Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Anzeige. Gutenberg Edition 16. 2. vermehrte und verbesserte Auflage. Alle Werke aus dem Projekt Gutenberg-DE. Mit zusätzlichen E-Books. Eine einmalige Bibliothek. +++ Information und Bestellung in unserem Shop +++

Erstes Kapitel.
»Er«.

Es war an einem der ersten Neujahrsabende des zwanzigsten Jahrhunderts. Ich hatte mich, täglicher Gewohnheit treu, tief in die Polster meines unergründlichen Sorgensessels gewühlt und blies vielgestaltige, traumgraue Dampfwolken von mir. Meine Gedanken machten all die Kapriolen mit, zu denen sich der tolle Zigarrendunst verstieg, und ich wäre wohl noch vor Mitternacht Ehrenbürger von Wolkenkuckucksheim geworden, wenn nicht – ja, wenn nicht mein rauchringelsüchtiger Blick, einem unvermuteten Tiefgang folgend, auf einem hellen Fleck inmitten meines Tisches erstarrt wäre.

Um dies Starren zu verstehen, muß man wissen, daß ich geradezu abgöttisch für die rote Farbe schwärme. Ich erlasse es mir, meine Leidenschaft durch tiefsinnige Spekulationen über Farbensymbolik zu begründen. Jedenfalls: meine Teppiche sind rot, meine Tapeten, meine Gardinen, meine Sessel – und in dieser Allröte schwimmt meine Seele wie in ihrem Element.

Und nun, mitten auf der roten Tischdecke, nüchtern, viereckig, grell: entrüstet sprang ich auf und griff danach! – eine Zeitung.

Wer hatte mir das getan?

Nach einer Periode grenzenloser Leidenschaft für alles Gedruckte, hatte ich mir seit mehreren Jahren die strengste, bitterste Diät auferlegt und mir kurzweg sämtliche Tagesblätter verboten. Erst gestern hatte ich wieder einmal den Jahrestag meiner grausamen Enthaltsamkeit gefeiert, und heute – heute schon mußte irgend ein Kobold das malitiöse, zerknitterte Druckzeug als Einwickelpapier auf meinen Tisch geschmuggelt haben, um die rotwonnige Harmonie meiner Eindrücke jählings zu zerreißen.

Mit katonischer Entschlossenheit ging ich auf den Tisch zu; ich wollte das unselige Papier ergreifen und dem Ofenfeuer überliefern. Aber ach! meine Augen waren flinker, als meine Hände! Als wollten sie sich für lange Unbill rächen, saugten sie sich an den schmutzigen Lettern fest, und ehe ich mich's versah, war ich, friedlich versunken, nach meinem elysäischen Wundersessel zurückgewandert, hatte mich still wieder in seine Polster vergraben und – zu lesen angefangen! So stark sind die menschlichen Tugenden!

Zu meiner Entschuldigung konnte höchstens der Umstand dienen, daß das Blatt einige Rücksicht auf meine Farbenschwäche nahm: es war rot, sehr rot – nämlich in Beziehung auf seine Gesinnung.

»Jahreswende – Weltenwende« hieß es bescheiden an der Spitze des ausgedehnten Leitartikels, den ich mit zunehmender Erregung verschlang. Es mußte da draußen etwas Unglaubliches, Riesenhaftes geschehen sein, das ich frevelhafter Träumer noch nicht einmal vom Hörensagen kannte. Meine Augen flirrten, und das leidlich robuste Herz begann zu zittern.

Wahrhaftig! Die Welt hatte sich gewendet! Oder stand mindestens im Begriff, diese unheimliche Prozedur vorzunehmen! Die Masse, die Herde, die Vielzuvielen waren erwacht, hatten im Handumdrehen den wurmstichigen Bürgerpöbel entthront und konnten sich, spätestens übermorgen, in lauter Persönlichkeiten verwandeln! Sie schossen hervor, die Helden, die Apostel, die Erlöser – wie die Pilze! Nichts Geringeres war angebrochen, als das Zeitalter der Persönlichkeit aller!

