo sonst Europäer nicht hinkamen und auch nicht zugelassen waren, als ein Sondergast behandelt, weil er aus Kungs Kreis kam. Pu hetzte die Mädchen auf seinen Herrn:
»Geht zu dem großen weißen Fürsten, ihr silbernen Singdrosseln!« feuerte er sie an. »Ergötzt dem Erlauchten Seele und Bauch!«
Beck-Duvernois saß untätig und hochmütig, mit ausgestreckten Beinen in einem Korbsessel, dem einzigen Gegenstand, der im Haus ein europäisches Aussehen hatte, und schob die Mädchen, die sich nähern wollten, mit einer lässigen und überdrüssigen Verachtung mit den Beinen davon. Er trank Champagner, langsam und unlustig, rauchte, sprach kein Wort und schaute an dem Treiben des Hauses vorbei wie in einen Leerraum. Die chinesischen Gäste störten sich an der Gegenwart des »fremden Teufels«, mochte dieser bei sich zu Haus ein Herzog oder gar ein König sein. Nie teilt ein Chinese seine Mädchen mit einem Weißen. Als er das zweite Mal kam, leerte sich das Haus bald.
An diesem Abend wurde Beck von den Spitzeln Pus berichtet, der deutsche Ingenieur und das deutsche Fräulein hätten Anstalten getroffen, morgen das Theater zu den tausend Chrysanthemen in der Chinesenstadt zu besuchen. Beck-Duvernois hielt Pu zurück, der die Nachricht brachte. Sie hatten eine neue Aussprache, die lange dauerte. Pu hatte die Diener und die Kulis geheißen, das Boot zu verlassen.
*
Veronika Voyder hatte ihre Tätigkeit im Konsulat noch nicht aufgenommen. Der Konsul, der die Wirtschaftsstelle einrichten sollte, wurde erst erwartet. Auch Keill verschob seine Abreise ins Innere Hunans, wo er Kohlenfunde überprüfen sollte. Er vermochte nicht, sich von Veronika zu trennen. So ausschließlich Narzissus in ihrem Herzen herrschte, konnte Veronika es doch nicht verhindern, daß sie oft an Beck dachte. Über ihn war zwischen Keill und ihr nie ein Wort gefallen, und das belastete ihr Gemüt mit dem Vorwurf der Feigheit, als wolle sie sich an der Erinnerung an einen Mann vorbeidrücken, dem sie so mancherlei verdankte. Oft hatte sie das Gefühl, Beck stehe in einem tiefen Schatten in ihrem Gemüt und sehe sie schweigend und vorwurfsvoll an. Denn sie konnte sich nicht ausdenken, weshalb er von der Minute an, da sie in Schanghai an Land gegangen war und ihren Narzissus wieder gefunden hatte, wie von der Erde weggewischt war. Sie hatte von ihm nie mehr etwas gesehen noch gehört.
Während Becks Verschwinden für Veronika ein Gegenstand unablässiger Selbstvorwürfe war, nahm Keill es als eine Erleichterung auf. Für ihn war es die Befreiung von einer sehr dunkel lastenden und verwirrenden Sorge. Denn nun war es wohl gewiß, daß der anrüchige Mann endgültig aus ihrem Gesichtskreis gewichen war.
In einem kolonialen Ort wie Hankau hatte das Zusammenleben der Weißen etwas Provinzmäßiges. Ihre geringe Zahl wies sie stark aufeinander an. Sie lebten zwischen der fremden Landschaft und ihren Menschen und Einrichtungen gleichsam an Bord eines Schiffes. Wäre dieser Mann hier gewesen, so hätte es nicht ausbleiben können, daß man schon auf ihn gestoßen wäre. Hier sah jeder Europäer den andern mindestens zweimal am Tag an der Bar des Clubs. Das war selbstverständliches Gesetz. Es zu umgehen, hätte geheißen, den Lauf der Zeit rückwärts drehen.
