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Kapitel V

1.

Oben vor der Thür zögerte er fast eine ganze Minute. Mit dem ersten Schritt in den Flur hatte es ihm die Brust zusammengeschnürt, immer beklommener ward ihm auf den Stiegen und seine kalten Hände bebten. Es könnte alles anders sein, ganz anders irgendwie zusammenhängen – irgendwie, so daß Büchner es nicht erriet, nicht drauf kam, betrogen von einer unsinnigen Hoffnung. Alles könnte nur so scheinen, nicht sein. Als er geläutet hatte, faßte er schnell nach der Klinke.

Der Diener öffnete und nahm ihm Hut und Mantel ab. »Komm' rasch,« trat Ercole auf ihn zu und führte ihn in die Stube. Es dämmerte kaum.

»Sie ist fort?«

»Du weißt es schon? Wie ist das möglich?«

»Sie war bei mir, sie hat mir erzählt. Ich sollte ihr die Wahrheit sagen, deshalb kam sie. Aber ich habe geschwiegen, nichts erzählt – sie wollte, daß ich ihr irgend etwas raten sollte, ich meine, so schien es mir.«

Er sprach nicht weiter, seine Gedanken waren nicht bei seinen Worten, er sah Ercole aus einem fragenden Blick groß an und setzte sich. Ercole ging mit gesenktem Haupt langsam auf und nieder, die Hände in den Taschen seiner Jacke fest eingestemmt. »Was konnte ich denn machen?« sagte er müde. »Es ist schrecklich für sie, aber sie wollte durchaus sofort gehen. Daß sie so stolz ist, so auf einmal alles zerreißt.«

»Glaubst du, daß sie zurückkehren wird zu dir?«

»Aber nein, ich glaube nicht.«

»Kannst du denn leben ohne sie?«

Ercole setzte sich ermattet. Er schien im ersten Augenblick nicht recht gehört zu haben, dann hob er überrascht den Kopf.

Eine kleine Pause entstand. Büchner suchte nach Worten, endlich begann er schnell, mit bebender Stimme: »Sag' doch nur, oder ist sie wirklich gegangen, weil du mich liebst.«

»Du weißt es ja doch, warum fragst du.«

Büchner war bei ihm, umschlang seine Kniee und lehnte Arm und Stirn auf sie. Während einer Weile sprachen sie nicht, dann beugte sich Ercole vor und sagte leise: »Aber Gerhart, bist du denn so glücklich, weine doch nicht so,« und sie schwiegen wieder.

Erst als sie aufstanden, begann er von neuem: »Ich werde gleich in ein Hotel ziehen, später reisen wir. Übrigens – ich werde Franz erst morgen benachrichtigen lassen, meiner Sachen wegen und überhaupt; er weiß noch nichts, ich möchte aber jetzt nicht darüber mit ihm sprechen, es ist mir peinlich, sei leise im Vorzimmer.«

Sie traten geräuschlos auf, kleideten sich rasch an und waren aus dem Hause, vom Diener unbemerkt.

Der Arzt riet ihnen ab, gleich aufzubrechen, Ercole müsse wenigstens noch eine Woche vollständiger Ruhe pflegen. Die nächsten Tage kamen still und zogen still vorbei, sie schwiegen viel, ohne sich dessen bewußt zu sein. Nur ein kurzes Wort, das des Lebens Kleinigkeiten angeht, wie man es tagsüber so oft ausspricht, ein bitte oder danke, klang anders als sonst und freundlicher und manche Stunde fiel ihnen vom Himmel, neu und hell wie zu Anfang eines Jahres. Ercole sollte das Zimmer möglichst wenig verlassen. Büchner erledigte seine Geschäfte und traf alle Vorbereitungen zur Reise. Die Polizei war unermüdlich in ihren Kombinationen, eine Zeitlang hieß es, die Raubmörder wären nach London geflüchtet. Man machte auch dort glücklich einige Personen dingfest, mußte aber seinen Irrtum alsbald erkennen. Ercole studierte die Photographien unzähliger Verbrecher mit dem größten Eifer und mit scheinbar außerordentlichem Ernst, zu Büchner's Vergnügen, der ihm dabei oft zusah und sich an der erwartungsvollen Miene der Polizeibeamten weidete. »Gerhart,« sagte Ercole einmal, als sie allein waren, »du hast wirklich einen bösen Charakter, weißt du, mehrere Herren aus dem Album sehen dir so ähnlich.«

Eines Morgens auf dem Wege ins Hotel stieß Büchner noch nahe von seiner Wohnung unvermutet auf Bullmann, der ihn ungezwungen und heiter begrüßte. »Es ist hübsch, Herr Doktor, daß wir uns treffen,« rief er, »zu Ihnen gerade wollte ich, so begleite ich Sie ein Stück und wir plaudern ein wenig.«

