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Eines Tages kamen zwei Wildenten den Bach heruntergeschwommen, ein vergnügtes Paar. Sie ließen sich treiben und machten sich hier und da am Schilf zu schaffen, wobei sie solange gegen den Strom rudern mußten, um nicht fortgetrieben zu werden. Ihr Schnattern füllte die warme Luft, zu allem, was sie erlebten oder fanden, mußte eine Bemerkung gemacht werden. Das Schilf stand damals schon ziemlich hoch, es war recht heimlich an den Ufern, das treibende Wasser schimmerte grün, und vom Sonnenschein zitterten überall goldene Tellerchen und Lichtstreifen. Im Lindenschatten der Waldwiese war es über dem Wasser am schönsten, das Licht war dort geheimnisvoll gedämpft, und die Blätter des Baums spiegelten sich in der Flut, sie zitterten und flatterten im Wasser, als ob der Wind sie bewegte.
Die Ente machte halt, suchte Grund für ihre breiten Schwimmfüße und blieb dicht am Ufer stehen.
»Ich werde hier einen Augenblick verweilen«, sagte sie zu ihrem Gatten und schüttelte sich. Ihr Mann sah hinüber, nickte ihr zu, kam dann auch und stellte sich neben sie.
»Darüber fällt es einem mal wieder ein,« sagte er in bester Laune, »was wir Enten alles können. Es gibt kein Tier, das so viel kann, man darf sie alle nacheinander durchdenken, es findet sich keines, das zugleich schwimmen und fliegen, auf dem Trocknen gehen und im Wasser sitzen kann. Denke an die Fische, meine Liebe,« fuhr er fort, »sie können schwimmen, das ist wahr, aber nur unten. Hast du einmal einen Fisch gesehen, der schwamm, während er den Kopf aus dem Wasser streckte?«
»Wenn du von Fischen sprichst,« antwortete die Ente, »so muß ich immer an die kleinen denken, die man essen kann, wenn es einem gelingt, sie zu fangen.«
Aber ihr Mann ließ sich nicht stören.
»Du bist so sprunghaft in deinen Gedanken,« sagte er, »niemals kannst du bei einer Sache bleiben. Höre jetzt genau zu.«
»Du sprichst ja auch von verschiedenen Sachen,« antwortete seine Frau, »hast du nicht vom Schwimmen, Fliegen und vom Gehen zugleich gesprochen?«
»Ich habe von den Eigenschaften der Enten gesprochen, meine Liebe, und nicht vom Essen. Für dich haben, scheint es mir, nur Dinge Bedeutung, die man hinunterschlingen kann.«
»Ißt denn etwa du selber nichts?« fragte seine Frau und schüttelte ihren Schnabel, als wenn sie den ganzen Kopf fortschleudern wollte. »Du hast einen Appetit, von dem man überall spricht, wo du bekannt geworden bist.«
»Aber natürlich, Liebe …«
»Nun, siehst du? Was ist also?«
»Ach Gott …« sagte der Enterich.
Sie waren schon lange zusammen, die beiden, und lebten eigentlich recht glücklich miteinander, das hätte niemand anders sagen können, aber ohne Zweifel war der Enterich eine Natur, die die Dinge gern beschaulich betrachtete. Er machte sich seine Gedanken über dies und das und sprach sie nachher auch aus, damit sie nicht umsonst gedacht worden waren. So kam es, daß er sich oft mit allerlei beschäftigte, was nicht unbedingt zu den praktischen Lebensfragen gehörte. Seine Frau dagegen hielt sich mehr an das, was man wirklich unter die Flügel oder in den Schnabel nehmen konnte. Das war ihm oft schmerzlich, gewiß, aber er hatte doch ein verständiges Einsehen dafür, daß man mit Gedanken allein keine Würmer aus dem Ufersumpf ziehen konnte, und daß einem kein junger Frosch in den Schnabel schwamm, weil über diesem Schnabel ein gediegener Gedanke über das Leben entstanden war. Aber kleine Reibereien gab es natürlich doch; denn Leute, die oft und gern über das Leben nachdenken, halten meistens viel von ihren Gedanken und haben gern, wenn man sie anhört und auch etwas davon hält.
