Deutsche Balladen. Aus Ferdinand Avenarius' Balladenbuch
MeistgelesenVerlag: Steingrüben Verlag | Jahr: 1951
Wenn Sie das Buch lieber in der Hand halten möchten, können Sie es hier erwerben:
Oder laden Sie das Buch kostenlos als E-Book für Ihren E-Reader herunter:
Wie verwende ich eine EPUB-Datei?EPUB herunterladen
„Deutsche Balladen. Aus Ferdinand Avenarius' Balladenbuch“ als E-Book für Ihren Reader.
Projekt Gutenberg unterstützen
Ihr Download startet.
Projekt Gutenberg lebt davon, dass Literatur frei zugänglich bleibt.
Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie, diese Bibliothek zu erhalten und weiter auszubauen.
Im Buch suchen
Der Fischer
Johann Wolfgang Goethe
Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,
Ein Fischer saß daran,
Sah nach dem Angel ruhevoll,
Kühl bis ans Herz hinan.
Und wie er sitzt und wie er lauscht,
Teilt sich die Flut empor;
Aus dem bewegten Wasser rauscht
Ein feuchtes Weib hervor.
Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm:
»Was lockst du meine Brut
Mit Menschenwitz und Menschenlist
Hinauf in Todesglut?
Ach, wüßtest du, wie's Fischlein ist
So wohlig auf dem Grund,
Du stiegst herunter, wie du bist,
Und würdest erst gesund.
Labt sich die liebe Sonne nicht,
Der Mond sich nicht im Meer?
Kehrt wellenatmend ihr Gesicht
Nicht doppelt schöner her?
Lockt dich der tiefe Himmel nicht,
Das feuchtverklärte Blau?
Lockt dich dein eigen Angesicht
Nicht her in ewgen Tau?«
Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,
Netzt' ihm den nackten Fuß;
Sein Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll,
Wie bei der Liebsten Gruß.
Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm,
Da wars um ihn geschehn:
Halb zog sie ihn, halb sank er hin
Und ward nicht mehr gesehn.