Trotz diesem unbefangenen Wesen hatte Büchner ein überzeugend sicheres Gefühl, daß Bullmann in einer ganz besonderen Veranlassung zu ihm käme, daß er allmählich irgend womit herausrücken würde. Er bat sehr entschieden, ihn doch die wenigen Schritte bis an seine Thür zu begleiten, dann wären es nur noch zwei kleine Treppen und Bullmann erklärte sich sofort einverstanden. Unterwegs und während sie hinaufstiegen und eintraten, ließ er sich von Ercole's Zustande erzählen. Als sie sich gesetzt hatten, brach Büchner plötzlich ab und schwieg. Nach einer kurzen Pause fragte er: »Ja – also?«

Bullmann lächelte. »Sie erraten, wie es scheint, daß ich mit Ihnen sprechen möchte und erraten auch worüber. In diesem Fall bin ich unnütz gekommen und wir können sogleich auf etwas andres übergehen.«

»Aber ich bitte, nein. Ich weiß durchaus nicht, was Sie zu mir führt, ich glaubte nur zu bemerken, daß Sie einen besonderen Grund haben.«

»Gestatten Sie mir eine Frage, die ich keineswegs aus indiskreter, müßiger Neugierde thun will?«

»Bitte.«

»Frau Tomei hat Berlin verlassen und wird nicht mehr zurückkehren?«

»Mein Gott, das wissen Sie schon?«

»Aber ich bitte Sie – in einer Kleinstadt! Es ist also wahr. Gut. Und was werden Sie und Herr Tomei nun thun?«

»Wir reisen ab.«

»Höchste Zeit. Ich hoffe mit einem Schnellzug. Übrigens bitte ich um Entschuldigung für meine unartige Sprechweise. Aber ich nehme mir die Freiheit, Ihnen reinen Wein einzuschenken, weil ich zu bemerken glaube, daß Sie es nicht der Mühe für Wert halten in die sogenannte Gesellschaft hinzuhorchen. Sie haben sich seit einer Woche abgeschnitten, sie leben so einsam, Ihre Fühlfädchen sind etwas abgestumpft, sowohl Ihre wie seine, scheint es.«

»Was geht also vor?« fragte Büchner beinahe ärgerlich, so hingehalten zu werden.

»Es sickert durch,« antwortete Bullmann mit einem raschen Achselzucken. »Fragen Sie mich bitte nicht, wie es herumgekommen ist. Ich habe keine Ahnung davon. Vielleicht sind Sie einmal unvorsichtig gewesen, vor Jahren irgendwann einmal – oder was wahrscheinlicher ist, er. Genug, man glaubt in dieser plötzlichen Ehelösung einen Reim zu finden auf diese Unvorsichtigkeit, die sich einer von Ihnen irgendeinmal irgendwo hat zu Schulden kommen lassen. Es sickert eben durch, man weiß eigentlich nie, warum. Ich hab' so etwas schon einigemal im Leben mit angesehen. Die Leute bekommen plötzlich Wind, niemand weiß im Grunde sicher, woher – aber er bläst. Ich versichere Ihnen, man erfindet schon Anekdoten. Auch an mich wendet man sich um Auskunft. Ich thue natürlich, als hätte ich von Himmel und Erde keine Ahnung, lasse mir die Schauergeschichte erzählen, bin höchst überrascht und selbstverständlich nicht so dumm, Sie zu vertheidigen. Ich höre nur zu und reiße die Augen auf, gewissermaßen sprachlos vor Verwunderung und Entsetzen. Das werden Sie mir jedenfalls nicht übel nehmen, ich stehe ja auch nur auf einem Bein und wenn überhaupt, dann gilt es doch für solche Fälle – chacun pour soi, Dieu pour nous tous

Sie lächelten Beide. Büchner war doch recht blaß geworden. Er räusperte sich, um seine Bewegung nicht durch die Stimme zu verraten, und sagte: »Ja, jetzt begreife ich. Ich habe nämlich in den letzten Tagen schon einmal bemerkt, daß man mir auf der Straße auswich. – Nun, ich verstehe es ja recht gut, unterirdisch zu leben, aber für Ercole thut es mir furchtbar leid, über so etwas wächst kein Gras.«

»Die Welt ist ja nicht so gar klein!«

Ein Schweigen entstand. Büchner erhob sich, schenkte sich ein Glas Wasser ein und trank in kurzen Schlucken, fortwährend absetzend. »Und was erzählt man sich denn noch?« fragte er plötzlich scharf.