»Also, Liebe,« fuhr er nun fort, »nun höre mir einmal zu. Ich habe nicht die Absicht gehabt, mit dir über das Essen zu streiten, sondern ich wollte dir einmal wieder so recht deutlich ins Bewußtsein bringen, was für ein gesegnetes Geschlecht im Grunde wir Enten sind. Das erhöht die Lebensfreude, meine Gute.«
»Ja, aber meinst du denn,« entgegnete die Ente, »daß wir Lebensfreude empfänden, wenn wir nichts zu essen hätten?«
»Himmel und Wolkenbruch,« rief der Enterich, »jetzt hältst du aber den Mund!«
»Ach, du lieber Gott,« schluchzte die Ente, »nun wirst du grob und beschimpfst mich, während ich nur das Beste gewollt habe. Sag' wenigstens nicht Mund, sondern Schnabel, wie es sich für eine anständige Ente gehört.«
»Wenn du ihn hältst, so will ich ihn nennen, wie er heißt, aber begreife endlich, was mir im Sinn liegt! Schon als ganz kleines Tier war ich so, daß ich längere Zeit über alles nachdenken mußte, was ich sah oder erlebte; wenn ich dir schildern könnte, wie tief mir alle Eindrücke gegangen sind! Das Schilf in der Sonne, die Flußfahrt durch den Kiefernwald oder der erste Flug über Land. Vom Tauchen schweige ich, ich dachte damals im durchsichtigen Wasser, kein Tier ist so glücklich wie eine junge Ente. Den Schnabel im Morast und die Beine gegen die Sonne, ach, Liebe …«
Die Ente betrachtete ihren Gatten, wie er da stolz und fest im Uferwasser saß, und wie die kleinen Bachwellen die herrlichen blauen Streifen seines Flügels bespülten; die Beine schimmerten rötlich durch die Flut, und der ungemein wohlwollende Ausdruck seines klugen Gesichts söhnte sie aus.
»Sprich nur weiter,« sagte sie freundlich, »es schadet ja nichts.«
»Es schadet nichts …« wiederholte der Enterich langsam und dann schwieg er. Aber mitten in seinem Groll kam ihm in den Sinn, daß seine Frau in diesem Frühjahr ihre Jungen gegen einen Habicht verteidigt hatte; sie, das kleine schwache Tier, ohne Krallen und mit einem stumpfen Schnabel, der nur zum Wühlen im Schlamm und bestenfalls zum Festhalten eines kleinen Fisches oder eines Wurms geeignet war. Sie war dem Raubvogel mit einem wilden Geschrei entgegengeflogen, das er noch niemals von ihr gehört hatte, und ihre Flügel peitschten die Luft, daß es sauste. Das Herz des Enterichs schlug, als er an diesen Augenblick dachte; die Jungen hatten Zeit gehabt, ins Schilf zu flüchten, und dann plötzlich, als alle in Sicherheit waren, war seine Frau so rasch im Wasser verschwunden, als hätte ein großer Hecht sie hinabgerissen. Später hatte sie rasch ihre Kleinen wiedergefunden, und sie waren ihnen erhalten geblieben, die acht.
»Nun gut,« sagte er, »ich werde also weitersprechen.« Aber er kam nicht dazu, denn es geschah etwas sehr Merkwürdiges: über ihnen wurde ein feines Klatschen hörbar, und eine helle Stimme rief:
»Fliegt auf! Fliegt auf!«
Nun, das taten die beiden Enten sogleich mit lautem Geschrei und Flügelschlagen, so daß das Wasser aufspritzte und das Schilf rauschte. In der Natur warnen alle befreundeten Tiere einander durch Zurufe, und da die Enten die Stimme verstanden hatten, folgten sie sofort der Warnung. Sie wußten nicht, daß es der Elf gewesen war, der in die Hände geklatscht hatte, und noch weniger ahnten sie, weshalb er es getan, und in welch entsetzlicher Gefahr sie geschwebt hatten. Denn kaum machten ihre Flügel den ersten wuchtigen Schlag, der sie emporriß, als durch das Schilf mit einem langen Satz der Fuchs aufsprang und ihnen enttäuscht und zornig nachschaute. Er hatte sie bis auf knapp drei Entenlängen bereits erreicht, niemand kann leiser durch das Schilf schleichen als ein Fuchs, aber mit dem Elfen hatte er in keiner Weise gerechnet.
»Was fällt Ihnen ein!?« rief er grimmig empor zu dem Ast, auf dem der Elf sich schaukelte und lachend zu ihm niedersah. »Glauben Sie, ich jage hier zu meinem Vergnügen? Wie kommen Sie dazu, sich in meine Angelegenheiten zu mischen?«
Wie böse er dreinschaute! Sein kluger Kopf mit der schmalen, langen Schnauze und den lebhaften, dunklen Augen sprühte geradezu von Kraft und Haß, die herrliche Farbe zeichnete sich klar vom grünen Untergrund des Schilfs ab, und die prächtigen hohen Ohren waren weit zurückgelegt, was ihm oft passierte, wenn er ärgerlich war. »Kommen Sie nur herunter, Sie weißes Federvieh, ich reiße Sie in Stücke, daß Sie auffliegen wie Pusteballen vom Löwenzahn. So was!«
Da schwang sich der Elf ins Schilf nieder und setzte sich gerade vor die Nase des Fuchses auf einen Halm, dicht vor die blitzenden weißen Zähne, die gefährlich aus den schmalen schwarzen Lippen hervorblitzten.
