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Vorwort

Es gibt Worte, die eine so suggestive Macht besitzen, daß sie mit ihrem Laute gleichsam den Vorhang von einem Bilde reißen. Und der gewaltigsten eines heißt: »Krieg!«

Es ist Temperamentsache, welcher Gedanke bei der Komposition des Gemäldes zum Grundmotiv wird – Grauen oder Begeisterung, Verzweiflung oder Triumph; und wenn zehn Menschen, die das Wort »Krieg« mit gleicher Wucht empfinden, sein Bild so wiedergeben könnten, wie es vor ihrer Seele steht, so würde keins davon dem andern völlig gleichen und jedes in sich selbst doch Recht behalten. Eins aber müßten sie gemeinsam haben, um wesensecht zu sein: das Riesenhafte, das Gigantische des Kriegsgedankens – das Schicksalgewaltige, das Völker und Reiche zermalmt und erschafft.

Es ist das eherne Vorrecht des Krieges, Grenzen zu überschreiten, und es liegt etwas von unerhörter Größe in der Selbstverständlichkeit, mit der es geschieht.

Nichts, das besteht, besteht vor ihm. Er ist ehrfurchtslos wie die Elemente selbst, wie Feuer und Wasser, wie Erdbeben und Lawinensturz. Menschliche und göttliche Satzungen tritt er unter seine Füße und hebt das Ungeheuerliche auf den Schild; der Mord wird zur Notwendigkeit – zum Hochverrat das edelste Gebot der Menschheit, das da lautet: »Liebet eure Feinde!«

Der Krieg kennt nur ein Gesetz: den Willen zum Siege – und nur eine Weisheit: Sei stärker als dein Feind!

Philosophen und Volksvertreter, Regenten und Idealisten haben den Krieg in die Acht erklärt als die überwundene Notwehr eines früheren Zeitalters, deren die Welt von heute mit ihren geistigen Waffen, ihrer ethischen Rüstung nicht mehr bedürfe. Sie wollen den ewigen Frieden erzwingen, indem sie der Menschheit das Schwert aus der Hand winden, und legen die Entscheidung nationaler Streitfragen auf die Schultern der Diplomatie.

Aber die Weltgeschichte gibt ihnen nur teilweise Recht. Sie hat mit zwingender Logik durch Tatsachen bewiesen, daß weder Philosophie noch Idealismus bedrohtes Recht zu schützen vermögen, wo Ehrgeiz oder Notwendigkeit sich durchsetzen wollen. Und wenn sie auch, besonnener als einst, nicht mehr ein Heer von Hunderttausenden entbietet, solange zwei kluge und wohlmeinende Köpfe sich einigen können, so wird doch in jedem Kampf um Entwicklung und Vorrang wetteifernder Mächte die meiste Aussicht auf Erfolg bei dem Vertreter einer Nation sein, deren Kriegstüchtigkeit von ihren Rivalen mit sachverständigem Respekt betrachtet wird.

Auch den leidenschaftlichsten Gegnern des Krieges müßte bei objektiver Beurteilung die Erkenntnis kommen, daß grade bei dem Volke der Frieden am sichersten aufgehoben ist, das die solidesten Waffen, die kernigsten Truppen, die tüchtigsten Führer hat.

Trotzdem gibt es noch immer einsichtslose Köpfe genug, die aus der Bereitschaft zum Kriege den Willen zum Kriege herauslesen.

Sie sehen gleichsam in einem wohlverschlossenen und beschützten Hause eine Herausforderung zum Diebstahl.

Wer nichts an Werten besitzt, der mag seine Türen offen lassen. Aber ein Volk wie das deutsche, dessen wirtschaftlicher Aufschwung nirgends höher und richtiger eingeschätzt wird als im Ausland, das bedarf einer zuverlässigen Wehr, einer Rüstung, die den gewaltigen Größenverhältnissen des Staatskörpers entspricht und ihn unverwundbar macht.

Die Erkenntnis dieser Notwendigkeit ist schon längst ein Allgemeingut des deutschen Volkes. Und die mit der Behauptung vom Gegenteil das Volk verleumden und irremachen wollen, geben damit nur den Beweis, daß sie dessen innerstes Wesen nie verstanden haben – und nicht verstehen wollen.

Das Nationalbewußtsein, das dem Deutschen Jahrhunderte lang gefehlt hat, ist in den letzten Jahrzehnten gewaltig aufgewacht und hält die schwarz-weiß-rote Fahne in starken Fäusten hoch an allen Küsten der Erde.

Das Bewußtsein nationaler Größe aber wird bei einem gesunden Volke immer Hand in Hand gehen mit dem entschlossenen Willen, sich durchzusetzen und zu behaupten – um jeden Preis.

So oft im Laufe der Zeiten die Forderung an das Volk ergangen ist, für eine nationale Sache Opfer zu bringen, gab das ganze Volk wie mit einer Hand, freiwillig und freudig, in tatkräftiger Begeisterung.

Vielleicht sind überhaupt Begeisterungsfähigkeit und Opferwilligkeit die deutschesten der deutschen Tugenden.