»Noch?«

»Ich meine, man spricht von mir und Herrn Tomei und bringt damit die eilige Abreise Frau Tomei's in Verbindung. Und sonst?«

»Sonst?«

»Wie denkt man zum Beispiel über den räuberischen Überfall?«

Büchner sah ihn über diese Frage ehrlich erstaunen und wurde ruhiger. Bullmann antwortete langsam: »Nun ja, man glaubt eben, daß Herr Tomei irgendwelchen Abenteuern nachgegangen ist und dabei von irgendwelchen Hallunken überfallen wurde und daß Frau Tomei die Sache gemerkt hätte. Bei dieser Gelegenheit erinnerte man sich denn auch Ihrer und Ihre Freundschaft zu ihm fiel auf. Voilà tout

»Es giebt also doch noch immer Dinge, die nicht durchsickern,« prahlte Büchner ein wenig.

»Ja ja, gewiß,« griff Bullmann rasch und neugierig zu. »Natürlich! Erzählen Sie doch. Ein bischen mehr als die Welt weiß ich ja so wie so.«

Büchner schüttelte den Kopf. »Beim besten Willen nicht. Es geht nicht.«

»Das thut mir leid. Ich werde eine schlaflose Nacht haben.«

»Es geht trotzdem nicht. Im Übrigen danke ich Ihnen wirklich sehr, daß Sie uns gewarnt haben. So weiß man doch, woran man ist.«

Bullmann lachte herzlich auf. »Um Gottes willen, wofür danken Sie mir denn? Sehen Sie denn nicht, wie froh ich bin, wie schadenfroh? Obgleich ich Ihnen beiden ehrlich freundlich gesinnt bin, so hab' ich doch Gründe, sehr vergnügt zu sein, daß Ihre Sache schief geht. Ich versichere Ihnen, ich bin selten so vergnügt wie heute. Verstehen Sie das nicht? Es ist doch einmal nicht anders. Es heißt doch – heute dir, morgen mir, nicht wahr? Nun, und ich freue mich schon im voraus der Sicherheit später einmal gelegentlich Leidensgenossen finden zu können. Halten Sie das nicht für sehr menschlich?«

»O gewiß, ich begreife das sehr gut. Natürlich empfindet man so und weiß es auch, wenn man ehrlich ist.« Sie blickten sich aufrichtig heiter an und schwiegen völlig einverstanden.

Dann kam Bullmann etwas zögernd mit einer Frage heraus. »Entschuldigen Sie, jetzt werde ich indiskret sein. Ich denke eben an unser Gespräch damals in der Nacht, als Sie bei mir waren. Haben Sie ihn wieder? Wie soll ich sagen, haben Sie ihn wieder gewonnen?«

»Ja.«

»Aber wie hat sich das denn so zwischen Ihnen abgespielt? So schnell und unter so merkwürdigen begleitenden Umständen, das wäre doch ungemein interessant zu erfahren.«

Büchner lächelte und hielt sich den Finger vor den Mund. »Ich kann nicht erzählen, ich möchte nicht. Vielleicht einmal nach Jahren.«

Bullmann erhob sich um zu gehen. Er schüttelte einige mal schweigend den Kopf, dann meinte er mit einem ergebenen Seufzer: »Aus Ihnen wird man überhaupt nicht klug. Ich habe Ihnen doch soeben eine außerordentlich unangenehme Mitteilung gemacht, nicht ein bischen niedergeschlagen sind Sie, Sie schauen aus wie der Fisch im Wasser. Offenbar in bester Laune, was?«

»Danke, jedenfalls nicht in schlechter. Wir reisen, wie ich hoffe, schon heute Abend ab, über Rom tiefer in den Süden.«

»Also lassen Sie sich's gut gehen.« Sie reichten sich die Hände. Büchner begleitete seinen Gast bis an die Thür. Kaum hatte er sie hinter ihm geschlossen, noch ehe er das Vorzimmer verlassen konnte, wurde geschellt. Er öffnete. Es war wieder Bullmann. »Noch eines wollte ich bemerken, lieber Doktor,« sagte er trübselig. »Wenn man Sie gelegentlich in den nächsten Tagen bitten sollte, meiner Beerdigung beizuwohnen, so wissen Sie, daß ich aus Neugierde gestorben bin. Glückliche Reise.« Und er wandte sich.

Büchner trat in seine Stube zurück und ans Fenster. In Gedanken starrte er auf die gemalten Riesenplakate im Schatten weit drüben, die großen, blauen Buchstaben dort klebten unter dem blauen warmen Frühlingshimmel so matt und verschossen an ihren Mauern. Er öffnete und beugte sich vor. Schon jetzt am Vormittag strömte ihm ein kräftiger Holzgeruch aus dem gesonnten Fensterrahmen entgegen und er atmete hastig und tief. Dann kreuzte er die Arme und lehnte sich auf sie, hinunterspähend. Dazu hatte es denn wirklich kommen müssen. »Durchgesickert.« Bullmann fand doch immer das rechte Wort. Einen überlegenden Menschen, der die Welt kannte, durfte so etwas natürlich niemals überraschen. Jahrelang hatte man ja Zeit gehabt, sich auf diesen Moment vorzubereiten. Man war ja auch vorbereitet – aber es würde sich doch empfehlen, möglichst schnell herauszukommen, aus den Straßen da unten.

