Friedrich Bodenstedt: Tausend und Ein Tag im Orient
Verlag: Verlag der Deckerschen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei | Jahr: 1850
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Vierzehntes Kapitel.
Lieder aus dem »Buche der Weisheit und der Quelle der Erkenntniß« des Mirza-Schaffy.
(Fortsetzung.)
Dies soll Euch jetzt als neuestes Gebot Wo nicht ein süßer Mund, ein schönes Auge Jedweder Mund, der sich in schlechten Küssen |
| Daß Du am Abend zu mir kommst, Wird sehr zu Deinem Frommen sein Wenn Du am Morgen lieber kommst, Es soll Dir unbenommen sein – Komm' Du zu irgend einer Zeit, Wirst allezeit willkommen sein! |
Trinkt Wein! das ist mein alter Spruch, Als Gott der Herr die Welt erschuf, Dies ist der Grund, daß Adam bald Die ganze Menschheit ward vertilgt, Die Wassertrinker seien jetzt Mirza-Schaffy! Dir ward die Wahl |
Schlag die Tschadra zurück! Was verhüllst Du Dich? Schlag die Tschadra zurück! Laß alle Welt seh'n, Schlag die Tschadra zurück! Solch ein Antlitz sah |
Wenn zum Tanz die jungen Schönen Daß die kurzen Röcke flattern, Selbst die Weisen aus der Schenke Auch der Muschtahid, der fromme, Ja, vor dieser Anmuth Zauber, Und was in der Welt getrennt lebt O, Mirza-Schaffy! welch Schauspiel, |
Die Distel sprach zur Rose: Zur Nachtigall die Gans sprach: Zum Dichter der Philister Philister, Gans und Distel, Der Eine schafft und müh't sich, Mirza-Schaffy! wie lieblich |
Mirza-Schaffy! nun werde vernünftig, Sieh Mirza-Hadschi-Aghassi an, Drum widme Deine Kräfte dem Staate, Ich sprach: viel Andre werden schon Darum: zeigst Du mir einen Mann, So lasse ich meine Unstätigkeit, |
Lieder der Klage.
Ein schlimm'res Unglück als der Tod Noth ist das Grab der Poesie, Doch darfst Du darum nicht verzagen, Verscheuch' den Gram durch Liebsgekose, Die Rose auch, die farbenprächt'ge, |
Es hat der Schach mit eigner Hand »Wie klug der Sinn, wie schön das Wort!« Mirza-Schaffy verwundert stand, Stellt man so tief im Farsenland |
| Mirza-Schaffy! liebliche Biene, Lange bist Du umhergeflogen, Hast von Rosen und Jasmine Nektar und süße Düfte gesogen; Höre jetzt auf zu wandern Von einer Blume zur andern – Kehr' mit dem Gefieder Deiner duftigen Lieder, Kehr' mit all Deinem Honigseim Heim, zur Geliebten heim!221 |