Arien und Bänkel aus Altwien
MeistgelesenVerlag: Insel-Verlag zu Leipzig | Jahr: 1914
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Lied eines Mädchens
Wien 1828.
Zu finden bey Ignaz Eder, Kupferstichhändler am Thury in der Flecksiedergasse im eigenen Hause zum guten Hirten.
Du winkst mir holder Jüngling zu,
Ich soll dein Mädchen seyn!
Schenk ich dir dadurch deine Ruh,
Bin ich auf ewig dein.
Ich theile mit dir Freud und Schmerz
Auf dieser Lebensbahn,
Hier Trauter! hast du Hand und Herz
Komm sey mein lieber Mann.
Zufriedenheit, gesundes Blut,
Ein Hüttchen noch dabey,
Ist Lieber! all mein Hab und Gut,
Doch leb ich sorgenfrey.
Mit jedem neuen Morgenroth,
Schenkt uns der liebe Gott
Durch Arbeit unser täglich Brod,
Dann leiden wir nie Noth.
Ein niedlich Mahl zur Mittagsstund,
Doch niemals Überfluß
Und zum Konfikt auf jeden Mund
Den liebevollsten Kuß.
Vergrößert unsere Tafel sich
Durch manches Liebespfand,
Dann Theurer! segnet sicherlich
Uns noch mehr Gottes Hand.
Es schmeckt uns noch einmal so gut
Was eigner Fleiß bescheert,
Wenn täglich unser Fleisch und Blut
Sich unserm Tische nährt.
Ja Kindesliebe, Häuslichkeit,
Zufriedenheit allein,
Dieß lerne uns bey Lust und Leid
Doch immer froh zu seyn.
Und wandern einstens wir voran
Zum Ziel: ich, oder du!
Es drücken unsere Kinder dann
Uns sanft die Augen zu.