Arien und Bänkel aus Altwien
MeistgelesenVerlag: Insel-Verlag zu Leipzig | Jahr: 1914
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Menschenwürde
Gedruckt in Wien bey Abraham Wimmer.
Umsonst suchst du des Guten Quelle
Weit außer dir in wilder Lust,
In dir trägst Himmel oder Hölle
Und deinen Richter in der Brust.
Kein Gold ersetzt den innern Frieden,
Kein Glanz macht dich den Göttern gleich,
Ist dir Genügsamkeit beschieden,
So bist du glücklich, bist du reich.
Was soll dir eines Königs Krone?
Was soll dir eines Helden Schwert?
Frägt denn die Tugend nach dem Lohne?
Erhöht Bewund'rung ihren Werth?
Laß ab den Thoren zu beneiden,
Um seiner Lüste kurzen Rausch,
Die Weisheit beut dir andre Freuden,
Und du verlierst nichts bei dem Tausch.
Sey Mensch, und ehre Menschenwürde,
Sey frei und laß es andre seyn;
Erschwere nicht des andern Bürde,
Bewahre Herz und Zunge rein.
Sey Christ und segne, die dir fluchen,
Steh für die Unschuld wie ein Wall,
Und wirst du eine Heimath suchen,
So findest du sie überall.
Blick auf zu jenen goldnen Sternen,
Sie blinken dir so freundlich zu,
Als riefen sie aus weiten Fernen:
Wir sind Geschöpfe so wie du.
Was kann die Erde dir gewähren,
Auf der du Gast und Fremdling bist?
Du mußt dem Himmel angehören,
Weil Himmels-Sehnsucht in dir ist.