Der Fuchs prallte zurück. »Sie sind mir zu hell,« sagte er bestürzt, »sonst … nun, Sie würden etwas erleben!«
Der Elf strich sein Haar zurück. Er hätte nie geglaubt, daß der Fuchs ein so schönes Tier sei. »Sei nicht mehr böse,« sagte er, »ich weiß selbst nicht, wie es über mich gekommen ist, ich habe im Augenblick nur an die Enten gedacht, sie taten mir leid. Natürlich bist du im Recht, auch du willst leben.«
»Allerdings«, sagte der Fuchs befangen. Er starrte den Elfen an, als sähe er Wunder.
»Wer sind Sie?« fragte er, und seine runden Augen unter der gerunzelten Stirn drückten in gleichem Maße Erstaunen wie Bewunderung aus. »Hell wie der Himmel, ein kleiner Mensch und zugleich ein geflügeltes Wesen sind Sie.« Er schüttelte den mächtigen Raubtierkopf, in dessen Rachen der Elf in einem Augenblick hätte verschwinden können. Aber seine Unbefangenheit und seine Schönheit beschwichtigten den Zorn des Fuchses völlig, wie Schönheit und Unbefangenheit in der Welt nun einmal die stärksten Waffen gegen das Böse sind.
»Ich bin ein Elf. Denke dir, ich saß dort im Busch, als die Enten kamen, und hörte ihnen zu. Kannst du verstehen, daß ich Teilnahme für die Tiere fühlte, da ich ihnen doch längere Zeit gelauscht hatte? Es geht einem zuweilen so, und ich hätte sie nun nicht unter meinen Augen sterben sehen können.«
Der Fuchs hörte kaum zu, die Enten waren ihm völlig gleichgültig geworden. Als ob er nicht Enten fangen konnte, sooft er wollte, aber ein Elf saß vor ihm, ein Blumenelf! Er hatte bisher auf das bestimmteste geglaubt, Elfen kämen nur in alten Geschichten vor, in Märchen oder bestenfalls nachts im Mond über den Blumen, dann weiß man nie recht, was Wirklichkeit oder Traum ist, denn in seinem geisterhaften Licht werden alle Dinge geheimnisvoll. Aber nun saß dort in der hellen Sonne, im Grünen, leibhaftig ein Elf vor ihm; es war sicher einer, so viel wußte er auch, was sollte denn dieses zarte Lichtwesen sonst sein, die Geschöpfe des Waldes kannte man doch. Was ihn aber am meisten in Erstaunen setzte, war die Tatsache, daß der Elf nicht im geringsten ihm mißtraute oder ihn fürchtete. Kannte er denn seinen Ruf nicht, alle die bösen Geschichten, die die Waldleute sich über ihn erzählten, über seine Tücke, seine Schlauheit und seine Raubgier? Kein Tier der Wälder war gefürchteter und gehaßter als er, und nun saß dieser kleine Himmelsbote vor ihm, als sei er seinesgleichen. So dachte sich der Fuchs: Es ist schon besser, ich zeige mich gleich so böse, wie ich bin, als ein schlauer Räuber und mächtiger Waldherr, später erfährt der Elf es ja doch, und ich erlebe, was ich so oft erlebt habe, daß er mir weder traut noch glaubt und sich enttäuscht von mir abwendet. Es ging ihm, wie es oft gescholtenen Leuten bisweilen ergehen kann, er hatte die Lust daran verloren, anders als böse zu erscheinen. Und so sagte er denn und knurrte mürrisch:
»Ich bin der Fuchs, Reiner heiße ich, der Wald kennt mich.«
Der Elf ahnte die Gedanken seines neuen Bekannten nicht. Ganz hingerissen von Entzücken, trat er dicht an ihn heran und strich mit der Hand über das warme, weiche Fell, das in der Sonne glänzte und so sorgsam gepflegt war, daß auch nicht ein Härchen hervorstand.
»Herrlich,« sagte er, »ganz herrlich!« Er konnte sich nicht satt sehen an diesem wohlbestellten Körper, der schmal und zugleich kräftig war, geschmeidig und anmutig. Die hochstehenden spitzen Ohren waren außen von tiefstem Weiß, und die schlanken Pfoten an den feinen Gelenken verrieten ihr Geschick sowohl zu leisem Tritt wie auch zu wuchtigem Sprung. Der breite, buschige Schwanz war sicher seine schönste Zierde, er lag rund im Gras, an den Körper angeschmiegt und leuchtete geradezu in seiner roten Waldfarbe.
»Du bist der Mächtigste im Wald,« sagte er leise, fast als spräche er zu sich selbst, »niemand vermag dir zu widerstehen.«
Der Fuchs war sehr überrascht, daß ihm diese Tatsache nicht wie gewöhnlich zum Vorwurf gemacht wurde.