Keill war es eine Wonne auszudenken, daß er Veronika überall hinführen konnte, und daß nirgends Gefahr bestand, dem anstoßerregenden Mann zu begegnen, dessen plötzliches Verschwinden ja eine Bestätigung für seine Anrüchigkeit bedeutete.
Die beiden waren nun eine Woche hier und waren gestern zum erstenmal in der Chinesenstadt gewesen. Zum erstenmal sah Veronika eine solche wabenähnliche Siedlung, denn durch die von Singapur war sie ja mit geschlossenen Augen durchgeführt worden. Hier gingen sie auch zu Fuß. Sie traten in viele Läden ein. Sie kauften bei einem Seidenhändler einen ganzen Ballen Seide aus Schantung. Sie standen halbe Stunden lang vor einem der Kasperletheater. Sie kauften bei einem Schmied eine der schönen Eisenlaternen, für deren Herstellung die Handwerker Hankaus bekannt waren. Sie schauten in das Treiben hinein wie in ein Kaleidoskop, sie sahen, wie schöne alte Zeichnungen durch Abdeckung mit Kalk auf Tücher übertragen wurden, Sticker an der Arbeit und die hochgestapelten Schätze der Pfandleihen.
Da sahen sie auf einem Stuhl, unter den Händen eines Barbieres einen Mann, dessen Aussehen sofort sowohl Keill wie Veronika auffiel, ja sie fast betroffen machte: Ein Chinese, der einen nach europäischer Art gewachsenen und gestutzten wohl dunkeln aber nicht schwarzhaarigen Schnurrbart hatte. Es war seltsam und komisch.
»Es ist ja wie ein Witz, den sich die Rasse mit einem ihrer Angehörigen geleistet hat«, bemerkte Veronika.
»Vielleicht ist der Schnurrbart aber europäischer Import?« meinte Keill.
»Angeklebt? Nein!« sagte Veronika.
»Angeliebt!« lachte Keill.
Als sie später am Theater zu den tausend Chrysanthemen vorbeigingen, faßten sie den Plan, es am nächsten Abend zu besuchen. Keill traf die notwendigen Vorbereitungen. Er sorgte über einen der Compradore der Hanjangwerke dafür, daß ihnen ein besonderer Platz freigehalten würde, und durch seinen Zimmerdiener, den Diener Nummer zwei des Hotels, ließ er Tragstühle bestellen.
Nachdem über Pus Geheimdienst Beck-Duvernois Kenntnis von diesen Absichten bekommen hatte, setzte er die Nacht des Theaterbesuchs zur Ausführung seiner Pläne gegen seinen Feind an. Pu übernahm die Ausführung. Auch die Taktik, mit der vorgegangen werden sollte, stammte von ihm. Sie hatte zum Ziel, den Tragstuhl mit dem Ingenieur von dem andern zu trennen, wenn sich die Europäer nach dem Schluß der Theatervorstellung heimtragen ließen, und ihn sofort zur Wasserstadt zu leiten. Der Insasse würde auf bewährte Art während des Wegs, im Innern, mit dem weißen Pulver betäubt, in bewußtlosem Zustand in das Gefängnisboot gebracht, – und ein paar Augenblicke später krähte kein Hahn mehr nach ihm …
»Oder wollen Sie den Herrn vorher noch sehen?« fragte Pu.
Eine grausame Lüsternheit verzerrte sein breites Gesicht. In einem Wutanfall schrie Beck-Duvernois ihn an:
»Nein! Ich gehe in das Frauenhaus! Ich will die Nacht ungeschoren bleiben!«
Haßdurchflammt schaute er Pu in die Augen und sah darin den Ausdruck entmenschter Lüste. Pu war bis auf die Haare vollkommen Chinese. Er hatte die hohen mongolischen Backenknochen, die dunkeln Schlitzaugen, die feingerundete Knollennase, doch nicht das drahtige Haar. Pus Haar war fast seidig und von dem europäischen Vater her auch mit einer helleren Unterfärbung. Gewöhnlich verbarg er es in einer weiten Ballonmütze. Aber vor seinem Herrn hatte er diese abgenommen.
