Arien und Bänkel aus Altwien
MeistgelesenVerlag: Insel-Verlag zu Leipzig | Jahr: 1914
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Der Zufall
Gestern sah ich in der Fern
Dich bei einem jungen Herrn,
Sag, woher doch kennst du ihn?
Blos der Zufall führt mich hin.
In der Kirche stand er heut
Hinter dir die längste Zeit,
Sah dich oftmals zärtlich an;
Blos der Zufall hats gethan.
Und wenn jemand von ihm spricht,
Röthet sich dein Angesicht,
Tochter, das ist wunderlich;
Blos der Zufall röthet mich.
Und wenn er am Fenster steht,
Oder auch vorüber geht,
O wie bist du da so froh;
Blos der Zufall stimmt mich so.
Warum suchst du stets allein
Mit dem jungen Herrn zu sein.
Kind, daß hätt' ich nicht gehofft;
Blos der Zufall fügt dies oft.
Nur der Zufall, liebes Kind,
Ändert manches gar geschwind,
Trügt oft Mädchen wunderlich;
Vor dem Zufall hüte dich.
Wahr ists, was die Mutter spricht
Unbedingt doch glaub ich's nicht,
Denn der Zufall macht so viel,
Macht so manches gute Spiel.