»Es ist wahr«, sagte er und lächelte ein wenig überlegen, aber durchaus nicht böse. »Ich tue, was ich will, aber dadurch habe ich noch bei niemandem Gefallen erregt.«
»Jeder lebt auf seine Weise«, sagte der Elf nachdenklich. »Hast du keine Feinde, die du fürchtest?«
»Den Menschen,« antwortete der Fuchs, »sonst möchte ich wissen, wer es wagt, mir in den Weg zu treten.«
»Gestern sah ich einen Bussard,« erzählte der Elf, »der große Raubvogel flog zwischen den Baumstämmen dahin, lautlos und gewichtig, und suchte den Boden ab. Wenn er nun dich fände, was würde geschehen?«
Der Fuchs lächelte. »Er würde sich besinnen, ehe er mir zu nahe käme,« sagte er, und in seinen Augen blitzte ein böses Licht auf, »aber im allgemeinen lassen wir einander unsere Wege, der Wald ist reich. Außerdem gibt es Taubenschläge, Enten- und Hühnerhöfe, Kaninchenställe und Gänse auf den Wiesen.« Er blinzelte dem Elfen zu, aus seinen Augenspalten kam ein schräger, verschlagener Blick.
Aber obgleich der Elf wußte, daß diese Tiere den Menschen gehörten und ihn der Blick des Fuchses bis ins Herz erschreckte, wuchs seine Bewunderung für das mächtige Waldtier, und ihn erfaßte ein heimlicher Schauer vor der Klarheit dieser kalten, schönen Augen. Gerade wie jetzt eben der Fuchs vor ihm stand, ein wenig zurückhaltend in der Neigung des Kopfes und das Licht auf dem geschmeidigen Nacken, während der eine zierliche Vorderfuß mit unbeschreiblicher Anmut in einen Winkel emporgezogen war, bot er ein Bild, das Wunder von Lebensfülle, Kraft und Schönheit ausstrahlte. Und der Elf mußte denken: O du herrlicher Wald! In deinem feuchten Schatten über dem sanften Moos, oder im goldenen Licht unter deinen Zweigen, in deinem Dickicht und hoch über deinen grünen Kronen schwebt und wandelt und schweift es umher in ungezählten Formen der reichen Natur. Und er mußte an die Sonne denken, die alle diese lebendigen Wunder der Erde wärmte und entzückte, die sanften und die rauhen, die arglosen wie die blutgierigen, und sein Herz erzitterte aufs neue in überquellender Seligkeit, daß er mitten unter allen Geschöpfen weilen durfte, atmend und schauend, ihre Art erkennend, ihr Wesen begreifend und vom Dasein entzückt wie sie. Es erfaßte ihn jählings ein fremdartiges Heimweh, auch einst sterben zu dürfen wie sie, nur um ihnen in ihrem Geschick nah zu bleiben.
Der Fuchs betrachtete den Elfen aufmerksam und erstaunt. Nun ist es so bestellt, daß, wenn ein Herz von einer Freude erfüllt ist und ganz selbstvergessen in ihr erglüht, so strahlt sie aus den Kammern des Herzens hervor, bis in die Züge des Gesichts, wie durch Glas, und füllt die Augen mit Licht. Es ist viel schwerer, eine Freude für sich zu behalten als einen Schmerz.
Was hat er nur, dachte der Fuchs, ich zeige ihm, wie gefährlich ich bin, und er wird immer beglückter. Das wunderte ihn, und er beschloß, den Elfen geradeheraus zu fragen, wie er über ihn dächte.
»Mein Lieber,« sagte er zögernd, »weißt du eigentlich nicht, wie man im Wald über mich denkt?«
»Warum tötest du Tiere?«
Der Fuchs erschrak. Er wußte nicht, worauf der Elf hinauswollte, aber er merkte nun, daß er wohl über ihn und seine Eigenart unterrichtet war.
»Um zu leben«, antwortete er.
»Tötest du niemals ohne Grund?«
»Nein,« sagte der Fuchs, »das wäre nicht klug. Ich nehme, was ich für mich und die Meinen zum Leben brauche.«
»Es gibt kein Geschöpf in der Welt, das es anders macht,« entgegnete der Elf, »deshalb laß es dir keine Sorge sein, wie andere über dich denken.«
Der Fuchs schaute seinen kleinen Nachbar groß und ruhig an: »Ich habe niemals anders empfunden,« sagte er ernst, und der Ausdruck von Verschlagenheit war völlig aus seinem Gesicht verschwunden, »ich wünschte mir nur, alle dächten so wie du.«
Sie schritten miteinander den Bach entlang aufwärts. Die Nachmittagssonne schien durch die Kiefern durch einen feinen grauen Schleier, den sie golden färbte, so daß die Stämme wie in einem Traumland standen. Es war so kühl und still, daß die Augen sich nicht bewegen mochten, als müßte das friedliche Bild des Waldes sich so bunt in ihnen spiegeln, wie es in der Luft entstand. Die ersten Krähen zogen heim, man hörte ihre Stimme über sich in der Höhe.