Auch trug er einen kurz gestutzten Schnurrbart aus dicht aneinanderwachsenden Haaren, wie er nie unter einer chinesischen Nase gedieh. Beck-Duvernois schien jetzt zum erstenmal zu sehen, daß das Haar an Kopf und Bart nicht mit dem übrigen Teil des Kopfes übereinstimmte.
»Du bist ein vielfach zusammengesetzter Teufel!« knirschte er.
»Herr, mache ich es gut oder schlecht?« fragte Pu ein wenig gekränkt.
»Besser als die Hölle, scheint mir,« knurrte Beck-Duvernois. Er wischte mit der Hand durch die Luft zum Zeichen, daß es ihn störe und errege, noch weiteres über die Sache zu hören, die in ein paar Stunden ihren Ablauf nehmen sollte.
*
Der Diener Nummer zwei des Hotels hatte zwei Tragstühle, den einen für die leichte junge Dame mit zwei, den für den schwereren Europäer mit drei Trägern hergeholt. Er hatte auch Sorge getragen, daß er die Laternenkulis bestimmte, welche die Sänfte begleiteten und den Trägern den Weg beleuchteten.
Für Keill war eine chinesische Theateraufführung nichts Neues. Aber Veronika war verwirrt vor dem Übermaß des Fremden. Das achtlose Durcheinander zwischen Bühne und Zuschauern neben dem ehrfürchtigen Überkommen der Darstellungsweise, das kreischende Fiedeln der Geigen, das steinerne Getriller der Flöten, das Dröhnen und Krachen der Gongs, die sich überkreischenden Fisteltöne der Stimmen und die akrobatische Auflösung der Körper zu Arabesken, die ein magisches Leben besaßen, stießen gegen ihr Gemüt, häuften sich mit bedrohlicher Überfülle vor ihrer Stirn an und fanden keinen erlösenden Eingang. Und als lange nach Mitternacht die Vorgänge auf der Bühne verlöschten, für Veronika mit nicht mehr Übergang als das Ausblasen eines Kerzenlichtes, war sie betäubt und wie von einem seltsamen Gift sachte betört.
So nahm sie draußen kaum wahr, daß Narzissus sie in die für ihn bestimmte Sänfte schob, weil diese sauberer und bequemer sei und von drei Männern ruhiger getragen werde als die, welche sie zum Herkommen benutzt hatte.
Die drei Kulis liefen auch schon mit dem Tragstuhl an, bevor Keill bis zu dem andern hingekommen war. Doch diese Überhast in der Arbeit war ja Sitte in China. Keill lächelte dem Eifer nach, inmitten dessen die Sänfte mit seiner Veronika in dem Gewirre der aus dem Theater drängenden Besucher in der mit Menschen überfüllten Gasse verschwand. Er würde sie halt am Hotel wiederfinden. Er machte sich keine Sorge. Seinen eigenen Tragstuhl sah er eine Weile in eine heftige Ansammlung von Menschen eingeschlossen, durch welche ihn die Träger nicht durchzwängen zu können schienen. Keill neigte sich heraus und rief befehlerisch um Platz.
Er konnte nicht wissen, daß diese Menschenschar nicht zufällig dahergekommen war und seine Sänfte umklammert hielt. Sie wurde von einem Beauftragten Pus angeführt und hatte die Aufgabe, sich zwischen die beiden Sänften zu schieben und sie zu trennen. Durch die verschiedene Zahl der Träger waren die Sänften auch in der Dunkelheit leicht voneinander kenntlich gemacht worden, ein Werk des von Pu gekauften Dieners Nummer zwei aus dem Hotel. Die Sänfte mit den drei Trägern sollte vom richtigen Weg abgeleitet und aufs eiligste zum Fluß gebracht werden. War das gesichert, mochte die andere zur Europäerniederlassung und zum Hotel durchgelassen werden.
