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Das Teutsche Dichterroß

von Hanns Theodor Wilhelm Freiherr von Gumppenberg

Verlag: Verlag Georg D. W. Callwey | Jahr: 1918

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Kapitel 67

Im Spiegelturmgemach

Im grauen Schloß,
Umschlichen vom Glasglast
Der hohen Klause
Hinter den Schattenriegeln,
Über und unter den Spiegeln
Laß uns schweigend beharren
Und bis zum Grund der Schwindelgründe starren.

Sei nicht erschrocken
Von den Gedankenträumen –
Lasse dich locken
Von den getrunknen Räumen!
Ihr Stürzen ist Ragen –
Laß dich tragen
Und fallen
Von allen zu allen!

Aber denke der Tiefe nach!
Du mußt es spüren,
Wie sie dich führen
Dahin, wo keiner dich riefe,
Weil jeder schliefe –
Das ist die Tiefe.

Denk', o denke der Tiefe nach,
Denk' an die Schauerferne der Nähe –
Sieh, dann erhebt sich das Spiegelgemach,
Weib, und wir stiegen zur Höhe!
Denn dann ist es, wies damals war,
Als mein gesamtes Mobiliar
Erst mahnend gekracht,
Dann auf sich gemacht
Mit mir in die Nacht,
In die Höhen der Gründe,
Wo ich mein Schweigen verkünde.

Nach Wilhelm von Scholz