»Einmal kommt eine Zeit,« sagte der Elf, »da werden alle Geschöpfe so übereinander denken. Sie wird wiederkommen. Es gibt eine uralte Sage der Menschen, nach welcher es einmal so gewesen ist.«
»Davon habe ich gehört«, sagte der Fuchs spöttisch. »Da spielte die Ziege mit dem Löwen Verstecken, und die Wölfe fraßen Brombeeren. Ich danke.«
Der Elf lachte.
»Es wird dich niemand überreden, Brombeeren zu essen,« antwortete er, »gerade darin wird die Eintracht bestehen, daß jeder die Eigenart des anderen versteht.«
»Ich verstehe die Eigenart der Hasen sehr gut,« sagte der Fuchs und schielte zu seinem Begleiter hinüber, »wenn nur die Hasen auch meine verstehen wollten und sich fressen ließen, wäre alles gut.«
Wieder mußte der Elf lachen, aber die Freude, die aus seinem Lachen klang, hatte etwas seltsam Zuversichtliches, es schien nicht so, als ob die Antworten des Fuchses ihn in seinem Glauben irre machten.
»Du bist schlau,« sagte er und schaute dem großen Gefährten in die wachen Augen, »mit dir ist nicht leicht zu streiten, du siehst alle Dinge so, wie sie dir recht sind, und was dir nicht gefällt, das nennst du die Fehler der anderen. Aber ich habe doch recht, das letzte Ziel des Lebendigen ist eine große Harmonie, eine Freude ohne Ende.«
»Willst du darauf warten?« fragte der Fuchs. Aber er achtete nicht auf die Antwort, er wandte den Kopf blitzschnell zur Seite, denn es raschelte im Gebüsch. »Eine Maus«, sagte er leise und hob den Vorderfuß.
»Woher weißt du das?« fragte der Elf.
»Ich höre es«, antwortete der Fuchs einfach. Es schien, als wäre er auf seine scharfen Sinne nicht einmal besonders stolz. »Lassen wir sie,« meinte er und ging weiter, »das muß eine schlechte Zeit sein, in der der Fuchs Mäuse frißt.«
»Siehst du«, sagte sein Gefährte leise.
»Was soll ich denn sehen?«
Der Elf antwortete: »Und viel später wird es eine Zeit geben, welche schlecht nennt, wenn nur ein Wesen noch das andere bedrängt. Immer höher und höher entwickelt die Natur ihre Geschöpfe, ist ihr nicht schon der Mensch gelungen?«
Der Fuchs blieb stehen. »Du hältst etwas vom Menschen, Elf?«
»Viel, sehr viel, am meisten.«
»Und glaubst du, der Mensch bedrängte die lebendigen Wesen der Natur nicht?«
»Doch,« antwortete der Elf, »er tut es, aber es gibt Menschen, die leiden darunter, daß sie es tun, das ist schon viel näher dem großen Ziel. Du wirst mich nicht verstehen, aber glaube mir, die Erde ist noch sehr, sehr jung, wir können nur ahnen, wie herrlich ihr letztes Kleid sein wird. Wenn nicht einst alles vollkommen würde, so würden wir nicht dies Verlangen danach im Herzen haben, das alle Kreatur bewegt. Die einen wissen es, die anderen ahnen es nur, viele tun nicht einmal das, aber alle richten ihre Augen hinauf, zum Licht.«
»Wenn du recht haben solltest,« entgegnete der Fuchs, »so kann ich mir aber kaum denken, daß es später noch Füchse und Enten gibt, Raubtiere und arglose Geschöpfe, die ihre Beute werden. Oder es kommt auf die Brombeeren heraus, und da tue ich, wie gesagt, nicht mit. Ich danke für ein Friedensreich, in dem ich den ganzen Tag darüber froh sein soll, daß ich keine jungen Hasen fresse.«
Der Elf lachte wieder sein seltsames Lachen, und der Fuchs dachte: Ein merkwürdiger Elf, er lacht über mich, und ich fühle mich doch nicht verletzt, er weiß es besser als ich und achtet mich doch hoch, er ist überlegen und doch wie ein Kind, ein merkwürdiger Elf. Aber er war neugierig geworden, und da ein Fuchs zu den klügsten Tieren gehört, die es gibt, wird es sich begreifen lassen, daß ihm viel daran lag, den Elfen zu verstehen. Es ist wahr, oft verletzt die Wahrheit, aber man kann die Wahrheit auch sagen, ohne zu kränken, denn die großen Wahrheiten verletzen nicht, sondern nur die kleinen.
