Der Poet im Dorfschulhause
MeistgelesenVerlag: Verlag von Baumert und Ronge | Jahr: 1894
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An Krummau
(Böhmerwald)
Du stolze Waldeskönigin,
Geschmückt von duft'ger Wälder Kranz,
Berückend mir so Herz und Sinn
Mit deinem märchenhaften Glanz,
Du schönstes Bild, das ich geschaut,
Soweit der hohe Himmel blaut,
Ich nenne dich mit freiem Sinn
Die Böhmerwaldeskönigin!
Hoch auf gewalt'ger Felstenstirn
Die stolze Burg in alter Pracht –
Ich hör' die Eisenrüstung klirr'n
Der Rosenberge, die mit Macht
Beschirmt dies stolze Heiligtum,
Und nicht verblichen ist der Ruhm,
Der sich an diese Feste rankt,
Die nie im Zeitensturm gewankt …
Tief unten rauscht der Moldaustrom
Dahin in wildbewegtem Lauf –
Kühn ragt die Kirche wie ein Dom
Aus seinen braunen Fluten auf;
Und wie ein Kind ans Mutterherz
Schmiegt sich das Städtchen, blank wie Erz,
Ans Schloss und an das Gotteshaus,
Fest trotzend aller Wetter Graus …
Und deutsche Bürger wohnen drin,
Das Herz voll Treu, die Brust voll Mut,
Zu wahren dir, Waldkönigin,
Dein altvererbtes Ahnengut:
Den deutschen Geist, die deutsche Kraft
Die nie erliegt und nie erschlafft,
Die treu dich schirmt vor Slavenwut
Und die im Kampfe Wunder tut! –
So blühe weiter, Königin,
Des Böhmerwaldes Stolz und Zier!
Das gold'ne Prag, das große Wien,
Sie gleichen nicht an Zauber dir!
Wär' frei ein Platz an deinem Herd
Für mich, ich hielt' ihn lieb und wert,
Und hauchte hier mein Leben aus
So selig wie im Vaterhaus.