Friedrich Bodenstedt: Tausend und Ein Tag im Orient
Verlag: Verlag der Deckerschen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei | Jahr: 1850
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Zwölftes Kapitel.
Hafis.
Die folgende Sitzung im Divan der Weisheit wurde damit ausgefüllt, daß Mirza-Schaffy mir ein paar der lieblichsten Gasels Hafisens erklärte, welche als echte Diamanten aus der Krone des persischen Dichterkönigs, hier ihren Platz finden mögen.
Die Uebersetzung ist möglichst wortgetreu. Kenner der persischen Sprache mögen beurtheilen, ob es mir gelungen ist, auch den Duft und die Frische des Originals wiederzugeben.
Wenn, schöne Maid von Schiras, Du Trinkt Wein und freut Euch dieser Welt! Wie der Tatar auf seinen Raub, Wie wahre Schönheit Nichts gewinnt Sprecht mir von Wein und von Gesang, Wohl fass' ich's, wie Zuléikha kühn Bleib', Mädchen, frei von Zwang und Furcht, Du schmollst mir, Kind? Ich zürne nicht, Als sollten Deine Worte all So schön, Hafis! gelang Dein Lied! |
Der Rose Duft will mir nicht süß Ob Du im schatt'gen Lorbeerhain, Ob die Cypresse mich umschwankt, Doch selbst der Schönsten Gegenwart, Schön ist die Rose, süß der Wein, Was auch die Hand der Kunst erzeugt: Dein eig'nes Leben, o Hafis! |
Willst Du stets im Leben frei von Schmähe nicht den Feind im Unglück – |
So geht es mit dem Glücke, Ein ewig Geh'n und Kommen, Es wandelt Lust in Wehmuth, Niemand bei dem es bliebe, |