Vordem jedoch mußte man sie noch einigemal durchwandern, erst zu Ercole, dann am Nachmittage die letzten Gänge und Abends zum Bahnhof. Er kleidete sich im Nu und sehr eilig, doch ward er auf den Treppen langsamer. Schon draußen machte er kehrt und trat in den Flur zurück, um seine Zigarette in Brand zu setzen. Gerade als er das Streichholz in die rechte Hand nehmen wollte, erinnerte er sich jedoch, daß heute ein völlig windstilles Wetter herrschte und etwas ärgerlich ging er wieder auf die Straße, um sich die Zigarette dort anzustecken. Darauf begann er seinen Weg, mit einigem Interesse nach bekannten Gesichtern ausschauend. Plötzlich wurde sein Schritt fester und er betrachtete einen jeden Vorübergehenden mit einer gewissen ausdrucksvollen Schärfe. Als ihm jedoch die Wirkung seiner mutigen, entschlossenen Blicke in der höchst verwunderten Miene eines harmlos daher schlendernden Majors begegnete, schämte er sich und nahm sich vor, die Welt nicht ferner mit der billigen Kühnheit seiner recht unbekannten Person zu beunruhigen. – Lampenfieber! dachte er, es will eben alles gelernt werden.

Er erzählte Ercole, was er soeben durch Bullmann erfahren hatte und schlug vor, gleich diesen Abend abzureisen. Ercole war ganz einverstanden. Daß übrigens in Berlin eine so feindliche Stimmung gegen sie herrschen sollte, das zu hören überraschte ihn durchaus nicht. »Ich weiß das schon seit einigen Tagen,« meinte er ganz ruhig, »ich habe nämlich schon mehrere anonyme Briefe bekommen, solche grobe, wo man geschimpft wird. Weiß Gott, von wem; einer war drei Seiten lang.«

»Aber warum hast du mir kein Wort davon erzählt?« fragte Büchner betroffen.

»Wozu denn? Es ist doch sehr unangenehm so etwas zu lesen.«

»Hast du sie da?«

»Aber nein. Natürlich verbrannt. Was willst du denn überhaupt? Du kannst dir ja selbst denken, was drin steht.«

»Ja schon. Nur der Styl hätte mich interessiert, ich hätte gerne gewußt, welcher Sphäre die Leute angehören, die so was thun.«

»Darauf hab' ich nicht geachtet. Das ist ja auch ganz einerlei.«

»Es ist aber doch zu gemein,« sagte Büchner nachdenklich.

»Aber es ist doch verboten von der öffentlichen Meinung, so was wie zwischen uns beiden. Und namentlich noch, wenn man sich so stark liebt. Ich finde es ganz natürlich, daß die Menschen so wütend sind. Denk doch, wenn alle so wären, wie wir.«

»Aber sie sind es ja nicht, lieber Ercole.«

»Das ist ganz gleichgiltig, deshalb muß die Ordnung immer aufrecht erhalten bleiben, sag' ich dir. Darüber ist weiter nicht zu reden.«

Büchner lächelte und sie redeten auch weiter nicht darüber. Schon am Nachmittage waren die Koffer gepackt, die Billette nach Rom besorgt und es gab nichts mehr vorzubereiten. Und so saßen sie beieinander im Hotel, durchaus nicht unruhig. Büchner hatte sich entschlossen, ihr Schweigen über einen gewissen Punkt zu brechen, nur fürchtete er, es wäre Ercole am Ende nicht lieb, ausgefragt zu werden. Doch er wagte es und begann: »Sag' doch, wie eigentlich ist das so gekommen, daß du Elly vergessen hast, überhaupt das alles, du verstehst mich doch?«

Ercole antwortete nicht gleich, Büchner mochte nicht wiederholen und weiter in ihn dringen und so strich eine kleine Weile hin. Dann aber ließ er sich vernehmen: »Du sagst mir ja immer, daß du mich so gut kennst, du hast gewiß gar nicht nötig zu fragen.«

»O doch, ich kenne dich nicht so gut, du mußt es mir sagen.«

»Wie du bescheiden geworden bist,« meinte Ercole etwas höhnisch. »Ja aber, was soll ich denn sagen? Ich bin eben so. Wenn man mich stark liebt, dann liebe ich wieder.«

»Aber du wußtest ja immer.«

»Aber nein. Du sagtest es ja wohl, aber man muß es fühlen. Erst als du mir damals nachliefst und sich das ereignete, da wußte ich.«

»Daß ich dich mehr liebe als alles andere?«

Ercole nickte. »Übrigens, du kannst mich wohl bewundern,« sprach er plötzlich lebhafter, »als ich da lag verwundet und man mich fand, wie bin ich schlau gewesen mit den Schmerzen.« »Und dann ist es noch etwas,« meinte er, wieder ganz nachdenklich. »Es ist auch meine Eitelkeit. Es schmeichelte mir, verstehst du, daß es dich so weit hinriß.«

