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Das Teutsche Dichterroß

von Hanns Theodor Wilhelm Freiherr von Gumppenberg

Verlag: Verlag Georg D. W. Callwey | Jahr: 1918

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Kapitel 36

Der Knabe von Tirol

Du kamst doch sonst so seelenfroh
Von deinen Bergen her:
Was macht dir denn mit einem so
Das junge Herze schwer?
O weh, ach weh, dir ist nicht wohl,
Du holder Knabe von Tirol!

Die Mägdlein kennen nimmer dich,
Und Keinem machst du's recht,
Es fehlt dir sicher innerlich,
Und sonst auch geht dir's schlecht;
Weh, weh im dünnen Camisol,
Du holder Knabe von Tirol!

Ach, deine Lippen rot und jung,
Sie finden keinen Kuß,
So drückst du dich mit scheuem Sprung
Durch kalten Regenguß.
Komm', komm'! komm' unter's Parasol,
Du holder Knabe von Tirol!

Du thust mir so von Herzen leid,
Ich kann dich gar nicht seh'n,
Ich möcht' in meiner Traurigkeit
Für dich zu Grabe geh'n!
O weh, ach weh! wie welk der Kohl –
Fahr wohl, du Knabe von Tirol!

Nach Martin Greif