»Es gibt viele Menschen,« fuhr der Elf fort, »die stellen sich den Himmel ebenso vor wie du. Sie denken sich, sie müßten in weißen Kleidern einhergehen und allerlei Gutes tun, das ihnen langweilig ist, und mit feierlichen Gesängen den lieben Gott loben, der auf einem Thron sitzt und sich an ihren schönen Stimmen freut. So ist das Friedensreich nicht, nach dem wir alle uns sehnen, wenn das Ungemach des irdischen Lebens uns bedrückt. Es ist immer mitten unter uns, denn wir sind alle auf dem gleichen Wege, die Menschen, du und die kleinen Gewächse, die du im Schreiten mit den Füßen berührst. Ich habe vorhin deine Gestalt bewundert, deine wohlbestellten Sinne, deinen klaren Blick und eben noch dein Geschick, nur aus einem Geräusch ein Tier zu erkennen. Sieh, dies herrliche Leben in dir wird sich einst zum Vollkommenen vollenden; was heute so klug Geringes erkennt, wird einst alles erkennen, was heute als Frohsinn in deinem warmen Blute pocht, wird einst als unvergängliche Freude emporblühen, und indem du lebst in deiner Freiheit, lebt in dir die treibende Kraft zur ewigen Harmonie. Dein Wert ist dein Himmel, er ist unvergänglich, und so gehörst auch du dem Reich an, von welchem mein Herz träumt.«
»Das läßt sich hören,« sagte der Fuchs, »woher weißt du das?«
Der Elf sah verwirrt auf. »Ich weiß so wenig,« sagte er schüchtern, »ach, denke doch nicht, ich wüßte etwas Rechtes, ich muß so denken, weil ich alles Lebendige lieben muß, immer und immer spricht in mir meine Liebe ihre eine Wahrheit, und sie lautet: Alles wird einst gut sein, was heute schön ist.«
»Daß du das alles gerade mir sagst, finde ich besonders freundlich«, meinte der Fuchs. Er sah auf und lauschte. »Entschuldige mich einen Augenblick,« bat er, »siehst du dort drüben den bemoosten alten Baumstumpf? Der Ort ist mir schon lange verdächtig, aber ich komme nicht hinter sein Geheimnis. Gestatte, daß ich eben hinüberschaue, es liegt ein Geruch in der Luft, der mich erregt.«
Er trabte über das Moos unter die Stämme, man vernahm keinen Laut; selbst ein Schmetterling, der sich auf einer Brombeerblüte niedergelassen hatte, erhob sich nicht. Der Elf begleitete den Fuchs, wie eine wehende weiße Blüte glitt er durch den rötlichen Abendsonnenschein.
Er sah, wie der Fuchs vorsichtig den Baumstumpf umschritt, der Ausdruck seines Gesichts war gespannt und besorgt, und plötzlich legte er beide Ohren zurück, und sein Körper nahm eine drohende Haltung an. Es schien nun nicht mehr so, als spürte er einer Beute nach, sondern als erwartete er einen Feind. Er wandte sich nach dem Elfen um, schien etwas sagen zu wollen, zögerte aber und schwieg. Seine schwarze Nase arbeitete ohne Unterbrechung, als sei sie ein kleines Wesen für sich, seine Augen funkelten klein und böse, und er schlich so tief am Boden dahin, daß er fast um die Hälfte kleiner erschien.
Unter zwei gewaltigen Wurzelansätzen war der Eingang zu einer Höhle sichtbar, die durch den ausgehöhlten Stumpf tief in die Erde zu führen schien. Der Fuchs prüfte die beiden Ausgänge, die auf diese Art seitlich und nach oben hin entstanden, und schnupperte den Boden ab. Es war eine deutliche Fährte im Moos erkennbar, die ins Dickicht lief. Nun horchte der Fuchs, er hielt den Kopf schräg und hob den Vorderfuß. Und dann schien es, als nähme eine heiße innere Erregtheit ihm plötzlich alle Vorsicht, er schien den Elfen und jedes Ding um sich her vergessen zu haben, und aus dem halbgeöffneten Rachen, dessen Zähne hinter den hochgezogenen Lippen blitzten, kam ein wütendes Knurren, das einen solchen Haß, so viel Kampfesgier und Zorn verriet, daß der Elf bis ins Herz erzitterte. Es wird einen großen Kampf geben, dachte er bebend, welch ein Tier mag dort hausen? Noch als er in Zweifel und Sorge bedachte, ob er den Fuchs nicht bitten sollte, von seinem Vorhaben abzustehen, erklang aus dem Innern der Höhle eine feine eindringliche Stimme von großer Schärfe, man hätte fast glauben können, daß eine wütende Katze fauchte, und der Elf verstand:
»Geh weiter! Ich warne dich, oder du hast deinen letzten Gang gemacht!«
»Reiner,« rief der Elf laut, »komm, ich bitte dich!«
Aber der Fuchs hörte nicht, seine Augen funkelten, als hätte er Feuer unter der Stirn, und sein ganzer Körper war in so hoher Anspannung, als zöge eine mächtige Hand einen Bogen bis zum Zerbrechen an. Trotzdem klang seine Stimme ruhig, als er antwortete:
»Mit solchen Worten scheucht man Kaninchen, du Tor, du hast vor Angst den Verstand verloren; komm heraus, wenn ich dich nicht in deinem Loch erwürgen soll wie eine Maus.«
Es blieb still. Der Fuchs stand so, daß er beide Ausgänge übersehen konnte. Diesen Augen und Ohren entging nichts. Der Elf empfand, daß kein Einspruch mehr nützen würde; hier war ein Haß entfesselt, der so alt war, wie das Leben selbst, und solchen Gewalten der Natur gegenüber gibt es kein Hindernis, sie toben sich aus wie die Gewitter, oder wie der Frühlingssturm, und wer nicht die Kraft hat, sein Leben im Kampf zu wahren, der muß es verlieren.