Er hob den Arm, wie um auf Büchner anzulegen und schnellte mit dem Zeigefinger. Büchner griff nach seiner Hand und rief schnell: »Du sollst doch nicht davon sprechen.«

Während sie zu Abend speisten und unterwegs zum Bahnhof in der Droschke redeten sie wenig und nur das Nötigste. Auch so lange der Zug noch in der Halle stand, nachdem sie ihre Plätze gewählt und sich's behaglich gemacht hatten, blickten sie schweigend hinaus auf das Durcheinander vor der Abfahrt, ohne sich anzusehen. Sie schienen Beide irgend worauf zu warten. Als aber das Signal nun gegeben war und die Maschine ruckweise kräftig anziehend sogleich ziemlich schnell in die Nacht hinausstürmte, als die Feuerzeichen rechts und links vom Wege spärlicher auftauchten, immer seltener vorbeihuschten, da wurden sie mit einem Mal gesprächig und plauderten eine ganze Weile, bis sie sich endlich müde zur Ruhe streckten. Sie waren allein in der Abteilung. Kaum hatte Büchner eine Viertelstunde so dagelegen, als ihm ganz klar ward, daß er unmöglich einschlafen könnte. Er empfand eine lebhafte Begierde, seinen Gedanken nachzuhängen, setzte sich wieder auf und starrte geradeaus ins unruhige Flämmchen drüben in der Laterne. Dann wandte er den Blick mit einem kurzen Lächeln, von dem er nichts wußte, und lehnte sich bequem in die Polster zurück. Er sah auf Ercole. Der schlief. Büchner erhob sich und machte sich leise irgend etwas an seinem Lager zu schaffen, rückte ihm irgend etwas zurecht und verhängte das Licht sorgsam. Übers Feld draußen leuchtete kühl und klar der Mond.

Er bemühte sich die Namen von den Bahnhöfen abzulesen, an denen es vorbeiging. Doch vergeblich, es war zu dunkel und sie fuhren zu schnell. Eigensinnig versuchte er's immer wieder von neuem und verbrachte die Zeit damit in einer behaglichen Spannung abzuwarten, ob das nächste Stationsgebäude rechts oder links auftauchen würde, um dann je nachdem ans entsprechende Fenster zu eilen. Obgleich er sich durchaus nicht langweilte, las er darauf sämtliche Anschläge und Verordnungen im Wagen ganz genau durch. Endlich, nach Stunden seiner frohen Gedanken müde, streckte er sich aus und war im Nu eingeschlafen, eingewiegt vom heftigen Kolbentakt.

In München rasteten sie einige Tage und freuten sich, die altgewohnten Straßen und Häuser wiederzusehen, wenn sie bei schönem Wetter unter dem blaueren Himmel spazieren fuhren. Im Gespräch miteinander, überhaupt im ganzen Wesen, in der Art, wie sie sich gaben, waren sie verändert. Bisweilen fühlten sie das – sehr erstaunt, doch verloren sie kein Wort darüber und jeder that, als fiele ihm durchaus nichts am Andern auf. Inniger und doch wieder zurückhaltender waren sie, eine gegenseitige, freundschaftliche Aufmerksamkeit auf einander, an der es früher so oft gefehlt hatte, kam nun zur Geltung und da sie also mehr auf sich achteten, wurden sie duldsamer. Büchner empfand beinahe etwas wie Ehrfurcht für Ercole und hin und wieder eine Unsicherheit, wie einem Menschen gegenüber, dessen Bekanntschaft man jüngst erst gemacht hat. Und Ercole beschlich zuweilen ein ähnliches Gefühl und ihre Blicke begegneten sich, fast neugierig. Als er einen Satz einmal wie aus alter Gewohnheit etwas ärgerlich und heftig begann, blieb er stecken und ward verlegen, wie Büchner bemerkte, und die letzten Worte klangen ganz anders. Sie waren sich nahegekommen, so nahe, was sie verband konnte nicht brechen, sie wußten es. Aber eine wohlthätige Kühle umfing sie und wich nicht. So rasch war alles geschehen, so rasch empor aus der Niederung. Niemals sprachen sie über die Zukunft und niemals über Elly.