Der Laternenkuli vor der ersten war ebenfalls ein Mann Pus. Während er – die Träger waren schon im Laufen – den Rollvorhang herabließ, schob er ein kleines Becken, in welchem auf Holzkohlen ein weißes Pulver verglühte, unbemerkt unter den Sitz. Schon an der nächsten Quergasse lief er links ab von der Straße, die nach der Konzession der Europäer hin die Chinesenstadt verließ, leitete den Stuhl hinter sich her zum Ufer des Han, ohne Einhalt den geheimen Weg über die Flöße und Boote zu Kungs Schiffen.
Drei Minuten später wäre der durch das weiße Pulver betäubte weiße Ingenieur in Beck-Duvernois' Händen und der Anschlag geglückt gewesen, wenn nicht Keill seine Sänfte für sauberer und bequemer als den Tragstuhl Veronikas gehalten und diese in ihn hineingeschoben hätte.
Es war alles so still und in einer solchen Eile gegangen, und hatte so vortrefflich geklappt, daß Pu, der im Hausboot seines Herrn auf den Tragstuhl wartete, erst am Gefängnisboot ankam, als Veronika Voyder schon in rausch-ähnlicher Betäubung in den vorderen Raum eingeschlossen auf dem Boden lag.
»Drin?« fragte Pu leise. Der Laternenträger nickte.
»So –« machte Pu und lachte einmal heraus, »nicht gefackelt!«
Er bückte sich zu dem kleinen Kasten, der den Hebel zu dem Mechanismus barg und legte ihn um. Ein surrendes Poltern ertönte, das Boot schütterte leise. Das Gefühl eines wilden Taumels erhitzte Pus Adern. Er hob die beiden Hände, in denen es unter blutrünstigen Vorstellungen prickelte, an die Eisenwand, hinter der das Opfer sich dem Schoß des Han und dem Tod näherte, und streichelte über sie. Es war, er streichelte dem Tod selber die Flanken.
Die Kulis lachten mit unheimlichen, glucksend unterdrückten Lauten, die etwas von dem schluckenden Getön der Wasserwirbel hatten. Dazwischen stießen sie schrill pfeifende Töne aus und begannen dann leise zu psalmodieren, indem sie in die surrende Melodie der Maschine, welche im Innern den Boden wegzog, hineinsummten:
»Alter Bauch des Han,
öffne dich und sing dem Gotte Lob.
Du wirst diese Nacht
wieder eine gute Speise knabbern …«
Pu schob sich auf den Zehen an der Eisenwand hoch, begann die Klappe über dem Guckloch wegzuschieben, um ins Innere hineinzusehen und zuzuschauen, was der Boden mache, und wie er den Körper des Opfers in die Flut kippen ließe, wenn er sich unter ihm weggezogen habe. Bevor er aber seine elektrische Taschenlampe an dem Schlitz hatte, damit ihr Licht den Raum erleuchtete, stoppte plötzlich der Mechanismus. Er stieß einen Fluch aus. Er hatte einen Mechaniker gesucht, der die Maschine nachsehen sollte. Der war aber verreist gewesen und sollte erst in der Nacht wiederkommen. Dann hatte Pu es vergessen.
Er untersuchte nun im Licht seiner elektrischen Taschenlampe den kleinen Kasten, wartete noch ein wenig, indem er das Ohr an die Eisenwand preßte. Als er nichts hörte, legte er den Hebel um. Vielleicht hatte er Glück, wie das letzte Mal, da er es seinem Herrn vorgeführt hatte, als der Hebel nur hatte wieder in die Laufstellung zu gehen brauchen. Wieder wartete Pu einige Augenblicke und schrie die Kulis an, die ihren Psalm weitersummten: »Haltet das Maul, ihr Bäuche voll Aas!« Mit einem wilden Zorn in den Augen schaute er zu ihnen hinauf, von denen in der Finsternis nur geisterhafte Umrisse zu erkennen waren.
