Unschenierte Gedichtcher von eme alde Frankforder
Verlag: Georg Müller | Jahr: 1916
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Des Sängers Fluch
Es stand in ahle Zeite e Schloß, so hoch unn hehr,
Weit glänzt des iwwer die Lande, bis an des blaue Meer.
Dort hat e wilder König zwää Sänger bees verpetzt.
In Verscher hat der Uhland die ganz Geschicht gesetzt.
Er nemmt getreu hisdorisch de ganze Vorfall vor,
Dem Fluch sei Wortlaut äänzig is uvollstännig nor.
Viel schlimmer hat gedunnert der Sänger deiwelswild,
Er hat des Oos von Keenig verzweifelt aagebrillt:
»Weh euch, ihr stolze Halle, samt Dach unn Torm unn Stall!
Der Deiwel soll euch hole! Verblatze sollt err all!
Unn dhut kää ganzer Fetze von euch mehr existiern,
– Dann soll der Bodo Ebhardt euch widder restauriern!«
Der Sänger hat's gekrische, der Himmel hat's geheert.
Des Owwerst' is ze unnerst von dere Burg gekehrt.
E Säulche nor, e kläänes, stand da noch, isoliert –
Dann hat der Bodo Ebhardt die Burg verrenoviert.
Des Sonndags ziehn die Fremde zor Burg uff stolzer Heeh,
Se dhun de Torm besteie, zeh Pfennig kost's Entree.
Unn jedder Jingling dichtet enei ins Fremdebuch
Entsetzliche Gedichtcher – des is des Sängers Fluch!