Nach Rom unterwegs, als die italienische Grenze hinter ihnen lag und ebenmäßig geästete Baumreihen rechts und links vom Fahrdamm schnurgerade ins Land zogen, befiel Ercole eine außerordentliche Mattigkeit. Doch obschon Büchner alles that, um zu erlangen, daß sie ausstiegen und irgendwo rasteten, wollte Ercole nicht und durchaus ohne Aufenthalt weiter. Morgens acht Uhr waren sie da. Sie gaben auf dem Bahnhof Weisung, ihr Gepäck ins Hotel zu senden und traten hinaus auf den freien breiten, noch menschenleeren Platz gegenüber den Diocletiansthermen. Vom blauen Himmel brannte die Sonne warm und voll. Der Frühling lag wolkenlos über dem morgenstillen Rom. Wie sie da standen, eilte sogleich ein Bübchen von zehn Jahren herbei, warf sich mit seinem Zeuge vor ihnen nieder und sie ließen sich die Stiefel putzen. Nachdem er sein Geschäft mit großem Eifer zu Ende geführt hatte, reichte ihm Büchner, im Augenblick ohne Kleingeld, eine halbe Lire mit einer Handbewegung, die bedeuten sollte, es wäre schon gut, es brauche nichts herausgegeben zu werden. Aber der Junge war andrer Meinung. Er warf den Kopf zurück, seine Augen blitzten im Zorn und er behauptete sehr geschwätzig, es koste eine halbe Lire für jede Person. Ercole und Büchner wußten, daß die Taxe fünf Centimes betrug und lachten auf über den nachdrücklichen Ernst, mit dem der kleine braune Hexenmeister ihnen auseinandersetzte, er wäre auf das Schmählichste um seinen halben Lohn gekommen, wenn sie so weggingen. Als man ihm noch etwas gegeben hatte, behielt er immer noch die Miene gekränkter Unschuld bei und entfernte sich mit einem mürrischen grazia. Nach zehn Schritten etwa sah er zurück, nur ganz kurz, sehr zufrieden und etwas schlau.

»Er hielt dich auch für einen Fremden,« meinte Büchner, »du hättest ihn doch auf italienisch abkanzeln sollen.«

»Aber warum denn?« fragte Ercole. »Er hat doch ganz recht, wer zehnmal mehr zahlt, kann auch zwanzigmal mehr, das ist sein calcul. Und wie er Komödiant ist, das ist doch ein Vergnügen zu sehen.«

»Eigentlich ist's wahr,« stimmte Büchner zu.

Nach ein paar Schritten war Ercole so müde, daß er stehen bleiben mußte. Er sah blaß aus und atmete sehr langsam. Sie mieteten eine Droschke. Unterwegs erholte er sich wieder, im Hotel streckte er sich sogleich auf ein Sopha und schlief ein.

Büchner ließ einen deutschen Arzt rufen, der ihnen in Berlin empfohlen war. Der Arzt wollte Ercole auf keinen Fall wecken, hörte seine Krankheitsgeschichte sehr aufmerksam an, gab einige Verhaltungsmaßregeln, meinte, es wäre hoffentlich nicht schlimm und versprach, am Abend wiederzukommen.

Erst gegen sechs Uhr erwachte Ercole und bestand darauf, auszufahren. Und so rollten sie in der endlosen Wagenreihe den Corso hinunter bis zur piazza del Popolo und dann hinauf zum monte Pincio. Oben ließen sie halten und traten auf die Terrasse vor. Junger Wuchs und buschige Pflanzen deckten den Abhang, unten auf dem Platz zogen die Carossen in strenger Ordnung unausgesetzt an einander vorbei, her und hin. Der letzte Tag ruhte wolkenlos über der Stadt, die Kuppeln überall im leisen Abendschein, aus den Gärten duftete es, noch schwiegen die Glocken und die Sonne war am Himmel weit und groß neben dem Petersdom.

Nach einer Weile bog Ercole den Kopf zurück und sprach hinausdeutend, wie nur für sich: »So herrlich ist es. Aber ich werde gestraft werden.« Und er nickte als wäre er gewiß.

Büchner hatte sofort begriffen, der Schreck dämpfte seine Stimme und machte sie heiser, als er rasch und zornig erwiderte: »Warum sagst du das, du hast nie daran gedacht, du weißt es ja, dein Zustand ist nicht mehr gefährlich.«

Ercole antwortete nicht. Sie fuhren im Schritt hinab, der Abend sank schnell. Sie blickten Beide den Corso hinunter, unbeweglich geradeaus und schwiegen. Als ihm Büchner, um es ihn nicht merken zu lassen, daß er ihn beobachtete, das Antlitz recht langsam zukehrte, erkannte er in Ercole's Miene den leblosen, starren Ausdruck der Furcht.

Gleichzeitig mit ihnen traf auch der Arzt im Hotel ein. Er blieb fast eine Viertelstunde; als er aufbrach, fing ihn Büchner im Korridor ab.

