Der Poet im Dorfschulhause
MeistgelesenVerlag: Verlag von Baumert und Ronge | Jahr: 1894
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Ferienzeit
Nun ist sie da, die Ferienzeit,
Mit ihren tausend Wonnen!
Nun wird ein Wandern weit und breit
Mit frohem Sinn begonnen.
Es winkt der grüne, duftige Wald
Mit seinen Höhenzügen,
Er lädt' zu freiem Aufenthalt,
Zu seligem Vergnügen.
Das Bächlein lockt so schmeichelnd-traut:
»Komm mit, die Welt zu schauen!
Sieh nur, wie hell der Himmel blaut,
Wie farbenbunt die Auen!
Sieh nur, wie stolz ins Äthermeer
Die dunklen Berge ragen,
Wie durch die Wälder kreuz und quer
Die muntern Rehlein jagen!«
Und Lerche, Zeisig, Fink und Star,
Sie alle locken traulich:
»Zieh mit, die Welt ist schön fürwahr,
Das Wandern so erbaulich!
Die Sorge flieht, der Frohsinn zieht
Heran auf gold'nen Schwingen,
Und deine Freude wird im Lied
Durch Wald und Flur erklingen!« –
So will ich wandern froh und frei
Durch Berg und Wald und Auen,
Will Land und Leute mancherlei
Und schöne Mägdlein schauen;
Will manchen süßen Rosenmund
Mit heißen Küssen decken,
Und will im tiefsten Seelengrund
Die Liebe auferwecken. –