Dann legte er sanft und ein wenig mit der Stimme schilpend, als gelte es ein Tierchen aus einem Schlupfwinkel zu locken, den Hebel um.
Ein kleines Krachen ertönte, verstummte aber wieder fast in derselben Sekunde, und er mochte nun den Hebel um und um legen, geduldig oder wütend, sanft oder grob, er mochte ihn streicheln, mit der Faust bearbeiten, beschimpfen, mit den Fingernägeln ihm ins Holz kratzen – das Maschinchen blieb tot.
Was tun? überlegte Pu.
Er war ein Menschenkenner. Jedenfalls kannte er seinen Herrn. Er wußte, erfuhr dieser, daß die Vollstreckung seines Willens versagt habe, weil die Maschine nicht in Ordnung gehalten worden war, so hatte das üble Folgen.
Der Herr wollte nicht übermäßig mit der Sache belastet werden. Er erwartete eine pünktliche Arbeit. Er saß jetzt in dem Singmädchenhaus und dachte an nichts anderes als an die Meldung: Es ist geschehen! und dachte nicht an lange Erklärungen, der Mechanismus sei tot und nicht der Mann im Boot drinnen, und der Mechaniker sei verreist gewesen usw. …
Der Herr hatte schwache Nerven. Er konnte wohl im Kopf mit, aber mit den Nerven konnte er nicht mit. Er war ein Europäer, kein »Sohn des Himmels«. Irgendwo im Innern haben die Europäer eine Stelle, an welcher sie stark waren, stärker sein konnten als die »Söhne des Himmels«, aber wo Hand und Hirn zusammentrafen, da machten sie leicht schlapp.
Wohl würde Pu ja auch jetzt noch den Mechaniker holen können. Aber der wohnte hinter der Eisenbahn in Hankau, und der Herr wartet seit einer halben Stunde im Singmädchenhaus. Er sitzt in dem Korbsessel und schiebt mit seinen langen Beinen die Mädchen weg, stößt Verwünschungen gegen ihn, Pu, aus, weil er nicht das Wort brachte: Es ist geschehen!
Und selbst wenn Pu noch so rasch zu dem Mechaniker eilte, so konnte es geschehen, daß dem Herrn bei den Mädchen die Geduld ausging und daß er sich eine Sänfte holen ließ … und dann ist er, Pu, weg, wenn der Herr herkommt, und der Herr öffnet dann womöglich die Eisentür und sieht, daß der Mann drinnen noch genau so am Leben ist wie er selber, und Pu hat doch gesagt, diese Nacht tritt er aus dem Leben hinaus. Pu wird sein Gesicht verlieren.
Eine weinerliche Stimmung wandelte ihn an. Er legte jetzt mit einer bangen Zärtlichkeit nochmals das Ohr an die Eisenwand und streichelte mit der Hand über den Kasten mit dem verhexten Hebel, streichelte und murmelte schmeichlerische Worte, als vermöchte er den störrischen Mechanismus zu betören.
Da geschah es plötzlich, daß er jemanden springen hörte, dicht hinter sich. Das Boot schwankte. Eine Stimme hauchte keuchend eine Frage durch die Finsternis:
»Geschehen?«
Beck-Duvernois stand auf dem Boot.
Er hatte in dem Mädchenhaus getrunken, was er nie tat. Champagner und Whisky durcheinander. Er hatte es ohne die betäubenden Hilfsmittel des Alkohols nicht mehr ausgehalten, und als es Mitternacht geworden war und nochmals eine Viertelstunde und wiederum eine Viertelstunde später, schrie er nach einer Sänfte und ließ sich zum Fluß tragen. Am Ufer sprang er aus dem Fahrstuhl heraus und stürmte den Weg über die Flöße und Boote.
