Der Poet im Dorfschulhause
MeistgelesenVerlag: Verlag von Baumert und Ronge | Jahr: 1894
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Rosenzeit
In Rosenglut und Rosenduft
Steht wieder jetzt die Welt,
Und süßer Nachtigallenton
Erklingt im Laubgezelt.
Das ist die süße Rosenzeit
Der Sommersonnenwende –
Des Blühens und der Seligkeit
Nimmt es nun gar kein Ende.
Ich träume still im grünen Plan
Am Hagerosenstrauch
Und schlürfe mit Entzücken ein
Den würzig süßen Hauch;
Und mir zur Seite perlt so klar
Der frische Saft der Reben –
Der Junitag so wunderbar,
Webt Rosen in mein Leben.
Und komm' ich abends spät nach Haus'
In meines Stübchens Raum,
So grüßen wieder Rosen mich,
Wie Engel hold im Traum:
Zwei Rosen auf des Weibes Mund,
Zehn auf der Kinder Wangen –
O lieber Gott, ich tu dir's kund,
Mein Herzglück steht im Prangen!
Solang mir diese Rosen blüh'n,
Bin ich gesund und reich!
Kein einzig Glück im Erdenrund
Kommt solchem Glücke gleich.
Da will ich gern und mutbeseelt
Des Lebens Dornen tragen
Und allem andern auf der Welt
Mit freud'ger Lust entsagen!