Der Poet im Dorfschulhause
MeistgelesenVerlag: Verlag von Baumert und Ronge | Jahr: 1894
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Mein Stübchen
Dur und Moll
Ich hab' ein Stübchen traut und klein,
Drin leb' ich frohgemutet,
Denn dieses Stübchen, es ist mein!
Und schön ist's, wenn der Sonnenschein
Durchs hohe Fenster flutet.
Des Morgens grüßt mich gold'ne Pracht
Aus grünen Kirschbaumzweigen;
Die Hecke blüht, die Traube lacht,
Mein Stübchen liegt in grüner Nacht,
Gehüllt in tiefes Schweigen.
Fünf Kindlein, rosig-schön und frisch
Und meines Weibes Sonne,
Die sitzen froh mit mir am Tisch
Und scherzen wie der munt're Fisch –
Aufjauchzen sie in Wonne.
Und sinkt des Abends Dämmerschein
Auf Wald und Feld und Heide,
Dann lacht zu uns ins Kämmerlein
Der märchenschöne Mondenschein
In strahlendem Geschmeide.
Dann labt uns noch der gold'ne Wein
Am häuslich-stillen Herde –
Wir trinken aus und schenken ein
Uns lieben uns so wahr und rein
Wie niemand auf der Erde. –
O Stübchen klein, du trauter Raum,
Den uns der Herr beschieden!
Du birgst der Freude Göttertraum,
Und alles Leid zerfließt wie Schaum
In deinem heil'gen Frieden!