Arien und Bänkel aus Altwien
MeistgelesenVerlag: Insel-Verlag zu Leipzig | Jahr: 1914
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Melancholische Gedanken
Wien.
Zu finden bey Anton Leitner am Schulhof.
Soll ich leben, soll ich sterben,
Soll mein Blut die Erde färben;
Alles geh ich willig ein,
Wenn ich nur die Hoffnung habe,
Daß mein Mädchen bey mein Grabe
Mir eine sanfte Thräne weint.
Wenn sie aber flieht und wanket,
Oder gar mit Untreu danket,
Ach! so stirb ich vor der Zeit;
Dann dein Herze muß ich haben,
Soll ichs gleich aus Felsen graben,
Daß mir treu beständig bleibt.
Nun adjeu! o harte Worte,
Lebe wol an jedem Orte,
Und vergiß nicht, treu zu seyn,
Leb so lang es dich vergnüget.
Bis sich einstens wieder füget,
Daß ich dich umarmen kann.
Und zum stäten Angedenken,
Will ich dir mein Herze schenken.
Nehme es zum Unterpfand.
Dieses soll dir alles sagen,
Meine Kummer, meine Plagen,
Meinen mißvergnügten Stand.