Der Poet im Dorfschulhause
MeistgelesenVerlag: Verlag von Baumert und Ronge | Jahr: 1894
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Waldfrühling
Des Waldes grünen Säulenbau
Durchtönet frohes Singen;
Zum sonnverklärten Himmelsblau
Sich muntre Lerchen schwingen.
Denn auferwacht zu neuer Pracht
Ist rings die weite Welt,
Und Liedersang und Wonneklang
Ertönt in Wald und Feld.
Durch Zweig und Wipfel lispeln sacht
Des Lenzes laue Lüfte,
Und aus verjüngter Waldesnacht
Entsteigen Kräuterdüfte.
Durch Baum und Strauch streicht Blütenhauch
Und salbt den Wäldersaal,
Und alles lebt und wirkt und webt
Vergnüglich allzumal.
Die Bäume zieret junges Grün,
Im Laubschmuck prangt die Ferne,
Und bunte Waldesblumen glüh'n
Wie lichtumwob'ne Sterne.
O wie so weit, voll Seligkeit
Wird da die Menschenbrust,
Wenn ringsherum Waldheiligtum
Und lenzesreiche Lust! …
O Waldnatur! O Lenzespracht!
O wundersames Weben!
Mein sehnend Herze ist erwacht
Zu neuerstarktem Leben!
Und frohbewegt und lusterregt
Genießet es die Pracht,
Die reichvermehrt und gottverklärt,
Waldfrühling ihm gebracht! –