Der Poet im Dorfschulhause
MeistgelesenVerlag: Verlag von Baumert und Ronge | Jahr: 1894
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Waldbrünnlein
Am Brünnlein weil' ich oft und gern
In trauter Morgenstunde;
Frühglocken klingen nah und fern
In walddurchrauschter Runde.
Des Bächleins heller Murmelklang
Erzählt mir holde Sagen
Von Elfenreiz und Nixensang
Aus alten schönen Tagen.
Ich schau zum gold'nen Morgenlicht
Und lab' mich an der Frische –
Wohl besser trinkt man wahrlich nicht
An eines Königs Tische.
Was uns Natur voll Güte gab –
Das liebe, klare Wasser,
Das Beste ist's die reichste Hab'
Die nur verschmäht der Prasser.
Es macht die Augen licht und hell
Und gibt uns reine Triebe
Und spendet der Gesundheit Quell
Mit treuer Mutterliebe.
Drum weil' ich gern am Brünnlein schlicht
Und lab' mich an der Frische,
Denn besser trinkt man wahrlich nicht
An eines Königs Tische. –