Gebannt von Entsetzen und Bewunderung sah er hinüber, und ohne daß er noch die Kraft besessen hätte, auch nur ein Wort über seine Lippen zu bringen, wurde er Zeuge des furchtbarsten Kampfes, den er jemals in seinem Leben gesehen hatte. Wohl war er nach allem Vorangegangenen auf einen Angriff gefaßt, auch ahnte er, daß er unversehens und plötzlich kommen würde, aber einen Überfall von solcher Wildheit, wie er nun jählings erfolgte, hatte er nicht für möglich gehalten.
Es schoß blitzschnell aus dem Dunkel der Höhle hervor wie ein niedriger Schatten, und nur an dem furchtbaren Anprall der beiden Körper erkannte er, daß dies heranstürmende Etwas ein Wesen von Fleisch und Blut war. Lange Zeit unterschied er nicht mehr als ein wildwogendes Knäuel, das sich ohne einen Laut, aber in unbeschreiblicher Erbitterung im Bodenlaub wälzte. Erst als die beiden Tiere sich für eine Weile losließen, wie um Atem für ein erneutes Ringen zu schöpfen, sah er, daß es ein Marder war, den der Fuchs aufgestört, und der ihn nun angefallen hatte.
Er sah kleiner und schmächtiger als der Fuchs aus, aber wie er jetzt dort im Laub hockte, an den Boden gedrückt, sprungbereit und den kleinen, bösen Kopf, in dem die Reihen der entblößten Zähne wie kleine weiße Sägen blitzten, bot er das Bild eines unheimlichen und einschüchternden Gegners, dessen Gewandtheit und Kraft unberechenbar erschienen, und dessen Raubsinn und Blutgier denen des Fuchses um nichts nachstanden, ja von noch größerer Tücke und Bosheit beherrscht sein mochten.
Wohl war der Fuchs größer und sein Gebiß war mächtiger, wie auch seine Körperkraft größer war, aber er bekam neben diesem geduckten Grimm seines Gegners beinahe etwas Harmloses. Der Elf konnte kein Auge von dem Marder wenden, er verstand den brennenden Haß, der diese beiden Tiere in eine ewige Feindschaft trieb, und jeder Versuch zu einer Versöhnung wäre einem kindlichen Vorhaben gleichgekommen.
»Einer von euch wird sterben«, stammelte er zitternd.
Der Fuchs stand unbeweglich, als wäre er aus Holz geschnitzt, nur seine Rückenhaare hatten sich gesträubt, und in seinen Augen funkelte ein Feuer, so inbrünstig von Wut entfacht, daß es unmöglich schien, hineinschauen zu können. Aber die Raubtierblicke des Marders hielten diesen Augen stand; den seinen, die wie zwei stille, gelbe Edelsteine unter der harten Stirn lagen, entging keine noch so kleine Regung des Gegners, ja es erschien, als errieten sie, wie zwei geisterhafte Spiegel, jeden Gedanken des anderen.
Dieser Augenblick der scheinbaren Ruhe war von höchster Spannung, es tat einem fast weh, in diesem Zustand der Erwartung verharren zu müssen, und man fühlte sein Blut in tausend kleinen Hämmern überall arbeiten.
Da, wie ein Pfeil, der aus dem Hinterhalt abgeschnellt wird, fuhr plötzlich von unten her der Marder aufs neue zu, und diesem tückischen Angriff gegenüber erkannte der Elf zum erstenmal die Erfahrenheit und Klugheit des Fuchses in ihrem ganzen Umfang. Statt auf die jähe angreifende Bewegung des Marders einzugehen, verharrte er bewegungslos, dessen bewußt, daß er seinen Gegner Rachen an Rachen nicht zu fürchten hatte, und daß der Marder nur auf eine ungeschickte Wendung gehofft hatte, um die Kehle seines Feindes durchbeißen zu können.
Aber ehe der Elf einem neuen Vorgang mit den Augen folgen konnte, sah er die beiden Raubtiere sich in einem wildbewegten Knäuel am Boden wälzen. Es war nichts mehr deutlich zu unterscheiden, bald leuchtete das Rot des Fuchsfelles auf, bald sah er den hellen Brustflecken am dunklen Fell des Marders aufblinken, und schon glaubte er, der Fuchs habe die Oberhand gewonnen, als ein gräßliches, wildes Geschrei die Waldstille weithin zerriß. Schrie der Marder? Schrien beide Tiere? Diese Laute waren furchtbar anzuhören, Schmerzen, Wut und Todesangst gellten heraus und eine Lebensgier, die alles um sich her vergaß, den Wald, die Tiere, den Himmel und die Erde.