Wie ein Trunkener starrte ich auf das unscheinbare und doch so bedeutungsvolle Blatt. Es war klar, klar wie die Sonne am Mittag: ich hatte ein großes, epochemachendes, nein, ich hatte »das« Ereignis der Geschichte versäumt, verschlafen, verträumt. Ich mußte meine ganze verrottete, verrostete Anschauung von »da draußen« revidieren! Was ich geglaubt hatte, es sei ein Geheimnis, wenigen Auserlesenen vertraut, war allen offenbar geworden! Ich Tor! Ich hatte gedacht, es brauche ein ganzes Leben des Kampfes mit sich selbst, der Vertiefung ins eigene, rätselhafte Wesen, damit auch nur der oder jener so etwas wie einen Knirps von Persönlichkeit aus sich herausgeschält hätte – – und inzwischen war die Erlösung Gemeingut geworden, und ich, gerade ich hatte sie verpaßt!

Noch immer starrte ich auf den fatalen Einwickelfetzen in meiner Hand. Mein Unglück hatte es gewollt, daß ich an eines jener Organe geraten war, die immer in Siedehitze machen. Durch die lange Entwöhnung war meine Phantasie doppelt empfänglich. Ich fühlte bereits meine bisherigen Überzeugungen wanken. Wenige Minuten vielleicht – und ich saß unter den Trümmern einer zerschmetterten Weltanschauung …

Da pochte es kurz an meine Tür. Ehe ich, aus meiner Betäubung auffahrend, »Herein!« rufen konnte, trat er schon ein, nickte, lächelnd wie immer, mit dem Kopfe, ergriff einen Stuhl und setzte sich neben mein Elysium.

Wer? Ja wer! So fragte ich mich beinahe selber. Dieser »Er« hatte sich mir in irgend einer Gesellschaft mit demselben steifen Diener vorgestellt, mit dem sich da die gleichgültigsten Menschen bekannt machen. Während aber andere Leute so vorsichtig und rücksichtsvoll sind, am nächsten Morgen von derlei Bekanntschaften nichts mehr zu wissen, hielt dieser verdammte Baron sich von Stund an für meinen unentbehrlichen Freund! Er besuchte mich; ich hütete mich, den Besuch zu erwidern. Umsonst. Er kam wieder, kam zum dritten Mal. Für feinsinniges Abwinken war er taub. Für faustdicke Grobheiten noch tauber. Ich mochte wollen oder nicht: er war mein Freund! Er verkehrte bei mir mit vollendeter Nonchalance. Gehen und Kommen waren in seinem Belieben. Seine eherne Beharrlichkeit entwaffnete mich. Obwohl ich nichts von ihm wußte und wollte: Er war mein Freund.

So hatte er auch jetzt die Stunde vor Mitternacht dazu ausersehen, mich zu beglücken. Der Teufel wußte, wie er um diese Zeit noch in die Häuser kam. Gab er dem schläfrigen Portier dafür Goldstücke; erwischte er einen verspäteten Mitbewohner und machte sich ihm vorübergehend so unentbehrlich wie mir; karessierte er ein Dienstmädel, das unter der Haustür nach seinem Liebsten auslugte … ich weiß es nicht. Aber er war da. Und besonders dann, wenn man ihn am wenigsten ersehnte.

Mit übergeschlagenen Beinen saß er mir zur Seite. Im Schein der Lampe erglänzten die Spitzen seiner Lackstiefel, die seidenen Ausschläge seines Smokings, die goldenen Ränder und die scharfen Gläser seiner Brille. Er dachte nicht daran, zu reden. Seine stahlgrauen Augen faßten zangenartig das Zeitungsblatt, das ich noch immer in der Hand hielt. Dann näherte er die abgeschmackte weiße Kamelie, die er wie immer im Knopfloch trug, zierlich seiner Nase. Gleichzeitig verzog sich sein Mund unter dem kurzgeschnittenen, schwarzen Schnurrbart zu einem unendlich anmaßenden, unendlich spöttischen Ausdruck. Schließlich zog er seine Uhr, ließ sie elf feine Schläge repetieren und verharrte in ihrem Anblick, ohne seine herausfordernde Miene im geringsten zu ändern. Er dachte nicht daran zu reden … mein Freund!

