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Gottlieb Conrad Pfeffel: Poetische Versuche

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von Gottlieb Konrad Pfeffel

Verlag: Wilhelm Haas | Jahr: 1789

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Kapitel 77

Der Geyer und der Rabe.

Der Hain des Gotts zu Delphi war
Die Wohnung eines alten Raben,
Dem Elster, Kauz und selbst der Staar
Das stolze Lob der Weisheit gaben.
Einst frug ihn seiner Enkel Schaar
Was doch der Vogel Phönix wäre?
Ein Unding, Kinder! eine Mähre,
Vom Aberglauben ausgeheckt,
War der Bescheid. Gerechte Götter!
Kein Phönix? Ha, verruchter Spötter,
Rief hier ein Geyer, der versteckt
Dem Patriarchen aufgepasset,
Mich nimmt nur wunder, daß Apoll,
Der doch gewis die Ketzer hasset,
In seinem Hain sie dulden soll.
Doch ich will seine Schande rächen
Und dieser Brut die Hälse brechen.
Er thuts und ist der erste nicht,
Der eigne Leidenschaft zu stillen,
Dem Redlichen, um Gottes Willen,
Den Mordstahl in den Busen sticht.