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Das Teutsche Dichterroß

von Hanns Theodor Wilhelm Freiherr von Gumppenberg

Verlag: Verlag Georg D. W. Callwey | Jahr: 1918

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Kapitel 25

Das Minnerlein

Es war ein ärmstes Minnerlein
Im Herzen sterbekrank:
Ihm bot die Allerliebste sein
Nicht Gruß noch Habedank.
Sie war so hart wie Kieselstein,
Ach! wollt' ihn nicht versteh'n –
O weh! du ärmstes Minnerlein,
Jetzt ist's um dich gescheh'n!

Er schlich so trüb von Haus zu Haus –
»Gott Herre, dich erbarm'!
Kommt denn kein Mägdlein, ach! heraus
Und schließt mich in den Arm?«
Horch, horch! da pocht's ans Fensterlein,
Wink, wink! mit weißer Hand –
Schau schau, du kluges Minnerlein:
Mägdlein gibt's mehr im Land!

Die Zweite lieben Kuß ihm bot,
Das schuf der Ersten Gram:
Drum weint' sie sich die Aeuglein rot,
Bis daß er wiederkam.
Nun wußt er nicht mehr aus und ein,
Welch' Mägdlein süßer sei –
Juchhe, du kühnes Minnerlein:
Jetzt hast du ihrer zwei!

Nach Julius Wolff