Unerträglich! Ich mußte sein niederträchtiges Schweigen brechen, nur um ein anderes Gesicht zu sehen!

»Wo kommen Sie her, Baron?« stieß ich ziemlich barsch hervor.

»Gesellschaft, wie immer,« war die Antwort, die zwischen den schmalen Lippen fast im Diskant hervorkam, ohne daß sie sich bewegten, geschweige denn ihren sympathischen Zug wechselten.

»Und Sie konnten sich schon so früh losreißen?« fragte ich mit einer, wie ich meinte, deutlichen Betonung meiner Gefühle.

»Langweilig,« klang es wie oben, nur noch lakonischer.

»Es ist sehr schmeichelhaft für mich, daß Sie sich bei mir besser zu unterhalten hoffen!« – ich legte einen grimmigen Hohn in meine Worte.

»Sehr schmeichelhaft,« echote mein Baron. Er hatte die Uhr eingesteckt, betrachtete mit ernster Flüchtigkeit seine wohlgepflegten Fingernägel und blickte dann von neuem mit seiner scharmanten Ironie auf meine Zeitung.

Mir riß der letzte Faden der Geduld. Ich zerkrümmte das Blatt wütend zwischen meinen Fingern und warf es in die Ecke.

»Was wollen Sie eigentlich, Baron? Was ergötzt Sie so? Warum lassen Sie kein Auge von der vermaledeiten Zeitung?«

Er strich sich sorgfältig über die wenigen, festpomadisierten dunklen Haare, die einen Scheitel zu bilden suchten; rückte ebenso sorgfältig am Gestänge seiner Brille und sah mich dann durch die funkelnden Gläser boshaft an, während sein Mund sich zu einem breiten Grinsen verzog, dessen Reiz durch das Fletschen von unverschämt gesunden und starken Zähnen noch erhöht wurde.

»Sie sind zu komisch!« kicherte er mich an, »zu komisch!«

»Wieso, wenn ich fragen darf?«

»Zu komisch! Wie Sie so das Blättchen anstierten – zu komisch! Und dabei lesen Sie doch nie Zeitungen, Doktor! Wirklich zu komisch!«

»Eine verfluchte Schwäche ließ mich den Fetzen in der Hand behalten! Ich lese keine Zeitungen! Ich kenne die alte, dumme, verlogene Welt genug und brauche nichts Neues zu erfahren! Ich – überhaupt –«

»Jetzt lügen Sie, Doktor! Sie lügen!« sagte er mit dem impertinentesten Nachdruck. Sein Grinsen war verschwunden. Die stählernen Augen blitzten mich beinahe zornig an, und es schien, als wollten sich seine spärlichen Haarsträhne trotz ihrer pomadischen Zucht drohend über der flachgewölbten Stirn emporsträuben. Er hatte mit den frauenhaften Händen meinen Arm gefaßt und drückte ihn, daß ich hätte aufschreien mögen.

»Jawohl Sie lügen!« wiederholte er. »Und es ist unmodern, zu lügen! Ganz unmodern! So unmodern und unerfahren und beschränkt – hören Sie, ich sage beschränkt! – wie Ihr Urteil über die Welt überhaupt!« Ein verächtliches Zucken lief über seine glatten Wangen, die sich bräunten, statt röteten, und mit einem wilden Ruck an meinem gequälten Arm begleitete er den Schluß seiner allerliebsten Rede.

Ich war sprachlos über diesen – diesen neuen Freundschaftsbeweis! Ich kannte meinen Baron als dickfellig, zudringlich, spöttisch und verschiedenes andere. Aber höflich war er bis jetzt immer gewesen. Jetzt wurde er grob. Das ging zu weit. Das mußte das Ende sein.