»Ich hoffe, es geht vorüber,« meinte er. »Es ist vielleicht nur die Müdigkeit von der Reise. Wenn diese Mattigkeit anhält, allerdings, ja – aber ich hoffe, daß die Kugel nicht zu nahe sitzt am Herz.«

»Könnte es denn andrenfalls schlimm werden, sehr schlimm?«

»Ja – sonst in der That dürfte es nicht unbedenklich sein. Vor allen Dingen äußerste Schonung, jedenfalls nicht wieder ausfahren, auch nicht im Zimmer auf und nieder gehen. Nun, ich habe alles angeordnet und es dem Patienten eingeschärft. Morgen gegen elf komme ich wieder.«

Büchner blieb die Nacht über in Ercole's Zimmer auf dem Sopha. Es war halbdunkel im fremden, ungewohnten Raum, er lag da mit offenen Augen und starrte empor zur Decke. Die Kerze neben ihm flammte gleichmäßig, das Bett und der Kranke ruhten in tiefem Schatten. Wieder und wieder sprang er leise auf, trat ans Fenster und sah auf die Straße, in die Nacht, spähte mit leerem Blick hinaus. Dann wieder stand er am Lager. Ercole hatte sich den nackten rechten Arm unter's Haupt geschoben, er hing aus dem Bett, die innere Handfläche und die Pulsader waren schlaff nach oben gekehrt. Der Kopf mit dem braunen Haar tief in den Kissen. Er schlief und schlief. Büchner sah auf ihn nieder regungslos, hilflos. Einmal beugte er sich schnell vor, um ihn atmen zu hören.

Andren Morgens wachte Ercole ziemlich früh auf, gegen acht Uhr und verlangte nach Milch und Brot. Er war zu müde, um sprechen zu können, trank rasch und lehnte sich wieder zurück, wie betäubt. Als der Arzt kam hatte er sich ein wenig erholt und wollte mit ihm allein sein. Büchner wartete im Flur draußen, doch nur einige Minuten, dann kehrte der Arzt aus dem Krankenzimmer wieder und trat auf ihn zu. Zwei Sekunden vielleicht schwieg er, wie einer Frage gewärtig, und sagte nun ganz ruhig: »Es ist notwendig, einen Priester zu schaffen, er wünscht es.«

Büchner taumelte an die Wand und wäre hingeglitten, aber er wurde schnell und sicher gestützt. »Fassen Sie sich. Gehen Sie mittlerweile zu ihm herein, ich werde für den Priester sorgen.«

Als er ins Zimmer kam, richtete sich Ercole etwas auf und tastete nach seiner Hand. Er sah blaß und ängstlich aus, seine Augen waren unruhig, doch sprach er vernehmlich: »Ich muß sterben für meine Sünden, ich fühle es.«

Büchner flehte ihn an: »Sag' das nicht, sag es nicht, du wirst nicht sterben. Und bin ich denn nur deine Sünde, – ich?«

»Aber nein, so meinte ich es nicht, du bist mir alles geworden. Aber ich werde doch gestraft, für mein Leben –.«

»Dich, dich gerade liebt Gott, ich weiß es – ja, weil du so gut bist, liebt er dich.« Büchner bedeckte seine Hand mit Küssen und sprach weiter, leise und eindringlich, daß sie noch leben würden, zusammen leben, lange noch. Plötzlich unterbrach er sich und umschlang ihn, er hatte begriffen, daß es ihn quälte dies Trösten und Ercole schien ihm für sein Schweigen zu danken.

Der Priester blieb eine halbe Stunde. Als er gegangen war, eilte Büchner zurück ins Krankenzimmer. Ercole schaute ihm hell entgegen, in seinen Augen flackerte es nicht mehr unruhig. Mit einem leisen Druck des Armes brachte er ihn sich nahe und sprach flüsternd aber lebhafter als in den letzten Tagen: »Gerhart, du mußt immer an mich denken und du weißt, wenn einmal etwas andres kommt – du verstehst, nicht wahr? du wirst ja noch lange leben! Hörst du, es darf nie so lange dauern. Niemals darf es so sein, wie mit mir. Immer nur ganz kurz, daß es schnell wieder vorüber ist. Nie was Ähnliches wie zwischen uns.«

Gegen Abend mußte Büchner das Fenster öffnen, es ward Ercole beklommen in der warmen Stube. Es regnete fein und lau, ein warmer Duft nach Gräsern strich bis ans Bett.

2.

Ercole starb eines sanften Todes. Er schied ohne körperliche Qualen, fast ohne einen letzten Kampf, die Stunden vor dem Ende war er bewußtlos und lag ruhig und müde da. Man spritzte ihm Campher ein, doch ihn belebte nichts mehr. Die Vorbereitungen zur Beerdigung, geschäftliche Gänge, das alles ließ Büchner's abgründlichen Schmerz nicht voll zum Ausbruch kommen. Als es nun geschehen, der Hügel über dem tiefen Grab aufgeschüttet war und er allein ins Hotel zurückkehrte und in den fremden Zimmern seine Sachen hastig zusammenwarf, erkannte er jetzt erst wie mit einem Schlage, daß er einsam war, ganz einsam. Für ein paar Stunden betäubte ihn die Verzweiflung und er machte sich mit dem Gedanken vertraut, ihm zu folgen. Dann, wie er auch Ercole's Sachen zusammentrug, um sie zu packen, vergaß er seinen Entschluß wieder. Behutsam und ordentlich legte er Stück für Stück zu einander, Kleider, Wäsche und Noten und ward so ruhiger, ja aufmerksam auf seine Thätigkeit. Er gab Weisung, ihre Koffer nach Genua zu senden und ging auf den Bahnhof, um den nächsten Zug zu erwarten. Daß er nach Genua aufbrach, hatte weiter keinen besonderen Grund; nur wollte er keinesfalls tiefer in den Süden, nach Neapel und auf die Inseln, weil es ihre Absicht gewesen war, gemeinsam dorthin zu reisen.

