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Deutsche Balladen. Aus Ferdinand Avenarius' Balladenbuch

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von Anthologien

Verlag: Steingrüben Verlag | Jahr: 1951

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Kapitel 125

Edward

Schuld und Sühne

Johann Gottfried Herder

»Dein Schwert, wie ists von Blut so rot?
Edward, Edward!
Dein Schwert, wie ists von Blut so rot,
Und gehst so traurig her? – O!«
»O ich hab geschlagen meinen Geier tot,
Mutter, Mutter!
O ich hab geschlagen meinen Geier tot,
Und keinen hab ich wie er – O!«

»Deins Geiers Blut ist nicht so rot,
Edward, Edward!
Deins Geiers Blut ist nicht so rot,
Mein Sohn, bekenn mir frei – O!«
»O ich hab geschlagen mein Rotroß tot,
Mutter, Mutter!
O ich hab geschlagen mein Rotroß tot,
Und 's war so stolz und treu – O!«

»Dein Roß war alt, und hasts nicht not,
Edward, Edward!
Dein Roß war alt, und hasts nicht not,
Dich drückt ein ander Schmerz – O!«
»O ich hab geschlagen meinen Vater tot,
Mutter, Mutter!
O ich hab geschlagen meinen Vater tot,
Und weh, weh ist mein Herz – O!«

»Und was für Buße willt du nun tun?
Edward, Edward!
Und was für Buße willt du nun tun?
Mein Sohn, bekenn mir mehr – O!«
»Auf Erden soll mein Fuß nicht ruhn,
Mutter, Mutter!
Auf Erden soll mein Fuß nicht ruhn,
Will gehn fern übers Meer – O!«

»Und was soll werden dein Hof und Hall?
Edward, Edward!
Und was soll werden dein Hof und Hall?
So herrlich sonst und schön – O!«
»Ich laß es stehn, bis es sink und fall,
Mutter, Mutter!
Ich laß es stehn, bis es sink und fall,
Mag nie es wieder sehn – O!«

»Und was soll werden dein Weib und Kind?
Edward, Edward!
Und was soll werden dein Weib und Kind,
Wann du gehst über Meer? – O!«
»Die Welt ist groß, laß sie betteln drin,
Mutter, Mutter!
Die Welt ist groß, laß sie betteln drin,
Ich seh sie nimmermehr – O!«

»Und was willt du lassen deiner Mutter teur?
Edward, Edward!
Und was willt du lassen deiner Mutter teur?
Mein Sohn, das sage mir – O!«
»Fluch will ich Euch lassen und höllisch Feur,
Mutter, Mutter!
Fluch will ich Euch lassen und höllisch Feur,
Denn Ihr, Ihr rietets mir! – O!«