Streng und mit unwiderstehlichem Ernst hub ich an:

»Mein Herr, –«

»Schweigen Sie,« herrschte es mir entgegen. »Hören Sie mich an! Erst rede ich, dann Sie!«

Ich griff mir an die Stirn und – schwieg. Die Frechheit war auf ihrem Gipfel. Ganz gewiß – die Frechheit! Aber hatte sie mich seither durch ihre Höflichkeit entwaffnet, so schlug sie mich jetzt durch ihre Grobheit zu Boden. Ich rührte mich nicht. Ich war völlig kleinlaut geworden, und sein prächtiger Diskant beherrschte die abendliche, ach sonst so trauliche Stille meines allroten Zimmers.

»Gelinde gesagt,« fuhr jetzt der Baron fort, »gelinde gesagt, mon cher, sind Sie ungebildet!«

Der Vorwurf war mir neu. Aber mein Freund mußte ja recht haben. Ich schwieg und horchte mit scheuer Andacht.

»Sie bemänteln Ihren Mangel an Erfahrung, an Wissen, an Urteil über die Gegenwart« – er gab jedem neuen Wort die Heftigkeit eines Dolchstoßes – »all das bemänteln Sie mit Ihrem abgegriffenen, überlebten Pessimismus, der vor nichts in der Wirklichkeit stand hält – nicht einmal vor einem Stück Zeitungspapier!«

Sein brillenumfunkelter Blick fuhr mit Verachtung von mir in die Ecke, wo der genannte Gegenstand in Gestalt einer runzligen Kugel Halt gemacht hatte.

»Oder wollen Sie leugnen, Verehrtester, daß Sie eben, als ich eintrat, über Tatsachen erstarrt waren, die kein Kind außer Ihnen mehr in Erstaunen setzen? Wollen Sie leugnen?«

Ich dachte nicht daran zu leugnen. Warum sollte mein Freund nicht auch Gedanken lesen können? Selbstverständlich! Von Leugnen war da keine Rede.

» Tant mieux, mein Bester! Sie sind geständig! Sie bekennen sans phrase, daß Sie über die Welt, wie sie heute ist, nichts als Vorurteile haben, weil Sie sie nicht kennen!«

»Erlauben Sie –«

»Was soll ich erlauben? Wollen Sie nicht bekennen?!«

»Erlauben Sie,« begann ich noch einmal, so sanft und schüchtern ich konnte, »das hieße mit anderen Worten zugeben, daß ich ein – Narr bin!«

»Das sind Sie, Doktor,« erwiderte mein liebenswürdiger Baron, als sagte er damit die selbstverständlichste Sache von der Welt. »Ganz bestimmt sind Sie das! Aber Sie sollen es nicht bleiben. Ein Mann von Ihren Gaben –«

Ich fühlte mich bewogen, mich bei diesem unerwarteten Kompliment geschmeichelt zu verbeugen.

»Ein Mann von Ihren Gaben darf nicht in grauer Theorie verkommen. Wenn Sie den Sparren haben, die Wahrheit nicht mehr lesen zu können, so sollen Sie sie durch mich hören und sehen. Die Welt ist im Begriff, sich selber zu übertreffen! Die Menschheit steht unmittelbar vor der Vollkommenheit – hören Sie – vor der höchsten Vollkommenheit

Die letzten Worte stieß er mit einem so überzeugenden Tenor in mein Angesicht – er war aufgesprungen und begleitete sie dicht vor meinen Augen mit so eindringlichen Gebärden, daß ich in der Tat nur noch die Wahl hatte, mich oder ihn für einen Narren zu halten. Ich stammelte verwirrt:

»Ausgezeichnet, Baron! Ausgezeichnet! Wenn nur nicht …«

»Was für ein ›nicht‹ haben Sie noch einzuwenden?« zischelte er höhnisch.

»Ich hielt die Welt eines so riesigen Fortschrittes gar nicht für fähig. Ich dachte –«

»Was dachten Sie? Was?«

»Ich dachte, irgendwo – irgendwo müßte immer der Teufel drin sitzen.«

» Der Teufel!?«

Sein Mienenspiel war unbeschreiblich. Erst wurde er aschfahl. Dann überkupferte sich sein Gesicht vor Unmut. Er zerrte an seiner Brille; er riß an seiner Pikeeweste; er stampfte auf den Boden, daß ich meinte, der Lack müßte von seinen Stiefelspitzen springen.

