Arien und Bänkel aus Altwien
MeistgelesenVerlag: Insel-Verlag zu Leipzig | Jahr: 1914
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Ein schönes Lied zur Unterhaltung: Die Vorwürfe
Wien 1827.
Duett.
Weib. Die Männer, welche zu viel trinken,
O nein, die habe ich nicht lieb;
Mann. Die Weiber, die von Hoffart stinken,
Die hasse ich wie einen Dieb.
Beide. Wo lebt ein Mensch auf dieser Welt
Bei dieser Zeit, der niemals fehlt?
Weib. Die Männer haben große Fehler
In sich, das hätt ich nicht gedenkt.
Mann. Wer kann dafür, daß man im Keller
Jetzt gar so guten Wein ausschänkt.
Beide. Wo lebt ein Mensch auf dieser Welt
Bei dieser Zeit, der niemals fehlt?
Weib. Die Männer fehlen ohne gleichen
Das bringt wohl ihnen keine Ehr?
Mann. Die Armen ja, so wie die Reichen,
Kurzum die Weiber fehlen mehr!
Beide. Wo lebt ein Mensch auf dieser Welt
Bei dieser Zeit, der niemals fehlt?
Mann. Die erste Mutter von uns allen
Die fehlte schon im Paradies.
Weib. Dem Adam hat das Weib gefallen,
Kurzum, der Apfel war zu süß.
Beide. Wo lebt ein Mensch auf dieser Welt
Bei dieser Zeit, der niemals fehlt?
Mann. Wer hat den Samson mehr betrogen,
Als wie ein Weib durch ihre List.
Weib. Vielleicht hat er sie recht belogen,
Dafür hat er durch sie gebüßt.
Beide. Wo lebt ein Mensch auf dieser Welt
Bei dieser Zeit, der niemals fehlt?
Mann. Wer stürzte Salomo den Weisen?
Ja seine Weiber waren es;
Weib. Kannst du mir das mit Grund beweisen?
Geh, schweig, das sind von dir Fineß.
Beide. Wo lebt ein Mensch auf dieser Welt
Bei dieser Zeit, der niemals fehlt?
Mann. Wer wollt den Josef einst verführen,
Des alten Jakob liebsten Sohn?
Weib. Ich glaub, ich werde mich nicht irren,
Das hat kein braves Weib gethan.
Beide. Wo lebt ein Mensch auf dieser Welt
Bei dieser Zeit, der niemals fehlt?
Weib. Wir Weiber sind der Männer Sklaven,
Die Männer sind nichts als Tyrann;
Mann. Genug, ich schätze alle Braven,
Die andern gehen mich nichts an.
Beide. Wo lebt ein Mensch auf dieser Welt
Bei dieser Zeit, der niemals fehlt?
Weib. O schweige mir von den Geschichten,
Liebs Männchen schweig und folge mir.
Mann. Wir schweigen dann vor Leutausrichten,
Ein jedes kehr vor seiner Thür.
Beide. Wo lebt ein Mensch auf dieser Welt
Bei dieser Zeit, der niemals fehlt?