So erschien er, wie aus dem Strom gewachsen, in der Nacht plötzlich vor Pu. Der schoß in die Höhe. Überrumpelt, war er im Begriff, irgendeiner lügenhaften Erklärung nachzudenken, als er merkte: Das Boot schütterte wieder. Die gewaltsame Bewegung durch Becks Sprung hatte die Störung gelöst. Die Maschine lief. Wie ein süßer Wohlgesang erklang ihr Surren, von Weile zu Weile von den seufzend kratzenden Geräuschen übertönt, die im Innern der weichende Boden hören ließ.
Auch Beck-Duvernois hörte die Geräusche und wußte, sie waren das Totenlied des Feindes. Da fuhr durch sein berauschtes Blut hindurch ein heißer Griff an seine Schläfen. Ein Teufel erfaßte ihn. Ein blutlechzender Ingrimm durchwirbelte seine Vorstellungen. In grausamer Übersteigerung geboten ihm die bösen Triebe, den Untergang des Feindes mit ansehen zu müssen und ihn in seiner letzten Minute zu beschimpfen.
Die Maschine sang jetzt mit einem flotten Schnurren. Beck-Duvernois' Ohr an der Eisenwand hörte das leise Krachen des weichenden Bodens.
»Licht!« schrie er.
Pu verstand, daß sein Herr hineinschauen wollte. Er machte sich daran, die Klappe vor dem Einguck wegzuschieben und die elektrische Lampe so zu halten, daß ihr Licht ins Innere fiel. Aber der Schlitz war sehr schmal. In der furchtbaren Gier, die unter den heimlichen Lauten der Maschine und des weichenden Bodens Beck-Duvernois' Nerven immer weiter aufpeitschte, schrie er:
»Die Tür!«
Pu leuchtete die Vorderseite ab, in deren Eisenwand sich schmal die Türe abzeichnete. Er schloß sie auf. Beck-Duvernois drängte ihn beiseite, faßte die Kante der Tür in die Hand und torkelte in den schmalen dunkeln Spalt.
»Leuchte! Schuft!« knirschte er.
Er neigte sich in die Finsternis vor, aus welcher er die Flut heraufhörte, und auch die Leuchtscheibe von Pus elektrischer Lampe fiel erst auf das Wasser, das schon weit über die Hälfte den Boden bedeckte. Gelber Sand und Schlamm quirlten wie molchhaft entfärbtes Blut in dem strudelnden Weggleiten des Wassers.
Dann erreichte die Lichtscheibe die Kante des Bodens, die langsam und leise, einen Spann hoch über dem Wasser rückwärts wich, gegen etwas zu, das wie ein Packen da lag und nicht recht zu erkennen war.
Aber Beck wußte doch, auch wenn er betrunken war, was dieser Packen bedeutete … »Du! Du!« knirschte er fluchend in die Düsternis hinüber, aufgewühlt, voll Haß, und Schaum trat ihm aus den Mundwinkeln.
Pu hielt das Licht nun stetig auf den zurückweichenden Boden gerichtet, und Beck sah weiter zu, wie in kaum merklichen Rucken dieser unter der Wand gegenüber, wie in eine Versenkung, verschwand. Der noch sichtbare Streifen war schon so schmal geworden, daß höchstens für zwei eng aneinander gepreßte Menschenkörper Raum darauf war, und die Hälfte davon war von dem eingenommen, dessen Untergang zu erblicken Beck die Tür geöffnet hatte.
Der unter die Wand einschlüpfende Boden hatte den Körper dicht an diese herangeschoben. Nur noch Minuten konnte es dauern, bis der Boden so weit davon gewichen war, daß er über die Kante in das Wasser hinabkippeh mußte. Das erschien dem betrunkenen Beck so komisch, daß er in eine gräßliche hysterische Lache ausbrach. Aber plötzlich bekam der Körper da unten in der Zelle Übergewicht nach vorn und wendete mit einem Ruck dem Zuschauer das Gesicht zu. Zugleich rutschte der eine Arm vor, und die Hand schlug hörbar auf den Boden auf.