Es liegt nicht im Charakter des deutschen Volkes, seine Begeisterung raketenartig zu verpuffen – ebensowenig, wie es seinen Patriotismus durch Beschimpfung fremder Nationen zu einem Zerrbild für den Pöbel macht – den Pöbel, der mit vergifteten Waffen spielt. Die deutsche Regierung hat zur Genüge bewiesen, daß sie Frieden wünscht mit jedermann. Sie wird den Krieg nicht herausfordern, sondern ihn mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zu vermeiden suchen. Das weiß das Volk. Zwingt man ihm aber von fremder Seite den Krieg auf, so wird das deutsche Volk seine Pflicht tun.

Das ganze Volk – Männer und Frauen.

Mannespflicht ist Wehrpflicht.

Und die Pflicht der Frau?

Wer die Geschichte der Völkerkampfe mit oberflächlichen Augen liest, der könnte meinen, daß der Krieg den Frauen nur ein Amt überträgt: das der Pflegerin, der barmherzigen Schwester. Und in der Tat ist das eine Aufgabe, die der Natur des Weibes am stärksten entspricht und deren Durchführung eine unerhörte Summe von Selbstverleugnung und Pflichtbewußtsein fordert. Das unwiderstehlich Fortreißende der großen Stunde, die aus Knaben Männer macht und aus Männern Helden, die knirschende Wut des Kampfes, die hochheilige Begeisterung des Siegens zu empfinden, ist den Frauen versagt. Sie sehen nur das verzerrte Medusengesicht der Schlacht. Im stöhnenden Elend des Feldlazaretts, im grausigen Schweigen der Massengräber tritt der Krieg vor sie hin, und manche von denen, die unter dem Roten Kreuz der Menschheit und dem Vaterlande dienten, haben aus dem Entsetzen jener Tage einen Schatten fürs ganze Leben davongetragen.

Und doch ist die Pflicht der Barmherzigkeit nicht die einzige, nicht die größte des Weibes. Wenn das Vaterland sein Volk zum Kriege ruft, so verlangt es von den Frauen Opfer, die tausendmal schwerer sind, und in der Erfüllung dieser Opferpflicht liegt wahrlich etwas Heroisches durch die Selbstverständlichkeit, mit der sie gefordert und dargebracht wird.

Wer sind sie denn, die hinausziehen, um für die Heimat zu kämpfen, zu bluten, zu sterben? Wer sind sie denn, die im grauenerfüllten Lazarett in der Qual ihrer Wunden, des Fiebers, des Todeskampfes röcheln? Die in den Massengräbern eingescharrt liegen, fern der Erde, für die sie gestorben sind? Die aus dem Kriege wiederkommen, jammervoll verkrüppelt, Trümmer der Menschheit?

Wer sind sie denn?

Unsere – der Frauen Väter und Brüder und Söhne, Gatten und Verlobte.

Da ist wohl kaum einer in dem Riesenheer, um den nicht wenigstens ein Herz in Sorge zittert. Da ist wohl kaum ein Frauenherz, das nicht die Angst um ein Geliebtes zusammenkrampft, wenn's heißt: Es gibt Krieg! Und dennoch – da ist auch wohl kaum eine deutsche Frau, die das Vaterland bedroht wüßte und zu dem Geliebten spräche: Bleib daheim!

Die Pflicht über alles – über Liebe, Hoffnung, Glück. Und das Liebste hergeben zum Schutz des Vaterlandes – das ist die Kriegspflicht der Frauen.

Was weiß die Welt – was weiß die Weltgeschichte von dem schweigenden Heldentum der Mütter und Schwestern, der Gattinnen und Bräute? Was kündet sie von der stillen Größe, die keusch und tapfer das Leid der Trennung auf sich nimmt als ein Notwendiges, Heiliges – und ihr eigenes Schicksal dem Schicksal des Vaterlandes unterwirft?

Und doch offenbart sich die innere Größe eines Volkes ebenso lebendig in der Gesinnung seiner Frauen wie durch die Taten der Männer. Und doch sind die Frauen ebenso berufen, an der Entwicklung ihres Landes mitzuschaffen wie der Mann.

Die Frau von heute, die sich nach großen Aufgaben sehnt – hier findet sie die größte: Trägerin der Zukunft soll sie sein. Denn der sittliche, der seelische Einfluß der Frauen ist der Boden, auf dem unsere Jugend heranwächst. Das Volk, dessen Mütter ihre Söhne zum höchsten Pflichtbewußtsein gegen das Vaterland erziehen, dessen Frauen zu jeder Stunde bereit sind, ihm das Liebste, das sie haben, zum Opfer zu bringen, das darf der Zukunft stark und getrost entgegenschauen. Es ist gerüstet.

Wohl dem Lande, über das eine feste und besonnene Herrscherhand den Schild des Friedens hält!

Wohl aber auch dem Herrscher, der hinter sich ein Volk weiß, das den Frieden niemals um den Preis seiner Ehre, seiner Größe und Zukunft erkauft sehen will – dessen Männer und Frauen entschlossen sind, ihrer Pflicht gegen das Vaterland getreu zu sein – bis in den Tod!


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