Nach einigen Wochen fand er zum ersten mal wieder Gefallen an einem flüchtigen, gleichgiltigen Gespräch an der table d'hôte, obgleich ihn der Klang seiner Stimme, als er ein paar längere Sätze aussprach, sehr befremdete. Gerade weil er sich im Tonfall und in der ganzen Art reden hörte wie sonst immer, gerade deshalb. Ihm schien während einiger Sekunden, alles wäre noch wie früher, nichts hätte sich ereignet.

Noch in Rom, einen Tag nach Ercole's Tode, war ein Brief von Elly an Büchner eingetroffen. Er fürchtete, gehässige Worte lesen zu müssen, das Gerücht, von dem Bullmann gesprochen hatte, mochte nun auch zu ihr gedrungen sein und sie nun in recht bitterer oder in einer verächtlichen Weise fühlen lassen, sie wüßte um die Wahrheit. So wenigstens beurteilte er sie. Und er entschloß sich, den Brief nicht zu öffnen. Unversehrt steckte er ihn in einen zweiten Umschlag und fügte einige Zeilen hinzu, in denen er sie von Ercole's Tode benachrichtigte und der Meinung Ausdruck gab, sie würde Büchner nun vielleicht anders schreiben wollen. Er kenne den Inhalt ihres Briefes zwar nicht, aber es wäre immerhin möglich, daß sie es nun bedauern könnte, ihn abgesendet zu haben. Dazu seine Adresse in Genua. – Doch er erhielt keine Antwort.

Fast niemals litt er unter dem Gefühl seiner Schuld. Selten und dann ganz plötzlich fiel es ihm ein – so selten, daß es ihn erstaunte und er seine Gedanken endlich gewaltsam in diese Richtung lenkte. Doch empfand er keine Reue und blieb ruhig und ernst, ihm schien, so hätte es sich an ihnen erfüllen müssen, so wäre es ihnen geschickt. Oft betrat er eine Kirche oder Kapelle zur Zeit der Messe. Betete er auch nicht, so schaute er der heiligen Handlung doch nicht wie ein Weltkind zu. Unbeweglich und versunken lauschte er mit warmen Augen dem Gesang und er fühlte, wie er alles lieb gewann, was Ercole geliebt hatte, wie er auch das lieben lernte, von dem er geglaubt, es wäre seinem innersten Wesen ewig fremd.

Bis in den Sommer blieb er in Genua. Es waren herrliche Tage, das Meer leuchtete unter wolkenlosem, blauem Himmel vom frühen Morgen bis die Nacht sank, schnell und tief. Zuweilen dachte er an den kommenden Winter und seine wissenschaftlichen Arbeiten; lange Jahre würde er vielleicht noch leben.

In verzweifelten Stunden, abends allein im Zimmer, wenn die Einsamkeit rings um ihn graue Fäden spann, daß es ihm leise in den Ohren summte, richtete ihn doch eines auf. Ein Glück war ihm beschieden worden, wenn auch für wenige Wochen nur, aber Ercole hatte ihm ganz angehört. Und nicht der rastlose, unstäte Knabe mehr war ihm in Ercole begegnet – an einen ganz anderen, von dem Büchner niemals geahnt hatte, durfte er nun zurückdenken. Und eine Dankbarkeit gegen das Schicksal erfüllte ihn. Ihm war vergönnt gewesen viel zu sehen und zu erleben, wieder und wieder gedachte er der Worte des segnenden Türmers aus dem Faust.

Büchner beschloß den nächsten Winter jedenfalls in Rom zu verbringen. Doch reiste er, trotz der Gluthitze schon im August dorthin ab, es ließ ihm keine Ruhe, etwas Versäumtes nachzuholen. Er hatte in keiner Weise für das Grab Sorge getragen, es mochte nur zu bald verwahrlosen unter verdorrten Blumen. Er wollte ihm ein Denkmal setzen, eine starke Säule, oben unmerklich abbrechend, nicht schräge glatt. In der Mitte Ercole's Haupt im Relief und darunter eine kurze Inschrift, lateinisch, die vom Künstler sprach. So wäre es dem Toten gewiß lieb.


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