Da erstarb das Lachen in Becks Mund. Einen Blutschlag lang starrte er, den Mund tonlos geöffnet, die Haare gesträubt zu dem Gesicht mit den geschlossenen Augen. Dann brach er in ein wüstes Brüllen aus. Es klang wie von einem Tier auf der Schlachtbank. Aber fast zugleich stürzte sich Beck auf Pu, schraubte seine Finger an dessen Kehle und: »Hund! Hund!« gellte es in die Nacht.
Beck hatte erkannt, daß nicht der Ingenieur dort lag, eine Spanne vom Untergang und Tod, sondern Veronika.
Die Kante des weggleitenden Bodens hatte jetzt die herabhängende Hand erreicht. Diese rutschte über den Rand und klatschte leicht ins Wasser, das sofort kleine Strudel um sie zu bilden begann.
Beck-Duvernois war mit einem Schlag nüchtern. Er ließ Pus Hand los. »Abstellen!« keuchte er mit sich überschlagender Stimme, stieß Pu zu der Tür zurück und wiederholte, nun fast geistesabwesend: »Abstellen! Abstellen!«
Pu verstand. Er hatte hinter seinem Herrn gestanden, als der Körper sich gewendet, und hatte das Gesicht des europäischen Fräuleins erkannt. In einer Sekunde hatte er den Hebel zwischen den Fingern und schlug ihn um. Das Surren der Maschine verstummte. Der Bodenstreifen, der noch sichtbar war, stand stille. Das Wasser war bis auf die Breite eines Ärmelumschlags an den Körper herangekommen.
Während der nächsten Viertelstunde machte Beck-Duvernois die härteste Prüfung seines Lebens durch. Veronika war aus dem Boot herausgeschafft worden, und Beck hielt sie in seinen Armen. Sein Gesicht lag an dem ihrigen, das ihm in der Finsternis blaß zu irisieren schien.
Nie war eine solche Kraft der Liebe durch seine Adern gegangen. Gaukeleien suchten ihn heim … Wenn er sie jetzt in sein Boot trüge, wenn er die Läden geschlossen hielte, die Welt draußen vergessen würde! … Jeden Augenblick konnte sie aus der Betäubung erwachen, die Augen öffnen, ihn sehen. Ein Riß ging durch sein Herz. Was würde geschehen, wenn sie ihn erblickte und erkennte!? Aber er könnte sie rasch in das Boot tragen, sie wäre seine Gefangene, seine süße, geraubte gefangene Braut!
In ungekannte Liebeswirren verstrickt, flüsterte er törichte Worte der Zärtlichkeit und Leidenschaft. Niemals in seinem Leben hatte er einen Augenblick von solcher Entzündung erlebt. In ihm war zugleich etwas von einem Knaben und einem Räuber.
Aber Verstand und Überlegung siegten.
Der Tragstuhl war auf einem Floß nebenan abgestellt worden. Beck trug die Bewußtlose hin und legte sie behutsam auf den Sitz, zog den Rollvorhang herab.
»Geh mit!« befahl er Pu. »Du bürgst dafür, daß sie heil in ihre Wohnung kommt!«
Chinesische Diener kennen sich in den Wohnungen der Herrschaften ihrer Kollegen und Freunde aus, wie in denen der eigenen. Pu hatte die Dienerin des Konsulatsbeamten, in dessen Bungalow Veronika wohnte, bald auf der Straße. Er beeilte sich, ihr die notwendigen Erklärungen zu geben, bevor man im Haus aufmerksam werden könnte, und als die Kinderfrau den Vorhang hinaufrollte, saß Veronika mit offenen Augen da. Sie war wohl stark benommen, doch bei Bewußtsein. Die Dienerin half ihr heraus und ins Haus und ins Bett.