»Der Teufel! Sie glauben noch an den Teufel? Das ist der Gipfel – der Gipfel der Narrheit!« Er sank auf seinen Stuhl zurück und betupfte mit dem schwarz geränderten, spitzendurchbrochenen Tüchelchen seine perlende Stirn. »Der Gipfel der Narrheit,« gurgelte er noch einmal. Dann war für einen Augenblick Stille um uns.

Ich hatte meinen Gegner, oder vielmehr meinen Freund, während seines erschreckenden Ausbruches nur verstohlen anzublicken gewagt. Jetzt richtete ich mich behutsam aus meiner geknickten Stellung auf und schielte nach ihm hin.

O Wunder! Er saß wieder genau wie vorher. Nichts mehr von Aufregung verriet sich in seinem Gesicht. Im Gegenteil. In aller Gemütsruhe hielt er seine Uhr und ließ sie repetieren: sie gab zwölf feine Schläge von sich. Um seinen Mund lag der frühere, unendlich anmaßende Sarkasmus. Wir gerieten wieder in jenes anmutige Schweigen, das unerträglicher war, als das lauteste Toben.

»Baron,« begann ich demütig, »es schmerzt mich, daß meine beschränkten geistigen Mittel Sie enttäuschten! Sie haben mich aufgegeben.«

»Mein lieber Doktor,« erwiderte er ruhig, mit vollendeter Höflichkeit, aber ohne mich anzusehen, »Sie irren. Einen Sünder wie Sie gibt man so leicht nicht auf!« Nun warf er plötzlich den Kopf zurück, sah mich mit den grauen Augen seltsam, fast vergnügt an, blinzelte verbindlich und rief launig: »Wollen Sie mit mir wetten

»Wetten?« wiederholte ich verwundert – »und worauf?«

»Wetten, daß ich Sie innerhalb acht Tagen von Ihrem Glauben an den ›Teufel‹ heile?« Das Wort ›Teufel‹ begleitete ein halb entsetzter, halb verächtlicher Blitz seiner Augen, und er murmelte kaum verständlich: »Vorausgesetzt, daß es je einen gab!«

»Und wenn Sie gewinnen, Baron? Was ja leider bei meiner Verfassung höchst wahrscheinlich ist!«

»So müssen Sie mitten hinein in diese Welt, die Sie nicht kennen! Sie werden dann dort, wo ich es Ihnen anweise, mitarbeiten – an ihrer Vollendung!«

»Und, gesetzt den fast unmöglichen Fall –«

»Daß Sie gewönnen, Doktor?! – So dürften Sie sich endgültig von meiner schätzbaren Freundschaft erlöst sehen.« Damit stand er auf, lächelte mich mitleidig an und gab mir affektiert seine schmale, seidenweiche Hand. »Einverstanden?«

»Einverstanden, wenn auch –«

»Pah! Keine Sentimentalitäten! Ich weiß, wie ungern Sie mich verlören! Haben Sie für mich eine Woche übrig? Von morgen an? Stündlich frei für mich?«

Ich nickte.

»Dann auf morgen! Wiedersehen, Doktor.«

Ehe ich seinen Gruß erwidern konnte, war er verschwunden. Nur noch vom Flur hörte ich ein eigenartiges Räuspern. Es konnte auch ein unterdrücktes Kichern sein.

Ich war auffallend erschöpft und warf mich weit zurück in meinen Sessel. Die roten Farbtöne meines Zimmers begannen zu verschwimmen. Sie wurden dunkel und dunkler. Sämtliche Konturen schoben sich ineinander. Jetzt war alles ein schwarzer Knäuel, eine finstere Kugel, die sich drehte – um mich! Ich war das unselige Zentrum! Offenbar war es die Weltkugel, sinnbildlich natürlich! Und ich stöhnte mit ersterbender Stimme: »Die Vollendung – Sie haben gewonnen, Baron – es ist die Vollendung!«

Dann war ich entschlummert.


 << zurück weiter >>