Da nahm der Elf zu seinem Schrecken wahr, daß es der Fuchs war, der schrie, und zugleich erkannte er, daß im Laub und im Moos rote und dunkle Flecken dort zurückblieben, wo das Knäuel der ringenden Körper sich vorübergewälzt hatte. War es möglich, daß der um so vieles kleinere Mörder als Sieger aus diesem Kampf hervorgehen sollte? Nun erkannte er auch, daß sich der Marder im Hinterfuß des Fuchses verbissen hatte, und daß kein Zerren, kein Schütteln und Schleifen ihn zu lösen vermochten. Keine noch so rasche Wendung half dem schwer behinderten Fuchs, immer war der Marder rascher im Entweichen, und sein Gebiß war wie eine Zange in das Fleisch des Fuchses geschlagen.
Und nun ließ der Fuchs langsam in seinem Bemühen nach, er ermattete mehr und mehr, sein zorniges Schreien verstummte, und nach einer kleinen Weile sank er halb zu Boden. Der Elf hätte ihn verloren gegeben, wenn er nicht einen Blick aus den Augen des scheinbar durch seine Blutverluste so arg geschwächten Tiers aufgefangen hätte, einen raschen Blick, der aber auch nicht eine Spur von Ermattung oder Sterbensnot verriet, sondern eine Wachheit und Klarheit aller Sinne, als sei ihm nicht das kleinste Unheil widerfahren.
Aber der Marder ließ sich täuschen. Ihm schien der Augenblick gekommen, seinem verwundeten Feind die Kehle zu durchbeißen, er ließ das Bein des Fuchses fahren und fuhr zu, der weit vorgestreckte Kopf mit dem offenen Rachen sah wie das Gifthaupt einer großen Schlange aus, so schlank und geschmeidig erschien es in dieser bösen, gierigen Hast. Aber da, es sah aus wie ein roter Blitz, schnellte der Fuchs herum, nun erkannte auch sein Gegner, daß er getäuscht worden war, und daß der Fuchs alle Kräfte beisammen hatte; doch ehe er zu neuer Besinnung kam, hatten die furchtbaren Zähne des Fuchses sich tief in seinen Hals gegraben. Man vernahm nur einen kurzen schrecklichen Laut von röchelnder Todeswut, dann wurde es still, und langsam hörten die Zuckungen des Körpers auf, den der Fuchs unter sich am Boden festhielt.
Erst als sich keine Regung des entfliehenden Lebens mehr wahrnehmen ließ, löste er seine Zähne aus dem Hals des Feindes und sprang in einem weiten Satz von ihm zurück, immer noch wie in Sorge, dies zähe, eigensinnige Räuberleben möchte sich trotz seiner Todeswunde zu einem letzten Biß aufraffen. Aber es geschah nichts dergleichen. Der Wald war wieder ruhig geworden, und kein Laut erinnerte mehr an das Kampfgeschrei, das ihn noch eben weithin durchklungen hatte. Nur ein paar Krähen kreisten hoch über den Wipfeln der alten Bäume, unter denen der Marder starb.
Ein kleines rotes Bächlein rieselte aus seinem durchbissenen Hals ins Moos. Der Fuchs sah ruhig mit seinen klaren Augen hinüber und leckte sich die Lippen, sein breiter roter Schweif peitschte das Laub, er sah zufrieden und stolz aus, auch nicht ein Schatten von Reue oder Mitleid trübte ihm den bösen Genuß seiner Kraft und seines Sieges. Seine Wunde beachtete er in diesen Augenblicken nicht.
Du mächtiger Herr im Wald, dachte der Elf, und sein Herz zitterte. Du kannst hassen und töten, genießen und sterben, alles ist dein unvermindertes Recht.
Da erinnerte sich auch der Fuchs des Elfen, er sah hinüber und lachte.
»Nun,« rief er, »was sagst du dazu? Ich habe gewußt, daß hier etwas nicht geheuer war, und ich suchte den Marder schon seit langem. Du hältst mich wohl für sehr böse?«
Der Elf strich sein Haar zurück und atmete tief auf.
»Ich halte dich für stark und klug«, sagte er und preßte die bebenden Hände zusammen. »Denk an mich und vergiß mich in deiner Freiheit nicht.« Und er flog nach diesem Gruß auf und davon, das Herz von Erhobenheit und Bangen zerteilt.
Der Fuchs sah ihm so lange nach, als er ihn zwischen den Stämmen im Licht der Abendsonne erkennen konnte, und dachte: Er läßt mir, was ich bin und was ich habe, so möge auch er einmal empfangen, was sein Teil ist zu seiner Freiheit, das wünsche ich ihm.